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Wie geht es weiter?

geschrieben von: Redaktion am 13.04.2020, 09:07 Uhr
paperpress576 
Ein besonders schönes, im Sinne von gewohntes, Osterfest war es nun wirklich nicht. Jeder hat für sich das Beste daraus gemacht. Die größte Sorge über die Feiertage war sicherlich, ob der Vorrat an Klopapier ausreichen würde. Die zahlreichen Krisen-stäbe suchten über Ostern nicht nach bunten Eiern, sondern nach Lösungen für den Ausstieg. Alles auf Stopp zu stellen, ist relativ einfach, wieder hochzufahren schwieriger und dauert länger, ebenso wie beim heimischen Computer.

Es allen recht zu machen, kann nicht gelingen. Wenn der Senat den Beschäftigten in „seinen“ Kliniken Anerkennungsprämien zahlt, beschweren sich die aus den privaten, warum ihre Arbeit nicht genauso wertgeschätzt wird. Öffnet man jetzt Buchläden, fragen diejenigen, die Radios und Waschmaschinen verkaufen, warum sie geschlossen bleiben sollen. Es kann nicht gelingen, einen Weg zu finden, der alle glücklich macht. Aber irgendwann muss und wird es wieder so sein wie vor der Corona-Pandemie. Dass dies noch in diesem Jahr geschehen wird, dürfte eine sehr optimistische Annahme sein. Bevor es keinen Impfstoff gibt, kann man kaum Zehntausende von Menschen in ein Stadion lassen, um sich ein Fußballspiel oder Konzert anzuschauen.

Für den Epidemiologen Alexander Kekulé, der jeden Morgen um zehn Minuten vor sechs im Info-Radio seine Einschätzung zur Lage vorträgt, scheint hingegen die Sache klar zu sein. „Wir können nicht auf eine Impfstoff warten und für weitere sechs bis zwölf Monate im Lockdown-Modus leben. Wenn wir das tun würden, würde unsere Gesellschaft und unsere Kultur zerstört“, sagte er im britischen „The Telegraph“. „Wir müssen die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Lockdown mehr Schaden anrichtet als das Virus.“

Spätestens am Mittwoch werden wir mehr wissen. Dann will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten auf eine, möglichst einheitliche Linie verständigen. Der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, der sich als Krisenmanager profilieren möchte, nicht ganz ohne den Blick auf den CDU-Vorsitz und die Kanzlerschaft zu verlieren, und Bayerns starker Mann Markus Söder, dessen CSU nach der aktuellen Umfrage wieder allein im Freistaat regieren könnte, werden jedoch ihr Wasser nicht halten können und schon vor dem Gespräch mit der Bundeskanzlerin und den anderen Länderkollegen dicke Pflöcke ins Virus schlagen. Laschet fordert einen „Fahrplan in die Normalität“. Wer nicht? Die Forderung nach einheitlichen Lösungen für das ganze Land ist sicherlich wünschens-wert, lässt aber unberücksichtigt, dass die Situation in den Stadt-staaten Berlin, Hamburg und Bremen eine andere ist als in den Flächenländern Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Natürlich ist die Wirtschaft die Basis für den Wohlstand, den wir alle so sehr mögen. Wirtschaft funktioniert aber nur, wenn es genügend kluge Köpfe gibt, die sie am Laufen hält. Wir müssen uns also vor allem Sorgen um die klugen Köpfe in unserer Gesellschaft machen.

Und schon sind wir beim Thema Schule.

Eine wichtige Erkenntnis haben viele Eltern in diesen Zeiten gewonnen, dass nämlich Lehrerinnen und Lehrer einen wirklich guten Job machen. Kaum ein Elternteil kann im Home-Schooling das leisten, was Lehreinnen und Lehrer in der Schule vermitteln. Der Computer oder nach Hause gebrachte Lernmappen können den Live-Unterricht in einer Schule nicht ersetzen. Umfragen zeigen Erstaunliches, nämlich dass viele Jugendliche ihre Lehrkräfte vermissen, vor allem aber ihre Freude. Das Vermissen der Freunde beginnt schon in der Kindertagesstätte, in der sich die Jüngsten sehr wohl fühlen. Allein nur mit den Eltern Zusammensein zu müssen, ist auf Dauer für keinen ideal. Ausgenommen natürlich in Bayern, wo die Herdprämie die Kinder von der Entwicklung in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen abschneidet.

Der Landeselternausschuss Schule hat sich zu den Themen Prüfungen, Fernunterricht und Wieder-eröffnung der Schulen umfangreiche Gedanken ge-macht. Wir halten diese Überlegungen für so interessant, dass wir sie nachfolgend in voller Länge dokumentieren werden.

„Zur Klarstellung“ schickt der Vorsitzende des Landeselternausschusses Schule, Norman Heise, vo-raus, „dass wir in der aktuellen Krise eine sehr gu-ten Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsbildungsverwaltung haben. Die in der Positionierung zum ‚Schulbetrieb ab dem 20. April‘ vorgetragenen Punkte sind durch uns in den wöchentlichen Telefon-konferenzen vorgetragen und durch die SenBJF in ihre Arbeit aufgenommen worden.“

Prüfungen zum Abitur

Wir halten eine bundesweit einheitliche Lösung zum Abitur für zwingend notwendig. Einzellösungen zum Nachteil der Berliner Schüler*innen in Bezug auf die Immatrikulation in anderen Bundesländern darf es nicht geben. Wir teilen die vielfach geäußerten Sorgen der Schüler*innen und Eltern, ob die Prüfungen unter den gesetzten Rahmenbedingungen ohne Nachteile durch die aktuelle Pandemie-Situation regulär stattfinden können.

Die Kultusministerkonferenz muss deshalb am 14. April die deutschlandweit geltende Durchführung der Abiturprüfungen erklären, andernfalls deren Absetzung und eine ersatzweise Anerkennung des Abiturs mittels Notendurchschnitts beschließen.

Falls die KMK an der Durchführung der Prüfungen festhält, fordern wir:

• Es muss eine Gefährdungsbeurteilung und Machbarkeitsanalyse aus Sicht des Infektionsschutzes geben, aus der hervorgeht, dass die von Bundesland zu Bundesland teils unterschiedlichen Regelungen zur Vermeidung von Ansteckungen sicher sind und an allen Schulen umgesetzt werden können.

• Die Regelungen für Schüler*innen, die selbst zur Risikogruppen gehören und für die Einzellösungen ermöglicht werden, müssen auf die Schüler*innen ausgeweitet werden, deren Familienangehörige ebenfalls zu Risikogruppen gezählt werden. Außerdem muss es diesen zu Prüfenden freigestellt sein, ob sie an den Prüfungen teilnehmen oder ob das Abitur aufgrund der Jahrgangsnoten ermittelt wird.

• Die Teilnahme am Hauptprüfungstermin soll flexibel gehandhabt werden. Den Schüler*innen ist freizustellen, ob sie an diesem oder dem ersten Nachschreibetermin teil-nehmen wollen.

• Im Falle eines Anerkennungs- bzw. Durchschnittsabiturs ist Schüler*innen trotzdem die Gelegenheit zum Ablegen von Prüfungen zu geben. Wir haben hierbei die Schüler*innen im Blick, deren Jahrgangsnoten nicht die besten sind, die für sich selbst aber einen besseren Abschluss mittels Prüfung erwarten.

• Die Prüfungsergebnisse könnten unter den Rahmenbedingungen der Vorbereitung und der persönlichen Belastung in Zusammen-hang mit den Verordnungen zur Eindämmung des Coronaviruses schlechter ausfallen als in den Vorjahren. Sollte das eintreffen, braucht es Regelungen, wie damit um-gegangen wird, denn einvernehmlich heißt es aus der KMK, dass den Schüler*innen aus der Situation kein Nachteil entstehen darf.

MSA-Prüfungen

Die MSA(Mittlerer Schulabschluss)-Prüfungen sollen für dieses Schuljahr nur für die Schüler*innen abgehalten werden, die nach der 10. Klasse die Schule abschließen bzw. nicht in die Oberstufe versetzt werden. Hierbei sollen die gleichen Grundsätze gelten (Risikogruppen, ausreichende Vorbereitungszeit) wie bei den Abiturient*innen. Für die Schüler*innen, die in die Oberstufe versetzt werden, soll für das Schuljahr 2019/2020 die Versetzung ausreichen, um den MSA zu erteilen.

Schulbetrieb ab dem 20. April

Der LEA Berlin geht davon aus, dass die Schulen nur schrittweise und nach Jahrgängen gestaffelt wieder zum Normalbetrieb übergehen können. Schichtbe-trieb und Fernunterricht werden den Schulalltag aus Infektionsschutzgründen zwangsweise noch länger begleiten. Daher ergeben sich aus unserer Sicht folgende Notwendigkeiten:

1. Mindeststandards für Fernunterricht

Durch die Auswertung vorhandener Best-Practice-Beispiele vor den unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Lehrkräfte und Schüler*innen, ist ein Mindeststandard durch die Senatsbildungsverwaltung zu definieren, auf welche Art und Weise der Fernunterricht erfolgen soll. Zum einen ist es not-wendig, dass die Lehrkräfte sich untereinander bzgl. des Umfangs der Aufgabenverteilung abstimmen und zum anderen, dass die Schüler*innen ausreichende und zeitnahe Rückmeldungen zu den gelösten Aufgaben erhalten. Die Fächer Kunst, Musik und Sport gehen beispielsweise momentan unter; es werden oftmals überhaupt keine Aufgaben erteilt.

2. Konzepte für die verlorene Unterrichtszeit und Wiedereröffnung der Schulen

Wir erwarten von der Senatsbildungsverwaltung Konzepte, wie die verlorene Unterrichtszeit für die unterschiedlichen Jahrgänge nachgeholt wird und wie der Unterrichtsbetrieb an den Schulen wieder hochgefahren werden soll. Hierzu ist u.a. die Berliner Expert*innen-Kommission rund um Prof. Dr. Olaf Köller zu befragen und die Empfehlungen der Verbände sollen berücksichtigt werden.

Wie allseits bekannt, kämpften die Berliner Schulen auch schon vor der Corona-Krise mit erheblichen Problemen, den Unterrichtsstoff der Hauptfächer wie Mathematik nachhaltig und erfolgreich zu vermitteln. Was nicht vermittelt und gelehrt werden kann, hinterlässt nur noch schwer zu schließende Bildungslücken, spätestens beim Übergang auf die Sekundarstufen. Von daher sehen wir es als unbedingt notwendig an – sobald die Pandemie-Situation beherrscht wird – dass

• mit Blick auf den Rahmenlehrplan und schul-interne Curricula zu prüfen ist, welche Inhalte weitestgehend schadlos weggelassen werden können,

• Lernstandserhebungen für die Schüler*innen durchzuführen sind, um eventuell Verpasstes und noch nicht Vermitteltes in Form von verbindlichen Sommerschulen in den großen Ferien aufzuholen ist,

• in den ersten zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Lehrbetriebs keine Klassenarbeiten, Klausuren oder andere schriftliche Leistungstests durchgeführt werden,

• besonderes Augenmerk auf die Schüler*innen zu legen ist, die im kommenden Schuljahr ihr Abitur oder ihren MSA ablegen werden. Hier ist es fraglich, ob der zu lernende Stoff in der Zeit aufgeholt werden kann, denn insbesondere in den Leistungs-kursen fehlt nun bereits ein ganzer Block!

3. Kommunikation / Zusammenarbeit Eltern und Schule

Zahlreiche E-Mails an uns berichten von Überlastung, Druck und anderen schwierigen Situationen durch die Bearbeitung von Aufgaben zu Hause. Wir schließen uns hier vielen Meinungsäußerungen von Expert*innen der letzten Wochen an, dass Eltern keine „Ersatzlehrkräfte“ sind. Empfohlen wird, dass
Eltern, Erziehungs- und Sorgeberechtigte die Aufgaben auch einfach liegen lassen können, wenn es zu Konflikten kommt. Den Lehrkräften sollte eine Rückmeldung gegeben werden, wenn es zu viele Aufgaben sind. Nur so können die Lehrkräfte ein-schätzen, was gebraucht wird. Die Senatsbildungs-verwaltung muss eine verlässliche Kommunikation zwischen Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern regeln. Alle Lehrkräfte müssen während der sonst üblichen Arbeits- bzw. Schulzeit, bestenfalls von 8 Uhr bis 16 Uhr, für die Schüler*innen erreichbar sein. Kein*e Berliner Schüler*in darf dadurch benachteiligt werden, dass Lehrer*innen die direkte Kommunikation verweigern. Wer seine Telefon-nummer nicht herausgeben möchte, möge sich bitte ersatzweise eine Prepaid-Karte zulegen. Lehrkräften, die sich der Kommunikation grundsätzlich verweigern, mögen die Schulleitungen bitte einen Arbeitsplatz an der Schule zuweisen. Zusätzlich sollten die Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen von sich aus täglich mit ihren Schüler*innen den Kontakt suchen (per E-Mail, Messenger-Dienste), um sie bei der Bearbeitung ihrer Arbeitsaufträge zu unterstützen. Sollte es Probleme in der Erreichbarkeit geben, soll von der Senatsbildungsverwaltung eine Hotline eingerichtet werden, an die sich die Eltern wenden können.

4. Benotung/Leistungsbewertungen

Zu Hause erbrachte Leistungen dürfen nur bewertet werden, wenn sie zu einer Leistungsverbesserung führen. Es wird vielfach erwartet, dass die Schüler*innen trotz der unterschiedlichen Bedingungen zu Hause die gleichen Aufgaben erbringen, zur gleichen Zeit abgeben sollen und die gleichen Bewertungsmaßstäbe dafür angesetzt werden. Das darf nicht sein!

5. Notbetreuung

Die Notbetreuung muss weiter organisiert werden. Die Senatsbildungsverwaltung wird aufgefordert zu prüfen, ob alle für den Schulbetrieb notwendigen pädagogischen und nicht-pädagogischen Fachkräfte in den Regelungen für die Notbetreuung bei der Zwei- und Ein-Eltern-Regelung berücksichtigt sind. Gleiches gilt für die notwendigen Fachkräfte bei Trägern im Kinderschutzbereich bei Wohngruppen.

Bildungsgerechtigkeit

Die soziale Schere ist durch die Zäsur der derzeitigen Pandemie weiter verschärft worden. Tausende von Schüler*innen verfügen über keinen Internet-Zugang, keine/zu wenig digitale Endgeräte und sind so von der Kommunikation abgeschnitten. Aus die-sem Grund braucht es dringend Lösungen z.B. über die Öffnung des Bildungs- und Teilhabepaketes, um Geräte mit Tastatur anzuschaffen oder der Aufbau eines Pools mit Leihgeräten. Einzelne Bezirke, beispielsweise Neukölln, haben bereits zur Spende von Geräten aufgerufen, damit bedürftige Schüler*innen versorgen werden können. In diesem Punkt erwartet der LEA Berlin die schnelle, konstruktive und unbürokratische Unterstützung durch die Senatsbildungsverwaltung.

Ausblick

Die Corona-Pandemie ist auch eine Chance, die Bildung in Berlin einen großen Schritt voranzubringen. Der Rückstand in der Umsetzung der digitalen Bildung ist durch diesen „Sprung ins kalte Wasser des Fernunterrichts“ mehr als deutlich geworden. In dieser Krise sin die Kommunikationswege breiter und vielfältiger geworden. Die digitale Bildung und somit auch der „Lernraum Berlin“ haben einen deutlichen Schub nach vorn erhalten. Die Vorteile von außerschulischem, selbständigem und selbstbestimmtem Lernen konnten, dank kreativer und engagierter Pädagog*innen, von den Schüler*innen entdeckt und ausprobiert werden. Diesen Weg gilt es auch in Zukunft auf- und auszubauen.

Zusammenstellung und einleitende Kommentierung: Ed Koch

  
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