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Frau "Doktor"

geschrieben von: Redaktion am 08.08.2020, 06:28 Uhr
paperpress580 
Es muss doch zu schön sein, mit Frau oder Herr Doktor angesprochen zu werden. Bei Medizinern oder Wissenschaftlern mag ein Doktortitel Sinn machen, aber alle anderen können auch gute Menschen ohne dieses Kürzel sein. Ich hatte jahrelang eine Ärztin ohne Dr., bin inzwischen steinalt und gesund. Das hätte ein Dr. am Klingelschild auch nicht besser hinbekommen.

Wir haben inzwischen viele Erfahrungen mit Politikern gemacht, bei denen sich Probleme mit ihrer Dissertation nachträglich herausstellten. Im Google-Zeitalter findet man alle Textparallelen. Unabhängig davon ist sicherlich auf dieser Welt schon alles aufgeschrieben worden, was es wert ist auf-geschrieben zu werden.

In allen bisherigen Fällen, in denen es Probleme mit der Zitier- oder Abschreibekunst bei Dissertationen gab, haben die Personen das Dr. auf der Visitenkarte verloren. Mehr noch, auch ihren Job. Ob es angemessen war, jemand, der als Bundesministerin zurücktrat, dann zur Botschafterin am „Heiligen Stuhl“ zu küren, müssen anderen für gut halten. Mir ist aus Berlin nur ein Fall bekannt, wo ein Politiker sofort auf den Doktortitel verzichtete, als Kritik an der Dissertation laut wurde. So macht man das. Das Problem im Frühstadion abräumen. Kein Mensch spricht heute mehr darüber.

Kurz bevor die neue Gallionsfigur der Berliner SPD, Franziska Giffey, zum ersten Teil der Krönungsmesse am 31. Oktober geführt wird, um Parteivorsitzende, und zum zweiten Akt, um am 19. Dezember Spitzenkandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin zu werden, müssen wir uns erneut mit der Dissertation der Bundesfamilienministerin beschäftigen.

Am Freitag hat der Wissenschaftliche Parlamentsdienst des Berliner Abgeordnetenhauses ein Gut-achten auf den Tisch gelegt, dessen Kernaussage lautet: „Eine Rüge, wie sie die Freie Universität der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wegen Mängeln an ihrer Dissertation aus dem Jahr 2010 erteilte, ist im Berliner Hochschulgesetz nicht vorgesehen.“, heißt es im Tagesspiegel. Das Gutachten hatte die AfD in Auftrag gegeben, die schon mit einer Schriftlichen Nachfrage über die Aufsichtsratsbezüge von Senatsmitgliedern Katrin Lompscher zu Fall brachte.

Es ist völlig egal, ob Giffey „die Standards wissenschaftlichen Arbeitens ‚nicht durchgängig beachtet‘“ habe. Es ist auch unerheblich, ob das Gutachten kein inhaltliches Urteil über „Giffeys Arbeit und ihre wissenschaftliche Qualität“ fällt. (Zitate Tagesspiegel) Fakt ist doch offenbar, dass es Beanstandungen gibt. Ob die nun ausreichen, um den Doktortitel abzuerkennen, ist ebenso nicht von Belang. Wichtig ist allein, wie dieser Vorgang in der Öffentlichkeit aussieht. Den richtigen Zeitpunkt, auf den Titel von sich heraus zu verzichten, hat Giffey schon verstreichen lassen, noch wäre aber Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Dass sich die CDU positioniert, die einige Dr.-Titel-Verluste zu beklagen hat, ist verständlich. So erklärte Stefan Evers, Generalsekretär der CDU Berlin, gleich am Freitag um 13:42 Uhr: „Wir haben es immer gesagt, jetzt ist es amtlich: Die Rüge für das Doktor-Plagiat von Frau (Dr.) Giffey war eine rechtswidrige Sonderbehandlung. So sieht es jetzt der Wissenschaftliche Dienst des Parlaments und schon lange die breite Mehrheit der Wissenschaft. Es war eine ‚Lex Giffey‘ und nichts anderes. Es muss aufgeklärt werden, warum die SPD-Ministerin bevorzugt wurde und ob politischer Druck auf die Universität ausgeübt wurde. Auf jeden Fall muss das Verfahren neu aufgerollt wer-den. Gleiches Recht für alle sollte auch im Interesse von Franziska Giffey sein!“

Tja, so ist das in der Politik. Die Berliner SPD hat eine Vorsitzende mit sauberer Weste verdient, erst recht haben die Berliner Anspruch auf eine Bürgermeisterkandidatin ohne den geringsten Anschein eines Fehlverhaltens. Um das zu erreichen, sind gleich mehrere Waschgänge nötig.

Ed Koch

  
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