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Ausgetrickst - Damit hat die Hauptstadtpresse nicht gerechnet

geschrieben von: Redaktion am 10.08.2020, 15:33 Uhr
paperpress580 
Wer heute früh auf den EUREF-Campus in Schöneberg kam, sah gleich am Eingang ein Hinweisschild auf eine SPD-Veranstaltung im Gasometer. Irgendetwas mit Zukunft. Kurz nach 12 Uhr wurde der Titel überklebt. Jetzt stand dort Pressekonferenz. Inzwischen hatten die Medien gemeldet, dass die SPD nun doch heute schon ihren Kanzlerkandidaten präsentieren möchte. Und wer in das Programm von Phoenix schaute, erfuhr, dass um 14 Uhr live die Pressekonferenz mit den SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sowie mit dem frisch gebackenen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz übertragen wird.

Pünktlich auf die Minute betraten die drei das Podium. Es folgte ein Vortrag mit verteilten Sprecher/innen-Rollen über all das, was die SPD dem Land Gutes getan hat, vor allem auch in der Corona-Krise. Olaf Scholz schaute dann und wann nach links und rechts auf die Manuskripte von Saskia und NoWaBo, als wolle er prüfen, ob bald alles vorgelesen worden ist.

Dann ergriff Olaf Scholz das Wort, sprach frei, las nicht ab, und erzählte auch noch einmal sehr ein-dringlich, wie wichtig die SPD für unser Land sei. Das erste Mal seit Gründung der Bundesrepublik vor jetzt 71 Jahren findet eine Kanzlerwahl ohne amtierenden Kanzler, im aktuellen Fall, Kanzlerin statt. Darin sieht Scholz einen Vorteil, womit er durchaus rechte haben kann. Schaut man sich die möglichen Kanzlerkandidaten der CDU an, so sind die Chancen für Scholz tatsächlich nicht schlecht. Nun gut, die derzeitigen Umfragen geben das noch nicht her. Man muss in der Politik aber schließlich Ziele verfolgen, auch sehr ambitionierte. In einem Jahr kann sich viel ändern. So richtig klare Aussagen gab es aber weder zu einer Fortsetzung der Koalition aus Union und SPD noch zur Frage des Umgangs mit der Linken. Und was ist mit den Grünen? Das hat alles Zeit.

Aber, so Scholz, der Wahlkampf beginnt nicht heute. Man habe lediglich, früher als alle anderen, den Spitzenkandidaten auf die Startrampe gestellt. Genüsslich kann die SPD nun die anderen beobachten, wie sie ihre Nummern Eins finden. Natürlich wird ein Parteitag die Krönung von Scholz noch vornehmen, aber alles reine Formsache. Die wirklich wichtigen Entscheidungen trafen, treffen und werden auch in Zukunft nur wenige an der Spitze treffen.

Die Entscheidung für Scholz soll einstimmig erfolgt sein. Das heißt, dass auch Kevin Kühnert als stell-vertretender Bundesvorsitzenden für Scholz seine Hand gehoben hat. Eine richtige Antwort auf die Bemerkung eines Journalisten, dass Scholz zwar nicht Vorsitzender, dafür aber Kanzlerkandidat wer-den durfte, gab es nicht. Motto: Wir haben uns alle jetzt so richtig liebt. Ja, es wäre vom Etikett her schöner, wenn Scholz Vorsitzender und Kanzlerkandidat wäre, aber was solls? Hauptsache ist, dass er im Wahlkampf das Wort führt und weniger das Vor-sitzenden-Duo mit Reden auf zwei verteilten Manuskriptseiten.

Scholz-Gegner Kevin Kühnert, das muss man fest-halten, ist auf voller Linie gescheitert. Wenn er nicht wegen des angestrebten Bundestagsmandats ohne-hin seinen Posten als Juso-Chef aufgeben würde, wäre sein Rücktritt heute fällig geworden.

Die Freude von Olaf Scholz war riesengroß, weil es gelungen ist, die Medien auszutricksen. Noch gestern im Sommerinterview des ARD „Berichts aus Berlin“ ließ sich Saskia Esken auf keinen Termin für die Bekanntgabe des Kanzlerkandidaten festlegen. Jetzt wissen wir auch, warum sie dabei so schelmisch griente, wusste sie doch, dass zwanzig Stunden später die kleine rote Bombe platzen würde. So etwas nehmen die Medien bekanntlich übel.

Die Zukunft von Michael Müller steht heute nur auf dem zweiten Platz der Top-Meldungen. „Exklusiv“ haben die Angeber vom Tagesspiegel das gemeldet, was ohnehin schon jeder Insider wusste. Nämlich, dass Michael Müller für den Bundestags kandidieren werde. Beworben hat er sich in Charlottenburg-Wilmersdorf, auch das war bekannt. Die politischen Personalentscheidungen von heute passen ja richtig gut zum Wetter, heißer geht’s nicht.

Die SPD wollte ohnehin heute über das Thema Zukunft sprechen. Nicht im Willy-Brandt-Haus, sondern in Berlins Zukunftswerkstatt, dem EUREF-Campus. Was für ein Zeichen!

Ed Koch

  
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