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Behind the Headlines

geschrieben von: Redaktion am 14.08.2020, 01:20 Uhr
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Überschriften und Schlagzeilen halten häufig nicht das, was sie versprechen. Da lesen wir am 12. August in der Morgenpost: „Basis nominiert Sawsan Chebli“ für den Bundestag. Die „KuDamm“-SPD-Abteilung hat etwa 160 Mitglieder, knapp 2.500 der Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf. An der Abteilungsversammlung haben rund zehn Mitglieder teilgenommen, darunter auch Jakob Augstein, der Herausgeber der Zeitschrift „Freitag“. Die Nominierung erfolgte offenbar einstimmig. Es haben also 0,4 Prozent der Basis Chebli nominiert. Das kann man natürlich in einer Überschrift nicht unterbringen.


Einen Tag später, als Michael Müller erwartungs-gemäß seine Kandidatur für den Bundestagswahl-kreis Charlottenburg-Wilmersdorf dem Kreisvorstand offiziell mitteilte, erklärte auch Chebli ihre Kandidatur. Danach erklärte sie: „Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe und in einer Partei aktiv sein darf, wo nicht Anspruchshaltung, sondern Engagement und Überzeugungen den Ausschlag geben.“ Quelle: rbb24

Der Tagesspiegel schreibt: „Allerdings ist es so, dass viele Parteimitglieder verärgert und genervt sind wegen der Anspruchshaltung der Diplom-Politologin, die fest davon überzeugt sei, dass die Partei mit Blick auf ein Bundestagsmandat ‚etwas für sie tun müsse.‘“ Ebenso wie Kevin Kühnert leitet auch Sawsan Chebli wegen ihres Bekanntheitsgrades und der „Verdienste“ um die Partei einen Anspruch auf ein Bundestagsmandat ab. Es geht ausschließlich um Anspruchshaltung, um nichts anderes.

Nun kann in diesem Land kandidieren wer will. Frau Chebli wird aber klar sein, welches Signal sie mit ihrer Kandidatur gegen ihren Chef in die Öffentlichkeit sendet. Das ist ein Festessen für die Journalisten in der Stadt, die ohnehin seit Jahren Michael Müller schlecht schreiben. Voraussichtlich im Oktober oder November werden die Kreisdelegierten der SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf entscheiden, wer für den Bundestag in ihrem Wahlkreis antreten darf.

Es ist für die SPD durchaus möglich, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Bei den Wahlen 1998, 2002, 2005 und 2009 lag die SPD vorn. Erst 2013 gewann die CDU den Wahlkreis, ebenso 2017 mit 30,2 zu 27,6 Prozent zur SPD.

Michael Müller hätte einige Male Grund genug gehabt, die Twitter-Queen Chebli rauszuwerfen. Das ist aber nicht der Stil von Müller. Was auch immer die Staatssekretärin ungefragt in die Welt zwitscherte, Müller hielt zu ihr, wenn auch oft mit Bauch-schmerzen. Für seine loyal Haltung erhält er jetzt die weniger loyale Quittung. Der Wahlkampf zwischen Müller und Chebli wird in den nächsten Wo-chen die Berliner Medien beschäftigen. Das weiß Frau Chebli, sie nimmt es billigend in Kauf und schadet damit der SPD. Es ist nicht das Grundverständnis der SPD, mit Genossen, die sich durch jahrzehntelange Arbeit hervorgetan haben, würde-voll zu behandeln. Wer wie ich seit über fünf Jahrzehnten die SPD in Berlin von innen und außen betrachtet hat, weiß, dass dies nie anders war. Das größte Problem der SPD war immer der innerparteiliche Kampf um Posten, der verbissener geführt wurde und wird, als die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner.

Zwar steht die Berliner SPD nicht schlechter da als die Bundespartei, in Hamburg kann man aber beispielsweise ablesen, zu welchen Ergebnissen es führen kann, wenn man zusammensteht. Dass trotz solider und erfolgreicher Arbeit Michael Müller als unbeliebt in der Bevölkerung wahrgenommen wird, liegt vor allem auch an dem Quertreiber Raed Saleh, der kaum eine Gelegenheit auslässt, über Müller „unter Drei“ den Medien gegenüber schlecht zu reden. Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister, Peter Strieder als Parteivorsitzender und Michael Müller als Fraktionsvorsitzender ha-ben gezeigt, wie gut Politik funktionieren kann, wenn man vertrauensvoll zusammenarbeitet. Und noch ein Wort zum Thema „unbeliebt“. Ich habe Michael Müller sehr viele Male in den letzten Jah-ren bei öffentlichen Terminen begleitet. Überall wo er hinkam, wurde er freundlich von den Menschen begrüßt, einschließlich Selfie machen und Autogramme geben. Das ganze Gegenteil von unbeliebt.

Es vergeht kein Tag, an dem die Medien nicht über die äußerst beliebte künftige Parteivorsitzende und Spitzenkandidatin Franziska Giffey berichten, sie wird hochgejubelt, obwohl der Fall ihrer fragwürdigen Doktorarbeit noch längst nicht abgeschlossen ist. Es gibt Überschriften, die nicht das halten, was sie versprechen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) macht am 12. August eine Ausnahme. Dort heißt es: „Chronik eines fortgesetzten Versagens.“ Es geht um die Doktorarbeit von Frau Giffey. Wir ersparen uns an dieser Stelle Zitate aus dem Artikel, er ist im Internet frei verfügbar. Bitte den Titel Googlen.

In der FAZ finden wir eine weitere interessante Überschrift: „Guttenberg darf sich wieder Doktor nennen.“ 2011 trat Karl-Theodor zu Guttenberg wegen Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit als Verteidigungsminister zurück. Seinen Doktortitel verlor er. Diese Schmach wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Er promovierte erneut und darf jetzt wieder das Dr. vor seinen Namen setzen. Bleibt für ihn zu hoffen, dass die Plagiatsspürhunde nicht erneut pfündig werden. Das wäre doch auch ein Modell für Giffey. Jetzt verzichten und später einfach ordentlicher nachholen.

Ed Koch

  
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