Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 11 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Zwerg Allwissend

geschrieben von: Redaktion am 11.12.2020, 16:38 Uhr
paperpress584 
Michael Müller muss schon mit zehn Jahren regelmäßig Radio gehört haben, sonst würde er den Begriff „Zwerg Allwissend“ gar nicht kennen. Von 1954 bis 1974 lud Hans Rosenthal die Hörer von RIAS Berlin zum Quiz „Wer fragt gewinnt“ ein. 316 Mal wurde es in den zwanzig Jahren ausgestrahlt und war damals am Samstag ein Straßenfeger. Als Sprecher für die Ankündigung der Ratebegriffe war der Zwerg Allwissend (gesprochen von Horst Kintscher) tätig.


In seiner viel beachteten Rede am Donnerstag im Abgeordnetenhaus sagte Müller zur Corona-Krise, dass ihm Zwerg Allwissend noch nicht begegnet sei. Er wisse aber, wo er sich befinde, nämlich in den Reihen der AfD, die immer wisse, wie die Pandemie am besten zu bekämpfen sei. Nein, das kann man Horst Kintscher und Hans Rosenthal nicht antun, dass ihre Quizz-Figur in den AfD-Reihen wieder auf-getaucht sein soll.

Es ist nicht nur die AfD, die in diesen Zeiten genau weiß, was zu tun ist. So wie es 83 Millionen Bundestrainer gibt, so verfügt unser Land auch über 83 Millionen Epidemiologen und Virologen. Mal ganz ehrlich, derzeit Politiker in Regierungsverantwortung zu sein, ist doch ein Scheißjob. Ich übe große Nachsicht, weil ich natürlich auch nichts weiß, schon gar nicht besser. Niemand ist Zwerg Allwissend. Zu kaum einer anderer Zeit haben sich Politiker so oft korrigiert wie jetzt. Was heute gilt, ist morgen schon Makulatur. Niemand kann in die Zukunft schauen. Keiner weiß, wann der Impfstoff zur Herdenimmunität führt. Wenn wir uns auf Weihnachten 2021 einrichten, könnten wir vielleicht richtig liegen.

Zwischen Rede im Abgeordnetenhaus und Chanukka-Kerzen am Brandenburger Tor anzünden nahm sich Michael Müller noch Zeit für ein Interview in seiner Lieblings-Talk-Show „Markus Lanz.“ In Anwesenheit von Karl Lauterbach bedrängte Lanz Müller mit der Frage, warum der Shutdown nicht sofort, wenigstens aber am 14. Dezember beginne wie in einigen anderen Bundesländern. Die Antwort auf diese Frage fiel ihm sichtlich schwer. Er wolle erst geklärt wissen, wie der Handel entschädigt werden könne. Auch in den Familien brauche man einen Vorlauf, wenn die Kinder plötzlich wieder zu Hause sind.

Es ist eine Gewissensfrage. Zwischen dem 14. und 20. Dezember liegen sieben Tage. Nach jetzigem Stand muss man in dieser Zeit mit weiteren 4.000 Toten in Deutschland rechnen. Ein sofortiger Shutdown würde diese Zahl vermutlich nicht merkbar senken. Aber, jeder Tote ist einer zu viel. Vom Ge-fühl her würde ich für einen Shutdown ab dem 14. Dezember plädieren, mindestens bis 10. Januar 2021. Sollten die Infektions- und Todeszahlen bis dahin zurückgegangen sein, können schrittweise Lockerungen ins Auge gefasst werden. Es führt kein Weg daran vor, die Zahlen senken zu müssen. Ja, koste es was es wolle. Für diese Pandemie wird zumindest die nachfolgende Generation noch abzahlen müssen. Nicht auszudenken, wenn in ein paar Jahren das nächste Virus beginnt, sein Unwesen zu treiben.

Verschwörungstheorien sind mir eigentlich fremd, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Erde Rache an ihren Bewohnern nehmen will für all das, was sie ihr angetan haben.

Erstaunlich ist, dass die Bürger dennoch überwiegend zuversichtlich sind: „67 Prozent der Deutschen blicken mit Zuversicht auf das kommende Jahr, 31 Prozent sind eher beunruhigt. Der Optimismus steigt mit dem verfügbaren Haushaltsnettoeinkommen und sinkt mit dem Alter. Unabhängig davon, ob alt oder jung, Ost oder West, Frau oder Mann: In allen Bevölkerungsgruppen überwiegt die Zuversicht gegenüber der Skepsis.“, hat Infratest dimap für den ARD Deutschlandtrend ermittelt.

Die Forschungsgruppe Wahlen hat für das ZDF die Bürger gefragt, was sie von den aktuellen Maßnahmen halten: „Obwohl die Corona-Regelungen zuletzt weiter verschärft wurden, gehen diese einer Mehrheit von 49 Prozent nicht weit genug. Sie sprechen sich für härtere Maßnahmen aus. 13 Prozent halten die aktuell geltenden Vorschriften für übertrieben und 35 Prozent finden sie gerade richtig.“ Ganz verkehrt können also die Bemühungen der Politik zur Bekämpfung der Pandemie nicht sein. 74 Prozent sind sogar für eine nächtliche Ausgangssperre und 73 Prozent für einen harten Shutdown. Diese Zahlen müssten doch für die Politik Mandat genug sein.

Keine Sorgen müssen wir uns auch diesmal um die Versorgungslage machen. Niemand muss verhungern, es ist genug da. Die Lebensmittelgeschäfte werden geöffnet bleiben. Und auch den Hintern werden wir uns zwei- bis fünflagig abwischen können.

An der politischen Stimmungslage hat sich nichts verändert. Bei der Sonntagsfrage sieht es wie folgt aus, ARD/ZDF: Union 36/37, SPD 16/16, AfD 9/10, FDP 6/5, Linke 7/8 und Grüne 20/20 Prozent. Bei den wichtigsten Politikern im Land liegt Angela Merkel deutlich vorn auf Platz 1, gefolgt von Jens Spahn, Olaf Scholz und Markus Söder. Robert Habeck auf Platz 7, Armin Laschet 8 und Friedrich Merz 10.

Und Zwerg Allwissend sollte sich aus den Fängen der AfD befreien und zurück ins Rundfunkarchiv gehen.

(Quellen: Wikipedia, ARD, ZDF)

Ed Koch

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.