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100 Jahre Radio

geschrieben von: Redaktion am 22.12.2020, 08:04 Uhr
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In den 1950er Jahren gab es die berühmten Kompaktanlagen bestehend aus einem Schallplattenspieler, Radio und Fernseher. Es gab zwei TV-Programme, die in Berlin empfangen werden konnten: West und Ost. So einfach und schön war damals die Welt. Gesendet wurde morgens ab 10 Uhr für zwei Stunden, dann Pause, nachmittags Bildungsfernsehen, Dokumentationen, am Vorabend einen Krimi, gefolgt von der Abend- und Tagesschau und danach ein Spielfilm. Gegen 22 Uhr war Sendeschluss.


Beim Radio war es anders. Das sendete rund um die Uhr. Und eigentlich war es viel spannender und unterhaltsamer. Hörspiele waren damals der Renner. Das war Kopfkino pur. Das Radio war vergleichbar mit einem Buch, bloß, dass man nicht selbst lesen musste, sondern etwas vorgetragen bekam. Wer kann sich heute noch Krimis im Radio vorstellen? „Es geschah in Berlin!“, hieß es im RIAS und versammelte die Menschen vor dem Gerät.

Günter Neumanns „Insulaner“ war politische Qualitätssatire vom Feinsten. Ratesendungen mit Hans Rosenthal wie „Wer fragt, gewinnt“ oder „Allein gegen alle.“ Das Überangebot an Quiz-Sendungen in den heutigen TV-Programmen ist eher erdrückend als unterhaltsam.

Ebenso verhält es sich mit den Talk-Formaten. „Das zweite Frühstück“ aus dem „Bierpinsel“ in Steglitz, mit John Hendrik gehörte zu den beliebtesten Radio-Gesprächssendungen in Berlin. Musiksendungen sind im Radio nach wie vor am besten aufgehoben, egal ob Schlager oder Klassik. Die „Schlager der Woche“ mit Fred Ignor waren Kult.

Lange Zeit sendeten RIAS und SFB Morgen- und Mittagsmagazine, die spannender waren, als zwei unausgeschlafenen Moderatoren beim Kaffee trinken im Fernsehen zuschauen zu müssen. Die Nachrichten wurden von ausgebildeten Schauspielern gesprochen. Was für ein Hörgenuss im Gegensatz zu dem, was man teilweise heute geboten bekommt.

Auch für die jüngsten Zuhörer bot das Radio einiges. Heute sitzen die Kinder vor dem Fernseher und schauen sich das Programm von KiKa an. Damals schalteten sie am Sonntagsvormittag den RIAS ein und hörten die Geschichten vom Onkel Tobias. Der Schauspieler Fritz Genschow spielte den „Onkel Tobias“. Genschow zog auch mit seinem Märchentheater durch die Stadt. Foto: youtube.com

Unvergessen auch die „Stimme der Kritik“ von und mit Friedrich Luft, jeden Sonntag um 11:45 Uhr im RIAS. In Theaterkreisen hieß es damals, „Was Luft lobt, läuft!“

Zu einer der beliebtesten Unterhaltungssendung gehörte in den 1980er und 1990er Jahren Henning Hamanns „Volldampfradio“, das zuerst bei 100,6, dann im RIAS und letztlich auf der Ostseewelle aus Rostock zu hören war. Die Promis gaben sich bei Hamann die Klinke in die Hand.

In den 1960er und 1970er Jahren sendeten der SFB und der RIAS ihre Jugendfunkprogramme „s-f-beat“ und „RIAS Treffpunkt“ mit Uli Herzog, Hans-Rainer Lange und Hans-Dieter Frankenberg aus dem Haus des Rundfunks an der Masurenallee und aus dem Funkhaus an der Kufsteiner Straße in Schöneberg mit dem Team RIAS-Treffpunkt Nero Brandenburg, Gregor Rottschalk, Kai Bloemer, Richard Kitschigin, Hans-Günter Goldbeck Loewe und Detlef E. Otto. Gemäß seinem Selbstverständnis richtete sich der RIAS-Treffpunkt vor allem auch an die Hörer in Ost-Berlin und der DDR. Musikwünsche landeten auf verschlungenen Wegen im Funkhaus an der Kufsteiner Straße. Es gab Deckadressen in West-Berlin, an die man seine Musikwünsche und Grüße schicken konnte. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen.

Das waren Sendeformate, die heute nicht mehr möglich sind, aber ehrlich gesagt fehlen. Die erste Handbewegung nach dem Wachwerden ist nach wie vor bei mir das Einschalten des Radiogeräts. Eine halbe Stunde InfoRadio und der Tag kann beginnen. Unerträglich wären für mich diese banalen, kreischenden Morning-Shows, wo sich irgendwelche Clowns im verbalen komisch sein zu übertreffen versuchen. Schon lange hat sich mein Bedürfnis nach Schlagerkonsum stark reduziert. Tagsüber läuft „Klassik Radio“, den einzigen Privatsender, den ich an mein Ohr lasse.

Im öffentlich-rechtlichen Radio gibt es zum Glück immer noch Formate, für die man kein Fernsehen braucht. 11:22 im InfoRadio ist so ein Format. Ein knapp 40-minütiges Gespräch mit interessanten Menschen. Auch das Forum im InfoRadio erfüllt alle Ansprüche, die ich an eine Diskussion stelle. Dazu muss ich die Leute nicht auch noch sehen.

Ein ganz wichtiger Bestandteil der Radio-Programme war und sind die Live-Reportagen. Der Stellenwert ist heute leider nicht mehr so groß wie damals, weil jeder Dödel mit seinem Handy sofort irgendetwas ins Netz stellt, was er für wichtig hält. Eine seriöse Zuordnung können aber nur gute Journalisten vornehmen.

Ein gutes Beispiel für Live-Reportagen ist heute die Bundesligakonferenz am Samstagnachmittag. Für Fußball interessiere ich mich zwar nicht die Bohne, höre mir aber trotzdem gern die Live-Reportagen an, allein wegen des Hörvergnügens.

Wenn wir über Live-Reportagen im Radio sprechen, dürfen wir in Berlin nicht vergessen, zwei Namen zu erwähnen: Alfred Braun und Jürgen Graf. Noch vor der Machtübernahme der Nazis wurde Braun bekannt durch seine Live-Reportage von der Trauerfeier für Reichsaußenminister Gustav Stresemann (6. Oktober 1929). Alfred Braun wurde 1954 der erste Intendant des Sender Freies Berlin. Jürgen Graf war Mann der ersten Stunde beim RIAS, als er noch DIAS (Drahtfunk im amerikanischen Sektor) hieß. Graf war überall dabei, bekam jeden vor sein Mikrophon. Vor allem bekannt wurde er aber durch seine mehrstündigen Live-Reportagen über den Bau der Berliner Mauer 1961 und den Berlin-Besuch des US-Präsidenten John F. Kennedy 1963; letztere war die erste Live-Rundfunkreportage aus einem fahrenden Pkw. Während das Fernsehen nur von einigen Stationen berichtete, war Graf durchgängig live dabei.

Lange Zeit bestand der Vorteil des Hörfunks gegen-über dem Fernsehen darin, dass man ein kleines Radio überall mit hinnehmen konnte. Das kann man auch heute noch mit seinem Handy, aber eben auch alle bildlichen Darstellungen. Nicht jede Technik, die möglich ist, ist auch notwendig.

Vor 100 Jahren ging es los

Heute nun, vor 100 Jahren, am 22. Dezember 1920, fand in Deutschland die erste Rundfunkübertragung eines Weihnachtskonzerts durch den Sender Königs Wusterhausen der Reichspost statt. Postbeamte spielten auf mitgebrachten Instrumenten, sangen Lieder und trugen Gedichte vor. Der Funkerberg gilt daher als die Geburtsstätte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland. Bis zum Aufkommen des Fernsehens war der Ausdruck „Rundfunk“ identisch mit Hörfunk (zeitweilig auch „Hör-Rundfunk“ bzw. „Ton-Rundfunk“ genannt). (wikipedia)

Wer hats erfunden? Der drahtlose Rundfunk basiert auf der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz im Jahre 1886. Die technischen Grundlagen des Rundfunks wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert von Nikola Tesla erfunden und patentiert. Allerdings vernichtete 1895 ein Feuer seine fertige Anlage. 1943 entschied das Oberste Patentgericht der USA für die USA, dass Tesla der Erfinder des Radios sei. Heute verbinden wir mit dem Namen Tesla Elektrofahrzeuge und Raketen.

Den Erfolg nehmen aber gern auch andere Väter für sich in Anspruch, denn schon am 7. Mai 1895 präsentierte Alexander Popow erstmals diese Technologie in der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Am 24. März 1896 übermittelte seine Versuchsanordnung die Wörter „Heinrich Hertz“ an eine 250 Meter entfernte Empfangsstation. Für diese Pionierleistung wurde Popow auf dem Pariser Elektrotechnischen Kongress im Jahr 1900 geehrt. Den-noch geriet sein Werk in der Öffentlichkeit angesichts einiger weiterer Erfolge, insbesondere von kommerziellen Leistungen in Vergessenheit. Später trug auch der Ost-West-Konflikt durch gezieltes Ignorieren in der westlichen Welt dazu bei, dass der schon 1906 verstorbene Popow in Vergessenheit geriet, im Gegensatz zu Tesla und Marconi.

Denn, im öffentlichen Bewusstsein … galt bereits damals und auch später Guglielmo Marconi weiterhin als Erfinder des Radios und der kommerziellen Nutzung der elektromagnetischen Wellen für die Übertragung telegrafischer Nachrichten. Marconi ließ seine gleichartig zu Popow strukturierte Versuchsanordnung im Juni 1896 patentieren. Im Jahre 1897 gelang ihm erstmals eine drahtlose Übertragung über die Distanz von fünf Kilometern. Im Jahr 1899 gelang ihm eine drahtlose Telegrafie-Verbindung über den Ärmelkanal und bereits kurz darauf, im Jahr 1901 funkte er über den Atlantik – letztere aufgrund von technischen Verbesserungen in Form des von Ferdinand Braun entwickelten induktiv gekoppelten Antennenkreises. Marconi und Braun erhielten für diese Leistungen 1909 den Nobelpreis für Physik.

Weiterhin hatte auch Adolf Slaby in Berlin-Charlottenburg relativ zeitgleich eine gleichartige Verbesserung entwickelt. (wikipedia)

Weitere Informationen unter:
https://radio.museumsstiftung.de/

Die Frage also, wer hats erfunden, ist hiermit geklärt. So wie es trotz technischer Weiterentwicklung meines Erachtens immer Bücher geben wird, wird auch das Radio überleben. Zu wünschen wäre diesem Medium, dass es nie wieder in dieser perfiden Art missbraucht wird wie im so genannten Dritten Reich. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, dessen Begriff das Fernsehen einschließt, ist kein Staats-funk, wie es die Feinde der Demokratie behaupten. Dennoch sitzen Politiker in den Gremien der Sendeanstalten. Sie sollten sich zurückhalten. Die Zeiten, in denen ein Parteibuch darüber entschied, wer Intendant oder Chefredakteur wird, müssen endlich vorbei sein.

Die Erhöhung des Rundfunkbeitrages um 86 Cent wurde aus ideologischen Gründen gestoppt, weil in Sachsen-Anhalt CDU und AfD dagegen sind. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Der ARD-Vorsitzende und Intendant des WDR, Tom Buhrow, teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: «Ein Ausbleiben der Beitragsanpassung wird gravierende Maßnahmen erfordern, die man im Programm sehen und hören wird.» Falsche Antwort, Herr Buhrow. Bevor es ans Programm geht, sollten erst einmal die Gehälter der Spitzenmanager gesenkt werden. Es ist nicht vermittelbar, dass Herr Buhrow mit 395.000 Euro Jahresgehalt deutlich mehr verdient als die Bundeskanzlerin.

Ed Koch

  
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