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Beiträge: Zu scharf geschossen, Herr Minister.

geschrieben von: Redaktion am 04.08.2005, 19:01 Uhr
paperpress523 
Kommentar von Chris Landmann zu den Äußerungen des brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm (CDU).
Zu scharf geschossen, Herr Minister!

Jörg Schönbohm (CDU), seines Zeichens Innenminister im Land Brandenburg, sorgt dieser Tage wieder einmal für Wirbel. Bereits in der Vergangenheit ist er durch seine scharfzüngige Wortwahl aufgefallen, die das Leben in der DDR betrafen. Diesmal kam der ehemalige Inspekteur des Heeres im Zusammenhang mit dem grausamen neunfachen Babymord im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd zu dem Schluss, dass es im Osten eine gewisse Gewaltbereitschaft und Gleichgültigkeit gegenüber Verbrechen gäbe, die darauf zurück zu führen seien, dass im totalitären System der DDR das Thema Wertevermittlung „sehr klein geschrieben“ wurde.

Bravo, Herr Minister! Sie müssen es ja wissen, zumal Sie in Neu-Golm (Mark Brandenburg) geboren wurden und die ersten Jahre Ihrer Kindheit dort verbrachten, um dann in der späteren Bundesrepublik groß zu werden. Ich frage mich, wie Sie sich anmaßen können, über die Wertevermittlung in der DDR zu sprechen, wenn Sie doch den Großteil Ihres Lebens in der Bundesrepublik verbracht haben?! Ich habe persönlich in sehr guter Erinnerung, dass die Wertevermittlung vor allen Dingen zuhause, aber auch in der Schule einen wichtigen Platz in der Erziehung und Bildung einnahm. Insbesondere Werte wie Mitmenschlichkeit und das gemeinsame Einstehen für Andere waren hierbei besonders tragend. Gewalt an Schulen wurde nicht toleriert und Nachbarn halfen sich untereinander. Von Gleichgültigkeit konnte da überhaupt keine Rede sein.

Ich sehe eher einen starken Werteverfall seit der Wende. Es herrscht eine große soziale Kälte, jeder versucht sich mit seinen Ellbogen, gerade am Arbeitsplatz, so gut es geht durchzuboxen, ohne Rücksicht auf Andere. Jeder denkt an sich und ist froh, nicht von anderen mit deren Problemen „belästigt“ zu werden. In dieser Richtung sollte eher die Ursachenforschung für das grausame Verbrechen geführt werden, Herr Schönbohm. Soziales Engagement und Mitmenschlichkeit wird in der heutigen deutschen Gesellschaft nicht mehr so hoch geachtet, wie es in der DDR üblich war.

Möglicherweise ist Ihnen die Tragweite Ihrer Äußerungen nicht bewusst, vor allen Dingen so kurz vor der bevorstehenden Bundestagswahl im September. Sie könnten durchaus jede Menge potentielle Wähler der CDU, gerade im Osten der Bundesrepublik, verprellen, die sich Ihre unüberlegte Verbalattacke gegen die Bundesbürger in den neuen Ländern sehr zu Herzen nehmen. Herr Minister Schönbohm, mit Ihren Äußerungen verunglimpfen Sie im höchsten Maße die Gesellschaft in der ehemaligen DDR, die politisch mit Sicherheit zu kritisieren ist, jedoch in Bezug auf die Wertevermittlung und die daraus positiv gewachsene Mutter-Kind-Beziehung sehr gut funktionierte.

Ihre verbalen Schnellschüsse sind eines Ministeramtes nicht würdig. Bevor Sie sich das nächste Mal zu einem Sachverhalt äußern, sollten Sie den Rat des Comedian Dieter Nuhr annehmen, der da sagte: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Chris Landmann

  
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