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Beiträge: Drogenkonsum: Ausprobieren macht abhängig

geschrieben von: Redaktion am 23.06.2007, 08:46 Uhr
paperpress546 
Wer kann von sich behaupten, in seiner Jugend nicht Alkohol und Zigaretten auspro-biert zu haben? Und das sicherlich in einem Alter, als der Konsum von Beidem ver-boten war.
Der Duft einer Zigarette

Mit Zigaretten fängt es an und steigert sich dann zu allen anderen rauchbaren Pflan-zen mit immer größerer benebelnder Wirkung. Die Flucht aus der Realität führt oft zu schweren Abhängigkeiten, aus denen die Betroffenen von alleine nicht mehr heraus-kommen. Die erste Zigarette kann, muss aber nicht zur Abhängigkeit führen. Nicht jeder Zigarettenraucher greift automatisch zu härteten Drogen. Die grundsätzliche Gefahr besteht aber. Zigarettenwerbung findet im Fernsehen nicht mehr statt. Dafür pflastern die Konzerne Buswartehallen voll. Die warnenden Hinweise stören kaum jemanden. Wer rauchen will, der raucht, wohl wissend der Gefahren, die auf ihn lau-ern. Zwar darf kein Zigarettenkonzern mehr Werbung im Fernsehen ausstrahlen, es reicht aber schon aus, wenn der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt regelmäßig dort auftaucht. Er hat viele kluge Sachen zu sagen, warum das immer in Qualmwol-ken gehüllt sein muss, ist nicht allein sein Problem. Nun kann man sagen, Jugendli-che sehen weder Maischberger noch Beckmann und erst recht nicht Phoenix. Wer es aber doch tut, oder davon hört, sieht einen 88-jährigen Mann, geistig voll auf der Hö-he, der sich eine Zigarette nach der anderen anzündet. Und wenn am Ende der ein-stündigen Sendung die Packung leer ist, raucht der Moderator von seinen eine mit. Das sind die Vorbilder, die das Land braucht. Wenn schon nicht Eltern, Lehrer und Erzieher als Vorbilder taugen, muss es ein Politiker auch nicht sein. Helmut Schmidt hat ein Lieblingswort, das er in Kommentaren und Reden immer wieder gern an pas-sender und unpassender Stelle einfügt. Diese Wort drückt am besten sein Verhalten aus, wenn er in der Öffentlichkeit den Kettenraucher gibt. Lieber Helmut Schmidt, bei aller Wertschätzung, Ihr Verhalten ist Scheiße.

Zigarettenwerbung gehört völlig aus dem Straßenbild verschwunden. Ob es etwas nützt, wird sich dann zeigen. Viele, sicherlich zu viele Menschen, haben sich an ihre Zigarette vor oder nach dem Essen oder wann auch immer gewöhnt. Die zentrale Frage ist, soll man den Rauchern ihre Sucht belassen, oder sie, im eigenen Interesse davor schützen? Dann müsste der Verkauf von Zigaretten gänzlich verboten werden. Ist aber der Verkauf erlaubt, dann muss man auch den Rauchern die Möglichkeit ge-ben, ihrem ungesunden Hobby nachzugehen. Raucherräume in Gaststätten sind eine Möglichkeit. Das Bedienen mit Rücksicht auf den Kellner dort zu verbieten, ist albern. Es wird sich bestimmt eine Bedienung finden, die selbst raucht und diesen Job machen würde. Kneipen, die nur einen Raum haben, sollte man die Entschei-dung offen halten, Raucher- oder Nichtraucherkneipe sein zu wollen. Wer sich dann als Nichtraucher dorthin begibt, hat selber Schuld.

Das generelle Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden ist völlig in Ordnung. Man sollte jedoch die Raucher nicht auf die Straße schicken, sondern spezielle Räume anbie-ten. Bei dem starken Personalabbau gibt es bestimmt viele freie Räume in den Ver-waltungen. Die Frage des Umgangs mit dem Rauchen ist schwierig. Denn, wenn es nicht verboten ist, muss man auch die Interessen der Raucher berücksichtigen. Von den gesundheitlichen Gefahren einmal abgesehen, hat das Rauchen auch einen kul-turellen Stellenwert. Man denke nur an die berühmte Friedenspfeife. Vielen Nichtrau-chern macht es nichts oder wenig aus, wenn um sie herum geraucht wird. Ihre Kla-motten stinken dann zwar auch nach Nikotin, aber dafür gibt es Reinigungen.

In Tempelhof-Schöneberg gibt es eine gute Sitte, sich nach einer Bezirksverordne-tenversammlung im Casino des Rathauses Schöneberg zu treffen und parteiüber-greifend die in der Sitzung aufgekommenen hohen Wogen wieder zu glätten. Bei Bier, Wein, Selters, Schmalzstullen und Käsewürfel sitzt man oft bis in den frühen Morgen zusammen, und der Außenstehende erkennt kaum noch, wer welcher Partei angehört. Natürlich wird auch hier kräftig geraucht. An einigen Tischen mehr, an an-deren weniger. So sehr man gegen Rauchen sein mag, der Aufsteigende Qualm ge-hört irgendwie dazu. Nun ist das Rathaus Schöneberg natürlich auch ein öffentliches Gebäude, für das das Rauchverbot besteht. Ich befürchte, dass die gute Stimmung und Gemütlichkeit bei dieser wichtigen überparteilichen BVV After-Show-Party leidet, wenn auch hier das Rauchverbot greift. Warum kann es nicht möglich sein, für einen bestimmten Zeitraum in einem Raum mit vielen Fenstern, bei bestimmten Veranstal-tungen das Rauchen zu gestatten? Rauchern wird, auch wenn dieses Wort proble-matisch erscheint, ein Stück Lebensqualität genommen, wenn sie nur noch zu Hause und nicht mehr in der Öffentlichkeit rauchen dürfen.

Die Jugendlichen schützt man nicht dadurch vor dem Rauchen, dass es nur Nicht-rauchergaststätten gibt. Um die Jugendlichen wirksam zu schützen, müssen die El-tern aufhören zu Hause zu rauchen. Auch rauchende Lehrer vor der Schule oder Er-zieher vor den Jugendclubs tragen nicht dazu bei, dass die Jugendlichen erst gar nicht zur Zigarette greifen. Sie merken, ich tue mich als Nichtraucher schwer mit die-sem Thema. Aus pädagogischer Sicht bin ich für ein absolutes Rauchverbot und für ein Verkaufsverbot von Tabakwaren. Das lässt sich jedoch nicht durchsetzen, also muss man Kompromisswege finden.

Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren

Mit dem Alkohol sieht es genau so aus. Entweder ganz verbieten, was in den USA schon einmal erfolglos ausprobiert wurde, oder Kompromisse finden. In den USA trinken genau so viele Jugendliche Alkohol wie bei uns. Dass sie es offiziell erst mit 21 Jahren dürfen, ist kein Hinderungsgrund. Irgendjemand aus der Clique ist schon so alt und versorgt die Jüngeren mit Stoff.

Auch hier sind es wieder die direkten Vorbilder der Jugendlichen, die nichts taugen. Das Feierabendbier zu Hause, oder ein Gläschen Rotwein. Wo die Jugendlichen hin-schauen, die Erwachsenen um sie herum saufen, was das Zeug hält. Warum nicht mithalten?

Ein Jugendlicher, der Alkohol in der eigenen Familie kennen und schätzen gelernt hat, wird sich davon kaum abbringen lassen. Das sich Jugendliche ausprobieren wol-len, gehört zur Entwicklung dazu. Und wenn ihnen kein Erwachsener vor dem Koma die Grenzen aufzeigt, findet das junge Leben ein jähes Ende. Zu Hause ist die Ein-satzmöglichkeit der Polizei und des Jugendamtes beschränkt, in der Öffentlichkeit sieht es da schon anders aus. Die Berliner Morgenpost berichtet am 23. Juni 2007, dass die Berliner Polizei zwischen Mitte April und Ende Mai bei 94 Einsätzen 522 Geschäfte, Diskotheken, Einkaufszentren und Internetcafés überprüft hat. „In 31 Fäl-len stellten die Sicherheitskräfte“, so die Berliner Morgenpost „dabei fest, dass alko-holische Getränke an Jugendliche ausgeschenkt wurden. Die Behörden stellten 197 Ordnungswidrigkeiten und 163 Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz fest.“

Mit Bußgeldern kommt man nicht weit. Das zahlen die Betroffenen meistens aus der Portokasse. Nur wenn so ein Laden gleich geschlossen wird, für ein paar Wochen oder länger, überlegen sich die Eigentümer, ob sie künftig noch an Minderjährige Al-kohol verkaufen.

Der Redakteur der Berliner Morgenpost, Stefan Schulz, ist aber in seinem Beitrag weniger an der Frage interessiert, ob an Jugendliche Alkohol verkauft wird, er will vielmehr aufzeigen, dass die Jugendämter kein Interesse an der Verfolgung dieser Straftaten haben. Sein Beitrag ist überschrieben:

„Alkohol an Minderjährige – Jugendämter schauen weg“

Schulz berichtet, dass bei 51 Einsätzen den Jugendämtern angeboten wurde, an der Überprüfung teilzunehmen. Nur 15 Mal machten die Jugendämter davon Gebrauch. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, wird in der Berli-ner Morgenpost wie folgt zitiert: "Das ist beschämend. Jedes einzelne Jugendamt sollte erklären, warum es nicht teilgenommen hat". Und er fügt, wohl wissen, dass dies die Wahrheit ist, hinzu: „Wenn es an der Personalknappheit lag, dann ist der Senat aufgefordert, die Kräfte in den bezirklichen Jugendämtern aufzustocken. Ansonsten bleiben Kinderschutz und Prävention eine einzige Luftblase des Senats." Das Mehr an Personal sei auch deshalb notwendig, weil zuletzt zusätzliche Aufgaben wie das Netzwerk Kinderschutz hinzugekommen seien. Die Ermittlungen der Polizei bewertete Steuer zudem als äußerst erschreckend. "Die Ergebnisse sind unfassbar und zeigen, dass wir einfach zu lange weggeschaut haben."

Polizeipräsident Dieter Glietsch kündigte in dem selben Artikel in der Berliner Mor-genpost an, jedem Jugendamt ein Mal pro Woche einen gemeinsamen Kontrollgang anzubieten: "Unsere Einsatzergebnisse zeigen, dass Jugendschutzkontrollen nötig sind. Wir wollen sie deshalb fortsetzen, können dies aber nur gemeinsam mit den zuständigen Jugendämtern der Bezirke tun. Ich hoffe sehr, dass sich die Bezirksäm-ter personell in der Lage sehen, unser wöchentliches Angebot anzunehmen." Glietsch wies darauf hin, dass die Polizei nur eingreifen könne, wenn es konkrete Anhaltspunkte gebe. Ansonsten seien die Jugendämter für die Überwachung zu-ständig.

Stefan Schulz fügt seinem Bericht noch einen Kommentar hinzu, der wie folgt über-schrieben ist:

„Unfassbares Desinteresse“

Schulz schreibt: „Die Berichte von betrunkenen Schülern und dem bereitwilligen Aus-schank von Alkohol sogar an Kinder reißen nicht ab. Doch einige bezirkliche Ju-gendämter halten es dennoch nicht für nötig, mit der Polizei auf Streife zu gehen. Dieses offenkundige Desinteresse ist unfassbar und selbst durch die Personal-knappheit in den Behörden nur schwer zu erklären. Wenn es Jugendamtsmitarbeiter ernst meinen, müssen sie auch einmal abends ihrem Job nachgehen. Dieser Satz ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Noch viel mehr gilt er aber für den Senat. Er kann den schwarzen Peter nicht einfach auf die Bezirke abwälzen und sagen: Kontrolliert mal schön, aber mehr Personal be-kommt ihr nicht. Schwerpunktsetzung in der Präventionsarbeit heißt auch, Konse-quenzen zu ziehen. Und wenn man feststellt, dass die Zahl der Mitarbeiter unmöglich die Größe an Problemen bewältigen kann, muss man eben aufstocken. Alles andere ist nur Schaufensterpolitik.“

Der erste Absatz des Kommentars, lieber Stefan Schulz, ist Unsinn. Der zweite abso-lut richtig. Die Jugendämter halten es sehr wohl für wichtig und notwendig, sich um den Jugendschutz zu kümmern. Die Mitarbeiter/innen sind auch nicht zu bequem oder zu faul, abends ihrem Job nachzugehen. Den Jugendämtern gar Desinteresse vorzuwerfen, geht entschieden zu weit und grenzt schon stark an Verleumdung. Die Personalknappheit ist überhaupt nicht schwer zu erklären, sondern ganz einfach. Berlins Finanzsenator wird nach dem erfolgreichen Verkauf der Landesbank vermut-lich heilig gesprochen und mit dem höchsten Verdienstordens Berlins ausgezeichnet. Wie erfolgreich der Deal war, wird sich zeigen, wenn die Risiken beziffert werden können. Ob der Betrag dann ausreicht oder aufgestockt werden muss, steht noch in den Sternen. Es macht sich auch gut, einen ausgeglichenen Haushalt anzukündigen. Aber um welchen Preis geschieht das? Beispielsweise um den, dass die bezirklichen Jugendämter kaum noch in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erfüllen. In jedem Bezirk gab es Sachbearbeiter, die allein für den Jugendschutz tätig waren. Abgeschafft. Es gab Sachbearbeiter, die allein für Politische Bildung zuständig waren. Abgeschafft. Die Liste ließe sich fortsetzen. Wer soll denn bitteschön mit der Polizei durch die Lo-kale gehen? Die Mitarbeiter, die sich tagsüber um die Kinderschutzfälle kümmern?

Die Situation in den Jugendämtern ist dramatisch. Erstmals gibt es Mitarbeiter/innen, die alles daran setzen, wegzukommen. Sogar vor Kündigungen wird nicht mehr zu-rückgeschreckt. Wir verfügen in Berlin über ein großes Potenzial an Fachkräften im so genannten Stellenpool. Sind das aber die Leute, die sich für Jugendschutzaufga-ben eignen? Sollten nicht Jugendamtsaufgaben ausschließlich von ausgebildeten Fachleuten wahrgenommen werden? Ob ein ehemaliger Mitarbeiter des Grünflä-chenamtes, der sich im Stellenpool befindet, dafür eignet, darf bezweifelt werden.

Die Politik ist mit der Problematik offenbar völlig überfordert und hat nicht den Hauch einer Ahnung. Die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sandra Scheeres, forderte in einer Sitzung des Abgeordnetenhauses, leistungsfähige Strukturen in den Jugendämtern zu schaffen und freie Stellen zu besetzen. Gleichzeitig glaubt sie aber nicht, dass mehr Geld und Personal zum Erfolg führen. Immer weniger Geld und immer weniger Personal, verehrte Frau Scheeres, führen aber in die Katastro-phe! Senator Zöllner, der ohnehin davon überrascht wurde, in Berlin auch das Ju-gendressort übernehmen zu müssen, und Frau Scheeres, sollten sich einmal die Zeit nehmen und zwei Wochen in den bezirklichen Jugendämtern hospitieren, um ihren Erfahrungsschatz zu erweitern. Und der Polizei kann ich nur empfehlen, mit Stefan Schulz und Thilo Sarrazin durch die Berliner Kneipen zu ziehen.

Ein verbesserter und vor allem wirksamer Kinder- und Jugendschutz ist dringend er-forderlich. Das gibt es nicht zum Nulltarif. Die Jugendämter brauchen nicht mehr Per-sonal, sie brauchen einfach nur das zurück, was man ihnen in den letzten Jahren genommen hat.

Ed Koch



  
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