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Alles andere als normal

geschrieben von: Redaktion am 26.01.2022, 06:29 Uhr
paperpress597 
Morgen ist der 27. Januar. Seit 1996 ist er in der Bundesrepublik der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag erinnert an die Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 76 Jahren, in dem mehr als eine Million Menschen ermordet wurden. Auch wenn es viele Menschen in unserem Land gibt, die genug davon haben, immer wie-der an die Gräueltaten, die von deutschem Boden im Zweiten Weltkrieg ausgingen, erinnert werden, ist es lobenswert, dass gerade die öffentlich-rechtlichen Sender sich dieser Thematik annehmen.

In den Schulen wird nach wie vor dieses Thema zu wenig und nicht ausführlich genug behandelt. Da ist es eher wichtig, dass die Jugendlichen Daten wie „333, bei Issos Keilerei“ zuordnen können ob v.Chr. oder n.Chr.

Gestern haben wir über den Fernsehfilm berichtet, der die Wannseekonferenz zur „Endlösung der Judenfrage“ am 20. Januar 1942 behandelt. Zum Film gibt es eine Lesermeinung, die wir an Ende dieses Beitrags veröffentlichen.

Gestern sendete das ZDF einen Film über die „ganz normalen Männer.“ Wer den Film gesehen hat, kommt zu dem Schluss, dass dies alles andere als normal ist. Der Film ist sehenswert, wenn auch schwer zu ertragen.

https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/ganz-normale-maenner-der-vergessene-holocaust-104.html

Hier die Beschreibung des ZDF zu dem Film: „Während des Zweiten Weltkrieges wurden sechs Millionen Juden ermordet. Vier Millionen starben in den Vernichtungslagern, doch wurden zwei Millionen Menschen bei systematischen Massenerschießungen getötet. Die Täter standen ihren Opfern von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Sie schossen auf Männer, Frauen, Kinder – Tag für Tag, gehorsam und beflissen, als sei es normale Arbeit. Zehntau-sende Deutsche gehörten den mobilen Kommandos der Einsatzgruppen und Polizeibataillone an. Wer waren diese Männer, wie konnten sie solche Morde verüben? Was berichteten die wenigen Überleben-den, wie konnten sie dem Massensterben entkommen und mit der grausamen Erfahrung weiterleben?

Der US-Jurist Benjamin Ferencz wurde mit nur 27 Jahren zum Chefankläger im Einsatzgruppenprozess. Heute ist er 101 Jahre alt und engagiert sich noch immer gegen Krieg und Völkermord. Autor Manfred Oldenburg zeichnet anhand von schriftlichen Überlieferungen, Originaldokumenten, Film-aufnahmen und Fotos sowie szenischen Rekonstruktionen den Weg eines der Mordbataillone nach. Historiker und Sozialpsychologen nehmen dazu Stellung.

Benjamin Ferencz spielt eine zentrale Rolle in dem Film. Der amerikanische Top-Jurist schrieb Weltgeschichte, war in Nürnberg Chefankläger gegen führende Mitglieder der sogenannten Einsatz-gruppen. Ein aktuelles, ausführliches Interview mit dem Jura-Professor bildet einen Leitfaden für den Film.

Lesermeinung zum Film
„Die Wannseekonferenz“

Herzlichen Dank für den Artikel zur Wannseekonferenz 1942. Und vielen Dank, dass Sie die Produktion von 1984 aus dem Vergessen bringen. Diese Produktion war dem grausigen Thema sehr viel besser angepasst; auch durch die damaligen Schauspieler. Der jetzige Haupt-Schauspieler, den man z.B. aus „Die Vorstadtweiber“ kennt, wo er einen korrupten Politiker mit Kanzlerambitionen spielte, wurde der Rolle überhaupt nicht gerecht.

Auch wenn der Tagesspiegel eher zurückhaltend kritisierte, finde ich persönlich den Film schrecklich bis komplett überflüssig. Es wird umfangreich und intensiv reines Nazideutsch gesprochen; und zwar so viel und so ausdauernd, dass man es lernen könnte. Also eine Nachhilfe in Antisemitismus. Und ein Nachhilfeunterricht in Menschenverachtung. Nur wird diese Menschenverachtung nicht durch begleitende Bilder belegt. Es scheint fast als wäre die Wannseekonferenz ein „Gruppentherapeutisches Beispiel für komplexe Entscheidungsfindungen". Man lächelt, beschwichtigt, ist nett; bei all den schrecklichen Themen; eben Nazis mit dem unbedingten Gehorsam.

Zur Zeit der Wannseekonferenz, 1942, waren bereits große Teile der Wehrmacht und der deutschen Polizei im genannten Osten unterwegs und ermordeten täglich Tausende und Tausende von Menschen (und zwar von "Angesicht zu Angesicht", ohne Gnade).

Auf der ZDF-Homepage kann man etwas weiter unten, wenn man den Film Wannseekonferenz sucht, eine Doku dazu von Terra X mit schaurigen Originalaufnahmen der Erschiessungen aufrufen. Die Produzenten des jetzigen Films hätten manche Stilelemente nutzen können; z.B. das Einblenden der Erschießungsaktionen. Haben sie aber leider nicht. So gesehen ist der Film über die Konferenz ein Bei-spiel für alle Unbelehrbareren und ewig Gestrigen und heutigen Rechten, die die Monstrosität der deutschen Verbrecher wieder anzuhimmlern scheinen. Aufklärung und Erinnern sehen anders aus; die Täterperspektive ist immer die falsche. Das ZDF hätte das Menschliche im Grauen der Gefolterten und Hingerichteten unbedingt einbeziehen müssen; das unermessliche Leid zeigen. Denn Ohne (neues) Mitgefühl gibt es keinen Frieden.

mit besten Grüßen
Horst Brömer

PS: die Innenräume des Horrorhauses wurden vom ZDF aufwändig für die Produktion nachgebaut; hoffentlich sind die Nachbauten geschreddert worden.

  
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