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Diese Woche

geschrieben von: Redaktion am 28.01.2022, 10:05 Uhr
paperpress597 
Regelmäßig getestet. Nach dem letzten negativ zertifizierten Test kaum Kontakt zu anderen gehabt, und wenn, dann im Freien oder innen mit Maske und auf Abstand. Meidung des ÖPNV. Shoppen seit Monaten nicht mehr. Lebensmittellieferungen nach Hause. Und dennoch: drei Tage nach dem letzten negativen Test plötzlich leichte Erkältungserscheinungen, vor allem rapide zunehmender Verbrauch von Taschentüchern. Einen Tag später Verstärkung der Symptome, vor allem Müdigkeit und sich fühlen, als sei man gerade von irgendetwas überrollt worden. Kein Fieber. Test jetzt positiv. Wie kann das sein?

Einen weiteren Tag später klingen die Symptome ab, nur der Verbrauch von Taschentüchern hält an, leichte Halsschmerzen und störender Husten. Die Müdigkeit ist gewichen, im Kopf wieder alles einigermaßen klar. Quarantäne. Zu Hause bleiben, täglich testen und warten, bis der Anfall vorüber ist. Freunde melden sich und bieten ihren privaten Lieferservice an, zuerst kam aber der Bote der Hausapotheke mit einer Tüte voll von Tests vorbei.

Ist das nun der von Karl Lauterbach stets beschriebene „milde Verlauf“ bei Menschen, die drei-mal geimpft sind? Hoffentlich. Die Bilder von den armen Menschen, die an Sauerstoffschläuchen in Krankenhäusern um ihr Leben kämpfen und 170 von ihnen gestern den Kampf verloren haben, gehen einem nicht aus dem Kopf. Waren sie geimpft oder nicht?

Zwischen dem 14. Dezember 2021 und dem 12. Januar 2022 lag der Impfstatus für 8.912 COVID-19-Aufnahmen vor, das entspricht etwa 90 Prozent der in diesem Zeitraum übermittelten Fälle (9.946). Fast zwei Drittel aller COVID-19-Neuaufnahmen mit bekanntem Impfstatus waren ungeimpft. Rund 9,6 Prozent wiesen einen unvollständigen Immunschutz auf (Genesen ohne Impfung bzw. Teil-Immunisierung). Über ein Viertel der COVID-19-ITS-Aufnahmen (28,4 Prozent) hatte einen vollständigen Impfschutz (Grundimmunisierung oder Booster), der Anteil mit Boosterimpfung lag dabei bei ca. 5,8 Prozent. DIVI Intensiv Register

Das kann alles nicht beruhigend sein, zumal wir entgegen den vielen Aussagen der letzten Monate wissen, dass es zwar hilft, vollständig geimpft zu sein, einen einhundertprozentigen Schutz vor der Intensivstation oder dem Ableben für Ungeimpfte genauso wenig wie für Geimpfte nicht gibt. Ebenso macht das Virus keinen Unterschied, von wem es sich zu wem übertragen lässt. Zwei bekannte Erkenntnisse sind: Impfen hilft und nach wie vor sind ältere Menschen besonders betroffen.

Aus dem Fachbegriff „Vereinbarte Debatte“ wurde diese Woche eine „Orientierungsdebatte“. Wer sich aus der Quarantäne hinaus noch zusätzlichen Schmerz antun wollte, schaute sich das Drama am Mittwoch an. Ja, es gibt Argumente für und gegen eine Impfpflicht. Unerträglich ist es jedoch, dass die FDP mit ihrer innerparteilichen Orientierungslosigkeit den Bundestag beherrscht. An allen drei verschiedenen Anträgen zur Impfpflicht ist die FDP beteiligt. Bundeskanzler Olaf Scholz, der sich schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit als Schlaffi profilierte, hätte der FDP die imaginäre Pistole auf die Brust setzen sollen: Lieber mit Euch gar nicht regieren als so grottenschlecht. Wie soll eine Mehrheit zustande kommen, wenn jetzt auch noch die Union einen eigenen Antrag einbringt? Ein Gesetz zur Impfpflicht steht kurz vor dem Scheitern. Nach dem neuesten ZDF-Politbarometer von heute sind zwar 62 Prozent der Befragten für eine Impfpflicht, aber nur 39 Prozent glauben daran, dass es diese geben wird.

Nicht allein ein Blick in den Bücherschrank hilft in der Quarantäne, sondern auch das Fernsehprogramm gegen Langeweile. Damit sind nicht die Talk-Sendungen gemeint, die nur noch ein Thema kennen. Gewartet wird auf den Abend, wo Karl Lauterbach in zwei Sendungen gleichzeitig auftritt.

Der Kroatien-Krimi „Tod im roten Kleid.“ Gestern Abend in der ARD. Was für eine dramatische Ge-schichte. Ein junger Mann, 18 Jahre alt, stellt fest, dass er sich im falschen Körper befindet. Aus Anton soll Antonia werden. Die Geschichte spielt zu Beginn der 2000er Jahre. Seine Freundin ist nicht begeistert, hätte sie doch lieber einen Freund statt einer Freundin. Auch Antons älterer Bruder hat kein Interesse an einer kleinen Schwester. Er geht in die USA und überlässt dem Bruder sein Schicksal.

Und dieses Schicksal meldet sich in Form des Onkels und dessen Freund, dem Dorfpolizisten. Anton wird als krank bezeichnet und in eine Klinik eingeliefert und dort mit allen möglichen Medikamenten ruhiggestellt. Die Ärztin ist nicht auf seiner Seite, sondern auf der, die Antons Verhalten als krank bezeichnen. Er flieht aus der Klinik, wird vom Onkel und dessen Polizeifreund aufgegriffen und stürzt sich, angesichts der Aussichtslosigkeit in den Tod. Der Bruder kehrt aus Amerika zurück und nimmt Rache für seinen Bruder, für den er zu Lebzeiten so wenig getan hat. Onkel und Dorfpolizist werden von Antons Bruder Zoran brutal ermordet. Von derselben Stelle, von der Anton in den Tod stürzte lässt sich Zoran ab-sichtlich auch hinunterschubsen. Vorher hat er noch die Bremsschläuche im Auto der Ärztin durchtrennt. Und als sie von einer Reise zurückkehrt und vom Flughafen nach Hause fahren will, versagen die Bremsen und sie stürzt nach wenigen Hundert Metern mit ihrem Wagen in den Tod.

Jetzt liegen die beiden Brüder in ihren Gräbern nebeneinander vereint. Und Antons Freundin macht mit einem Filzstift auf dem Grabstein aus Anton Antonia.

Die ersten Gedanken nach diesem Film gehen an die ARD-Dokumentation „Wie Gott uns schuf“, die diese Woche zu sehen war. Nicht heterosexuelle Katholiken berichten über ihre Probleme in einer Kirche, die – zumindest in Deutschland – um ihr Überleben kämpft. Die dokumentierten Missbrauchsfälle sind ein Blick in die Hölle. In einer von Homophobie geprägten Kirche vergingen sich „Würdenträger“ an Kindern und Jugendlichen, systematisch.

Alle Erklärungsversuche der Kirchenfürsten, die das schweigend und vertuschend über Jahrzehnte hin-genommen haben, sind an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Empathie den Betroffenen gegenüber ist schwer erkennbar. Die Rolle des Herrn Ratzinger, der als Ex-Papst immer noch im weißen Gewand durch die Welt läuft, ist beschämend. Versuche von Verantwortungsträgern von ihren Ämtern zurückzutreten, wurden vom amtierenden Papst abgelehnt, womit er sich mitschuldig macht. Das alles ist nur widerlich.

Homosexualität kann für Menschen, die für die Katholische Kirche arbeiten, ein Grund zur Entlassung sein. Es ist Zeit für einen Aufstand. Alle Beschäftigen, bis hin zu Pfarrern, sollten sich mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern in der Öffentlichkeit zeigen und rumknutschen. Und wer keinen Partner hat, kann ja ein Regenbogensymbol an der Kleidung tragen, auch wenn es nichts nutzen wird. Denn das Schicksal der Katholischen Kirche wird nicht in Deutschland entschieden, sondern in Rom. Und so-lange dort die greisen Herren Bergoglio und Ratzinger etwas zu sagen haben, wird sich sowieso nichts ändern. Vermutlich auch nicht danach.

Redner

Wie hätte wohl Marcus Tullius Cicero, berühmtester Redner Roms rund 60 Jahre v.Chr., seine Nachfolger im Deutschen Bundestag bewertet? Die schläfrige Stimmlage von Olaf Scholz hätte ihm bestimmt nicht gefallen. Auch wenn Robert Habeck viel Sinnvolles sagt, warum muss er immer so nuscheln? Warum überziehen uns die meisten Rednerinnen und Redner mit dieser gleichförmigen spannungslosen Tonlage ohne Höhen und Tiefen, ohne Empathie und Schmackes?

Es gibt wenig rhetorische Highlights im Bundestag. Dazu gehört auf jeden Fall Gregor Gysi. Man kann politisch zu seinen Inhalten stehen, wie man will, aber seine Reden zeichnen sich durch die Dynamik aus, die eine politische Rede haben muss. Schließlich ist der Bundestag nicht die Volkshochschule, an der Vorträge gehalten werden.

Wann gibt es endlich das Rededuell zwischen Gregor Gysi und Kevin Kühnert? Kühnert redet wie Gysi mit Leidenschaft. Und Leidenschaft ist nicht zwangsläufig Populismus. Christian Lindner hat eine klare, akustisch verständliche Aussprache. Allerdings ist seine Diktion häufig unerträglich, weil sie eine Überheblichkeit ausstrahlt, die den Fakten-check oft nicht übersteht. Politiker sollen ihre An-sichten erklären, aber nicht den Bürger belehren wollen. Wer sich eine Bundestagsdebatte oder überhaupt Reden von Politikern anhört, verfügt über eine ausreichende Bildung, die keine Booster Impfung benötigt.

Friedrich Merz, der neue Superstar der CDU, hat keine angenehme Vortragsform. Es kommt kein Redefluss zustande, zu abgehackt reihen sich häufig seine Sätze aneinander. Der beste Redner im Bundestag ist Ralph Brinkhaus, noch Fraktionsvorsitzender der Union. Seine Reden zeichnen sich nicht nur durch die erforderliche Dynamik, sondern auch die klare Struktur aus. Wie im Alten Rom zu Ciceros Zeiten, als es keine Tonverstärker gab, hätte man Brinkhaus Reden auch im letzten Winkel eines Saals vernommen. Und was an Brinkhaus vor allem bewundernswert ist, ist die Gabe der freien Rede. Ohne Manuskript spricht er in zusammenhängenden Sätzen, die den klassischen Aufbau einer Rede aus-zeichnen, Einleitung, Hauptteil, Fazit.

Es mag sein, dass die Union einen mit allen Ämtern ausgestatteten Oppositionsführer braucht. Brinkhaus hat kampflos aufgegeben und tritt sein Amt an Merz ab. Sinnvoll ist das nicht, beraubt sich die Union damit ihres besten Frontredners. Selten geht es in der Politik darum, wer der beste ist. Um nach vorn zu kommen, bedarf es anderer Kriterien. Merz steht an achter Stelle des ZDF-Politbarometers. Lauterbach hat Scholz vom ersten auf den zweiten Platz verdrängt. An welchen Kriterien orientieren sich eigentlich die Befragten?

Ed Koch

  
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