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Das Ende der Rothäute

geschrieben von: Redaktion am 03.02.2022, 09:09 Uhr
paperpress598 
Zwischen dem Lincoln Monument und dem Capitol befinden sich die Museen der Smithsonian Institution in Washington, D.C. Alle Museen können bei freiem Eintritt besichtigt werden. Ich erinnere mich an einen Besuch im National Museum of American History. Ein riesiges Gebäude. In einem Saal wurde ausführlich über Superman informiert. Wesentlich kleiner fiel die Erwähnung der Geschichte der Indianer aus. Gerechter Weise muss man sagen, dass es auch ein Museum of the American Indians gibt, das ich nicht besucht habe, aber jemand, der sich auf der Internetseite wie folgt verewigt hat: „Enttäuschend. Viel Schrifttafeln und Computer-Infos. Wenig authentisches Material. Ein mit sozial-politischen Botschaften überfrachtetes Museum aus Sicht von weißen Intellektuellen. Kaum geeignet für Kinder. Während die Menschen vor den anderen tollen Museen von Washington anstehen, waren hier nur wenige Besucher. Das hat Gründe.“

Ersparen wir uns die traurige Geschichte der Ureinwohner Amerikas. Verkürzt kann man sagen, dass es den weißen Siedlern aus Europa gelungen ist, die Indianer-Stämme auszurotten. Und damit wurde eine Kultur vernichtet, die ein deutlich höheres Sozialverhalten hatte als jene, die aus Europa über den Atlantik kamen. Darunter viele mit hohen moralisch- christlichen Ansprüchen, bloß fehlten in ihren mitgebrachten Bibeln einige Gebote, wie zum Beispiel „Du sollst nicht töten“, oder „Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus, Hof, Vieh und alles, was sein ist.“ Genau das taten aber die Siedler. Sie töteten die Ureinwohner und nahmen ihnen alles weg. In vielen Indianerstämmen war Homosexualität gesellschaftlich anerkannt. Davon hatten die verblendeten Christen aus Europa noch nie etwas gehört. Es dauerte sehr lange, ehe die Ureinwohner Amerikas nicht als mordlüsterne Wilde, sondern als Menschen dargestellt wurden. Wer glaubt, die unzähligen „Western“ mit John Wayne seine Dokumentarfilme, irrt sich seit je her. Die amerikanische Filmindustrie zeigte keinen Freiheitskampf der Siedler, sondern ihren Vernichtungskampf gegen die Ureinwohner.

Was ist übrig geblieben von diesen Menschen. Einige US-Staaten erinnern in ihren Namen an sie, wie Dakota, Wyoming oder Utah. Aber auch etliche Sportclubs tragen indianische Namen. Seit 1932 ist eine der bekanntesten Football-Mannschaften, der Hauptstadt-Club „Redskins“. Jahrzehntelang hatten die Ureinwohner gegen den als rassistisch angesehenen Namen protestiert. Nichts ist geschehen. Erst auf großen Druck aus der Gesellschaft, der auch die Sponsoren erreichte, gab es 2020 ein Einlenken.

Seit gestern hat der Club nun einen neuen Namen: „Commanders“. Das passt ja wirklich. Die Fans hätten lieber den Namen „RedWolves“ auf ihren Shirts getragen, was angeblich aus lizenzrechtlichen Grün-den nicht ging. Die Lobby der Wölfe hat sich wohl dagegen ausgesprochen. Ob sich durch diese oder die schon früher vollzogene Namensänderung beim Baseball-Team „Cleveland Indians“ in „Cleveland Guardians“ an der Einstellung der US-Bürger gegen-über den Ureinwohnern etwas ändert, darf bestritten werden.

Ja, es ist lange her, dass den Indianern Land und Leben genommen wurden. Die USA gelten heute als zivilisierter Staat, wenn auch der Preis für den Weg dorthin eindeutig zu hoch war. Die Welt hingegen ist heute so schlecht wie sie damals war. Der Blick auf China ist unausweichlich. Der Umgang der so genannten Volksrepublik mit den Uiguren oder Tibetern unterscheidet sich nicht von dem mit den Ureinwohnern Amerikas.

Morgen beginnen in China die Olympischen Winter-Spiele. Höhepunkt im Leben eines Sportlers. Aber dennoch höchst umstritten. Als Deutschen berührt es einen besonders unangenehm, dass ein Mitbürger den willfährigen Olympiaclown spielt. Mit 44 zu 40 setzte sich Peking gegen Almaty (Kasachstan) knapp durch. München, Oslo, Stockholm und Krakau hatten zuvor ihre Bewerbungen zurückgezogen. Da kann man sich über den Austragungsort aufregen, wenn aber alle anderen nicht wollen, dann bleiben eben nur noch Diktaturen übrig, die nicht das Problem haben, ihre Bevölkerung fragen und auf Naturschutz Rücksicht nehmen zu müssen. 2026 finden die nächsten Winterspiele übrigens in Mailand und Cortina d’Ampezzo statt. Geht doch.

Ed Koch

  
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