Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 31 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Nachtrag Martenstein

geschrieben von: Redaktion am 21.02.2022, 06:34 Uhr
paperpress598 
Der Tagesspiegel hat in seiner Sonntagsausgabe vom 20. Februar 2022 die „Schlusskolumne“ von Harald Martenstein veröffentlicht.


Unser Leser Reinhard Frede schrieb uns dazu: „Ich habe es so verstanden, dass die Redaktionsleitung des Tagesspiegel Herrn Martenstein den Abgang nahegelegt hat. Das finde ich erbärmlich! Auch wenn ich in dem inkriminierten Kommentar in Bezug auf die Nutzer nachgemachter Judensterne mit der Aufschrift „Impfgegner" den Sachverhalt als durchaus antisemitisch beurteile, ist das kein Grund, einem langjährigen Mitarbeiter des Hauses und Autor kritischer Kommentare die Tür zu weisen!“

Dass sich Martenstein in seiner langjährigen Tätigkeit für den Tagesspiegel nicht nur Freunde gemacht hat, zeigt ein Eintrag bei Facebook von Robert D.: „Da hat der Tagesspiegel in meinen Augen gewonnen. Denn man kann sonntags die erste Seite lesen, ohne die zumeist wütenden, rückwärtsgewandten und hinter ‚Ironie‘ versteckt ausgrenzenden Glossen eines selbsternannten scheinbaren Analytikers - besonders gerne gegen Fortschritt und Veränderung ätzend!“

Dietrich B. twittert hingegen: „Man sollte nicht Handlanger eines ideologischen Lagers sein, und man darf keine Angst vor Wutstürmen haben. Genau dazu ist die Meinungsfreiheit ja da: um Dinge zu sagen, die manche nicht hören möchten. Ich hoffe, die Abonnenten gehen mit.“

Und Elisa S. twittert: „Harald #Martenstein darf die Seite 1 (!) des @Tagesspiegel für seine öffentliche Kündigung, Werbung für andere Plattformen und eine Redaktions-Anklage nutzen. Wenn das nicht die reine Definition eines journalistischen Privilegs ist, weiß ich auch nicht.“

Die taz-Redakteurin Silke Mertins schreibt: „Ich bin überhaupt nicht seiner Meinung, schon weil diese Proteste aus dem rechten politischen Kontext gerissen werden, in dem sie stattfinden. Doch die Frage zu stellen, ob die verschwurbelten „Querdenker“ mit ihrem Missbrauch des „Judensterns“ nicht im Grunde dasselbe tun wie jene, die Trump mit Hitler gleich-setzen oder Anti-Islamophobie-Demonstrant*innen, die auch schon „Judensterne“ getragen haben – diese Frage muss erlaubt sein in einer pluralistischen Gesellschaft. Den Text zu löschen ist deshalb feige. Man kann umstrittenen Kolumnen auch eine Distanzierung der Chefredaktion voranstellen, ja, sogar eine Entschuldigung. Man kann die Kolumne einbetten in eine Reihe von anderen Meinungstexten, die Martenstein seine Argumente um die Ohren hauen. Aber löschen sollte man sie nicht.

Kommentator*innen wie Martenstein gehören zu einer offenen Debattenkultur, denn man kann sich an ihnen reiben und die eigenen Argumente schärfen. Schließlich führen Meinungsmachende die Debatte stellvertretend für die Leser*innen. Und wer wollte bestreiten, dass nicht mittige Teile der Gesellschaft so denken wie Martenstein? Dennoch hat die Chefredaktion zur Löschtaste gegriffen und dem Autor damit im Grunde keine Wahl gelassen, als selbst zu gehen. Nach einem halben Leben beim Tagesspiegel ist das auch menschlich betrachtet keine Glanzleistung.“

Wer sich einen „Judenstern“ mit welcher Botschaft auch immer, freiwillig anheftet, muss kein Antisemit sein, handelt aber antisemitisch. Menschen mit dem gelben Stern, auf dem „Jude“ stand, sind in Gaskammern ermordet worden. Menschen mit einem gelben Stern, auf dem „Impfgegner“ steht, können sterben, weil sie sich nicht haben impfen lassen.

Eine Zeitung sollte berichten und darauf achten, dass nicht über sie berichtet wird. Die Chefredaktion des Tagesspiegels hätte so reagieren können, wie es Silke Mertins beschrieben hat. Am meisten wird sich der Tagesspiegel vermutlich darüber geärgert haben, dass ihn die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht über den Vorgang als „Berliner Regionalzeitung“ bezeichnet hat. Wir wissen ja, was es im Kopf auslöst, wenn man als „Regionalmacht“ bezeichnet wird, wo man sich doch für Größeres hält.

Ed Koch


  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.