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Meinungswende

geschrieben von: Redaktion am 27.02.2022, 07:19 Uhr
paperpress598 
Nachdem in den letzten Tagen viel von der „Zeitenwende“, ausgelöst durch Putins Angriffskrieg auf die Ukraine die Rede war, kommt jetzt die Meinungs-wende. Seien wir aber ehrlich: Eine deutliche Mehrheit der Deutschen hat sich in Meinungsumfragen gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Es galt die Richtlinie, nicht Waffen in Krisen-gebiete zu liefern. Diese Richtlinie war oft nicht durchgehend, sondern nur gestrichelt, aber den-noch: für die Ukraine sollte sie gelten.


Das war aber vor dem 24. Februar. Spätestens an diesem Tage hätte der Bundeskanzler reagieren und seine Haltung überprüfen müssen. Nun sieht es so aus, als wenn Olaf Scholz nicht aus eigenem An-trieb heraus, sondern auf massiven Druck nachgibt.

Gestern waren Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und Litauens Präsident Gitanas Nausėda bei Scholz. In einem Statement vor dem Gespräch sagte Morawiecki gegenüber Journalisten auf Deutsch: „Welche Art von Hilfe wurde der Ukraine geliefert? Fünftausend Helme? Das muss ein Witz sein.“ Immer wieder hatte der ukrainische Botschaf-ter Andrij Melnyk in Interviews, zuletzt am Freitagsabend bei Markus Lanz, geradezu flehentlich darum gebeten, der Ukraine zu helfen. Das Gespräch mit Morawiecki und Nausėda hat gestern offenbar den Durchbruch gebracht.

Auch das klare Nein von Scholz zu SWIFT, mit dem Deutschland zuletzt völlig allein dastand, wurde aufgeweicht. Bei den Sanktionen bleibt eine Tür offen, um die Gaslieferungen von Russland bezahlen zu können. Die Frage ist nur, ob Putin in seinem Wahn nicht darauf „scheißt“ und uns doch noch den Gashahn abdreht.

Putin kann sich kaum noch den Schaum vor dem Mund abwischen, weil sein Blitz-Angriffs-Krieg offenbar nicht so schnell vorankommt, wie er sich das gewünscht hatte. Putin kämpft nicht nur gegen die ukrainische Armee, sondern auch gegen eine bewaffnete Zivilbevölkerung, die eindrucksvoll beweist, dass sie nicht von Putin „entnazifiziert“ wer-den möchte, weil sie nicht im Geringsten nazifiziert ist.

Wer kann von sich sagen, keine Witze im Mai 2019 über den Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskyj gemacht zu haben, der in einer demokratischen Wahl mit einer deutlichen Zweidrittelmehrheit zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde? Wir erleben jetzt einen Mann, der einen unglaublichen Mut beweist. Der amerikanische Präsident Joe Biden soll ihm angeboten haben, dabei zu helfen, das Land in Richtung USA zu verlassen. Das hat er abgelehnt und versendet weiterhin Nachrichten aus Kiew. Jeder Diktator, der sich bedrängt fühlt, flüchtet so schnell er kann, um vom Ausland aus seinen „Kampf“ fortzusetzen, die ukrainischen Demokraten tun dies nicht.

Selenskyj weiß, dass Putin seiner habhaft werden möchte. Ob Selenskyj das überleben würde, ist nicht sicher. Verschleppt zu werden, dürfte noch der harmloseste Umgang mit ihm sein. Da Putin mit seinen regulären Truppen noch nicht am Ziel ist, sollen es jetzt tschetschenische Mörderbanden richten. Diese sind für ihre Brutalität bekannt.

Putins Statthalter in Tschetschenien und Chef der Mörderbande Ramsan Kadyrow hat angeblich 70.000 „Freiwillige“ angeboten, um in den „umkämpftesten Orten in der Ukraine dienen zu wollen.“ Kadyrow forderte in einer Rede Selenskyj auf, „unseren Präsidenten, den Oberbefehlshaber Wladimir Wladimirowitsch Putin,“ anzurufen und sich dafür zu entschuldigen, „dass er dies nicht früher getan hat. Tun Sie es, um die Ukraine zu retten. Bitten Sie um Vergebung und stimmen Sie allen Bedingungen zu, die Russland stellt. Das wird für ihn der richtigste und patriotischste Schritt sein.“ Quelle: Berliner Zeitung

Wie wir wissen, hat Selenskyj versucht, Putin anzurufen, allerdings nicht um sich zu entschuldigen. Putin ist nicht ans Telefon gegangen. Wenn man die Äußerungen von Putin und seinen Vasallen liest, kommt man eher zu dem Schluss, dass dies die „Bande von Drogensüchtigen“ ist, von der Putin sprach und Selenskyjs Regierung meinte.

Man kann nur hoffen, dass Selenskyj und seine Regierung nicht Putins Mörderbande in die Hände fallen. Auch Vitali Klitschko, der Bürgermeister von Kiew, hält durch. Auch er kann sich seines Lebens nicht sicher sein. Niemand würde es ihnen verdenken, dass, wenn die Lage vollkommen aussichtslos ist, doch noch in die Freiheit zu fliehen. Tote Helden gibt es schon genug.

Belastbare Zahlen über Opfer des Krieges gibt es nicht. Jede Seite rechnet die eigenen Verluste runter und die der anderen hoch. Ob das ukrainische Militär wirklich 3.500 russische Soldaten getötet und 200 weitere gefangen genommen haben soll, ist nicht bewiesen. Sicher ist nur, dass es auf beiden Seiten Tote gibt. Putin schickt seine Soldaten in den Tod, junge Männer, deren Leben noch ebenso vor ihnen lag, wie das der ukrainischen Soldaten und Zivilisten. Was für ein Wahnsinn.

Was muss in den Frauen vorgehen, die ohne ihre Männer flüchten, und erst in den Kindern, die vielleicht ihre Väter nie wiedersehen? Was für ein unendliches Leid hat dieser Irrsinnige angerichtet. Wer Putin in den letzten Jahren beobachtet hat, hätte es wissen können. Die Ukraine ist nicht sein erster mörderischer Einsatz. Diplomatie mit solchen Leuten muss völlig neu gedacht werden.

Ob all die Waffen, die sich jetzt auf den Weg in die Ukraine befinden, ihr Ziel noch erreichen und zum Einsatz kommen können, ist ungewiss. An jedem Tag, den die Ukraine dem Putin trotzt, wächst die Hochachtung für dieses Volk. Es ist schwer zu ertragen, dass wir nur zuschauen können und wissen, dass die Ukraine letztlich nicht den Krieg gewinnen kann.

Eines muss schon jetzt für die kommenden Jahrzehnte klar sein: Die westlichen Demokratien müssen Putin vollkommen isolieren. Das wird auch unsere Komfortzone nicht unbeschadet überstehen. Wir müssen schon jetzt darüber nachdenken, was uns unsere Freiheit wert ist. Ein blutrünstiger Diktator scheut vielleicht auch nicht davor zurück, NATO-Staaten anzugreifen. Mündete diese Auseinandersetzung in eine atomare, müssten wir uns über hohe Gaspreise keine Sorgen mehr machen.

Ed Koch









  
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