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Bushido?

geschrieben von: Redaktion am 04.08.2007, 08:55 Uhr
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Was wie ein von Steffi Graf empfohlenes Nudelgericht klingt, ist in Wirklichkeit der Künstlername des am 28. September 1978 in Bonn geborenen Anis Mohamed Youssef Ferchichi.
Der auch unter dem Pseudonym Sonny Black bekannte deutsch-tunesischer Rapper wuchs in Tempelhof auf. An zwei Gymnasien des Bezirks war er zu Gast, verließ „aufgrund beruflicher Interessen“ die Schule aber bereits nach der 11. Klasse. Heute empfiehlt er den Kids, die Schule zu Ende zu machen. Er ist über-haupt jemand, der sich um die Jugendlichen kümmert und Schulen besucht. Und er ist beteiligt an dem Projekt des inzwischen über 50 Jahre alten Pickelbekämpfungs-magazins für Pubertierende BRAVO „Schau nicht weg – gegen Gewalt an Schulen“. Eine sinnvolle Aktion, bei der sich die Kinder hoffentlich nicht – wie in BRAVO – nackt ausziehen müssen.

Überall in der Stadt hängen Plakate, die auf die zentrale Veranstaltung der Aktion am 25. August vor dem Brandenburger Tor hinweisen. Bushido und viele andere sollen dort auftreten. Der „Weg des Kriegers“, was der japanischen Bedeutung des Wortes Bushido entspricht, ist nicht immer ganz gradlinig verlaufen. Bei Wikipedia lesen wir dazu: „Wegen diverser Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Sachbe-schädigung wurde Bushido vom Gericht vor die Wahl gestellt, eine staatlich geförder-te Ausbildung zum Maler und Lackierer zu machen oder ins Jugendgefängnis zu ge-hen“. Er entschied sich für die Ausbildung. Während sich andere Jugendliche oft ver-geblich um Ausbildungsplätze bemühen, scheint dies ein neuer Weg zum Erfolg zu sein.

„Bushido wurde am 3. August 2005 in Linz (Österreich) festgenommen, wurde aber nach Zahlung von 100.000 Euro nach 14 Tagen Untersuchungshaft auf Kaution ent-lassen mit der Auflage bis zum Prozess Österreich nicht zu verlassen. Ihm wurde vorgeworfen, gemeinsam mit zwei Freunden einen 20 Jahre alten Mann zusammen-geschlagen zu haben, weil dieser grundlos die Reifen seines angemieteten 7er BMWs zerstochen haben soll. Der Prozess vor dem Landesgericht für Strafsachen Linz fand am 4. November 2005 statt. Der genaue Hergang der Ereignisse konnte nicht aufgeklärt werden. Nachdem Bushido die Verantwortung für die Schlägerei übernommen hatte, endete das Verfahren mit einer Diversion gegen Zahlung von 20.000 Euro an die Staatskasse. Das Opfer erhielt ein Teilschmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro zugesprochen. Durch den Prozess wurde publik, dass Bushido seit mehreren Jahren verheiratet ist, was er jedoch am 20. Dezember 2005 in der TV-Sendung ‚VIVA live’ dementierte.“

Mal abgesehen von diesen vorbildlichen Kleinigkeiten, hat der junge Mann eine be-achtliche Karriere hingelegt. Der beste Platz in den Charts war die Nummer 13, aber auch mit der 53 musste er sich zufrieden geben. Mit fünfmal Gold und einmal Platin wurden seine Werke belohnt. Von seinen 23 produzierten Tonträgern sind zwei aus den Jahren 1998 und 1999 unveröffentlicht geblieben, acht landeten auf dem Index und wurden als jugendgefährdend eingestuft. „Electro Ghetto“ aus dem Jahre 2004, wurde ebenfalls indiziert, erreichte aber dennoch die goldene Auszeichnung. Das zeigt mal wieder sehr deutlich, was die Indizierungen wert sind.

Mit Auszeichnungen wurde Bushido geradezu überhäuft, 2005: Juice-Awards: 1. Platz in der Kategorie Beste Website für kingbushido.de, 1. Platz in der Kategorie Bestes Album National für Staatsfeind Nr.1, 2005: Bravo Otto in Silber in der Katego-rie HipHop National, 2006: Echo Gewinner der Kategorie Live-Act national, 2006: Goldenes Tape für 20 Nummer 1 Platzierungen des Videos Von der Skyline zum Bordstein zurück in der MTV-Show TRL, 2006: MTV Europe Music Award in der Ka-tegorie Best German Act, 2007: Juice-Awards: 1. Platz in der Kategorie Live Perfor-mance National, 1. Platz in der Kategorie Video National für Sonnenbank Flavour, 1. Platz in der Kategorie Single National für Von der Skyline zum Bordstein zurück, 1. Platz in der Kategorie Rap Solokünstler National, 2. Platz in der Kategorie Produzent National, 2. Platz in der Kategorie Album National für Von der Skyline zum Bordstein zurück, 2. Platz in der Kategorie Beste Website für kingbushido.de 2007: ECHO Gewinner der Kategorie Hip-Hop/R&B National, 2007: Bravo Otto in Gold in der Kategore HipHop National, 2007: Comet Gewinner der Kategorie Bester Künstler, Goldene Schallplatten für Electro Ghetto, Staatsfeind Nr.1, Von der Skyline zum Bordstein zurück, Deutschland, gib mir ein Mic! & Vendetta, Platin-Schallplatte für Von der Skyline zum Bordstein zurück.

Und wie, fragen Sie sich bestimmt, erreicht man diesen Erfolg? Bushido wurde häu-fig mangelnde Distanz zu rechtsextremen Fans vorgeworfen. In Interviews weist Bushido jegliche rechtsextreme Gesinnung von sich. Das glauben wir ihm gern. Schließlich hat sich Prof. Reuter ja auch nur in rechtsextreme Kreise begeben, um „mit seinen Vorträgen gerade bei diesen Gruppen über das ‚Vehikel der Musik kleins-te Samenkörner eines Verständnisses von Humanismus und Christentum säen zu können’". (dpa/Berliner Morgenpost 4.8.2007). Donnerwetter, was man mit Musik alles so erreichen kann, egal ob Rapp oder Klassik.

„Häufiger Diskussionsgegenstand um Bushido sind auch immer wieder Inhalte, die als schwulen- und frauenverachtend interpretiert werden. Beispielsweise ist in dem Lied Nutte Bounce das herabsetzende ‚Nutte’ das am häufigsten verwendete Wort überhaupt. Auf Nachfrage erklärte Bushido, er meine damit nicht Frauen im allge-meinen, sondern nur ‚echte Schlampen’“. Na bitte. Und Bushido scheint zu wissen, was eine echte Schlampe ist. Es wird aber noch ekeliger. „Textstellen wie ‚Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund. Ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst’ aus dem mittlerweile indizierten Song Gangbang werden von Gegnern als sexistisch oder sogar als Aufforderung zur Vergewaltigung gewertet. Im November 2005 gab es diesbezüglich erneut Schlagzeilen, als Bushido in einem Interview ausführte, Paris Hilton sei für ihn ‚einfach so'n dummes Stück Fleisch’, das er gerne einmal ‚für den Geschlechtsakt’ hätte: ‚erniedrigen und dann tschüss’“. Das kommt dabei raus, wenn man nach der 11. Klasse das Gymnasium verlässt.

Bushido steigert sich ständig. „Auf dem Labelsampler Vendetta spielt Bushido auf Natascha Kampusch an: Du bist ein krasser Gee (Gangster) auf Eurem krassen Campus. Aber ich sperr’ Dich ein wie Natascha Kampusch. Die Flasche Schampus mach ich bei der Dritten auf und sage Deiner Mama: Nur für Dich, Du dicke Sau.“ Wikipedia merkt an: „Diese Zeile wurde von vielen als geschmacklos interpretiert.“ Nein, das ist doch ganz normal.

Der Gutmensch Bushido tritt nun also am Brandenburger Tor auf. Und da hilft es auch nichts, wenn CDU und Grüne der Meinung sind: „Bushido ist als Botschafter gegen Gewalt völlig ungeeignet“. Das sieht der BRAVO-Chefredakteur ganz anders. Bushido wird natürlich auftreten, nichts spreche dagegen. Auch nicht die Auflistung von Bushido-Texten, die Thomas Birk, der lesben- und schwulenpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus zusammengestellt hat.

Zitate aus "Electro Ghetto": "Guck mir zu, wie ich jeden deiner Homies erschieß" "Ihr seid stockschwul und euren Pennern fehlen die Ideen." Zitate aus "Berlin": "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel." "Es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze." Zitat aus "Mittelfinga": "Wäre Deine Mutter fünf Mark billi-ger, wäre ich heute Vater, Du Opfer, zeig Respekt vor dem Vergewaltiger Deiner Mutter."

„So ein Spruch“, meint Thomas Birk, „dürfte auf dem Schulhof wohl in jedem Fall zu einer Prügelei führen.“ Die Textzeile "Ihr Tunten werdet vergast" wurde auf öffentli-chen Druck hin von seinem damaligen Label "Universal" nicht veröffentlicht.

Thomas Birk: „Selbst wenn sich Bushido gegen Gewalt an Schulen ausspricht, ver-breitet er in seinen Texten doch die Botschaft, spätestens nach Schulschluss ist der Ring frei fürs ‚Schwulenklatschen’. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass es schwule Schüler gibt, die laut einer aktuellen Umfrage des Antigewaltprojektes Maneo hoch gefährdet sind, Opfer homophober Gewalt zu werden.“

Einen Tag vor dem Auftritt Bushidos in Berlin sollte es ein Konzert in Leipzig geben. Dieses wurde – ohne Angabe von Gründen – abgesagt. Bushido bedauert das auf seiner Internetseite und vermutet, dass die Veranstalter wohl Angst vor zu vielen Be-suchern hätten.

Das Konzert in Berlin wird von VIVA live übertragen. Niemand wird verhindern kön-nen, dass die Kids zum Brandenburger Tor wandern oder sich das Konzert im Fern-sehen anschauen. Wir sind ein freies Land, grenzenlos, hier darf jeder seinen Mist verbreiten. Wer allerdings mit jemanden gemeinsame Sache macht, der Sprüche, wie hier zitiert, von sich gibt, verdient nur eines: Verachtung.

Ed Koch




  
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