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Дружба - Druzhba - Freundschaft

geschrieben von: Redaktion am 24.04.2022, 07:25 Uhr
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„Warum sind die Russen unsere Brüder und Schwestern und nicht einfach nur unsere Freunde?“ Antwort: „Verwandte kann man sich nicht aussuchen.“ Aus diesem alten DDR-Witz lässt sich ableiten, dass Freundschaft etwas ganz Besonderes und Wertvolles ist. Die beste Freundin, der beste Freund haben für viele Menschen oft einen höheren Stellenwert als Mitglieder der eigenen Familie.


Die Freundschaft zwischen Gerhard Schröder und Wladimir Putin muss etwas ganze Besonderes sein. Auf den Bildern, die wir kennen, umarmt Schröder Putin herzlich, und man sieht, dass die Umarmungen stets von ihm ausgehen. Putin lässt sich umarmen, umarmt aber nie selbst. Nun gut, auch Edmund Stoiber hat Putin umarmt, oder es jedenfalls angedeutet, was aber weit hinter der Emotionalität von Schröder rangiert.

Trotz des Vernichtungskrieges, den Putin gegen die Ukraine führt, hat Schröder sich nicht von ihm los-gesagt, während die Zahl von Schröders Freunden in Partei und Gesellschaft dramatisch gesunken ist. Die freie Welt hat mitbekommen und beobachtet mit Unverständnis (die unfreie Welt mit Schadenfreude) die deutsche Herumeierei, ob schwere Waffen an die Ukraine geliefert werden sollen oder nicht. Warum sich Schröder entschieden hat, der New York Times ein Interview zu geben, wissen wir nicht, auf jeden Fall betritt er damit die internationale Bühne und das Publikum kommt aus dem Staunen nicht raus.

„The Former Chancellor Who Became Putin’s Man in Germany“ ist das Interview in der New York Times überschrieben, frei übersetzt: Wie wurde der frühere Bundeskanzler Putins Mann in Deutschland. Ein-leitend heißt es: „Gerhard Schröder, der von russisch kontrollierten Energieunternehmen mit fast einer Million Dollar pro Jahr bezahlt wird, ist zum Paria geworden. Er ist aber auch ein Symbol der deutschen Russlandpolitik.“

Katrin Bennhold hat Gerhard Schröder für das Interview, das am Samstag veröffentlicht wurde, zweimal in Hannover besucht. Schröder habe sich gegenüber der Journalistin vom Krieg distanziert, nicht aber von Putin. In dem Interview wird deutlich, dass sich Schröder weder von Putin noch von seinen Posten zurückziehen wolle. Er könne sich einen Rücktritt „nur für einen Fall vorstellen: Wenn der russische Präsident Wladimir Putin Deutschland und der Europäischen Union das Gas abdreht.“ Das bedeutet, dass weitere Kriegsverbrechen, die Eroberung der gesamten Süd-Ost-Ukraine, das Aus-hungern der verbliebenen Menschen in dem Stahl-werk von Mariupol, die begonnene Zerstörung Odessas, die mögliche Ausweitung des Krieges auf die Republik Moldau, keine Gründe wären, dem russischen Staatskonzernen den Rücken zu kehren, sondern lediglich, wenn kein Gas mehr nach Deutschland flösse. Die Freundschaft zu Putin steht nicht zur Disposition, also zu einem Mann, der gnadenlos seinen Vernichtungskrieg selbst am orthodoxen Osterfest, das heute in Russland und der Ukraine „gefeiert“ wird, fortsetzt.

Schröder rechne zwar nicht damit, dass Putin den Gashahn abdrehen werde, (warum auch, verdient er doch täglich in der Höhe von Schröders Jahresbezügen damit), sollte es dennoch passieren, würde Schröder zurücktreten, wobei er der NYT nicht verriet, von welchen Posten. Schröder ist Vorsitzender des Aufsichtsrats von Rosneft und war/ist auch für die Nord Stream-Pipelines tätig.

Schröder unterstreicht in dem Interview, dass er immer deutsche Interessen vertreten habe. Schröder weiter: „Ich denke, dieser Krieg war ein Fehler und das habe ich auch immer gesagt." Im Gegensatz zu Schröder „denkt“ die freie Welt nicht, dass der Krieg ein Fehler ist, sondern sie weiß es.

Schröder berichtet auch von seinem Vermittlungs-versuch im März in Moskau, der nicht mit der Bundesregierung abgesprochen war. Zu einem sichtbaren Ergebnis hat er offenbar nicht geführt. Schröder äußert sich nicht zu den Inhalten seiner Gespräche mit Putin, gelangt aber zu der Erkenntnis, „dass Putin daran interessiert sei, den Krieg zu beenden.“ Das sei aber nicht so leicht, so Schröder. „Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen.“

Die Initiative für die Moskau-Reise Schröders soll angeblich von ukrainischer Seite ausgegangen sein. Schröder berichtet, dass er „von Putin im Kreml wie ein Staats- oder Regierungschef empfangen“ worden sei und auch an dem inzwischen legendären langen Tisch Platz nehmen durfte. Trifft man sich so mit Freunden? In Schröders Erzählungen folgen nicht nachprüfbare Geschichten aus 1000 und einer Nacht. Ein Schweizer Medienunternehmer habe einen Kontakt zu einem ukrainischen Parlamentarier hergestellt, der Schröder in Istanbul über die Positionen der Ukraine informiert habe. Der Kontakt zu dem Parlamentarier sei danach abgebrochen. Was für eine irre Geschichte, die stimmen mag, oder auch nicht.

Schröder äußerte sich auch zum Massaker in Butscha, wo inzwischen Kriegsverbrechen dokumentiert wurden. Das müsse „untersucht werden“, so Schröder. Dass die Befehle dazu von Putin gekommen seien, glaubt Schröder nicht, er macht viel-mehr „niedrigere Stellen“ dafür verantwortlich.

Ruft man sich den TV-Bericht ins Gedächtnis, als sich Putin und sein Kriegsminister Sergej Schoigu gegenübersitzen und Putin ihn anweist, das Stahl-werk in Mariupol zu blockieren, „damit nicht mal mehr eine Fliege unentdeckt hineinkommt", dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass irgendetwas in diesem Krieg passiert, das nicht persönlich von Putin angeordnet wird.

Unbeirrt von den Ereignissen verteidigt Schröder die deutsche Energiepolitik unter seiner und der Kanzlerschaft von Angela Merkel. „Schröder wirbt da-für, die Beziehungen zu Russland trotz des Angriffskrieges gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten.“, heißt es in einem Bericht des ZDF über das Interview. „Sie können ein Land wie Russland langfristig nicht isolieren, weder politisch noch wirtschaftlich. Die deutsche Industrie braucht Rohstoffe, die Russland hat. Es geht nicht nur um Öl und Gas, es geht auch um seltene Erden. Und das sind Rohstoffe, die nicht so einfach ersetzt werden können.", sagt Schröder.

Schröder zeigt sich „verwundert“ über die hitzige Debatte, dass sich Deutschland vom russischen Gas abhängig gemacht hat. „Sie haben das alle mitgemacht in den letzten 30 Jahren. Und plötzlich wissen sie es alle besser." Damit zumindest hat Schröder recht.

Welche skurrilen Formen die Freundschaft zwischen Putin und Schröder hat, beschreibt Katrin Benn-hold. Schröder habe ihr ein „Handy-Foto von einem Besuch bei Putin in Sotschi am Schwarzen Meer im vergangenen Herbst gezeigt, als die russischen Truppen bereits an der ukrainischen Grenze aufmarschierten - Putin in Eishockey-Kleidung, Schröder im blauen Hemd und Sakko, beide lächelnd. Auf die Frage, über was die beiden sich da gerade unterhalten, antwortet Schröder: ‚Fußball.‘“ Quelle: ZDF

„Ein Schuldbewusstsein wegen seiner engen Bindungen zu Russland“, resümiert Bennhold, habe Schröder nicht. „Ich mache jetzt nicht einen auf mea culpa. Das ist nicht mein Ding." Natürlich nicht, warum auch. Ich sage es ungern und mit Schmerzen, weil Schröder m.E. ein guter Bundeskanzler war, aber dieser Mann hat in der SPD nichts mehr zu suchen. Schmeißt ihn raus.

Ed Koch



  
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