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Am 12. Mai begann das freie Leben Berlins

geschrieben von: Redaktion am 13.05.2022, 07:09 Uhr
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40 Jahre lang betraf das jedoch nur den Westteil der Stadt. Der 12. Mai 1949 hat historisch betrachtet die gleiche wichtige Bedeutung wie der 9. November 1989, der Tag, an dem die Mauer fiel. 1949, vier Jahre nach Kriegsende hatten sich längst die gemeinsamen Ziele der Westalliierten auf der einen und Stalins Sowjetunion auf der anderen Seite auf-gebraucht. Kämpften beide Seiten gemeinsam gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg, zerbrach diese nicht zusammenpassende Allianz aus Demokratien und einer Diktatur sehr bald.

Berlin wurde unter den so genannten Vier-Mächte-Status gestellt, wobei die Sowjetunion für die acht östlichen Bezirke zuständig war, die USA für sechs, Großbritannien für vier und Frankreich für zwei westliche Bezirke. Josef Stalin, Machthaber der Sowjetunion, war West-Berlin von Anfang an ein Dorn im Auge. Heute kann man sich dieses Konstrukt kaum noch vorstellen. Mitten in der sowjetischen Besatzungszone, aus der am 7. Oktober 1949 die DDR wurde, befand sich die geteilte Stadt Berlin. Stalin hätte sie gern schon damals „wiedervereinigt“, allerdings unter seiner Herrschaft.

Dass allein aus strategischen Gründen die West-Alliierten das nicht zulassen konnten, hätte Stalin klar sein müssen. Und als dieser dann am 24. Juni 1948 die Zufahrtswege nach Berlin abriegelte, um die Stadt aushungern zu lassen und zur Aufgabe zu zwingen, hatten die West-Alliierten nur eine Option, um einen neuen Welt-Krieg zu verhindern, nämlich die Stadt aus der Luft zu versorgen. Zu Lande, auf dem Wasser und auf der Schiene konnte Stalin seine Blockade durchsetzen, nicht aber in der Luft, denn diese stand unter Kontrolle aller Siegermächte.

Am 12. Mai 1949 musste Stalin einsehen, dass der Westen seinen Teil Berlins niemals aufgeben würde. Er kapitulierte. Alle weiteren durch die Sowjetunion ausgelösten Krisen, das Chruschtschow-Ultimatum 1958, als Stalins Nachfolger den Abzug der West-Alliierten forderte, und den Bau der Mauer 1961, überstand West-Berlin unbeschadet. Das war keine Selbstverständlichkeit, sondern forderte den Entschluss und die Durchsetzungskraft vor allem der Vereinigten Staaten.

Am 12. Mai wird traditionell in einer Feierstunde des Endes der Berlin-Blockade und der Opfer der Luft-brücke gedacht. Die Zeremonie ist seit vielen Jahren gleich. Der jeweilige Regierende Bürgermeister hält eine Rede, danach werden Kränze vor dem Denkmal aufgestellt und zum Schluss werden die Nationalhymnen der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands gespielt.

Diese Gedenkstunde ist vor allem auch ein jährliches Treffen der immer weniger werdenden Veteranen, deren Nachkommen und derer, die das Gedenken an diesen historischen Tag bewahren.

Denkmal für Gail Halvorsen

Im Fokus des Gedenkens stehen vor allem die Piloten der Luftbrücke. Unter diesen hatte sich vor allem Gail Halvorsen durch eine besondere Geste hervorgetan. Für die am Flugfeld stehenden Kinder bastelte er kleine Fallschirme und warf an diesen Süßigkeiten ab. Daraus entwickelte sich ein Schokoladenregen, an dem sich immer mehr Soldaten beteiligten.

Halvorsen blieb auch später der Stadt treu. So war er von 1970 bis 1974 Kommandant des Flughafens Tempelhof und reiste danach regelmäßig nach Berlin und sprach bis ins hohe Alter mit Jugendlichen über die Zeit der Berlin-Blockade. Im Alter von 101 Jahren ist Halvorsen im Februar verstorben. Schnell wurde der Ruf nach einem Denkmal für diese außergewöhnliche Persönlichkeit laut. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, die wegen einer Reise nach Polen nicht an der Feierstunde teilnehmen konnte, lehnte das Ansinnen zunächst ab. Die B.Z. berichtete im Februar: „Ein Herausheben seiner Person mit einem Denkmal von der Vielzahl anderer Luftbrückenpiloten, von denen viele bei der Versorgung Berlins ums Leben kamen, wäre nicht in seinem Sinne. Eine zusätzliche Ehrung entspräche auch nicht dem wiederholt dargelegten Selbstverständnis Gail Halvorsens.“ In einem Schreiben an Giffey widerlegten die Angehörigen von Halvorsen die schlecht recherchierte Aussage von Giffey.

Senator Andreas Geisel, der Giffey bei der Feier-stunde für den Senat vertrat, verkündete gestern recht überraschend, dass es ein Denkmal für Gail Halvorsen geben werde und die Vorbereitungen dazu begonnen haben. Bei einer von Halvorsens Familie initiierten Spendenaktion für ukrainische Kinder zeigte sich im April Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann offen für eine Ehrung von Gail Halvorsen „in Form einer Gedenktafel oder vielleicht auch mehr“. Nun scheint sich alles auf einem guten Weg zu befinden. 2024 begehen wir den 75sten Jahrestag des Endes der Berlin-Blockade. Ein idealer Zeitpunkt für die Enthüllung des Denkmals. Bis da-hin müsste es möglich sein, einen Wettbewerb durchzuführen und das Denkmal gestalten zu lassen.

Die Rede zum Luftbrücken-Gedenken hielt in diesem Jahr Parlamentspräsident Dennis Buchner. Nach-folgend dokumentieren wir seine Ansprache:

„Gemeinsam erinnern wir uns heute an das Ende der Berlin-Blockade vor 73 Jahren. Ich möchte den-noch vorweg etwas zu den Ereignissen sagen, die uns alle seit zweieinhalb Monaten beschäftigen, bestürzen und fassungslos machen.

Meine Gedanken, unsere Gedanken sind in diesen Tagen und Wochen bei den Menschen in der Ukraine. Wir alle bewundern den Mut, mit dem das ukrainische Militär, aber auch die Zivilbevölkerung ihre Hauptstadt und das Land gegen russische Angriffe verteidigen. Wir alle verurteilen auf das Schärfste den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, die feigen Anschläge auf Zivilisten, auf Kinder und Frau-en, die Kriegsverbrechen der russischen Armee, die so viele zivile Ziele unter Beschuss nehmen.

Wir alle verurteilen diesen Angriff auf ein freies, demokratisches Land. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Krieg! Wir alle sind enttäuscht, weil wir feststellen müssen, dass unser europäischer Kontinent kein Friedensort mehr ist. Russland hat den Pfad der friedlichen Koexistenz in Europa verlassen. Das nehmen wir zur Kenntnis und es wird unser Handeln gegenüber Russland auf lange Zeit prägen und verändern.

Aber uns bewegt ebenso der unbedingte Freiheitswille der Ukrainerinnen und Ukrainer, mit dem sie ihren jungen Staat verteidigen wollen. Und dabei ihr Leben riskieren. Und das nötigt uns den größten Respekt ab. Ihr Kampf für die Freiheit ist auch ein klares Bekenntnis zu Europa. Ja, der russische Krieg um die Existenz der Ukraine ist auch ein Krieg um die Freiheit unseres Kontinents. Wir wissen das. Deshalb unterstützt auch unsere Bundesregierung den Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung der Ukraine. Deshalb unterstützen wir die Ukraine militärisch und finanziell. Und wir tun das nicht in Alleingängen, sondern in engster Abstimmung mit den Partnern in Europa, mit den Partnern in der NATO.

Ich bin stolz, dass sich tagaus tagein viele Berline-rinnen und Berliner, viele Menschen in ganz Deutschland, um die Frauen und Kinder, die aus der Ukraine geflohen sind, kümmern. damit sie sich hier bei uns sicher fühlen, ohne die Heimat zu vergessen. Dafür möchte ich allen Beteiligten ausdrücklich danken.

Es ist großartig, was sie leisten, um mit friedlichen Mitteln den europäischen Zusammenhalt zu unter-streichen. Doch auch der Blick nach Polen, in die Tschechische Republik, nach Rumänien und Moldawien zeigt: Die Menschen dort sind solidarisch mit den geflohenen Menschen aus der Ukraine. Damit wird eines klar: Europa ist eng zusammengewachsen. Europa ist solidarisch. Meine Damen und Herren, Geschichte wiederholt sich nicht. Aber wir sollten trotzdem eines nicht vergessen: Es gibt immer wieder historische Parallelen.

Nicht zum ersten Mal wird von einer Führung in Moskau der Versuch unternommen, anderen Nationen ihren Willen mit Gewalt aufzuzwingen. Auch die deutsche und Berliner Geschichte im 20. Jahrhundert lehrt uns die Existenz realer Bedrohung – damals noch angepriesen als Siegeszug des Kommunismus im Kalten Krieg.

Und so können wir einen Bogen schlagen zu den Geschehnissen in unserer Stadt, die sich in den bei-den Jahren 1948 und 1949 ereigneten und wegen denen wir uns heute hier am Luftbrückendenkmal versammelt haben.

Die Berlin-Blockade des Jahres 1948 war ein tiefer Einschnitt in der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte Berlins. Das Ziel war, die westlichen Stadtbezirke auszuhungern und mürbe zu machen. Hunger sollte die Begeisterung wecken, den Weg ins kommunistische System zu finden. Die Versorgungswege zu Land und zu Wasser wurden von den Russen gesperrt. Das war insofern perfide, als Berlin die Folgen des Zweiten Weltkriegs noch längst nicht über-wunden hatte.

Der Wiederaufbau Berlins war gerade erst so richtig angelaufen, auch in den westlichen Sektoren der Stadt. So sorgte die Berlin-Blockade für neue Unsicherheit und Angst bei den Menschen im Westteil Berlins. Sie wussten nicht, wie es mit ihnen und der Stadt angesichts der erneuten Bedrohung weitergehen sollte. Viele fürchteten eine Okkupation durch die Sowjetarmee. Wenn wir uns diese Bedrohung heute vor Augen führen, dann wird uns bewusst, wie beeindruckend die Leistung derjenigen war, die damals die politische Verantwortung schulterten. Aber auch, wie politische Verantwortung eine große Last sein konnte.

Dankbar denke ich zurück an Ernst Reuter, an Louise Schroeder und auch an Otto Suhr, den Präsidenten der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Sie alle waren überzeugte Demokraten und Kämpfer für die Freiheit. Und sie waren anti-kommunistisch eingestellt, was ihrem Ansehen in der Bevölkerung der Westsektoren mächtig Auftrieb gab. Die Berlin-Blockade war der russische Versuch, den ernsten Willen der alliierten Westmächte zu testen, zu testen, ob sie bereit waren, die westlichen Sektoren zu verteidigen. Wie würden sich die westlichen Alliierten bezogen auf Berlin verhalten? Das war die Kernfrage.

Auch die Menschen in den Westsektoren hatten damals Sorgen, die westlichen Alliierten könnten ihre Präsenz in Berlin beenden und dem Druck der Sowjets weichen. Ähnlich wie heute – bezogen auf den Krieg gegen die Ukraine - gab es dabei durchaus unterschiedliche Vorschläge, um auf die Berlin-Blockade zu reagieren. Darunter waren auch militärische Aktionen, die von ranghohen alliierten Offizieren vorgeschlagen wurden – wohl auch vom amerikanischen Militärgouverneur General Clay.

Letztlich aber bremsten alliierte Politiker militärische Manöver aus – wohl aus gutem Grund. Niemand, weder der amerikanische Präsident Truman noch der britische Premier Attlee waren bereit, einen erneuten Weltkrieg zu riskieren. Und so wurde dann von den amerikanischen Besatzern eine Luft-brücke favorisiert, um das westliche Berlin mit dem Notwendigsten aus der Luft zu versorgen. Dabei griff man auf eine geübte Praxis zurück, einer „kleinen Luftbrücke“, mit der bereits die amerikanischen und britischen Streitkräfte in Berlin versorgt wurden.

Nur die Dimension war nun auf einmal viel gigantischer: Es ging schlicht darum, Güter und Waren für Millionen Menschen in die Stadt zu fliegen. Eine Mammutaufgabe, die am Ende glücklicherweise mit Bravour gemeistert wurde. Allerdings nicht ohne Opfer: 41 Briten, 31 US-Amerikaner und 13 Deutsche kamen im Zusammenhang mit der Luftbrücke zu Tode. Menschen, die für die Freiheit Berlins starben. Unser Andenken an diese Helden der Luftbrücke werden wir deshalb niemals aufgeben.

Wir denken heute dankbar an die Menschen, die die Luftbrücke möglich gemacht haben, inzwischen aber verstorben sind. Im Februar ist Gail Halvorsen gestorben, der „Candy-Bomber“, erst ein großer Freund der Kinder in unserer Stadt, schließlich einer, der ein Freund der ganzen Stadt wurde, der es über viele Jahrzehnte blieb.

Gail Halvorsen ist 101 Jahre alt geworden, öfter hat er an diesem Jahrestag hier gestanden. Und so denken wir heute noch einmal stellvertretend für die vielen Beteiligten aus den USA, Großbritannien, später auch aus Australien und Neuseeland, Kanada und Südafrika zurück. Sie alle haben damals – getreu den Worten von Ernst Reuter – als Völker der Welt auf diese Stadt geschaut.

Die Luftbrücke, meine Damen und Herren, – sie steht bis heute als Synonym für die Freiheit Berlins. Sie ist zu einem Symbol der Freundschaft geworden. Auch ein Symbol für die internationale Stadt. Vor allem den jungen Menschen in Berlin möchte ich deshalb sagen: Pflegen Sie diese Freundschaften weiter, erfüllen Sie sie mit Leben. Gute Freunde in der Welt zu haben, ist unschätzbar wertvoll. Für uns alle.

Auch die Ukrainerinnen und Ukrainer sollen wissen, dass sie Freunde und Verbündete haben. Denn wir alle wollen, dass die Ukraine ein freies Land bleibt. Wir alle wollen, dass Europa frei bleibt.“

Der Berliner CDU-Vorsitzende Kai Wegner erklärte zum Jahrestag. „Die Luftbrücke war eine Sternstunde der Humanität. Mit der größten humanitären Luftoperation aller Zeiten sicherten die West-Alliierten die Versorgung unserer Heimatstadt. Die Rosinenbomber, deren Piloten für die Kinder Süßigkeiten an selbstgebastelten Fallschirmen abwarfen, gingen als legendäres Symbol der Menschlichkeit in die Geschichte ein. Auch dank der Luftbrücke wurden aus ehemaligen Feinden echte Freunde. Wir erlebten das Wunder der Versöhnung, nur wenige Jahre nach einem mörderischen Krieg. Der Versuch der Sowjets, den Westen zur Aufgabe Berlins zu zwingen, scheiterte auf ganzer Linie.

Wir wissen, dass unsere Heimatstadt die schwere Zeit der Blockade nur dank des Mutes insbesondere unserer US-amerikanischen, britischen und französischen Freunde durchstehen konnte. Wir verneigen uns vor all denen, die die Freiheit West-Berlins in den denkwürdigen Monaten der Luftbrücke tapfer verteidigt haben. Unsere Aufgabe ist es, das Erbe der Männer und Frauen, die die Blockade unserer Stadt durchbrochen haben, lebendig zu halten. Und wir werden immer daran denken, dass der Wille zur Freiheit alle Widerstände überwinden kann. In Berlin und überall in der Welt.“

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch

  
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