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Hosen runter

geschrieben von: Redaktion am 18.08.2022, 00:13 Uhr
paperpress604 
Dem rbb werden die Hosen runtergezogen, teils von ihm selbst, teils von anderen. Derzeit gibt es einen Wettlauf zwischen dem rbb-Rechercheteam und den privaten Medien wie Business Insider, WELT oder Bild. Wer kann zuerst die neueste Enthüllung präsentieren. Das nennt man Wettbewerb.


Gestern Abend beschäftigte sich der rbb in einem Spezial mit sich selbst, wie so oft in diesen Tagen. Kaum ein anderer Moderator als Volker Wieprecht hätte diesen Ritt auf der Rasierklinge mit so großer Bravour hinbekommen wie er. Damit ist aber auch schon das Quantum Lob erschöpft. Die Frage, ob der Rundfunk reformfähig ist, wie es der Titel vorgab, blieb weitestgehend unbeantwortet. Nur so viel: In diesem Jahr gibt es keine Zusatzzahlungen an die Leitungsebene des Senders, versprach der amtierende Intendant Hagen Brandstäter.

Neben Brandstäter diskutierten mit Volker Wieprecht Programmdirektor Jan Schulte-Kelling-haus, René Althammer, Leiter des rbb-Rechercheteams, die Medienredakteurin beim Deutschlandfunk Bettina Schmieding und der Chefredakteur von WELT N24 Ulf Poschardt. Diese Zusammensetzung tat der Sendung nicht gut. Zwei Vertreter der Geschäftsleitung und drei Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegen einen vom Privatfernsehen. Ein Vertreter der Geschäftsleitung hätte gereicht, und neben dem Moderator und Recherche-Redakteur wären zwei Vertreter der Privaten gut gewesen, am besten die Chefredakteure von Bild und RTL. Diese hätten, wegen der besseren Vergleichbarkeit, erzählen können, was sie monatlich verdienen und ob sie das Wort Boni kennen. Von den rbb-Bossen kennen wir jetzt (hoffentlich) jeden Cent ihrer Gehaltsabrechnung.

Die Sendung diente dem ehrenwerten Zweck, Transparenz zu schaffen. Die Kritik der Privaten an den öffentlich-rechtlichen kam zu kurz. Egal, ob man deren Meinung teilt, anhören sollte man sie auf jeden Fall. Der ÖRR ist durch die Zwangsgebühren gegenüber den Privaten privilegiert, denn diese müssen ihr Geld mit Werbung finanzieren. Der ÖRR braucht auch Werbeeinnahmen. Der ÖRR darf im Durchschnitt nur 20 Minuten Werbung an Werktagen senden, und auch nur zwischen 17:43 und 20:00 Uhr, Ausnahmen sind zum Beispiel große Sportveranstaltungen. In den dritten Programmen der ARD, auch bei ZDFneo oder Phoenix wird keine Werbung gesendet. Im Privatfernsehen dürfen in einer Stunde zwölf Minuten Werbung gezeigt werden, egal zu welcher Uhrzeit und an welchem Tag.

Das Angebot an privaten Sendern ist unüberschaubar. Aber auch der ÖRR kann sich über zu wenig eigene Programme nicht beklagen. Die Angebote der Regionalprogramme können Private nicht top-pen. ZDFneo und ZDFinfo sind wunderbare Ergänzungen zum Hauptprogramm des ZDF, ebenso wie ARD One oder tagesschau24. Phoenix, ein Gemeinschaftsprojekt von ARD und ZDF, überträgt Bundestagsdebatten, nationale und internationale Pressekonferenzen, und selbst Debatten aus dem britischen Unterhaus. Warum allerdings bestimmte Ereignisse in Phoenix und ARD oder ZDF parallel laufen müssen, ist unverständlich.

Der Kinderkanal KiKa von ARD und ZDF ist ein großartiges Angebot an den Nachwuchs. Nicht verzichten wollen wir auch auf 3sat, betrieben von ZDF, ORF, SRF und ARD, oder den deutsch-französischen Sender arte. Was für ein großartiges und vielfältiges Angebot, nicht alles, aber der über-wiegende Teil von hoher Qualität. Mit dem „Fern-sehgarten“ und „Immer wieder sonntags“ wird die große Gruppe der gebührenzahlenden Rentner be-spaßt, was auch seine Berechtigung hat.

Wir können in Deutschland froh sein, dass wir dieses System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben. Die ARD London-Korrespondentin Annette Dittert hat beschrieben, wie sehr die Politik Einfluss auf die BBC nimmt, einem Sender, der weltweit als das Flaggschiff unabhängigen Journalismus gilt. Der BBC haben wir unser System zu verdanken. Selbst hat sie sich allerdings in die Abhängigkeit der Politik begeben. Leitende Funktionen im Sender werden von der Regierung besetzt. Davon sind wir weit entfernt, obwohl die Politik immer wieder versucht, Einfluss bei der Besetzung von Posten zu nehmen.

Apropos Posten. Der Intendantenstuhl des rbb muss so schnell wie möglich neu besetzt werden, damit der notwendige Neuanfang gelingen kann. Dass es eine Reform der Gremien geben muss, die ihre Kontrollpflicht nur sehr unzureichend wahrgenommen haben, ist unbestritten. Forderungen, wo-nach „jetzt mal eine Frau aus dem Osten“ Intendantin werden sollte, sind unverschämt. Die Person mit der höchsten Qualität sollte den geölten Parkettboden betreten.

Warum sich Ulf Poschardt darüber aufregt, dass Louis Klamroth auf Frank Plasberg folgt, muss ich noch herausfinden, Klamroth sagt mir nichts.

Ed Koch

  
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