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Besuch vom Nachbarn

geschrieben von: Redaktion am 18.08.2022, 08:06 Uhr
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Gestern, am 17. August 2022, waren unsere Nachbarn aus Polen zu Gast am Gendarmenmarkt. Das International Lutosławski Youth Orchestra wurde 2013 in der polnischen Hafenstadt Szczecin, dem ehemaligen Stettin, gegründet – in Erinnerung an den herausragenden Komponisten Witold Lutosławski zu seinem 100. Geburtstag.


Dementsprechend wurde das Werk des Komponis-ten bei dieser Sommerakademie, zu der Studieren-de aus Polen und ganz Europa nach Szczecin kamen, besonders gewürdigt – in diesem Jahr mit dessen spannendem Violoncellokonzert, das der Lutosławski-Preisträger von 2007, Marcin Zdunik, aufführte.

Den Anfang des Konzerts, mit dem sich das Orchester erstmals bei Young Euro Classic vorstellte, machte ein weiterer polnischer Komponist, der in Deutschland viel zu wenig bekannt ist; Mieczesław Karłowicz. Die klangvolle Orchester-Ouvertüre Bianca da molena entstand in seiner Berliner Zeit im Jahr 1900!

Nach der Pause stellte sich das Orchester, das von dem aserbaidschanischen Dirigenten Ayyub Guliyev geleitet wird, der Herausforderung von Béla Bartóks Konzert für Orchester. Entstanden als letz-tes großes Werk des in die USA emigrierten Komponisten, gibt es – wie der Name verrät – den einzelnen Orchestergruppen hervorragende Möglichkeit, ihr Können zu präsentieren. Die Herausforderung gelang, das Können der jungen polnischen Musikerinnen und Musiker war hörbar.

Pate des Abends war Stefan Raue, der Intendant des Deutschlandradios.

Das International Lutosławski Youth Orchestra (ILYO) ist das erste internationale Jugendorchester in Polen überhaupt. In ihm treffen sich junge Musikerinnen und Musiker aus Polen und ganz Europa zu einem sommerlichen Workshop, der mit einem Abschlusskonzert in der 2014 eröffneten, preisgekrönten Philharmonie Szczecin beschlossen wird. Organisiert werden die Treffen in Zusammenarbeit mit dem
traditionsreichen Philharmonischen Orchester Szczecin. Große Bedeutung erhält dabei die intensive Betreuung der Orchestergruppen durch erfahrene Tutorinnen und Tutoren.

Ein Schwerpunkt der Konzertprogramme liegt auf der Einstudierung zeitgenössischer Kompositionen, insbesondere von Werken des Namensgebers Witold Lutosławski.
Der aserbaidschanische Dirigent Ayyub Guliyev begann mit 15 Jahren seine Ausbildung an der Musikakademie Baku; später wechselte er zum Studi-um nach St. Petersburg und anschließend für drei Jahre nach Wien und Prag.

2006 gewann er den Orchesterpreis beim Lutosławski-Wettbewerb in Polen; es folgten Auszeichnungen in Athen, Parma und beim „Debüt in der Laeisz-Halle“-Wettbewerb in Hamburg. 2011 dirigierte Guliyev zum ersten Mal an der Staatlichen Oper Aserbaidschan, zu deren Künstlerischem Direktor er 2018 ernannt wurde. Seitdem hat er dort ein breites Repertoire dirigiert, das von Mozart über Tschaikowski und Verdi bis zu aserbaidschanischen Komponisten wie Kara Karabayev und Uzeyir Hajibeyli reicht.

Auch als Orchesterdirigent wurde der 38-Jährige zu namhaften Ensembles in Großbritannien, Frank-reich, Österreich, Polen, Russland und der Ukraine sowie nach Kirgistan und Kasachstan eingeladen. Aus Anlass des 100. Geburtstags des aserbaidschanischen Komponist Fikret Amirov dirigierte Guliyev im Januar dieses Jahres mehrere Aufführungen von dessen Ballett Arabische Nächte am Marinskij-Theater in
St. Petersburg.

Der 34-jährige polnische Cellist Marcin Zdunik hat sich in den letzten Jahren europaweit einen Namen als Solist und Kammermusiker mit breitem Repertoire von der Renaissance bis zur Moderne gemacht. So wurde er zu renommierten Festivals wie den BBC Proms in London, dem Kammermusikfestival in Kronberg/Taunus und dem Progetto Martha Argerich in Lugano eingeladen. Gleichzeitig tritt er als Improvisator und Komponist mit eigenen Arrangements auf. Seine Ausbildung erhielt Zdunik bei Andrzej Bauer an der Chopin-Akademie Warschau und bei Julius Berger in Augsburg.

2007 gewann er den 1. Preis beim Internationalen Lutosławski-Wettbewerb für Violoncello in War-schau. Außerdem erhielt er einen Sonderpreis für die beste Interpretation von dessen Violoncellokonzert, das er auch in Berlin interpretierte. Die Viel-zahl seiner CD-Produktionen zeigt die Spannweite von Zduniks künstlerischem Interesse: Sie reicht von Cellokonzerten Haydns und Denissovs über Schumanns sämtliche Cellokompositionen und Weinbergs Fantasie für Violoncello und Orchester bis zu der CD Bach Stories mit Werken des Komponisten und eigenen Arrangements.

Quelle: YEC - Zusammenstellung: Ed Koch







  
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