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Täglich aufregen

geschrieben von: Redaktion am 20.08.2022, 09:15 Uhr
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Manchmal habe ich wirklich Angst, so zu werden wie der B.Z.-Kolumnist Gunnar Schupelius, dessen Lebensinhalt allein darin zu bestehen scheint, sich täglich aufzuregen. Diesen Ärger veröffentlicht er über die „Stimme Berlins“, wie sich die B.Z. be-scheiden nennt. Es gibt kein Thema, zu dem Schupelius nicht eine Meinung hat und uns seinen, wie er es nennt, „gerechten Zorn“ mitteilt. Leider hat er häufig recht. Es gibt aber auch so viel, worüber man sich aufregen kann. Ich weiß nicht, wie sich Schupelius entspannt, vielleicht so wie ich mit regelmäßigen Konzertbesuchen. Sich nur zu ärgern, macht doch krank.


Was die Geschichte der Warburg-Bank betrifft, so gebe ich zu, nicht mehr durchzublicken. Auf die Rückzahlung von 47 Millionen Euro aus "Cumex" Geschäften soll die Hamburger Finanzbehörde 2016 verzichtet haben. Am 14. Januar 2021 meldet die ARD, dass die Bank 155 Millionen zurückgezahlt habe. Ein Schaden in diesem Fall scheint also nicht entstanden zu sein. Worum geht es also? Offenbar um die Frage, ob die Politik Einfluss auf die Finanzbehörde genommen hat, (vorerst) auf die Rückzahlung von 47 Millionen Euro verzichtet zu haben. Bürgermeister in Hamburg war damals Olaf Scholz, Finanzsenator sein späterer Nachfolger Peter Tschentscher.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt nicht mehr gegen Scholz, aber Bild. Da fragt man sich, was schlimmer ist. Scholz gilt als jemand mit ausgezeichnetem Gedächtnis, in diesem Falle muss er sich aber Sprechblasen wie diese in Bild gefallen lassen. Leider nicht zu Unrecht.

Nicht nur Bild, auch alle anderen Medien wundern sich über die Gedächtnislücken des Bundeskanzlers, bis hin zu den einschlägigen Satiresendungen. Die Performance von Scholz ist nicht überzeugend. Ob wirklich Einfluss genommen wurde, wird vermutlich nie herauskommen, da kann Scholz noch so oft vor den Untersuchungsausschuss geladen werden. Be-weise für eine Einflussnahme gibt es nicht. Allein, ob sich Scholz mit Verantwortlichen der Bank getroffen und/oder mit ihnen gesprochen hat, beweist gar nichts. „Der Kanzler kann sich nur erinnern, dass er damals nichts falsch gemacht hat“, überschreibt Stephan-Andreas Casdorff einen Kommentar im Tagesspiegel. „Schwer zu glauben, dass Scholz in der Warburg-Bank-Affäre solche Erinnerungslücken hat. Zweifel sind angebracht.“, meint Casdorff. „Scholz weiß, dass er sich nicht erinnern kann. Aber er kann sich ganz genau daran erinnern, dass es in Sachen Cumex und Verzicht der Stadt auf Steuerzahlungen der Bank kein Fehlverhalten gegeben hat.“

Ein Bundeskanzler muss auch vor Antritt des wichtigsten Amtes unseres Landes ein einwandfreies Leben geführt haben. Und wenn Schatten auftauchen, müssen sie beleuchtet werden. So ist das in unserer freien Medienlandschaft. Die Grenzen zwischen seriösem, aufklärerischen Journalismus und Kampagnen-Journalismus sind klar erkennbar. Bis heute hat es Bild offenbar nicht verwunden, dass mal wieder ein Sozialdemokrat Bundeskanzler wurde. Scholz liefert leider immer wieder die Munition für die Kanonen seiner Gegner.

Viel schlimmer als Scholz Gedächtnislücken ist seine Reaktionsfähigkeit. Absolut unentschuldbar ist es, dass er Palästinenserpräsident Abbas, der neben Scholz stehend, Israel beschuldigt hat, einen fünf-zigfachen Holocaust an seinen Landsleuten begangen zu haben, ohne Widerspruch hat davonkommen lassen. Dass sein Sprecher die Pressekonferenz schon beendet habe, ist keine Entschuldigung. Scholz hätte in seinem Kanzleramt sofort die PK wieder eröffnen können. Der durch sein Verhalten angerichtete Schaden wiegt schwerer als Erinnerungslücken in einer hanseatischen Bankenaffäre.

Wenn man versucht, mehrere Themen in einem Beitrag unterzubringen, sind die Übergänge meistens sehr schwierig, weil sich die Inhalte natürlich nicht vergleichen lassen. Nehmen wir also die Brücke aus der Überschrift, nämlich das tägliche Aufre-gen. Und das geht weiter in der Affäre Patricia Schlesinger. Diese Affäre hat inzwischen bundes-republikanisches Aufsehen erzeugt, ist Bestandteil von Satiresendungen und stellt den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Frage.

Es geht zu weit und ist absolut inakzeptabel, wenn Reporter des rbb beschimpft und beleidigt werden. Bei einem Richtfest in Altglienicke war gestern auch ein Kamerateam der Abendschau vor Ort. Bislang klebte an den Kameras das rbb-Logo. Das war je-doch nicht zu entdecken. Ich halte das für einen Fehler. Wo soll das hinführen? Dass die Fahrzeuge des Senders neutral umlackiert werden und der Windschutz an den Mikrophonen demnächst grau ist. Nein, die Journalisten des rbb müssen Flagge zeigen und deutlich machen, dass sie nicht Schlesinger sind.

Man traut sich kaum noch, morgens die Nachrichten zu hören. Immer wieder kommen neue Ungeheuerlichkeiten ans Tageslicht. „So funktioniert die ARD“ überschreibt die Morgenpost die neueste Entdeckung, die bislang unbemerkt unterm geölten Parkett lag. Nein, liebe Morgenpost. So funktioniert die ARD eben nicht. Vom Fall Schlesinger auf das größte und beste öffentlich-rechtliche System Europas, wenn nicht so gar der Welt zu schließen, ist voll-kommen ungerechtfertigt.

Das rbb-Rechercheteam und Business Insider kommen mit dem Aufdecken neuer Ungereimtheiten gar nicht hinterher. Vielleicht sollten beide fusionieren, um den Druck aus dem Konkurrenzkampf zu nehmen. rbb-Insider wäre doch ein guter Na-me.

Also: Da gibt es einen Manager beim rbb, den Frau Schlesinger, loswerden wollte (Bild weiß warum), aber offenbar nicht konnte. So darf dieser Mann seit vier Jahren nicht mehr tätig sein, aber jährlich 100.000 Euro kassieren, und das noch bis 2026. Die Kosten dieses Deals betragen am Ende 700.000 Euro. „Eingefädelt worden sei der Deal von Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger und ihrer damaligen Chefjustitiarin Susann Lange. Mittlerweile ist Lange Juristische Direktorin beim RBB.“ Soweit die neuste Entwicklung. Was erwartet uns morgen früh?

Mit Bildern, die man schwer aus dem Kopf wieder rausbekommt, schließen wir die Ärger-Kolumne. Der Tagesspiegel berichtet über die Hygienemaß-nahmen unserer Politiker. „Ich mache morgens nur Katzenwäsche“, sagte Berlins grüne Umweltsenatorin Bettina Jarasch am Mittwoch. Damit meinte sie möglichst kurzes Duschen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann legt prompt nach. In einem Interview bekennt er: „Man muss nicht dauernd duschen. Auch der Waschlappen ist eine brauchbare Erfindung.“

Da kann man nur hoffen, dass Frau Jarasch einen langwirkenden Deodorant hat, Bio, versteht sich. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie Herr Kretschmann mit einem Waschlappen an sich rumwischt. Ja, man muss nicht dauern duschen, wer macht das schon, aber morgens und abends ist bei diesen Temperaturen schon sinnvoll, denn wer möchte sich schweißgebadet abends in sein Bett legen. In einer Minute ist man gut geduscht, man muss nicht alle sechs Strophen von „O sole mio“ unter der Dusche singen, so wie es offensichtlich Wolfgang Kubicki macht, der kürzlich bekannte, besonders lange zu duschen.

Das Bundesumweltamt weiß, dass zwölf bis 15 Liter Wasser pro Minute beim Duschen verbraucht wer-den. Nun, das hängt auch vom Duschkopf ab und ob man den Wasserhahn voll aufdreht. Der Ansicht von Dermatologen, dass Duschen nicht jeden Tag nötig sei, schließe ich mich ausdrücklich nicht an. „Die Reinigung mit Seife und Waschlappen kann genauso sauber und behaglich sein: Das werden viele aus Kindertagen bestätigen.“ Was für ein Blödsinn, Kin-der mit Erwachsenen zu vergleichen, allein, was die Hautfläche anbelangt, die es zu reinigen gilt. Und die Sache mit dem Waschlappen möchte ich mir nicht weiter vorstellen und kann nur hoffen, dass Herr Kretschmann wenigstens zwei Lappen sein Eigen nennt, einen fürs Gesicht und einen fürs Gesäß.

Wir brauchen die Ratschläge der Politik nicht und wissen selbst, wie wir am besten sparen können. Weitere Berichte aus den Badezimmern können sich die Grünen schenken.

Kaum hat der Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller bei Markus Lanz verkündet, dass, fielen auch noch die zwanzigprozentigen Gaslieferungen aus Nord Stream 1 weg, wir in eine Gasnotlage gerieten, probiert Wladimir Putin aus, wie sich das anfühlen würde und wartet für vorerst drei Tage zum Monatsende die Pipeline.

Es gibt zum Gesamtkomplex Ukraine-Krieg und die Folgen, immer mehr krudere Ansichten. Putin hat die Ukraine überfallen, um sie zu erobern. Deutschland hat er weder überfallen noch dem Land den Krieg erklärt. Deutschland hat Russland aus Solidarität mit der Ukraine und im Verbund mit anderen Staaten, einen Wirtschaftskrieg erklärt, so könnte man böswillig die Sanktionen nennen. Und was macht Russland? Antwortet auf den Wirtschaftskrieg mit gleicher Münze. Betroffen davon ist vornehmlich Deutschland. Das sind wirklich ganz krude Gedankengänge, von denen ich mich ausdrücklich distanziere.

Wo bleibt das Positive? Heute nur um die 20 Grad und viele Veranstaltungen innen und außen. Nehmen Sie den Regenschirm mit. Ich sitze im Konzerthaus am Gendarmenmarkt und lausche der Musik des Bundesjazzorchesters und hoffe dabei, Kretschmanns Waschlappen zu vergessen.

Ed Koch

  
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