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Indianerhäuptling

geschrieben von: Redaktion am 23.08.2022, 17:34 Uhr
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Bettina Jarasch wurde von ihrem Stamm fast an den grünen Marterpfahl genagelt, als sie auf die Frage, welchen Berufswunsch sie als Kind hatte, „Indianerhäuptling“ antwortete. Sicherlich ist das, trotz ihrer Entschuldigung, der Grund dafür, dass sie nicht Regierende Häuptlinge*_ / von Berlin wurde.

Um es gleich an den Anfang zu stellen. Ich wollte nie Indianerhäuptling werden, schon gar nicht, nach-dem mich meine Eltern zum Kinderfasching in ein Cowboy-Kostüm steckten. Ich kannte Indianer nur aus dem Kino und aus Karl-May-Büchern. In den Filmen wurden sie regelmäßig von John Wayne abgeknallt, bei Karl May gab es die guten Indianer. Winnetou, der Häuptling der Apachen, war natürlich auch mein Held. Ein edler Indianer, was sonst. Karl May wäre nie auf die Idee gekommen, ihn als Vorsitzenden der Native Americans von der ethnischen Gruppe der Apachen zu bezeichnen. In den USA ist heute zwar die Bezeichnung Native Americans verbreitet, als Selbstbezeichnung wird American Indian häufiger bevorzugt, steht bei Wikipedia, das gilt. Außer für den Ravensburger Verlag.

„Der junge Häuptling Winnetou“ ist nicht der Sohn von Winnetou. Kino.de schreibt zu dem Film, der jetzt in die Kinos gekommen ist und bei Amazon prime für 11,99 Euro angeschaut werden kann: Deutsche Neuadaption der Geschichte über den jungen Indianerhäuptling Winnetou. Als zwölfjähriger Häuptlingssohn hält sich Winnetou (Mika Ullritz) bereits für einen großen Krieger. Sein Vater Intschutschuna (Mehmet Kurtulus) ist da anderer Meinung. Sein Sohn solle noch lernen, sein Gemüt zu zügeln und Verantwortung zu übernehmen. Als bei der Jagd der Apachen jedoch die Büffel ausbleiben, stehen harte Zeiten bevor. Doch eines nachts nimmt er den Waisenjungen Tom Silver (Milo Haaf) gefangen, weil dieser sich den Pferden nähert. Eine schicksalhafte Begegnung, denn Tom behauptet, Winnetou zu den vermissten Büffeln führen zu können. Die beiden machen sich auf die Reise, mit der Winnetou hofft, endlich den Respekt seines Vaters zu bekommen.

Schnell findet das ungleiche Duo aus gänzlich unter-schiedlichen Welten heraus, dass der Verbrecher Todd Crow (Anatole Taubman) mit dem Verschwinden der Büffel zu tun hat. Auf ihrem Abenteuer in der Wüste werden die beiden von Winnetous Schwester Nscho-Tschi (Lola Linnéa Padotzke) unterstützt. Nichts Geringeres als die Rettung des Apachenvolks steht auf dem Spiel.“

Zu dem Film wollte der Ravensburger Verlag „Das große Fanbuch“ herausgeben. Doch bevor es das Licht der Buchläden erblickte, war es schon in den Ewigen Jagdgründen verschwunden. Einem Shitstorm der Empörten, wer immer das sein mag, gelang es tatsächlich, den Verlag zu zwingen, das Buch vom Markt zu nehmen. Bei Amazon steht: „Derzeit nicht verfügbar.“

Wer bestimmt eigentlich in diesem Land, was er-scheinen darf und was nicht. Wer sind diese Menschen? Die Bundeszentrale für jugendgefährdende Schriften ist es jedenfalls nicht. Es ist eine schwache Leistung des Verlages, aufgrund eines inszenierten Shitstorms Bücher, ja hoffentlich nicht zu verbrennen, sondern vermutlich „nur“ zu schreddern.

Wo soll das hinführen, wenn wir anfangen, literarische Meisterwerke wie Pippi Langstrumpf zu säubern? Ihr Vater wurde bekannt als „Negerkönig.“ Nun heißt er in den Neuauflagen „Südseekönig.“ Auch die „Negersprache“ aus Pippi Langstrumpfs Büchern wurde umbenannt in „Taka-Tuka-Sprache.“ Hat man eigentlich die Filme neu synchronisiert? Ein Glück, das das mein Vater nicht mehr erleben muss-te, er sprach immer von „Negermusik“, wenn er besonders Schreckliches meinte, wie Elvis Presley oder die Beatles.

1962 sagte der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke beim Staatsbesuch in Liberia: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Neger!“ Im selben Jahr wurde er Ehrenbürger von Berlin. Diese Würde muss ihm aberkannt werden, um den Zeit-geist von 2022 zu befriedigen. Die Geschichte muss ohnehin völlig neu geschrieben werden. Wann wird endlich die Mohrenstraße umbenannt? Wie auch immer: Mein Lieblingsindianer ist und bleibt Winnetou. Howgh, ich habe gesprochen!

Ed Koch

  
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