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Berlin übt Bullerbü

geschrieben von: Redaktion am 17.09.2022, 07:25 Uhr
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In letzter Zeit sprechen Politiker häufig davon, dass wir nicht Bullerbü werden sollten. Bullerbü? Tut mir leid, ich habe die Bücher von Astrid Lindgren nicht gelesen, sondern natürlich die von Karl May. „In Lindgrens Erzählungen besteht das Dorf aus nur drei Höfen, in denen insgesamt sieben Kinder mit ihren Eltern, deren Gesinde und einem Großvater wohnen.“ So einen Ort findet man nicht mal mehr in Brandenburg. Berlin ist eine Großstadt, und in einer Großstadt sind abgesehen von Bussen und Bahnen, auch Autos, Lieferfahrzeuge, Krankenwagen und vieles mehr, mit welchem Antrieb auch immer, unterwegs. Und damit diese Fahrzeuge vorwärts-kommen, haben unsere Vorfahren Straßen erfunden und reichlich angelegt. Ohne Straßenverkehr hätte sich weltweit nichts entwickelt, kein Handel, kein Wohlstand, kein Leben.


Den Straßenverkehr kann man lenken, kanalisieren, die Geschwindigkeit einschränken, das Parken er-schweren oder teuer machen, ihn aber nicht abschaffen. Mit jährlich zehn Milliarden Euro KfZ-Steuer beteiligen sich die Halter von Kraftfahrzeugen auch an dem rasant voranschreitenden Ausbau von Radwegen, während die Fahrradfahrenden keinen finanziellen Beitrag dazu leisten.

Für jedes nur denkbare Thema gibt es einen Gedenktag. So ist der 25. April der „Tag des Baumes“, oder der 4. September der „Tag der Currywurst“ und der 12. Juni der „Tag des Hundes.“ Bei der Fülle der Gedenktage hat man zum Glück die Kinder nicht vergessen. Ihnen wird gleich zweimal im Jahr gedacht, am 1. Juni weltweit und am 20. September in Deutschland und Österreich, also am kommenden Dienstag. Auf meinem Wandkalender erscheint das Datum 20.09. sogar in Rot, zurecht. Kinder sind schließlich die Zukunft und wir Älteren sind dafür verantwortlich, ihnen eine Welt zu hinterlassen, in der sie gut leben können. Muss man sie deshalb aber vom Auto entwöhnen?

Nicht am 20., sondern am 22. September können die Berliner Kinder auf vielen Straßen spielen, ohne dass die Gefahr besteht, von einem Fahrzeug angefahren zu werden. Die Liste der in Frage kommen-den Straßen finden Sie am Ende dieses Beitrages. Autofreie Sonntage gab es schon, weil das Benzin knapp wurde. Das kann uns demnächst wieder passieren. „Laut der Umweltorganisation Greenpeace würde ein autofreier Sonntag zweimal pro Monat den Kraftstoffabsatz um 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr verringern. Wäre jeder Sonntag autofrei, ließen sich 2,9 Millionen Tonnen Kraftstoff vermeiden, was etwa 5,6 Prozent des gesamten Kraftstoffabsatzes entspricht.“

„2019 lag der Kraftstoffverbrauch im Personenverkehr in Deutschland bei 47 Milliarden Liter. Die aktuellen Berechnungen des Umweltbundesamts zeigen, dass bei einem generellen Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen jährlich ungefähr 600 Millionen Liter Sprit gespart werden können.“

Am 22. September feiern wir bereits zum dritten Male den „internationalen Autofreien Tag“. Von Mitternacht bis Mitternacht kann der ÖPNV in Berlin kostenlos, also ohne Fahrschein, genutzt werden. Die Kontrolleure haben frei. Das gilt aber mal wie-der nur in den Tarifbereichen A und B. „Für Fahrten nach Brandenburg ist ein Fahrausweis Berlin BC oder Berlin ABC erforderlich (ein Anschlussfahr-schein C reicht nicht).“ Tja, liebe Pendler, mal wie-der Pech gehabt. Und wie wir den Senat kennen, gab es keine Absprache mit Brandenburg, warum auch?

„Zugleich ist der Autofreie Tag in Berlin auch in diesem Jahr wieder ein Tag der Spiel- und Nachbarschaftsstraßen.“, verkündet der Senat in einer Pressemitteilung. „In der Zeit von 15 bis 19 Uhr werden in allen zwölf Bezirken 37 Straßenabschnitte im Nebenstraßennetz für Spiel und Spaß, Kreidemalen, Kuchenessen, Zusammensitzen oder andere gemeinsame Aktivitäten freigegeben und für den Auto- und Radverkehr gesperrt.“ Das ist sehr gut, denn die größere Gefahr für kleine Kinder in kleinen Straßen geht von den Fahrradfahrenden aus, die schwerer zu bemerken sind als ein Auto und aus allen Richtungen, auch entgegen der Verkehrsführung unterwegs sind, vom Halt an roten Ampeln wollen wir erst gar nicht reden.

Und was sagt unsere Mobility Betty zu dem Thema? „Am Autofreien Tag können wir praktisch erleben, wie Berlin aussehen kann, wenn der Straßenraum für die Menschen geöffnet wird. Damit gibt es mehr Raum zum Verweilen, Spielen und zum Austausch in den Nachbarschaften.“, so Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz.

Berlin übt also Bullerbü. So leid es mir tut, aber ich muss die Überschrift des Newsletters von gestern noch einmal bemühen: Populistischer Unsinn. Viel wichtiger und sinnvoller, als Straßen zu sperren, wäre es, mehr geschützte Spielplätze für Kinder anzulegen und die vorhandenen besser auszustatten und zu betreuen. Das ist möglich. Hinter der Häuserfront in Höhe Rosenthaler Straße 17 in Mitte befindet sich ein großer Spielplatz und nicht weit davon entfernt ein noch viel größerer. Wir reden hier über den dicht besiedelten Bezirk Mitte. Solche Anlagen brauchen die Kinder und ihre Familien. Spielen auf Sand und Wiese und nicht auf einem Straßenbelag.

Bei der Eröffnung von Spielplätzen können sich Politiker gern präsentieren, aber doch nicht, wenn für ein paar Stunden eine Straße gesperrt wird. Aber: „Mobilitätsstaatssekretärin Dr. Meike Niedbal wird an diesem Tag gemeinsam mit dem Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt, Straßen und Grünflächen, Oliver Schruoffeneger, die Spiel- und Nachbarschaftsstraße in der Sigmaringer Straße zwischen Gasteiner- und Wegenerstraße vor der Comenius Schule in Wilmersdorf ab 16 Uhr besuchen. Medien-vertreter*innen sind dazu herzlich eingeladen.“ Das ist sicherlich der Traumtermin jedes Lokalreporters.

Also, liebe Anwohnende, bitte am 22. September dem Amazon-, DHL- oder Bringmeister-Boten Bescheid geben, dass er nicht zwischen 15 und 19 Uhr vorbeikommen soll. Arzttermine, zu denen sich Menschen mit dem Taxi oder Privat-PkW eines Ver-wandten fahren lassen müssen, bitte auf den 23. September verschieben. Vor allem aber nicht im Keller oder Hausflur zündeln, damit die Feuerwehr das bunte Treiben auf der Straße nicht stören muss.

Folgende Straßenabschnitte werden am 22. September 2022 in der Zeit von 15 bis 19 Uhr als Spiel- und Nachbarschaftsstraßen genutzt (insgesamt etwa 4,3 Kilometer):

Charlottenburg-Wilmersdorf

• Rüdesheimer Straße, zwischen Wiesbadener- und Laubenheimer Straße
• Sigmaringer Straße, zwischen Gasteiner- und Wegenerstraße
• Windscheidstraße, zwischen Stuttgarter Platz und Gerviniusstraße

Friedrichshain-Kreuzberg

• Blücherstraße, Hausnummer 37 bis 42
• Görlitzer Ufer
• Jessnerstraße, zwischen Oder- und Travestraße
• Niederbarnimstraße, Hausnummer 17 bis 20

Lichtenberg

• Baikalstraße, zwischen Sewan- und Baikalstraße
• Plonzstraße, Hausnummer 21 bis Gotlindestraße

Marzahn-Hellersdorf

• Apfelwicklerstraße
• Friesacker Straße, zwischen Strauß- und Lortzingstraße
• Kastanienallee, Hausnummer 53 bis 59Maxie-Wander-Straße, zwischen Klingenthaler- und Schneeberger Straße

Mitte

• Freienwalder Straße, zwischen Soldiner Straße und Friedhof
• Plantagenstraße, Hausnummer 17 bis Antonstraße
• Pohlstraße, Hausnummer 79 bis Kluckstraße
• Tegeler Straße, zwischen Sprengel- und Trift-straße
• Ufnaustraße, Hausnummer 6 bis Sickingenstraße

Neukölln

• Jansastraße, Hausnummer 4 bis Weserstraße
• Kienitzer Straße, zwischen Hausnummer 3 und Bornsdorfer Straße
• Neckarstraße

Pankow

• Bötzowstraße, zwischen John-Schehr- und Danzi-ger Straße
• Gneiststraße, zwischen Greifenhagener Straße und Schönhauser Allee
• Jacobsohnstraße, Hausnummer 1 bis 16
• Tassostraße, zwischen Pistorius- und Charlotten-burger Straße

Reinickendorf

• Kamekestraße, zwischen Herbst- und Hoppestra-ße
• Tornower Weg, zwischen Birkenwerderstraße und Dannenwalder Weg

Spandau

• Lutherstraße, am Lutherplatz

Steglitz-Zehlendorf

• Kadettenweg, Hausnummer 44 bis Ringstraße
• Sprungschanzenweg, Hausnummer 1 bis 51
• Begasstraße (beim S-Bahnhof Friedenau)

Tempelhof-Schöneberg

• Barbarossastraße, zwischen Goltz- und Karl-Schrader-Straße
• Haeseler Straße, zwischen Goltz- und Zescher Straße
• Niedstraße, zwischen Lauter- und Handjerystra-ße
• Skarbinastraße, Hausnummer 77/79 bis Naha-riyastraße
• Steinmetzstraße, zwischen Bülow- und Alvensle-benstraße

Treptow-Köpenick

• Isingstraße, Hausnummer 5 bis Schmollerplatz

Quelle: Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher-
und Klimaschutz (SenUMVK)

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch

  
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