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Warten auf Deutschland

geschrieben von: Redaktion am 19.09.2022, 07:15 Uhr
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In Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“ wird bis zum Ende des Stückes nicht klar, wer Godot eigentlich ist und warum die beiden Protagonisten auf ihn warten. Godot wird zum Symbol für das Warten und das Ungewisse schlechthin. Die Zeit vertreiben sich die beiden Protagonisten mit Belanglosigkeiten und dem Diskurs über ihre Situation, ohne jemals Klärung zu erlangen. Wikipedia

Denken an Godot musste man gestern Abend bei Anne Will. Die Welt wartet auf Deutschland, aber es kommt nicht. Mit Belanglosigkeiten haben sich die Talk-Gäste, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses Michael Müller (SPD) und Roderich Kiesewetter (CDU) sowie Ex-NATO-General Egon Ramms und die amerikanisch-polnische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum nicht beschäftigt, ging es doch um den Angriffskrieg auf die Ukraine, aber um „den Diskurs über ihre Situation“ und vor allem „ohne jemals Klärung zu erlangen.“

Kaum eine Sendung zu diesem Thema habe ich versäumt, bedauerlicher Weise aber nichts verstanden, wenn es um die Waffenlieferungen geht. Anne Wills Sonntagsabendplausch hat mich kein Stück klüger gemacht. Das Konzept der Sendung ist erst einmal in einem Punkt zu kritisieren. Es kann ja nicht sein, dass die Außenministerin fünfzehn Minuten interviewt wird, sich danach verabschiedet und der Diskussion mit den anderen Gästen der Sendung entzieht. Es wäre sehr wohl interessant gewesen, mit Baerbock zu diskutieren. So hat sie nur ihre bekannten Ansichten vertreten, aber vermieden, eine allzu klare Aussage zu der Lieferung von „schweren Waffen“ zu machen.

Kevin Kühnert hatte am Abend bei „Berlin direkt“ im ZDF erklärt, dass die Frage der Waffenlieferungen nicht in Talk-Shows entschieden werde. Entschieden nicht, aber diskutiert, und zwar anders als dies im Bundestag möglich ist. Kühnert ist in die Kritik geraten, weil er vor „irrationalen“ Reaktionen Putins gewarnt hatte, wenn es Lieferungen von „schweren Waffen“ gäbe. Wann hat Putin in diesem von ihm angezettelten Konflikt jemals rational gehandelt. Michael Müller meint allerdings, dass die Getreidelieferungen aus der Ukraine, von Odessa übers Schwarze Meer, ausgehandelt von Putin, Erdogan und Guterres ein Zeichen dafür seien, dass man mit Diplomatie etwas erreichen könne. Die Telefonate von Scholz mit Putin haben bislang wenig gebracht. Und angesichts der offenkundigen Gräuel-taten russischer Soldaten in der Ukraine, die auch von Seiten der Vereinten Nationen aufgeklärt wer-den müssen, ist es derzeit völlig undenkbar, dass sich Selenskyj mit Putin an einen Verhandlungstisch setzt.

Während sich die beiden Exsoldaten Kiesewetter und Ramms für die Lieferung von Kampfpanzern aussprechen, vertritt Müller voll und ganz die An-sicht von Bundeskanzler Scholz. Müller weist darauf hin, dass die Erfolge, die die Ukraine in den letzten Tagen erzielt hat, nur möglich mit dem Gerät war, das bislang geliefert wurde. Ist diese Haltung viel-leicht zu kurz gegriffen? Müsste in dieser Phase des Krieges nicht schnell und unverzüglich Nachschub geliefert werden, und zwar mit Waffen, die die russische Armee an ihrem Eroberungsfeldzug hindert?

Der Krieg befindet sich in einer Phase, in der die ukrainischen Soldaten höchst motiviert sind, ihr Land zu verteidigen, während die russischen Soldaten die Schnauze voll haben von diesem Unsinn und lieber weglaufen als zu kämpfen.

Sind Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Anton Hofreiter (Grüne) Kriegstreiber, wenn sie die Lieferung von Kampfpanzern fordern? „Die Stimmung innerhalb der Ampel ist bei diesem heik-len Thema schlecht bis genervt.“, kommentiert Corinna Emundts in der „tagesschau.“

Man kann es nicht mehr hören, dass es keine deutschen Alleingänge geben wird, sondern nur in Ab-stimmung mit den Verbündeten. Doch der größte Verbündete, die USA, vertritt die Ansicht, dass jedes Land über Waffenlieferungen allein entscheiden kann. Wer wartet hier eigentlich auf wen?

Michael Roth (SPD), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, hat sich nach einer Auszeit zurückgemeldet. Roth schlägt eine europäische Initiative für die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine vor. „Wir haben 13 europäische Staaten, die verfügen über insgesamt 2000 Leopard-2-Panzer", sagte Roth dem MDR. Er schlage vor, dass „wir gemeinsam ein Kontingent von Leopard-2-Panzern zusammenstellen, die wir dann möglichst rasch der Ukraine liefern". Quelle: tagesschau

Das klingt doch vernünftig. Einer müsste aber die Initiative ergreifen, warum nicht die stärkste Nation in Europa? „Wer Führung bestellt, bekommt sie auch“, sagte einst Olaf Scholz. Warum überhört er die Bestellungen aus der Ukraine und der westlichen Welt? Wenn schon in Talk-Shows nichts entschieden wird, dann doch aber bitte in der Regierung und im Bundestag.

Ed Koch

  
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