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Weder Papst noch Oscar

geschrieben von: Redaktion am 14.03.2023, 07:30 Uhr
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Genauso dümmlich wie die BILD-Schlagzeile „Wir sind Papst“, ist der Ausspruch einer TV-Moderatorin „Wir sind Oscar.“ Weder noch. Zum Glück.

Nun ist der 1928 von Erich Maria Remarque veröffentlichte Roman „Im Westen nichts Neues“, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert, zum dritten Mal verfilmt worden. Schon die erste Verfilmung 1930, eine US-Produktion, wurde mit einem Oscar als „Bester Film“ ausgezeichnet und gilt bis heute als einer der 100 besten Filme der amerikanischen Filmgeschichte. Die Fernseh-Neuverfilmung von 1979, ebenfalls eine US-Produktion, erhielt den „Golden Globe“ als bester TV-Film. Da aller „guten“ Dinge bekanntlich drei ist, fehlte noch eine weitere Neuverfilmung, diesmal aus dem Land, das den Ersten Weltkrieg verloren hat und dem alle Schuld am Kriegsausbruch zugeschrieben wurde. Dass die alleinige Schuld Deutschlands an dem Krieg historisch widerlegt ist, erwähne ich an dieser Stelle nur der Form halber. Wie auch immer, auch das dritte Werk wurde reichlich mit Auszeichnungen bedacht, unter anderem mit dem Oscar für den besten inter-nationalen Film. Warum dieser ins Englische mit „All Quiet on the Western Front“ übersetzt wurde, weiß ich nicht, denn „Alles ruhig“ ist doch nicht das gleiche wie „Nichts Neues.“

Ich habe weder das Buch gelesen noch einen der drei Filme gesehen und werde das auch nicht nach-holen. Nicht 2022/2023. Wenn ich mich erschrecken will, schaue ich mir die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine an. Ansonsten gibt es genügend seriöse Dokumentationen über den Ersten und Zweiten Weltkrieg, die allerdings durch ständiges Wiederholen auch nicht erkenntnisreicher werden.

Meine letzten Überlegungen, ob ich mir die Neuverfilmung mit so tollen Schauspielern wie Daniel Brühl, Devid Striesow oder dem Hauptdarsteller Felix Kammerer nicht doch ansehen sollte, zerschlugen sich gestern, als ich einen Kommentar von Jesko zu Dohna, Historiker und stellvertretender Chefredakteur der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung, las, der zu dem Schluss kommt „‘Im Westen nichts Neues‘ ist einer der schlechtesten Filme aller Zeiten.“ Er wirft dem Film „Fehler, unrealistische Darstellungen und falsche historische Klischees“ vor und erklärt, „Warum die Oscar-Jury den Netflix-Film zu Unrecht mit 4 Academy-Awards aus-gezeichnet hat.“

„…das viele Geld, das in Promotion und Werbung investiert wurde, macht aus dem Antikriegsfilm noch keinen guten Film, ganz im Gegenteil. Denn bei dem Film handelt es sich weder um eine ernst-zunehmende Adaption von Erich Maria Remarques Buchvorlage, sondern um eine wenig authentische und historisch schlampige Produktion, die klischeehaft wirkt. Gerade in Zeiten, wo in Europa wieder Krieg herrscht, ist das nicht nur schlecht, sondern auch noch gefährlich.“, schreibt Jesko zu Dohna.

Dass der Film handwerklich gut gemacht ist, bestreitet der Kommentator nicht. „Vor allem die Anfangsszene, in der die Uniformen toter Soldaten unter beeindruckender Sound-Kulisse als große blutverschmierte Bündel in die Heimat geschickt, gewaschen, geflickt und an neue blutjunge Rekruten ausgeteilt werden, zeigt eindrucksvoll die tödliche und menschenfeindliche Maschinerie des Weltkrieges. Auch die schlammigen Schützengräben und das Leid der Soldaten sind teilweise treffend dargestellt.“

Allerdings strotze der Film „vor Darstellungen, die so der historischen Wirklichkeit, die Geschichtswissenschaftler seit mehr als 100 Jahren erforschen, nur an wenigen Stellen gerecht wird.“ „Für viele, vor allem junge Zuschauer, mag das ein großes unterhaltsames Spektakel sein. Und auch für amerikanische Zuschauer wird hier das alte in zwei Welt-kriegen gefestigte Klischee der deutschen Kriegslust spektakulär bestätigt.“

Auch der bekannte Militärhistoriker Sönke Neitzel, dessen Expertise in kaum einer Dokumentation fehlt, kritisiert in einem MDR-Interview den Film. Zwar seien die Kampfszenen, so Neitzel, „teilweise zwar näher an der Wirklichkeit – das heißt realistischer – als in den gleichnamigen Filmen von 1930 und 1979,“ dennoch konnte er erheblichen „Unsinn“ in der Neuverfilmung entlarven. „Der wohl weitreichendste Fehler ist sicherlich die Erfindung des grau-samen, kaisertreuen und bösartigen ‚General Friedrich‘“, dargestellt von Devid Striesow.

Und so listen die Historiker zu Dohna und Neitzel viele weitere Ungenauigkeiten auf. Natürlich ist ein „Spiel“film keine Dokumentation. Ein Film über den Ersten Weltkrieg sollte jedoch nicht so tun, als sei seine Scheinwelt die Wirklichkeit, dazu ist das The-ma zu ernst.

Ed Koch


  
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