Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 22 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Zum Lunchkonzert nach Amsterdam

geschrieben von: Redaktion am 18.03.2023, 08:36 Uhr
paperpress611 
In unserem Newsletter vom 17. Januar 2023 berichteten wir über eine Tournee des jungen niederländischen Harfenisten Joost Willemze. Kennengelernt haben wir ihn im Sommer 2022 bei einem Konzert des European Union Youth Orchestra im Rahmen von Young Euro Classic. Seitdem besteht Kontakt zu ihm und er informiert uns über seine Projekte.


Am 9. März startete er in Eindhoven seine Tournee. Zwischen Groningen am 15. März und Den Haag am 17. März, war Joost zu Gast in Amsterdam. Anlass für uns, die niederländische Hauptstadt zu besuchen, zu der es von Berlin aus alle zwei Stunden eine Direktverbindung gibt, über Hannover, Minden, Osnabrück, Bad Bentheim, Apeldoorn und Hilversum.

Joost Willemze und die Harfe, das ist eine „Liebesbeziehung“ seit seinem sechsten Lebensjahr, als er das Instrument erstmals in der Musikschule seiner Heimatstadt nahe Utrecht sah.

Joost wurde in das „Dutch Classical Talent“, ein Entwicklungsprogramm für junge niederländische Spitzenmusiker, aufgenommen. Sein unvergleichliches Talent zeigt sich in den ersten Preisen, die er beim Princess Christina Wettbewerb, dem internationalen Harfenwettbewerb in Porto und dem italienischen Wettbewerb Suoni d'Arpa gewann. Neben seiner Ausbildung am Konservatorium in Amsterdam studierte Joost auch klassische Sprachen und spricht auch sehr gut Englisch und Deutsch.

In dem Projekt, mit dem er in den Niederlanden auf Tournee ist, geht es um Orpheus. Für Joost ist Orpheus eine Traumaufführung, in der er seine Liebe zur Musik mit der griechischen Mythologie verbindet. Die Jury von „Dutch Classical Talent“ stellte dann auch einen Bezug zur Antike her: „Wie ein griechischer Gott spielt er Harfe. Mit seiner gelassenen Erscheinung und seinem stilisierten Programm zeigt er uns, wie schön Einfachheit sein kann. Wunderschöner großer Klang und klare Virtuosität." Das können wir nach dem einstündigen Konzert im Muziekgebouw am Amsterdamer Passagierterminal für Kreuzfahrtschiffe bestätigen.

Es geht also um Orpheus, dem begnadeten Sänger und Leier-Spieler mit dem tragischen Ende. Anders als auf dem Foto, mit dem wir etwas Frühling in den Bericht bringen möchten, ist die Bühne im Muziekgebouw in Schwarz gehalten. Im Scheinwerferlicht nur Joost und seine Harfe, illuminiert durch eine Lichtinstallation, die er mittels eines Crowdfundings finanzieren möchte.

„Guten Mittag.“, begrüßt Joost die Zuhörer zum Lunchkonzert. „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, um mein Programm ORPHEUS anzuhören! Ich nehme Sie mit auf meine musikalische Reise in die Unterwelt, keine Angst, wo Orpheus versucht, seine geliebte Eurydíce mit den verführerischen Klängen seiner Leier zurückzugewinnen. Erzählend und spielend nehme ich Sie mit.“ Um die erzählerische-musikalische Geschichte sozusagen in einem Guss erleben zu können, bittet er darum, den Applaus bis zum Schluss aufzusparen. Und dieser war am Ende dann gewaltig.

Nun geht’s los: „Es war ein schöner Frühlingstag. Orpheus wanderte in Begleitung seiner Geliebten Eurydíce durch den Wald. Ab und zu ruhten sie sich aus und Orpheus spielte auf seiner Leier zu Eurydike. Wie immer verstummte das Holz, wenn er die Saiten berührte: Die Vögel hörten auf zu singen und wilde Tiere versammelten sich um ihn, wie verzaubert von den magischen Klängen.“ Es folgt das erste Stück von Marcel Tournier (1879-1951) „Vers la Source dans le bois“ (Zur Quelle im Wald)

„Das Glück der Liebenden erwies sich als nur von kurzer Dauer. Als Eurydike auf den Feldern umher-irrte, wurde sie von einer Schlange in die Ferse gebissen und starb sofort. Orpheus war untröstlich und beschwerte sich bei den Göttern.“ Carlos Micháns (1950) „Orphée enragé par la mort d’Eurydice“ (Orpheus erzürnt über den Tod von Eurydike)

„Am Ende beschloss Orpheus, das Unmögliche zu versuchen: in das Reich der Toten hinabzusteigen, um seine Geliebte zurückzugewinnen. Erschrocken folgte er dem zerklüfteten Pfad nach unten. Schaudernd betrat er die dunkle, leblose Welt. Schritt für Schritt.“ Carlos Micháns (1950) „La descente d’Orphée dans l’Hadès“ (Der Abstieg von Orpheus in den Hades)

„Je weiter Orpheus in das Reich der Schatten vor-drang, desto lauter wurde der Tumult und das Ge-schrei. Er war jetzt im Tartaros, wo die Geister de-rer bestraft wurden, die schlecht gelebt und sich den Göttern widersetzt hatten. Hier taten die Göttinnen der Rache ihre Arbeit. Die Kakophonie war unerträglich.“ Das drückte Joost auf seiner Harfe aus.

„Orpheus bahnte sich seinen Weg durch all die Ge-walt und den Lärm auf der Suche nach Hádes, dem Herrscher dieser düsteren Welt.“ Toru Takemitsu (1930-1996) „Stanza II for harp and tape“ (Strophe II für Harfe und Tonband) Eine düstere Tonfolge ergänzt durch hinzugespielte Klänge.

„Da saß er in der Dunkelheit auf einem Thron: Ha-des.“ Joosts Regieanweisung dazu: „Ram lage snaren“, frei übersetzt: „Ramme die tiefen Saiten.“ „Orpheus bat Hades: ‚Lass mich meine geliebte Eurydíce zurück auf die Erde bringen!‘ Dann nahm Orpheus seine Leier und spielte.“ Luigi Rossi (1597-1653) „Passacaglia per arpa.“ „Während des Spiels von Orpheus schluchzten die blutleeren Schatten, die Rache hörte auf zu wirken, und der grässliche Lärm verstummte. Nach den letzten Tönen vergoss Hades eine Träne: Die Musik hatte ihn, den König der Finsternis, bewegt. Er erlaubte Orpheus, das Elysium, den Wohnsitz der glückseligen Geister, zu betreten. Dort würde er Eurydike finden.“ Christoph Willibald Gluck (1714-1787) (arr. Sgambati) „Dans van de gelukzalige geesten“ (Tanz der glückseligen Geister)

„Orpheus bahnte sich seinen Weg durch die Schatten und plötzlich sah er sie: Eurydíce!“ Johannes Brahms (1833-1897) „Intermezzo no. 2, op. 118“

„Aber halt, Hades hatte eine Bedingung gestellt: ‚Eurydike mag mit dir kommen, aber wenn du sie ansiehst, wirst du sie für immer verlieren.‘ Am Ende des steilen Weges, nahe am Rand der Erde, taucht in Orpheus plötzlich starkes Verlangen auf, zu sehen, ob seine Geliebte nicht doch zurückgelassen wurde. Er blickte zurück: Eurydike! Und als er seinen Blick auf sie richtete, fiel sie zurück in die Dunkelheit.“ Ramin Tafreshi (1992*) & Soheil Shayesteh. „Event Horizon: the point of no return“. Da-zu mit Soundtrack verstärkte Klänge der Harfe, die die Tragik des Geschehenen verdeutlichen.

„Seitdem ist Orpheus untröstlich. Wieder versuchte er abzusteigen, aber vergebens. Die Tore des Totenreichs blieben ihm verschlossen. Er verfluchte die Götter und zog sich in die hohen Berge zurück, wo er endlos trauerte und kläglich auf seiner Leier spielte. Er konnte Eurydike nicht vergessen. Niemand konnte sie ersetzen. Dies zum Leidwesen der Nymphen des Weingottes Dionýsos. Als sie einmal den Sänger auf seiner Leier spielen sahen, nahmen sie ihn und schnitten ihn in Stücke. Sein Kopf wurde zusammen mit seiner Leier vom Fluss Hebrus mitgerissen, wo er ein letztes Lied ausstieß.“ Carlos Micháns (1950) „La tête d’Orphée emportée par l’Hèbre“ (Der Kopf des Orpheus). Marius Flothuis (1914-2001) „Pour le tombeau d’Orphée“ (Für das Grab des Orpheus)

„Was für ein tragisches Ende! Tragisches Ende?! Die Seele von Orpheus reist in den Hades, und dort, im Elysium, sieht er sie, Eurydike. C.W. Gluck (1714-1787) (arr. Caramiello) „Che farò senza Euridice“ (Was ist für mich das Leben ohne dich? Was bleibt, wenn du tot bist?“ Was lernen wir daraus? Immer Deiner Frau vertrauen und sich niemals nach ihr umschauen, es sei denn, man will sie loswerden.

Trotz der berührend tragischen Geschichte, verließen die Gäste, darunter sehr viele ältere und eben-so viele junge Leute, das Muziekgebouw, was über-setzt ja nicht mehr als Musikgebäude heißt, gut gelaunt und voller Dankbarkeit für dieses gelungene Konzert. Joost bewies, dass er nicht nur ein exzellenter Harfenist, sondern auch ein sehr guter, emotionaler Geschichtenerzähler ist.

Auf das Lunch-Konzert folgte der Lunch, dazu trafen wir Joost im Foyer des im Konzerthauses befindlichen Restaurant 4’33. Bevor wir mit Joost lunchen, ein Wort zum Namen des Restaurants. Es ist das wohl unglaublichste Werk der Musikgeschichte. Schauen Sie sich bitte das Video bei YouTube an, wie seit dem 15. Dezember 2010 schon 8.315.932 Menschen vor Ihnen. Eine Aufführung von William Marx von John Cages 4'33. Gefilmt im McCallum Theatre, Palm Desert, CA.
https://www.youtube.com/watch?v=JTEFKFiXSx4
Wer jetzt schon für seine eigene oder die Trauerfeier anderer das musikalische Rahmenprogramm plant, sollte statt „My Way“ und „Time to say goodbye“ 4’33 ins Repertoire aufnehmen.

Beim Konzert des European Union Youth Orchestra im Rahmen von Young Euro Classic wird Joost in diesem Jahr nicht dabei sein können. Es klappte einfach terminlich nicht mit seinen Konzertverpflichtungen im Heimatland. Joost ist gut nachgefragt und wird seinen Weg machen, denn so ein Talent muss gehört und gesehen werden. Trotz seiner bisherigen Erfolge ist er auf dem Teppich geblieben, ganz natürlich frei von Starallüren. Mit der Harfe hat er sich nicht gerade ein leicht zu transportierendes Instrument ausgesucht. Er hat natürlich auch eine eigene Harfe, die für die Tournee ist ausgeliehen. Wie bringt man das schwere Teil von Ort zu Ort. Ganz einfach: Den Rücksitz im Audi runterklappen, dann geht das. Nach dem Konzert in Amsterdam ging es erst einmal nach Hause in die Nähe von Utrecht, um am nächsten Tage mit Unterstützung seines Vaters das Instrument und die Lichtinstallation nach Den Haag zu bringen, wo er am 17. März auftrat.

Weiter geht es dann am Donnerstag, 23. März 2023, TivoliVredenburg, Utrecht; Sonntag, 26. März 2023, Showroom den Bosch; Mittwoch, 29. März 2023, Musis Arnheim; Donnerstag, 30. März 2023, Muziekcentrum Enschede; Freitag, 31. März 2023, Theater Orpheus, Apeldoorn, was allein schon we-gen des Namens des Theaters außergewöhnlich sein dürfte, außerdem ist Apeldoorn von Berlin aus auch direkt zu erreichen; Sonntag, 2. April 2023, Theater aan het Vrijthof, Maastricht; Mittwoch, 5. April 2023, Schouwburg Concertzaal Tilburg; Donnerstag, 6. April 2023, De Harmonie Leeuwarden; Donnerstag, 13. April 2023, Philharmonie Haarlem; Mittwoch, 19. April 2023, De Doelen, Rotterdam. Das Finale von Dutch Classical Talent 2022-2023 findet am 28. Mai 2023 in TivoliVredenburg statt. Dafür wünschen wir viel Erfolg.

Alle Infos und Tickets unter joostwillemze.com/

Gerade jetzt, wenn der Frühling kommt, lohnt sich eine Reise in die Niederlande besonders.

Wer Joost Willemze unterstützen möchte, denn er plant einen Konzert-Video-Mitschnitt, kann dies gern tun. 6.000 von benötigen 7.500 Euro sind schon zusammengekommen und nur noch drei Tage Zeit bis zum Stichtag. Klicken Sie also auf Ihr Online-Banking und überweisen Sie eine Spende, die zu-rückgezahlt wird, wenn das Projekt nicht zustande kommt.

Joost begründet, warum er die Spenden benötigt: „Die Lichtinstallation, die für diese 15 Konzerte konzipiert ist, ist spezifisch und daher auch teuer. Das Budget, das mir von Dutch Classical Talent zur Verfügung gestellt wurde, reicht dafür nicht aus. Ich habe auch viele andere Kosten, wie Coaching mit Musikern und einem Schauspieler, Honorare für die beiden neuen Kompositionen, Leihrechte für moder-ne Musik und einen professionellen Videomitschnitt des Konzerts. Mit eurer Unterstützung kann ich die hochwertige Arbeit von Jasper Nijholt finanzieren und damit meiner Tour eine tolle Dimension verleihen. Vielen Dank im Voraus!“

https://www.voordekunst.nl/projecten/15067-orpheus-dutch-classical-talent-tournee

Wir wünschen Joost viel Erfolg und hoffen, bald wie-der von ihm zu hören.

Ed Koch

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.