Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 29 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Geistermaschine und Don Juan bei Young Euro Classic

geschrieben von: Redaktion am 06.08.2023, 08:21 Uhr
paperpress616 
Wo soll das hinführen, wenn dem Berichterstatter schon am zweiten von zwanzig Konzertabenden die Superlative ausgehen? Bezeichneten wir gestern den Applaus für das Asian Youth Orchestra als frenetisch, so muss die Steigerung der Begeisterung für das Bundesjugendorchester euphorisch heißen.


Seit den Anfängen von Young Euro Classic ist das Bundesjugendorchester dabei, und immer wie-der ist es, wie am Samstag, dem 5. August, für Überraschungen gut. In diesem Jahr wurde für das beliebte Solokonzert erstmals das Akkordeon aus-gewählt, das sich längst von seinem altertümelnden Ruf emanzipiert hat und gerade in der zeitgenössischen Musik viel Resonanz findet.

Einer seiner Stars ist der junge litauische Akkordeonist Martynas Levickis (r.) dessen Spiel mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Für ihn und das Bundesjugendorchester hatte der Schwede Daniel Nelson (l.) ein brandneues Werk komponiert, das auf dieser Tournee seine Uraufführung erlebt. Der Titel: „The Ghost Machine Treatise“ (Die Abhandlung zur Geistermaschine). Es ist ein Auftragswerk des Deutschen Musikrates, der Stiftung Bundesjugendorchester, Martynas Levickis und der Fest-spiele Mecklenburg-Vorpommern. YEC

Aber der Reihe nach. Nach der Hymne begrüßte Sönke Lentz, der Orchesterdirektor des BJO, das Publikum mit einem Appell an die Bundesregierung, das Orchester bei seiner international verbindenden Arbeit nicht allein zu lassen. Unter dem Motto „Spielen. Fördern. Begeistern“ treffen sich die jungen Musikerinnen und Musiker zwischen 14 und 19 Jahren, zumeist erste Preisträger des Wettbewerbs Jugend musiziert, mehrmals im Jahr zu intensiven Arbeitsphasen. Dabei erarbeiten sie Kompositionen aus allen Epochen, auch zeitgenössische Werke so-wie Uraufführungen gehören zum festen Bestandteil der Programme. Seit langem zählt das BJO zu einem der wichtigsten Kulturbotschafter Deutschlands, wie Reisen in die Ukraine (2017), nach Indien (2018) und Südafrika (2019) zeigen.

2022 stand die Unterstützung des ukrainischen Jugendorchesters durch gemeinsame Benefizkonzerte sowie Spendenaktionen im Mittelpunkt. Aktuell kam das Orchester gerade von einer Reise nach Moldawien und Rumänien zurück, wo man auch mit ukrainischen Musikerinnen und Musikern zusammentraf. Die Zugabe am Ende des Konzerts war eine Hommage an diese Zusammenarbeit, ein schwungvolles, kräftiges Werk, bei dem noch einmal alle Mitwirkenden gefordert waren.

Der zweite Abend im Konzerthaus begann mit Jean Sibelius Symphonie Nr. 7 C-Dur. Michael Horst, ohne dessen Erklärungen im Programmheft (verfügbar über www.young-euro-calssic.de) der Laie gar nicht wüsste, wie er das, was er hört, einzuordnen und zu verstehen hat, schreibt: „Sibelius macht es seinem Publikum nicht leicht: Schon die zu An-fang behäbig aus der Tiefe aufsteigende Tonleiter wirkt nicht gerade wie ein klares Motiv. Erst lang-sam schält sich eine erkennbare Gestalt heraus, ein kompaktes Klanggebilde, das um sich selbst kreist und dann Schritt für Schritt immer mehr aufblüht. Sibelius’ Klangsprache ist herbe und ohne äußeres Raffinement.“ Der Laie sagt, schöne Musik, aber nicht überwältigend.

Der Autor dieses Beitrages liebt es, wenn alle Instrumente eines großen Orchesters zum Einsatz kommen. Etwas banal gesagt, es muss auf dem Podium richtig krachen. „The Ghost Machine Trea-tise“ von Daniel Nelson mit Martynas Levickis am Akkordeon, erfüllte diesen Wunsch. Die Percussion-Abteilung, bestehend aus zwei Mädchen und vier Jungs brachte alles zum Einsatz, was sich im Hobby-Keller angesammelt hat und einen Ton von sich geben kann. Wie klingt ein Bahnrad oder was passiert, wenn man über eine offene Blechdose streicht? Tolle Geräusche, die man erst einmal entdecken muss.

Lassen wir uns von Michael Horst dieses außergewöhnliche Werk erklären: „Der Komponist Daniel Nelson, Jahrgang 1964, hat für den jungen litauischen Akkordeonisten Martynas Levickis sein neuestes Werk mit dem Titel The Ghost Machine Trea-tise (Die Abhandlung zur Geistermaschine) geschrieben, eine musikalische Hommage an den Erfinder Thomas Alva Edison. Dessen letzte Erfindung war ein „Geistertelefon“, das er in der Hoffnung konstruierte, bei einer Séance die Geisteraktivität im Raum messen zu können.

Nelson geht in seiner Komposition einen beherzten Schritt weiter: ‚Wenn wir uns ein Szenario vorstellen, in dem das Experiment ein großer kommerzieller Erfolg geworden wäre, dann würde Edisons Apparat ein Betriebshandbuch benötigen. In meiner fiktiven Erzählung ist The Ghost Machine Treatise das Handbuch, das Edisons Geistertelefon begleiten würde, wenn es in den Geschäften erhältlich wäre.‘ In den
sechs Abschnitten der Komposition geht es unter anderem um Seelenwanderung, Parallelwelten und elektrische Spannungen – transformiert in die Klänge von Akkordeon und Orchester.“

Wer sich angesichts des miesen Wetters heute einen schönen Klangnachmittag bereiten möchte, kann sich das Konzert des BJO mit seinem Dirigenten Clemens Schuldt anhören, das im Rahmen der „Festspiele MV“ am 3. August in Niendorf auf Poel aufgezeichnet wurde und auch „The Ghost Machine Treatise" enthält.

https://www.ndr.de/kultur/musik/klassik/festspiele_mv/Festspiele-MV-The-Ghost-Machine-Treatise-zum-Nachhoeren,festspielemv504.html

Im zweiten Teil des Konzerts nach der Pause kamen die Werke von Esa-Pekka Salonen, „Helix” für Orchester aus dem Jahre 2005, und Richard Strauss‘ „Don Juan“, komponiert zwischen 1887 und 1888 zur Aufführung. Alles ausführlich nachzulesen unter:
https://young-euro-classic.de/wp-content/uploads/2023/08/230805_ph_bjo_druck3.pdf

Heute geht’s weiter mit einer anderen Musik, wenn die Mitglieder des NYO Jazz das Podium betreten.

Ed Koch





  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.