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Karibische Klänge

geschrieben von: Redaktion am 11.08.2023, 10:06 Uhr
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Heute vor einer Woche startete die 24ste Saison von Young Euro Classic mit drei großartigen Konzerten des Asian Youth Orchestra, des Bundesjugendorchesters und des NYO Jazz. Wenn man einmal damit anfängt, von Konzert zu Konzert Steigerungsformen von „Superlativ“ zu suchen, fällt es schwer, aus der Nummer wieder rauszukommen.

Zweifelsohne war der Auftritt von Dee Dee Bridgewater am 6. August mit dem NYO Jazz ein grandioses Erlebnis, das das Publikum von den Sit-zen riss. Gestern Abend war es ein anderes weibliches Ausnahmetalent, das den Konzertsaal am Gendarmenmarkt rockte. Natürlich stand das Orchestra del Lyceum de La Habana gestern im Mittelpunkt des Abends, aber ohne Sarah Willis wäre alles nur halb so fantastisch gewesen.

„Seit 2001 ist Sarah Willis Mitglied der Horngruppe bei den Berliner Philharmonikern; zuvor hat sie zehn Jahre in der Staatskapelle Berlin gespielt. Geboren im US-Staat Maryland, verbrachte die Musikerin ihre Kindheit – ihr Vater war Auslandskorrespondent – in Tokio, Moskau und London. Dort begann sie als 14-Jährige mit dem Hornspiel und studierte später an der Guildhall School of Music in London. In den vergangenen Jahren ist Sarah Willis vielfach als Solistin aufgetreten und hat nicht nur das Soloalbum Horn Discoveries, das Horntrio von Brahms und die Doppelkonzerte für Horn von Rosetti aufgenommen, sondern auch gemeinsam mit ihren Berliner Hornkolleginnen und Kollegen die CDs Opera! und Four Corners! herausgebracht.

Außerdem engagiert sie sich intensiv in den Jugendprojekten der Philharmoniker, vor allem in den Familienkonzerten. Ihre jüngsten, preisgekrönten Dokumentarfilme Mozart y Mambo und A World without Beethoven? wurden weltweit auf Deutsche Welle TV
ausgestrahlt. 2021 wurde sie von Königin Elizabeth II zum MBE – Member of the Order of the British Empire – ernannt.“ www.sarah-willis.com Quelle: YEC

Sarah Willis brachte uns ihr Instrument, das sonst in großer Orchesterformation nicht immer die ihm zustehende Bedeutung erfährt, unter anderem in Werken von Wolfgang Amadeus Mozart nahe. Was für ein Klang. Mozart? Willis hat ihn für sich und Kuba entdeckt, er wäre wohl ein guter Kubaner geworden, sagte sie.

Nachdem der Abend mit Richard Egües „El Bodeguero“ begonnen hatte, ging es nach der Pause weiter mit sechs kubanischen Tänzen für Solohorn, Streicher und Schlagzeug. Das Publikum machte mit, keinem hielt es auf seinem Sessel.

2021 war das Orquesta del Lyceum de La Habana erstmals zu Gast bei Young Euro Classic, nachdem viele der jungen kubanischen Musikerinnen und Musiker das Festival bereits als Teil der Cuban-European Youth Academy kennengelernt hatten. Die Ursprünge gehen zurück auf das Jahr 2009: Damals wurde das Orquesta del Lyceum de La Habana mit Studierenden des Konservatoriums in Kubas Hauptstadt gegründet und zählt heute zu den führenden Ensembles des Landes. Ziel des Orchesters ist es, das musikalische Erbe des Landes zu bewahren und zugleich Wege für zukünftige Komponisten zu eb-nen.

2016 entstand die CD Mozart in Havana zusammen mit der Pianistin Simone Dinnerstein; dieses Album wurde erstmals bei einer USA-Tournee vorgestellt, bei der das kubanische Jugendorchester in New York, Boston, Philadelphia, Washington und Miami auftrat. Die szenische Aufführung von Mozarts Oper La clemenza di Tito in Havanna und Washington 2019 ist ein weiterer Höhepunkt in der noch jungen Ge-schichte des Orchesters, ebenso wie die CD-Produktion Mozart y Mambo mit der Hornistin Sarah Willis, die im Sommer 2020 ein weltweiter Erfolg wurde. paperpress-newsletter 16.08.2021

2021 gestalteten die Gäste aus Kuba das Finale von Young Euro Classic mit dem anschließenden Fest auf dem Gendarmenmarkt, bei dem auch Sarah Willis mittanzte. In diesem Jahr ist der Gendarmenmarkt eine Baustelle und demzufolge findet auch kein Publikumsfest statt. Gefeiert und getanzt wurde deshalb im Saal. Vor der Zugabe stand das wohl bekannteste kubanische Musikwerk auf dem Programm: Joseito Fernández‘ „Guantanamera“. Ohne Zweifel war dies die längste je gespielte Variation, und die schönste. „In den letzten Jahrzehnten“, schreibt Michael Horst im Programmheft, musste sich der Song „weltweit eine Vielzahl von schlimmen Bearbeitungen gefallen lassen. Allein in Deutschland von Roberto Blanco über Udo Jürgens bis zu den Toten Hosen. Im Konzert des Orquesta del Lyceum de La Habana kehrt die Musik zu ihren originalen Wurzeln zurück – in einer fulminanten Bearbeitung durch den Lieblingsarrangeur des Orchesters, Jorge Aragón.“

Schaut man sich die Liste derer an, die sich an „Guantanamera“ versucht und versündigt haben, so sind ehrenwerte Namen darunter, wie Joan Baez und José Feliciano, aber auch Mike Krüger und Dieter Thomas Kuhn. Die schlimmste Entgleisung, die eigentlich hätte strafrechtlich verfolgt werden müssen, stammt von Bernd Stelter aus dem Jahr 2003. Zu dieser wunderbaren Melodie singt der Karnevals-Clown aus Unna: „Sie hatte Haar blond wie Möhrchen - Sie flüsterte mir ins Öhrchen, ‚Jetzt gehen wir noch zu dir, noch jeder eine Flasche Bier." Der Refrain ist noch abscheulicher: „Ein Bier im Keller - Ich hab' nur ein Bier im Keller - Ein Bier im Keller - Ich hab' nur ein Bier im Keller.“ Deutsches Kulturgut aus der untersten Schublade.

Aber, machen wir uns ehrlich. Wer von Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser hat nicht mitgesungen bei „Es gibt nur ein‘ Rudi Völler!“ Die Schweden haben das alles noch getoppt, indem zu der Melodie in einem Werbespot „Panta mera!“ gesungen wird, was etwa „Benutzt mehr Pfandflaschen“ bedeutet.

Fast 20 Stunden benötigt man, um von Berlin aus nach Kuba zu kommen. Während wir diesen Newsletter veröffentlichen, sind die kubanischen Musikerinnen und Musiker auf dem Rückflug nach Havanna. Sarah Willis wies darauf hin, wie schwierig es wieder war, das Orchester nach Berlin zu bringen und dankte dem Partner Volks- und Raiffeisenbanken.

Wir reden über Kuba. Kein Land, das unseren Vorstellungen von einer freiheitlich-demokratischen Staatsform entspricht. „Der russische Präsident Wladimir Putin hat das ‚kubanische Volk‘ dafür gelobt, seit Jahrzehnten gut mit internationalen Sanktionen ‚klarzukommen‘. Russland werde Kuba bei der ‚Überwindung der Schwierigkeiten helfen‘, sagte Putin.“ Quelle: Berliner Morgenpost 15.06.2023

Kuba gehört zu den Ländern, die sich bei der UN-Resolution gegen Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine der Stimme enthalten haben. Was jedoch die Kultur betrifft, so wiederholen wir gern den Satz aus unserem Newsletter vom 5. August 2023: „Kultur gehört nicht auf die Sanktions-liste.“ Und was Kuba betrifft, so gibt es nach wie vor einen dunklen Fleck auf der weltpolitisch gesehen ohnehin nicht ganz weißen Weste der USA. „Guantanamo“. Dieses recht-lose Internierungslager ist unwürdig für die USA. Von ursprünglich 779 sind Stand Mai 2023 immer noch 30 Gefangene dort.

Lassen wir lieber die Musik sprechen. Heute ist das Greek Youth Symphony Orchester zu Gast mit Brahms Erster Symphonie. Es gibt noch ganz wenige Restkarten.

Ed Koch

www.young-euro-classic.de

  
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