Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 8 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Ein Hauch von Hollywood

geschrieben von: Redaktion am 19.08.2023, 09:11 Uhr
paperpress616 
Das Jong Metropole Symphonic Jazz Orchestra aus den Niederlanden bot gestern Abend im Konzerthaus ein besonderes klassisches Erlebnis. Nicht das, was wir geheimhin als klassische Musik verstehen, sondern Klassiker eines anderen Genres. Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis jr., sagen Ihnen diese Namen noch etwas? Oder die Kompositionen von Burt Bacharach, der 95-jährig Anfang Februar dieses Jahres verstarb und ein unerschöpfliches Repertoire an großer Unterhaltungsmusik hinterlässt.


Die schmachtenden Songs der großen amerikanischen Sänger hört man im Radio heute kaum noch. Gut, dass sich ausgerechnet ein Jugendorchester dieser Musik annimmt und damit am Leben erhält. Auf einem langen weißen Seidenschal, wie es der Pate des Abends Jörg Thadeusz beschrieb, erklingen die legendären Songs, Whisky trinken und rauchen im Saal sei aber dennoch verboten und nur in der Pause möglich, ergänzte der TV-Moderator. Ich kann mich an ein Konzert mit Frank Sinatra in der Radio City Music Hall in New York erinnern. In der einen Hand das Mikrophon in der anderen ein Glas Whisky. Das waren noch Zeiten.

„Das Programm wird von der Bühne angesagt“, wurde einem vorab mitgeteilt. Nicht jedes Stück kannte selbst jemand, der aus der früheren Zeit kommt, aber „I’ve Got You Under My Skin“ natürlich schon. Ist es aber wichtig, wie die Stücke heißen? Zwei Sängerinnen und zwei Sänger trugen die Hits der Zeit vor, als es noch große Unterhaltungsorchester gab. Jeder halbwegs ambitionierte Sender in Deutschland hatte sein eigenes Tanzorchester, denken wir nur zurück an Werner Müller, der 1949 das RIAS-Tanzorchester übernahm und ab 1967 das des WDR leitete. Sein Erfolgsrezept hieß „Swing mit viel String“. Oder Müllers Nachfolger beim RIAS, Horst Jankowski, dem Komponisten der Schwarzwaldfahrt, der bis 1994 das Orchester leitete, oder den Big-Band-Leader Kurt Edelhagen, Entdecker von Caterina Valente. In Berlin unvergessen ist unser Paul Kuhn, Chef der SFB-Big-Band. Heute kann sich dieser Sender, der jetzt rbb heißt, nicht mal mehr eine seiner besten Talk-Sendungen, „Thadeusz und die Beobachter“ leisten, weil die Führungsetage das Geld verschleudert hat.

Müller, Jankowski, Edelhagen, Kuhn und andere Band-Leader pflegten die große Orchestermusik und den Jazz. Die jungen Niederländer haben diesen wunderbaren Klang wieder zurückgeholt und pflegen ihn hoffentlich auch in der Zukunft. Das Konzert selbst war natürlich die große Leistung des Orchesters, noch mehr Bewunderung muss man ihm dafür zollen, dass es in zwei Wochen gelungen ist, aus den Jugendlichen, die sich vorher nicht kannten und nie zusammengespielt haben, diesen großartigen Klangkörper zu kreieren.

Der Dank dafür gebührt vor allem dem Dirigenten des Abends, Chris Walden, der durch seine Person dem Abend einen Hauch von Hollywood verlieh. Sein Wirken lässt keine Kurzbeschreibung zu, des-halb stellen wir Ihnen Chris Walden ausführlicher vor.

„Sieben Mal wurde er für den Grammy notiert, die Soundtracks für mehr als 40 Film- und TV-Serien hat er komponiert, und geschätzte 1.500 Arrangements für Orchester oder Big Band schlagen außerdem zu Buche. Die Palette der Stars reicht dabei von Aretha Franklin, Paul McCartney und Seal bis zu Stevie Wonder, Rihanna und Barbra Streisand.

Schon als 16-Jähriger schrieb der gebürtige Hamburger Christian Waldemar Schulz seine ersten Arrangements für die Band seines Gymnasiums, später spielte er als Trompeter im neugegründeten Bundesjazzorchester. Als Assistent von Peter Herbolzheimer arrangierte Walden die Musik zum Film Schtonk, bevor er als 29-Jähriger endgültig nach Los Angeles übersiedelte. Dort hat er zuletzt die Filmmusik zu The Terror of Hallow’s Eve (2017) and King of Herrings (2013) komponiert; seit 2019 ist er musikalisch verantwortlich für die jährliche Verleihung der Oscars.“

Zu den Werken des Abends gehörte auch ein Beitrag für den Europäischen Komponistenpreis 2023, Bernard van Rossums „Fantasía por tanguillos.“

Das Jong Metropole Symphonic Jazz Orchestra kombiniert die herausragenden Traditionen der klassischen Musik mit dem Swing, Improvisieren und Timing des Jazz. Das Ensemble wurde 2015 gegründet und führt die besten Studierenden der Klassik- und Jazzabteilungen der niederländischen Konservatorien zusammen. Es handelt sich um ein vollständiges Symphonieorchester mit integrierter Bigband, nach dem Vorbild seines professionellen „großen Bruders“, dem Metropole Orkest, das schon etliche Grammy Awards sein Eigen nennt. Beim Programm „Let the Good Times Roll“ wirkten auch Sängerinnen und Sänger mit.

Das Jong Metropole Symphonic Jazz Orchestra hat sich zum Ziel gesetzt, die Grenzen des gegenwärtigen symphonischen Jazz und der Popmusik aufzuweichen und ferner auch Weltmusik, Filmmusik und neue Werke zu spielen. Das Ensemble hat be-reits mit renommierten Dirigenten wie Vince Mendoza, Jules Buckley, Jochen Neuffer, Miho Hazama, Tom Cohen, Mitgliedern von Snarky Puppy, dem Saxophonisten Donny McCaslin und der Soul-Sängerin Michelle David zusammengearbeitet.

Das Jong Metropole Symphonic Jazz Orchestra bildet eine Brücke zwischen den Konservatorien und dem Berufsleben; in den Niederlanden gilt es als wichtiger Qualitätsausweis in den Lebensläufen von Musikstudierenden.

Ein wunderbarer Abend mit bester klassischer Musik, dargeboten von ebenso talentierten wie begeisternden jungen Musikerinnen und Musikern.

Einen Wermutstropfen gab es bei diesem Konzert allerdings doch. Diesen zu verabreichen blieb Festivalleiterin Dr. Gabriele Minz vorbehalten. Das sonst auf dem Gendarmenmarkt übliche Publikums-fest musste in diesem Jahr wegen der Bauarbeiten ausfallen. Zum 25sten Festival 2024 wird der Platz hoffentlich fertiggestellt sein, worauf man sich in Berlin leider nicht verlassen kann.

Die Festivalchefin bedankte sich in ihrer kurzen Rede zu Beginn des zweiten Teils beim Publikum, das dem Festival seit so vielen Jahren die Treue hält. Alle Konzerte, über die wir bisher berichtet haben, waren ausverkauft. Mit Glück gab es am Eingang noch Restkarten.

Ein großer Dank von Frau Minz ging an ihr Team, das hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf sorgt. Sie konnte aus Zeitgründen nicht alle namentlich erwähnen, deshalb möchten wir es an dieser Stelle tun: Friederike Pachowiak, Hannes Minz, Alexa Nieschlag, Barbara Peters, Stephanie Fuchs, Hanna Bülow, Courtney Neaveill, Lina von Kries, Friederike Köchy und Tom Wulff.

Natürlich darf in der Aufzählung der Künstlerische Leiter des Festivals, Prof. Dr. Dieter Rexroth nicht fehlen.

Eine wichtige Rolle beim Festival spielen die Paten der Konzertabende, die das Programm ankündigen. Das war gestern Jörg Thadeusz (l.). Auch die Mitglieder des Veranstaltervereins Dietrich Mattausch (Mitte), Dietmar Bär (r.) oder Boris Aljinovic (22.08.) treten bzw. traten als Paten auf. Bär, der am 17. August die einleitenden Worte zum bewegenden Konzert des norwegischen Jugendorchesters sprach, wies in seiner Rede darauf hin, dass er von Berlin nach Köln gezogen sei, sozusagen näher an seinen „Tatort“. Er habe zwar keinen Koffer mehr in Berlin, aber ein ganzes Festival.

Heute beginnt das Festival im Festival, „Courage in Concert“. Mit einem zusammenfassenden Bericht melden wir uns am kommenden Dienstag zurück.

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.