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Bam Bam Bam Baam

geschrieben von: Redaktion am 22.08.2023, 10:08 Uhr
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Die Fünfte ist wohl, neben der Neunten, die weltweit bedeutendste Symphonie von Ludwig van Beethoven. Die Neunte hat es immerhin zur Hymne der Europäischen Union geschafft. Die ersten vier Töne der Fünften waren im Zweiten Welt-krieg das Erkennungszeichen für freie Informationen, die nicht der Kontrolle des Nazi-Propagandisten Goebbels unterlagen, der mit seinen Volksempfängern die Menschen dumm hielt und bis zum letzten Tag vom Endsieg schwadronierte.


Das „kurz-kurz-kurz-lang“ war nicht nur die Sendererkennung der BBC, sondern stand auch im Morsecode für den Buchstaben V wie Victory. Die Fünfte wird als Schicksalssymphonie bezeichnet und interpretiert als „Niederlage und Triumpf, vom ewigen menschlichen Schicksalskampf, von Leid und Erlösung.“

Es gibt kein klassisches Werk, das passender wäre in einem Konzert des Jugendsymphonie Orchesters der Ukraine als Beethovens Fünfte. Unter der Leitung von Oksana Lyniv, die 2016 das Orchester gründete, wurde gestern Abend im zweiten Teil des Konzerts Beethoven Fünfte mit Enthusiasmus und Hingabe gespielt, als ginge es darum, und darum geht es ja, diesen unsäglichen Krieg endlich zu beenden. Es ist das zweite Kriegsjahr in Folge, dass sich die jungen Musikerinnen und Musiker zwischen zwölf und 22 Jahren als musikalische Botschafter ihres Landes auf den Weg nach Berlin machten.

Als sie 2018 das erste Mal bei Young Euro Classic auftraten, war die Krim, völkerrechtlich zum Territorium der Ukraine bis heute gehörend, von einem der größten Kriegsverbrecher dieses Jahrhunderts überfallen und okkupiert worden. Mit schmalen Pro-testen wurde dieser eklatante Eingriff in die Souveränität eines Landes hingenommen. Deutschland bezog nach wie vor den größten Teil seines Energiebedarfs aus Russland, ohne irgendeine Vorsorge zu treffen. Es war absehbar, dass Putin mehr als die Krim will. Arglos ließ uns die Politik in die schwerste Energiekrise nach dem Zweiten Weltkrieg schliddern. Und heute feiern Scholz, Habeck, Lindner & Co. jedes teuer erkaufte neue Terminal mit unsauber erzeugtem Gas, als hätten sie die Welt gerettet.

Es ist ein beklemmendes Gefühl, von dem man sich in seinem Sessel im wohltemperierten Konzerthaus nicht befreien kann, zu wissen, dass Menschen sterben, während wunderbare Musik zu Gehör gebracht wird.

Beethovens Fünfte hält über eine halbe Stunde in allen vier Sätzen die Spannung hoch, ein unglaubliches Klangerlebnis, dem harte Arbeit der jungen Musikerinnen und Musiker vorausgingen.

Der erste Teil des Abends war geprägt von Musik aus und für die Ukraine. Es begann mit dem Konzert für Flöte und Streichorchester des britischen Komponisten Malcolm Arnold und der in Lwiw (Lemberg) geborenen Daryna Bachynska, die an der Flöte das Publikum begeisterte.

Es folgte eine Komposition der jungen ukrainischen Komponistin Bohdana Frolyak, die mit „The Way“ den russischen Angriffskrieg auf ihr Land zum Thema macht. Der Titel, so Frolyak, „symbolisiert die Bewegung von der Dunkelheit zum Licht. Von der Dunkelheit, die wir derzeit erleben, durch das Prisma des Krieges und des Bösen, das Russland über unser Land gebracht hat. Und zu dem Licht, nach dem wir streben und das wir unweigerlich erreichen werden, denn sonst hat diese Welt keinen Sinn.“

Oksana Lyniv, ebenfalls in Lwiw geboren, hatte den ukrainischen Teil des Programms kurzfristig umgestellt, statt Claude Debussys „Prélude à l'après-midi d'un faune“ wurde angesichts der vermehrten Angriffe auf das Weltkulturerbe in Odessa, in deutscher Erstaufführung die „Odessa Rhapsody für zwei Violinen und Symphonieorchester“ von Evgeni Orkin, der dritte aus Lwiw stammende Künstler des Abends, gespielt. Eine bessere Wahl für die Besetzung der beiden aus Odessa stammenden Violinisten Andrii Murza und Aleksey Semenenko hätte man nicht treffen können.

Mit Möwengeschrei und Schiffshornklängen beginnt das Werk. Die vier Sätze beschreiben die Stadt, der Weg führt entlang dem berühmten „Primorsky Boulevard“ und einem Gang über den ebenso berühmten „Privoz-Markt“, dem größten Lebensmittelmarkt im Stadtzentrum von Odessa, gefolgt von „Die Nacht“ und „Schwarzes Meer.“ In der Nacht werden die Bewohner regelmäßig durch Sirenengeheul aus dem Schlaf gerissen und Putin blockiert das Schwarze Meer. Was für ein unerträglicher Zustand. Die Symphonie spiegelt das Leben wider, das sich hoffentlich bald normalisieren wird.

Das Konzert wurde von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und wird am 29. August ab 20:03 Uhr in der Sendung „Konzert“ bundesweit gesendet – in der Dlf Audiothek App, über UKW und DAB+.

Das Konzert des ukrainischen Orchesters fand im Rahmen des „Festivals im Festival“ „Courage in Concert“, das heute mit dem Konzert des Orchesters der Estnischen Akademie für Musik und Theater zu Ende geht, statt.

Junge Musiker und Autoren aus der Ukraine sowie Georgien, Usbekistan und Estland, „Nachbarn des Krieges“ – kamen „zusammen, um sich in einem sicheren Raum über ihre Sorgen, Hoffnungen und Perspektiven auszutauschen. Diese drei Länder sind durch ihre geografische bzw. historische Nähe in besonderer Weise von den Folgen des Krieges betroffen, und mit ihnen die jungen Künstler und Künstlerinnen. Neben vier Symphoniekonzerten der Jugendorchester der beteiligten Länder begegneten sich die jungen Musiker der vier Länder bei einer einwöchigen Kammermusikakademie und dem Literaturprojekt „Wortwechsel“. Möglich gemacht wurde das Projekt durch Mittel der Lotto-Stiftung Berlin. Der einzige Sinn von Glücksspiel ist, damit Gutes tun zu können.

Wir möchten Ihnen nachfolgend die vier Orchester vorstellen.

Das Giya Kancheli Tbilisi Youth Orchestra (TYO) (Konzert am 19.08.2023) ist noch ein ganz junges Orchester: Erst im Jahr 2019 wurde das Ensemble von dem georgischen Komponisten Mika Mdinaradze und dem Dirigenten Mirian Khukhunaishvili gegründet und zu Ehren des georgischen Komponisten Giya Kancheli benannt. Es hat sich zum Ziel gesetzt, durch intensive Probenphasen mit professionellen Dozenten und Solisten zum einen die Auseinandersetzung mit der klassischen europäischen Musiktradition zu fördern, zum anderen der georgischen Musik der Gegenwart besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Jährlich absolviert das Tbilisi Youth Orchestra etwa 15-20 Konzerte, so organisierte es im November 2019 das Festival „Mozartomania” und trat dabei in drei Konzerten mit georgischen Solisten auf. Außerdem fand durch Vermittlung des British Council in Georgien ein gemeinsamer Auftritt mit der britischen Komponistin und Performerin Anna Meredith und ihrer Band bei ihrem Projekt „Varmints“ statt.

2014 wurde das Usbekische Jugendsymphonie-Orchester (Auftritt am 20.08.) mit Unterstützung des damaligen usbekischen Präsidenten Islam Karimov von dem Dirigenten Kamoliddin Urinbaev gegründet. In den vergangenen neun Jahren hat sich das Youth Symphony Orchestra of Uzbekistan, in dem die besten Studierenden des Landes, aber auch junge Profis zusammenkommen, ein breites symphonisches Repertoire erarbeitet. Dabei stehen Werke russischer Komponisten wie Tschaikowski, Rachmaninow und Prokofjew ebenso im Zentrum wie usbekische Komponisten oder Werke von Brahms und Mahler. Als musikalischer Botschafter Usbekistans kann das Jugendorchester bereits auf eine stattliche Anzahl von Reisen zurückblicken: Nach einer ersten Tour nach Litauen 2016 nahm das Orchester 2017 an der Eröffnung der Usbekischen Kulturtage im Moskauer Kreml teil. 2018 trat das Ensemble im Rahmen eines Staatsbesuchs des Präsidenten in Washington sowie beim Gipfel der zentralasiatischen Staatschefs im kasachischen Astana auf; 2019 folgte eine Tour nach Kuwait.

Das Jugendsymphonieorchester der Ukraine (Auftritt am 21.08.) ist ein einzigartiges Projekt, das junge talentierte Musiker im Alter von zwöf bis 22 Jahren zusammenführt und fördert. Nach 2018 und 2022 ist das Ensemble nun zum dritten Mal zu Gast bei Young Euro Classic. Das Orchester wurde 2016 auf Initiative der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv gegründet. Die ersten Auftritte fanden gemeinsam mit dem Bundesjugendorchester 2017 mit Konzerten in Lwiw, Kiew, Berlin und beim Beethovenfest Bonn statt. In den folgenden Jahren spielte das Orchester im Rahmen des Festivals ‚‚Lviv MozArt‘‘ in Lwiw, in der Ukrainischen Nationalphilharmonie in Kiew und der Nationaloper in Odessa sowie beim Musikverein in Graz.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hat das Jugendorchester gemeinsam mit dem Slowenischen Jugendorchester ein großes Evakuierungsprojekt für junge Musiker aus der ganzen Ukraine „Music for the Future“ in Ljubljana, Slowenien, initiiert. Im vergangenen Jahr unternahm das Orchester unter dem Motto „United for the future“ eine ausgedehnte Europatournee mit 30 Konzerten in zehn Städten; dabei traten die Ukrainer außer bei Young Euro Classic unter anderem auch beim Beethovenfest Bonn, dem Lucerne Festival und im Pariser Théâtre du Châtelet auf.

In den vergangenen Jahren seit dem Start von Young Euro Classic ist auch das Orchester der Estnischen Akademie für Musik und Theater (Auf-tritt am 22.08.) immer wieder zu Gast in Berlin gewesen. Es repräsentiert den überaus hohen Standard der estnischen Musikausbildung, zumal mit Paul Mägi, Eri Klas, Arvo Volmer oder Andres Mustonen die besten Dirigenten ihres Landes mit den Studierenden arbeiten. Hinzu kommen renommierte ausländische Orchesterleiter wie Lutz Köhler (Berlin) und Michel Tabachnik (Schweiz). Etwa fünf komplette Konzertprogramme werden jedes Jahr erarbeitet, dabei tritt das Orchester nicht nur an der Hochschule, sondern in Konzertsälen im gan-zen Land und bei verschiedenen Festivals auf. Mehr und mehr Zuspruch finden auch Konzerte für junges Publikum. Jedes Jahr gibt es außerdem ein gemeinsames Konzert mit dem Estnischen Nationalen Symphonieorchester, und alle zwei Jahre wird ein großes chorsymphonisches Werk oder eine Oper einstudiert und in der Estnischen Nationaloper in Tallinn aufgeführt.

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch
Texte Orchestervorstellungen: YEC Programmheft



  
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