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Die verflixte Neunte

geschrieben von: Redaktion am 24.08.2023, 07:22 Uhr
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Was haben Ludwig van Beethoven, Antonín Dvořák, Anton Bruckner und Gustav Mahler gemeinsam? Bei allen endet die nummerische Reihenfolge ihrer Symphonien bei der Nr. 9. Entweder starben sie vor der Vollendung einer Zehnten oder schrieben keine weitere. Gustav Mahler konnte seine Neunte zwar noch vollenden, erlebte jedoch die Uraufführung mit den Wiener Philharmonikern am 26. Juni 1912 nicht mehr, er starb bereits ab 18. Mai 1911.

Arnold Schönberg merkte an: „Die eine Neunte geschrieben haben, standen dem Jenseits zu nahe. Vielleicht wären die Rätsel dieser Welt gelöst, wenn einer von denen, die sie wissen, die Zehnte schriebe. Und das soll wohl nicht so sein.“ Über Beethovens Zehnte gab es sogar ein Theaterstück mit dem unvergessenen Peter Ustinov als Beethoven.

Das Gustav-Mahler-Jugendorchester brachte gestern als einzigen Programmpunkt (ohne Pause) Mahlers Neunte bei Young Euro Classic im Konzerthaus zu Gehör. Beginnen wir am Ende: Großer und verdienter Applaus für die Leistung des Orchesters und seines Dirigenten Jakub Hrů¨a. Die 80 Minuten in vier Sätzen meisterten die jungen Musikerinnen und Musiker mit Bravour und das dankbare Publikum im ausverkauften Saal war begeistert, aber auch erschöpft.

Mahlers Symphonien, so schön die Musik auch ist, sind anstrengend. Unter einer Stunde geht bei ihm gar nichts, im Regelfall sind es 80 oder 90 Minuten, die Dritte dauert sogar 1:50. Lediglich bei der Ersten und Vierten kam Mahler mit einer Stunde aus. Beethoven konnte seine Botschaften im Schnitt in 30 bis 50 Minuten musikalisch erzählen, lediglich die Neunte dauert 1:15. Länge ist nicht immer gleich Qualität. Mahlers Neunte findet in meiner Sammlung von Lieblingssymphonien, bei aller Wertschätzung, keinen Platz, da befinden sich schon Beethovens Fünfte und Siebte, Tschaikowskys Fünfte und Sechste, aber natürlich auch Mahlers Fünfte als Ausnahme bezüglich der Länge.

Was muss man über Mahlers Neunte wissen?

„Das revolutionäre Werk löste im Gegensatz zur vorherigen 8. Sinfonie keine Jubelstürme, sondern eher Verwunderung und Befremdung aus. Der in diesem Werk vollzogene Übergang zur Neuen Musik überforderte das Wiener Publikum noch. Die komponierenden Kollegen Mahlers erkannten die Qualität des Werkes hingegen sofort, und namentlich Alban Berg und Arnold Schönberg feierten die Sinfonie als Übergang zu einer neuen musikalischen Epoche. Heute gilt die 9. Sinfonie als Mahlers konsequente Vollendung seines kompositorischen Weg-es. Ihre Abschiedsthematik hat obendrein zu verschiedenen Mystifizierungen geführt. Mahler wurde hier die Antizipierung seines Todes unterstellt.“ Wikipedia

Und im Programmheft schreibt Michael Horst und zitiert Alban Berg: „Ich habe wieder einmal die IX. Mahler-Symphonie durchgespielt. Der erste Satz ist das Allerherrlichste, was Mahler geschrieben hat. Es ist der Ausdruck unerhörter Liebe zu dieser Erde, die Sehnsucht, in Frieden auf ihr zu leben, die Natur noch auszugenießen bis in ihre tiefsten Tiefen – bevor der Tod kommt. Denn er kommt unaufhaltsam...“ So schrieb Mahlers Wiener Komponistenkollege Alban Berg über die Symphonie Nr. 9 D-Dur ein Jahr nach dem Tod ihres Schöpfers. Zwei zentrale Begriffe darin lassen aufhorchen: Liebe und Tod. Sie beschreiben die Dialektik, die Mahlers Musik im Allgemeinen, aber ganz besonders seine Neunte Symphonie bestimmt.

Das Gustav-Mahler-Jugendorchester

1986/87 von Claudio Abbado in Wien gegründet, gilt es heute als eines der weltweit führenden Jugendorchester und steht unter dem Patronat des Europarates. Als erstes internationales Jugendorchester führte es freie Probespiele in Ländern des ehemaligen Ostblocks durch, bevor es 1992 für Musiker unter 26 Jahren aus ganz Europa zugänglich wurde.

Bei jährlichen Probespielen in ganz Europa werden die Mitglieder aus über 2000 Bewerberinnen und Bewerbern bestimmt. Das Repertoire erstreckt sich von der Klassik bis hin zu zeitgenössischer Musik mit einem Schwerpunkt auf Werken der Romantik und Spätromantik. Sein hohes künstlerisches Niveau und der internationale Erfolg animierten viele bedeuten-de Musiker, mit dem GMJO zu arbeiten, darunter Dirigenten von Claudio Abbado bis Franz Welser-Möst und Solistinnen und Solisten von Martha Argerich bis Frank Peter Zimmermann. Das GMJO ist ständiger Gast bei renommierten Konzertveranstaltern und Festivals auf der ganzen Welt, wie etwa Musikverein Wien, Salzburger Festspiele, Semperoper Dresden und Lucerne Festival. Viele ehemalige Mitglieder sind in großen europäischen Orchestern, oft in führenden Positionen, engagiert. Seit 2012 besteht eine Partnerschaft mit der Staatskapelle Dresden, im selben Jahr wurde das GMJO Botschafter von UNICEF Österreich. Und so gab sich natürlich der Botschafter Österreichs, Dr. Michael Linhart, die Ehre, in der ersten Reihe Platz zu nehmen.

Die Ehre gab sich auch die Patin des Abends, Sarah Wedl-Wilson, Staatssekretärin für Kultur in der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein Titel, der fast so lang ist wie ihre Begrüßung dauerte.

Mit ihrer Staatssekretärin schickte die Kulturverwaltung für den Bereich Klassik ihre kompetenteste Vertreterin ins Konzerthaus.

Sarah Wedl-Wilson wurde in London geboren und erhielt früh Musikunterricht (Violine, Klavier, Ge-sang und Orgel). Bereits als Jugendliche errang sie erste Erfolge als Konzertmeisterin in diversen Jugendorchestern und mit ihrem Streichquartett. Die Kulturmanagerin kann eine beeindruckende Vita vorzeigen mit Stationen bei der Camerata Salzburg, der Kölner Philharmonie und auf Schloss Elmau. Über zehn Jahre leitete sie die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. 2014 wurde sie zur Vizerektorin für Außenbeziehungen der Universität Mozarteum Salzburg berufen und fungierte ab 2017 als deren Interimsrektorin. 2019 folge der Wechsel nach Berlin als Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Seit April diesen Jahres ist sie Staatssekretärin.

Sie hätte also, ob ihrer musikalischen Qualifikation, durchaus im Orchester mitspielen können. Vor allem aber prädestinierte sie für ihren Auftritt bei YEC mit dem GMJO, dass sie die Präsidentin des Orchesters ist.

Am Freitag, dem 25. August, Achtung: Beginn bereits um 19:00 Uhr, ist das Concertgebouworkest YOUNG International zu Gast mit Werken von Tschaikowsky, Bruch und Mussorgski sowie einer deutschen Erstaufführung von Carlijn Metselaar.

Am Samstag, dem 26. August, ist wieder einer der beliebtesten Stammgäste des Festivals auf der Bühne zu sehen und zu bestaunen, John Neumeiers Bundesjugendballett. Neumeier feiert schon seit einigen Monaten seinen Abschied. Kevin Haigen ist auch in diesem Jahr für den Auftritt verantwortlich.

La grande finale heißt es dann am Sonntag, dem 27. August 2023, wenn das Orchestre Français des Jeunes unter anderem Maurice Ravels Konzert für Klavier und Orchester und Pjotr Tschaikowskys Vierte spielt. Pate des Abends ist Kultursenator Joe Chialo.

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch

  
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