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Orden für ein Urgestein

geschrieben von: Redaktion am 26.08.2023, 08:05 Uhr
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Es gibt sie noch, diese Urgesteine, die gefühlt schon seit Ferdinand Lassalle in der SPD sind. Am 23. Mai dieses Jahres war es 160 Jahre her, dass der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, der als Vorläufer der SPD gilt, gegründet wurde. Natürlich ist In-grid Kühnemann deutlich jünger, nur 78, aber in Lichtenrade gilt seit ewigen Zeiten: Kühnemann = SPD. Ihre Töchter Andrea und Melanie tragen zu dieser Wahrnehmung bei. Beide kandidierten in dem tiefschwarzen Lichtenrade erfolglos für die SPD. Dennoch ist aus beiden etwas geworden, Andrea ist Gewerkschafts-Chefin von ver.di für Berlin und Brandenburg, Melanie SPD-Vorsitzende von Tempelhof-Schöneberg und Mitglied des Abgeordnetenhauses.


Ingrid Kühnemann war rund 37 Jahre Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Tempelhof und später Tempelhof-Schöneberg. Am 25. August er-hielt sie für ihre zahlreichen Tätigkeiten das Bundesverdienstkreuz aus der Hand von Innensenatorin Iris Spranger. Kühnemanns Parteifreund Daniel Behrendt hat den Orden beim Bundespräsidialamt schon 2021 beantragt. Nach langer und gründlicher Prüfung fand jetzt die Verleihung statt.

„Am 22. September 2021 ging eine Ära, nicht nur für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg, sondern auch für die inzwischen 78-jährige Ingrid Kühnemann zu Ende.“, schreibt Behrendt einleitend in seiner Begründung. „Sie hatte am 13. September 2021 nach 37 Jahren ihre letzte Fraktionssitzung absolviert.“ Kühnemann ist kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im März 1945 in Berlin zur Welt gekommen. Als Tochter einer kroatischen Fremdarbeiterin und eines Deutschen, wuchs sie bei einer Pflegefamilie in Tempelhof auf. 1963 heiratete sie. „Sie absolvierte eine Lehre zur Friseurin, widmete sich aber, wie es damals üblich war, als Hausfrau und Mutter der Familie. Die Familie zog Ende der 60er Jahre von Schöneberg nach Lichtenrade.“

„Es war die Ostpolitik Willy Brandts, die sie seiner-zeit politisierte und für die Sozialdemokratie begeisterte und sie zum Eintritt in die Partei bewegte.“ In der SPD-Lichtenrade wurde sie sofort aktiv. 1984 rückte sie in Tempelhof für Klaus Wowereit, der Stadtrat für Volksbildung wurde, in die Bezirksverordnetenversammlung nach und blieb dort ohne Unterbrechung bis 2021. Und natürlich nahm Klaus Wowereit an der Ordensverleihung teil, ebenso wie Michael Müller und der Partei- und Fraktionsvorsitzende Raed Saleh.

„Ihre politischen Schwerpunkte waren die Kulturpolitik und die Pflege der Städtepartnerschaften, insbesondere zu der israelischen Stadt Nahariya. Sie gilt als Mitbegründerin der kulturpolitischen Veranstaltungsreihe Frauenmärz (1986).“ Über Parteigrenzen hinweg war sie anerkannt und geschätzt. Sie nahm so oft wie möglich an Terminen im Bezirk teil, und war manchmal die einzige Vertreterin der SPD vor Ort. Sie hatte ein Gespür dafür, auch bei unwichtig erscheinenden Anlässen dabei sein zu müssen, um das SPD-Fähnchen hochzuhalten. Diese Mühe machten sich andere weniger, was die Menschen natürlich registrierten. Sich nur in Wahlkämpfen zu zeigen, ist zu wenig.

„Ingrid Kühnemann ist bekannt für ihren teils schonungslos ehrlichen Umgang mit ihren Mitmenschen, der geprägt ist von herzlicher Innigkeit, aber an der richtigen Stelle auch mit deutlichen Worten.“

„Mit der Ehrung Frau Kühnemanns würden gleichzeitig die vielen ehrenamtlich Aktiven in der Politik gewürdigt, die sich tagtäglich und nur gegen geringe Gegenleistung für unsere Demokratie einsetzen. Gleichzeitig könnte das Wirken Frau Kühnemanns als besonders herausragendes Beispiel Nachahmungseffekte erzeugen und junge Menschen zum Einstieg in die Kommunalpolitik bewegen.“, begründet Daniel Behrendt seinen Antrag, der den Bundespräsidenten überzeugt hat.

Und natürlich gehört zu derartigen Festakten auch ein Familienfoto mit Mann Werner, den Töchtern und Schwiegersöhnen.

Zum Ritual bei Ordensverleihungen gehört, dass sich der Überbringer im Auftrage des Bundespräsidenten, entweder der Regierende Bürgermeister oder ein anderes Senatsmitglied, eine Stunde Zeit nimmt. Es gibt Sekt (Hausmarke), Wasser und Saft und ein paar Kekse. Außergewöhnlich ist es, wenn noch Kuchen präsentiert wird. Dazu braucht man natürlich einen Spender. André Lossin, Planungsstableiter in der Innenverwaltung, hat seine Frau überredet, einen Kuchen zu backen, der so gut schmeckte, dass kein Krümel übrigblieb. Als sich die Festversammlung anschließend zum Mittagessen in Berlins ältestem Restaurant, der „Letzten Instanz“, gleich neben dem Sitz der Innenverwaltung, dem Alten Stadthaus, traf, hatte man das Dessert schon fast verdaut.

Natürlich freut sich Ingrid Kühnemann über den Orden. Jeder ist dankbar für Anerkennung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seinem Bemühen eines geschlechterneutralen Ordens, die spezielle Ausführung für Frauen abgeschafft. Es gibt jetzt für alle den bisherigen Männerorden. Das ist für Frauen deshalb besonders schade, weil der feminine Orden viel schöner war. Während die Herren die schlichte Variante ans Revers geheftet bekamen, zierte die Damenbluse ein Schleifchen.

Es entspräche „dem Sinn und der Bedeutung dieser Auszeichnung, dass sie öffentlich getragen wird.“, heißt es in den Empfehlungen zur Trageweise des Ordens. „Der Orden kann im Original bei allen besonders feierlichen Anlässen angelegt werden.“ Eine bestimmte Kleidung wird nicht vorgeschrieben, aber „der Würde des Ordens“ solle sie schon entsprechen. Die Ordensminiatur (linke Bildseite) kann bei allen anderen Anlässen, auch im Büro und zur Alltagskleidung getragen werden.

Herren tragen das Verdienstkreuz am Bande auf der oberen Hälfte des linken Revers oder im Knopfloch, Damen eine Handbreit unterhalb der linken Schulter.

Der Damenorden war etwas kleiner als der für Männer, erschien dafür aber wegen der Schleife deutlich breiter. Nun, die Damenschleife ist weg. Was machen die Frauen, die vor Steinmeiers Reform den Orden bekommen haben? Umtauschen? Wohl kaum. Sie haben Glück gehabt und können ihre Schleife auch weiterhin tragen.

Steinmeier hat aber noch weitere Reformen durch-gesetzt, nämlich eine Frauenquote für Orden von mindestens 40 Prozent, die schon zu greifen scheint, aber noch nicht erreicht ist. Gingen von den 2012 verliehenen 1.812 Orden 1.278 (70,5%) an Männer und 534 (29,5%) an Frauen, so waren es 2022 918 Orden, 604 (65,8%) Männer und 314 (34,2%) Frau-en.

Also schauen Sie sich um in der Nachbarschaft, im Betrieb oder im Verein. Wo sind die Frauen, die dort etwas rocken. Der Bundespräsident freut sich auf Vorschläge. Von der Antragstellung bis zur Verleihung kann es allerdings über ein Jahr und länger dauern, denn die Vorlagen haben einen weiten Weg durch die Instanzen vor sich.

Ed Koch


  
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