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Spurensuche in Tempelhof

geschrieben von: Redaktion am 12.09.2023, 11:29 Uhr
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Der Bezirk Tempelhof wurde immer als besonders langweilig beschrieben. Er wurde sogar früher als Kulturwüste bezeichnet. Und gäbe es nicht die ufaFabrik träfe dieses Etikett vermutlich zu. Den „Kulturlustgarten“ hat der Bezirk ebenso beerdigt wie den Bezirksrenntag in Mariendorf. Geblieben sind zu Beginn der Sommerferien lediglich das Amateurband-Festival ROCKTREFF und ein Spielfest für die ganze Familie im Volkspark Mariendorf, sieht man vom „Wein- und Winzerfest“ und dem „Lichtenrader Lichtermarkt“ ab.

1977 machten sich Mariendorfer Jugendliche daran, ihren Bezirk zu erkunden. Wo waren die Stätten des Naziterrors und Widerstands in Tempelhof? Unter-stützt wurden die Jugendlichen von zwei Zeitzeugen, die selbst im KZ Sachsenhausen einsaßen, Wolf-gang Szepansky (1910-2008) und Emil Ackermann (1902-1997).

Zu den Projekten zählten Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Fahrten zu den Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager u.a. nach Sachsenhausen, Dachau, Lidice und Theresienstadt, Buchenwald und später auch Auschwitz/Birkenau, Mauthausen, Majdanek und Stutthof.

Das umfangreichste Forschungsprojekt war die Entwicklung einer Stadtrundfahrt zu Stätten des Naziterrors und Widerstands in Tempelhof. Dabei erwies sich der Bezirk Tempelhof keineswegs als langweilig. Das KZ Columbia Haus am Flughafen Tempelhof oder der Folterkeller der SA an der General-Pape-Straße waren bzw. sind steinerne Zeitzeugen des Naziterrors. Das Columbia Haus existiert nicht mehr. An das Haus erinnert heute eine Gedenkskulptur auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Columbiadamms, der Folterkeller in der General-Pape-Straße ist erhalten geblieben und kann besichtigt werden. Es gab über den Bezirk verteilt auch überall Widerstandsgruppen. Nur wenige Widerstandskämpfer haben überlebt, von vielen bleibt nur die Erinnerung an Gräbern und auf Gedenktafeln.

Am 14. September 1980 fand die erste Rundfahrt statt. Fast auf den Tag genau 43 Jahre später, am 10. September 2023, lud der Paper Press e.V. als Träger des Projektes, zu seiner 67sten Rundfahrt ein. Einschließlich der 45 Teilnehmenden am vergangenen Sonntag, haben im Laufe der Jahre 2.299 Interessenten teilgenommen. In einer Zeit, in der sich immer mehr Rechtsradikale im Land ausbreiten und man einen Abgeordneten in Thüringen Faschisten nennen darf, kürzt die Bundesregierung die Mittel der Bundeszentrale für politische Bildung um 20 Millionen Euro. Es bleibt also mal wieder an den NGOs, den gemeinnützigen Organisationen hängen, das Staatsversagen zu kompensieren. Seit 1979 kümmert sich der Paper Press e.V. um die geschichtlichen Projekte aus der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte.

Bis auf eine hat Uwe Januszewski alle Fahrten begleitet und die Stationen erklärt, was nicht immer einfach ist, weil halt kaum noch Spuren erkennbar sind. Bis zu seinem Tod 2008 war Wolfgang Szepansky bei allen Rundfahrten dabei. Beide haben für ihre ehrenamtliche Arbeit das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Eine schöne Würdigung seitens des Staates, eine finanzielle Unterstützung der Projekte wäre noch schöner gewesen.

Von Anfang an hat die private Bruno-und-Else-Voigt-Stiftung mit ihrem Gründer und Vorsitzenden Klaus-Dieter Schulz das Rundfahrtprojekt gefördert. Das Höchste, womit sich das Bezirksamt jemals beteiligte, war der Druck einer Broschüre. Und auch darüber gab es politischen Streit. Da die bei-den Zeitzeugen aus dem kommunistischen Wider-stand kamen, musste das konservativ geführte Jugendamt natürlich dem etwas entgegensetzen und stellte eine eigene Rundfahrt mit angeblichen Zeit-zeugen zusammen, die während der Hitler-Diktatur überhaupt nicht in Deutschland waren. Nach wenigen Fahrten stellte das Bezirksamt diese wieder ein. Die Paper-Press-Fahrten finden dafür heute noch statt.

Nach einem Hinweis auf die Fahrt am 10. September im Tagesspiegel haben sich sehr viele Interessenten gemeldet, so dass zurzeit noch 40 auf der Warteliste stehen. Für diese ist im Frühjahr 2024 eine weitere Fahrt geplant, die die Voigt-Stiftung auch wieder unterstützen möchte. Die Fahrten finden in-zwischen in Kooperation mit der Initiative Stolpersteine an der B 96 – Gedenken in Berlin Tempelhof-Schöneberg e.V. statt. Zwei Stationen der Fahrt werden von der Projektgruppe Lichtenrade in der Berliner Geschichtswerkstatt gestaltet.

Die Erinnerung an die Ermordung Erich Hermanns am gleichnamigen Platz und drei Gedenktafeln auf dem Friedhof Paplitzer Straße, die an die Opfer des Nationalsozialismus in Berlin-Lichtenrade erinnern. Hierzu gehören die Opfer aus der jüdischen Bevölkerung sowie die Opfer aus den Zwangsarbeitslagern des Außenlagers Sachsenhausen in Lichtenrade. Ruth Zantow von der Geschichtswerkstatt begleitete die Teilnehmenden durch Lichtenrade.

Endpunkt der Fahrt ist der Schulenburgring 2, wo seit der ersten Fahrt der Hausbewohner Joachim Dillinger die Teilnehmenden begrüßt. In diesem Jahr gesellte sich auch der Bundestagsabgeordnete Michael Müller dazu, der in dem Haus seine Kindheit verbrachte.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1945 wurde der Kapitulationsbefehl für Berlin unterzeichnet, womit der Krieg eine knappe Woche vor der endgültigen Kapitulation am 9. Mai für die in Trümmern liegende „Reichshauptstadt“ beendet war.

Bei einem privat finanzierten Projekt ist es immer gut, wenn möglichst viele mithelfen, so ist dem PIEREG Druckcenter für die Gestaltung und den Druck der Teilnahmekarten zu danken und dem Stadtentwicklungsamt Tempelhof-Schöneberg für das Erstellen einer Bezirkskarte mit den eingezeichneten Stationen der Fahrt.

Es sind noch ein paar wenige Karten und Beschreibungen der Stationen vorhanden. Wer Interesse daran hat, sende bitte eine Mail an paper-press@berlin.de

Ed Koch



  
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