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Der Dezember ist zu kurz

geschrieben von: Redaktion am 08.12.2023, 11:54 Uhr
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Mit dem St.-Martins-Tag am 11. November endet das Leben von Millionen von Gänsen auf den Tellern in den Restaurants und zu Hause, garniert mit Grün- oder Rotkohl, Klößen und einer fetten braunen Soße. Himmlisch. Nach dem 11. November beginnen schon die ersten Weihnachtsfeiern, weil der Dezember viel zu kurz ist, um überall dabei sein zu können. Und im Dezember selbst merkt man, dass dieser Monat immer noch zu kurz ist. Allein in meinem Terminkalender sind zwei Nachfeiern im Januar eingetragen. Zum Glück gibt’s dann keinen Gänsebraten mehr; man kann endlich wieder Pizza oder Pasta genießen, obwohl es sinnvoller wäre, Salat zu essen.


Ohne Weihnachtsdeko und Lebkuchen kam am 7. Dezember ein vorweihnachtliches Treffen in Klaus-Peter Rimpels Dorotheenstädtischer Buchhandlung, direkt gegenüber des Amtsgerichts Moabit, aus. Rimpel hatte den Sänger und Buchautoren Lutz Graf-Ulbrich, besser bekannt als LÜÜL zu einem aus drei Teilen bestehenden Abend eingeladen. Rund 50 Gäste, überwiegend gehobeneren Alters, LÜÜL ist übrigens im letzten Jahr 70 geworden, versammelten sich in der gemütlichen Buchhandlung, wo man Tage verbringen könnte, um sich durch das Leseangebot zu wühlen.

Schon 2006 hat LÜÜL seine Biografie veröffentlicht. Jetzt ist auf 416 Seiten eine Neuauflage erschienen. „Komplett überarbeitet und aktualisiert, mit vielen informativen und unterhaltsamen Zusatzkapiteln, präsentiert sich „Und ich folge meiner Spur …”, die Neuausgabe von “Lüül – ein Musikerleben zwischen Agitation Free, Ashra, Nico, der Neuen Deutschen Welle und den 17 Hippies” im neuen, frischen Ge-wand. Dabei erzählt der Künstler von seinen musikalischen Abenteuern als Krautrocker, seiner Romanze mit der legendären Nico, über seine psychedelischen Erlebnisse in den Siebzigern und vom turbulenten Bandalltag der 17 Hippies. Vergnüglich und locker vermittelt sich so ein echtes Stück Musikgeschichte.

https://luul.de/produkt/und-ich-folge-meiner-spur/

In einer Multimedia-Show las er aus seinem Buch und zeigte Ausschnitte aus Konzerten. Allein die Form der Präsentation war schon mal erfrischender als so manche andere Lesung, bei denen man die Augen schließen kann, weil sie außer dem Autoren nichts zu sehen bekommen.

Natürlich verlosen wir drei Bücher, signiert versteht sich. Die Frage, die Sie beantworten müssen, um eines der Bücher zu bekommen, ist ganz einfach: In welchem Jahr wurde LÜÜL geboren. Beauftragen Sie aber bitte nicht ihren fünfzehnjährigen Sohn mit der Recherche.

Den zweiten Teil des Abends genossen vor allem die Weihnachtshasser unter den Gästen. LÜÜL und zwei seiner Bandmitglieder, Kerstin Kaernbach und Arne Neumann trugen in Wort und in Musik „Nichtliebe Weihnachtsgedichte“ vor.

Es begann mit Loriots Adventsgedicht: „Es blaut die Nacht. Die Sternlein blinken. Schneeflöcklein leis’ niedersinken. Auf Edeltännleins grünem Wipfel häuft sich ein kleiner weißer Zipfel. Und dort, vom Fenster her durchbricht den dunklen Tann' ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer die Försterin im Herrenzimmer. In dieser wunderschönen Nacht hat sie den Förster umgebracht. Er war ihr bei des Heimes Pflege seit langer Zeit schon sehr im Wege.“ Es lohnt sich, das ganze Gedicht zu lesen:
https://www.fleischmann.org/pdf/loriot.pdf

Weiter ging es mit Werken von Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, F.W. Bernstein und dem wohl sarkastischsten Weihnachtsgedicht von Erich Kästner, das erstmals 1927 in der Weihnachtsausgabe der Zeitschrift „Das Tage-Buch" erschien und heute in Zeiten, in denen sich die Politik um die Kindergrundsicherung und das Bürgergeld streiten, immer noch aktuell ist.

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch Eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden,
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden,
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt's Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt's an Holz!
Stille Nacht und heilge Nacht -
Weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit . . .
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Im dritten und letzten Teil des Abends spielte die Band einige der schönsten Lieder von LÜÜL. Es waren zwei wunderbare Stunden ohne Lametta in dieser gemütlichen Buchhandlung in Moabit.

Über LÜÜL

Mitte der 60er Jahre gründete Ulbrich gemeinsam mit Christopher Franke, Michael Günther und Lutz Ludwig Kramer die Band The Agitation, die sich später in Agitation Free umbenannte und, mit mehreren Besetzungswechseln, bis 1974 bestand. Durch regelmäßige Auftritte im Zodiak-Club von Thomas Kessler, der für ihn eine Art Mentor wurde, entstanden weitreichende Kontakte über die Szene von West-Berlin hinaus. Das Beat Studio, von Agitation Free mit initiiert, wurde der Ursprung der „Berliner Schule der Elektronischen Musik“. Touren führten durch Europa und bis nach Ägypten. Agitation Free traten im kulturellen Beiprogramm zur Olympiade 1972 in München auf.

Nach der Auflösung von Agitation Free lebte er eine Zeitlang in Frankreich und begleitete als Tour-Gitarrist Manuel Göttsching in der Band Ash Ra Tempel. Auf einer Frankreich-Tour lernte er die Sängerin Nico kennen, die für einige Jahre seine Lebensgefährtin wurde. Durch Nico kam er in Kontakt mit dem französischen Film-Avantgardisten Philipe Garrel, zu dessen Film Le berceau de cristal Ulbrich mit Göttsching die Musik beisteuerte. In dieser Zeit trat er als Tour-Musiker von Nico auf und begleitete sie in Europa, USA und Kanada. Auch mit Ash Ra Tempel, inzwischen mit Schlagzeuger Harald Großkopf zu Ashra geworden, ging er auf Tourneen in Europa und spielte diverse Alben ein.

Bereits seit seiner Jugend schrieb er eigene Songs und spielte diese Anfang der Achtziger Jahre im Studio ein. Mit seinem Song Morgens in der U-Bahn von seinem Debütalbum Lüül, an dessen Produktion Christoph Franke und Harald Grosskopf beteiligt waren, konnte er 1982 einen Achtungserfolg erringen. Als Musiker gründete Lüül zu dieser Zeit auch das Rocktheater Reineke Fuchs mit und komponierte für andere Theaterproduktionen. Weitere Solo-Alben erschienen.

1995 wurde er Mitglied der 17 Hippies, bei denen er seither Banjo spielt und mit denen er die Filmmu-sik für Andreas Dresens Film Halbe Treppe ein-spielte. Unzählige Konzerte auf weltweiten Tourneen folgten. Mit Musikern aus diesem Umfeld ist Lüül seither auch auf Tour zu erleben. Ebenfalls 1995 wirkte er beim vielfach preisgekrönten Dokumen-tarfilm Nico-Icon von Susanne Ofteringer mit.

2006 erschien seine Autobiografie Lüül - ein Musikerleben zwischen Agitation Free, Ash Ra Tempel, der Neuen Deutschen Welle und den 17 Hippies. 2016 erschien sein Buch Nico - im Schatten der Mondgöttin, auch in englischer Übersetzung. Lutz Ulbrich wurde auch die Ehre zuteil, im Tokyo Tower Wax Museum ausgestellt zu sein. Eine Japan-Tournee mit Agitation Free 2007 wurde zum Come-back für weitere Konzerte in den letzten Jahren. Gelegentlich ist er Gastmusiker bei den Elektronikern Fanger/Schönwälder, mit denen er einige Alben einspielte.

Auszeichnungen:

• 1983 mit Rocktheater Reineke Fuchs: Sieger im Berliner Senatsrockwettbewerb
• 2004 als Lüül CD Damenbesuch: Preis der deutschen Schallplattenkritik
• 2010 mit Ashra: Schallwelle, Ehrenpreis für Lebenswerk
• 2019 mit Lüül & Band: „Das Kupferle“, Preis für beste Liveperformance
• 2022 als Lüül CD Der stille Tanz: Preis der deutschen Schallplattenkritik

Für sein Lied „West-Berlin“ hätte er den Landesorden verdient: „Unser Meer war der Wannsee, unsere Insel West-Berlin. Alles war möglich...wenn die Sonne schien!“

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch
Quelle: LÜÜL Biografie Wikipedia

  
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