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KW 49 - Krisenmodus

geschrieben von: Redaktion am 10.12.2023, 01:16 Uhr
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Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen am Ende der 49. Kalenderwoche einen ruhigen und besinnlichen 2. Advent. Das war mal wieder eine Woche, deren Ereignisse für mehrere ausgereicht hätten.

Wir haben es längst gespürt. Das Wort des Jahres konnte nur „Krisenmodus“ sein. „Der Ausnahmezustand ist zum Dauerzustand geworden", sagte die Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache, Andrea Ewels, die jährlich Worte kürt, die am besten die Realität widerspiegeln. Zu dieser Realität gehören auch die Begriffe, „Antisemitismus“ und „leseunfähig“ auf Platz 2 und 3.

Apropos leseunfähig: Die Ergebnisse der PISA-Studie sind mal wieder erschreckend. Keine neue Erkenntnis. Das ist „Scheiße“, aber „Scheiße sagt man nicht, das ist Kacke, davon geht die Bildung in den Arsch!“* Was ist bloß los im Land der Dichter und Denker? *Quelle: OnePlus Community

Immerhin rollen die Züge wieder, und seine Majestät Claus Weselsky, Herrscher über das Deutsche Bahnnetz, verkündet dem Volke gönnerhaft, bis zum 7. Januar nicht mehr streiken zu wollen. Super. Weihnachten und die Verwandten können kommen.

Ich bin kein Freund von Forderungen nach Arbeitszeitverkürzungen. Wo soll das hinführen. Die Argumente der Bahnbeschäftigten jedoch, die Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden verkürzen zu wollen, kann ich nachvollziehen. Wenn jemand nach wechselhaftem Schichtdienst nur einen Tag zur Ruhe kommen kann, dann ist das zu wenig. Dass die Bahn von vornherein ausgeschlossen hat, überhaupt darüber zu verhandeln, ist das Gegenteil von schlau. Die Bahn muss sich in dieser Frage bewegen. Das Argument, eine Absenkung der Arbeitszeit sei nicht bezahlbar, kann bei einem Staatskonzern nicht gel-ten. Natürlich werden die Ticketpreise weiter steigen, auch das für 49 Euro, und natürlich wird der Bahn-Eigentümer, also wir alle, die Zeche bezahlen müssen. Das ist immer noch besser, als wenn Bahn-fahren einem Lotteriespiel gleichkommt. In Tarifkonflikte sollte sich die Politik nicht einmischen, aber hinter den Kulissen könnte doch Verkehrsminister Volker Wissing Bahn-Chef Richard Lutz kräftig in den Allerwertesten treten, damit er in die Spur, besser aufs Gleis kommt. Apropos nicht bezahlbar: „Für das Jahr 2022 erhielt Richard Lutz eine Erhöhung seiner festen Vergütung von rund 7,56 % auf 968.000 Euro. Zusätzlich bekam er erfolgsabhängige Boni in Höhe von etwa 1,27 Millionen Euro ausgezahlt.“* „Erfolgsabhängig“? Erfolg wäre eine Pünktlichkeitsquote der Bahnverbindungen von 90 und nicht irgendetwas zwischen 60 und 70 Prozent. *Quelle: Südkurier

Claus Weselsky, laut news.de seit 2007 Mitglied der CDU, wurde von einer Autovermietung schon mal zum Mitarbeiter des Monats gewählt. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Bahnvorstand darf als nachhaltig zerrüttet gewertet werden. Das liegt auch daran, dass Weselsky sein Gegenüber ständig beleidigt. „Wir werden sie knacken“, sagte der GDL-Chef vor Demonstranten in Potsdam. Quelle: Handelsblatt

Woran erinnert mich das? Ach ja: „Wir werden sie jagen“, Zitat Alexander Gauland (AfD) Quelle: SPIEGEL

Apropos AfD: „Der sächsische Verfassungsschutz hat den Landesverband der AfD als ‚gesichert rechtsextremistisch‘ eingestuft. Nach Thüringen und Sachsen-Anhalt ist es der dritte AfD-Landesverband mit einer solchen Bewertung.“ Quelle: tagesschau.de

In Sachsen (35%), Sachsen-Anhalt (33%) und Thüringer (34%) liegt die AfD in allen Umfragen auf Platz Eins. „Die Menschen wählen die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer rechtsextremen Ansichten.“ Quelle: Süddeutsche Zeitung / Antonie Rietzschel

Der Begriff „Schuldenbremse“ hat es nicht in die Top-Ten der Worte des Jahres geschafft, lediglich auf Platz 8 das „Milliardenloch“. „Um die aktuelle Haushaltskrise aufzulösen, setzt die SPD auf eine Aussetzung der Schuldenbremse auch im kommen-den Jahr. Der Parteitag nahm einstimmig einen entsprechen Antrag des Parteivorstandes an.“ Quelle: tagesschau.de

Als Olaf Scholz im Mai 2021 zum Kanzlerkandidaten gekürt wurde, stand die SPD bei 14 Prozent. Exakt derselbe Wert steht in der aktuellen Umfrage von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend. Vier Monate später wurde die SPD im September 2021 mit 25,7 Prozent stärkste Kraft im Deutschen Bundestag. Die wiedergewählte Parteivorsitzende Saskia Esken beschwor am Freitag in ihrer Rede diesen Erfolg, wobei ihr fast die Stimme versagte. Frau Esken hat offenbar die vielen Wahlgeschenke, die die Union zwischen Mai und September 2021 der SPD machte, vergessen. Da gabs den Streit um die Kanzlerkandidatur zwischen Markus Söder und Armin Laschet. Und Laschet hat sich dazu noch im wahrsten Sinne des Wortes selbst aus dem Rennen gelacht. So viele Geschenke wird es nicht mehr geben. Man muss hoffen, dass die Ampel noch zwei Jahre durchhält, denn nur so gäbe es eine Alternative zu Friedrich Merz, der Bundeskanzler werden würde, wenn jetzt die Regierung zusammenbräche. Ein unerträglicher Bundeskanzler würde durch einen anderen ersetzt werden. Der frenetische Applaus, mit dem die Genossen Olaf Scholz auf dem Partei-tag bedachten, war nicht mehr als das Pfeifen im Wald.

Bis zur nächsten Bundestagswahl sind es noch zwei Jahre, Zeit genug, um die Werte wieder hochzuschrauben. Dass die Ampel an der „Schuldenbremse“ oder am „Bürgergeld“ scheitert und es vorgezogene Neuwahlen gibt, ist eher unwahrscheinlich. Würden heute Wahlen stattfinden, ginge der Ampel das Gelblicht aus, denn die FDP liegt bei nur noch vier Prozent. Die Grünen kämen auf 15 Prozent. Der Begriff „Ampelzoff“ hat es übrigens auf Platz Fünf der erwähnten Liste geschafft.

Apropos SPD-Parteitag: Für Kevin Hönicke läuft es derzeit nicht gut. Der Lichtenberger Bezirksbürger-meister Martin Schaefer (CDU) hat seinen Baustadtrat rausgeworfen. Zum Grund gibt es mehr Gerüchte als Erkenntnisse. Es wird ermittelt. Seine Freizeit nutzte Hönicke zum Besuch des Bundesparteitages. Als Delegierter wurde ihm in der Aussprache das Wort erteilt. Phoenix übertrug den Partei-tag live. Eine gute Gelegenheit für alle, die mal im Fernsehen auftreten möchten und sonst zu kurz kommen. In dem Augenblick aber, als Hönicke das Wort ergriff, blendete sich der Sender aus und hielt ein Interview mit irgendwem für wichtiger. Hönicke hat gegenwärtig kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu.

Apropos Glück: Wladimir Putin, der Tag für Tag junge russische Soldaten in seinem Eroberungskrieg verheizt und für den Tod tausender Ukrainer verantwortlich ist und Teile des Landes in Trümmer legt, musste in dieser Woche vor lauter ausströmender Glückshormone völlig benommen gewesen sein. Die USA kriegen ihren Haushalt nicht durchs Parlament. Gemeinsam mit Deutschland sind sie die wichtigsten Unterstützer der Ukraine in deren Überlebenskampf.

Die Gefahr, dass im nächsten Jahr Donald Trump ins Weiße Haus zurückkehrt, weil es der Justiz nicht gelingt, diesen Mann wegen eines Staatsstreichs hinter Gitter zu bringen, wächst von Tag zu Tag. Und von Tag zu Tag kann man Joe Biden beim körperlichen und geistigen Verfall zuschauen. Es ist nicht zu fassen, dass es der ruhmreichen Demokratischen Partei, die mit John F. Kennedy und Barak Obama bewiesen hat, dass auch jüngere Präsidenten gut fürs Land und die Welt sein können, keinen geeigneteren Kandidaten oder Kandidatin gefunden hat. Die einzige Chance, die Biden haben könnte, ist die Angst der Wähler vor dem Schreckgespenst Trump. Bei Trump gilt aber das gleiche wie bei der AfD. Er wird nicht trotz, sondern wegen seiner Art Politik zu machen, gewählt.

Für die Ukraine sind das finstere Aussichten. Auch in Deutschland gibt es keinen verabschiedeten Haus-halt für 2024. Wenn der Ukraine die Waffen und die Munition ausgehen, könnte Putin doch noch siegen. Er hat die größeren Reserven und Verbündete wie den Iran oder Nordkorea, die gern Waffen liefern. Und letztlich hat er auch die meisten Soldaten, die er in den Tod schicken kann.

Am 17. März 2024 findet in Russland die Präsidentschaftswahl statt. Putin hat die Verfassung längst geändert, so dass er bis zum Ende seiner Tage im Amt bleiben könnte. Wer immer gegen ihn antreten will, sollte weder einen angebotenen Tee trinken noch über eine schlecht beleuchtete Brücke laufen.

Apropos Präsidentschaftswahl: Die Berliner Grünen haben es nicht hinbekommen, einen neuen Vorstand zu wählen. Nachdem die vorgeschlagene Ko-Vorsitzende in drei Wahlgängen deutlich durchfiel, wurde der Parteitag abgebrochen. So wie die Grünen häufig mit anderen umgehen, gehen sie auch mit sich selbst um.

Was noch? Til Schweiger hat niemals seine Macht missbraucht, sagt Til Schweiger. In Berlin dürfen die Clans ihre „mutmaßlich illegal erworbenen Immobilien“ behalten. Es könne, so BILD, „nicht aus-geschlossen werden“, dass die Bezahlung aus legalen Quellen erfolgt sei. So eine Quelle hätte jeder gern. Unser Rechtsstaat funktioniert bis zur Selbstzerstörung. Im Zweifel für den Remmo-Clan. Wann wird Issa Remmo Justizsenator?

Wo bleibt das Positive?

Hertha (Platz 7, 2. Liga) und Union (Platz 15, 1. Liga) haben ihre Spiele gewonnen. Geht doch. Die Eisbären stehen auf Platz Eins der Deutsche Eishockey-Liga. Auch die Kultur konnte in dieser Woche punkten. Über den wunderbaren Abend mit Lüül am 7. Dezember haben wir gestern berichtet. Vom 1. bis 5. Dezember feierte die ufaFabrik den wohl bedeutendsten Nachkriegs-Kabarettisten unseres Landes. Arnulf Rating moderierte und kommentierte das Festival zum 100sten Geburtstag von Wolfgang Neuss.

Rating hatte eine Gesprächsrunde mit Freunden zusammengestellt, so den Sänger und Gitarristen Hannes Strauss, die Journalistin Anita Rehm, die das letzte Interview mit Neuss führte, Volker Ludwig, Gründer des GRIPS-Theaters und Autor von zahllosen Kabarett-Texten, auch für Neuss, und Mathias Broeckers, der als taz-Redakteur für die Kolumnen von Neuss zuständig war und den einen oder anderen Joint mitrauchen musste.

Eine besondere Ehre wurde dem Autor dieses Beitrages zuteil, der über seine Besuche als 16-jähriger bei Programmen von Neuss, wie dem „Jüngsten Gerücht“, berichten durfte. Als Neuss ihn bei einem seiner vielen Besuche sah, sagte er lächelnd: „Du bist ja schon wieder hier.“ „Ja, ich habe noch nicht alles verstanden.“, lautete die Antwort.

Jette Wixell, die Tochter von Wolfgang Neuss, und Robert von der ufaFabrik lasen aus einem Briefwechsel vor, in dem Wolf Biermann nicht besonders gut wegkommt.

Über das heutige Kabarett berichtete der Chef der Stachelschweine, Frank Lüdecke, nicht ohne auf die Probleme hinzuweisen, die frei finanzierte Theater haben. Frank Lüdecke und seiner Frau Caroli-ne ist es zu verdanken, dass es Berlins Traditionskabarett überhaupt noch gibt.

Im zweiten Teil des Abends führte Didi Jünemann sein Solo-Theaterstück auf, in dem der Film „Wir Kellerkinder“ eindrucksvoll erzählt wird.

In der ARD-Audiothek ist ein knapp einstündiges Feature über Wolfgang Neuss zu hören: „Ich war doch mal berühmt, ich war sogar berüchtigt.“

Ed Koch


  
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