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Grüße aus Amsterdam

geschrieben von: Redaktion am 13.12.2023, 08:08 Uhr
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Auf Tulpen aus Amsterdam werden wir wohl bis zum Frühling warten müssen. Musik aus Amsterdam gabs schon jetzt im Spätherbst. Warten müssen wir auch darauf, dass der Gendarmenmarkt im neuen Glanze erscheint. Noch steht das Konzerthaus am Rande der großen Baustelle mit nur mäßig beleuchteten Zugangswegen zur Kathedrale der Musik, deren Anblick immer wieder begeistert. Für den Autor dieses Beitrages ist es ungewöhnlich, zu dieser Jahreszeit das Konzerthaus zu besuchen, hält er sich doch dort für gewöhnlich im Sommer tagelang bei Young Euro Classic auf. Dazu später mehr.


Am 12. Dezember waren zu Gast im Konzerthaus: Amsterdam Sinfoniette unter der Leitung von Candida Thomson und die beiden wunderbaren Klaviervirtuosen Lucas und Arthur Jussen.

Zugegeben, meine Konzertbesuche wähle ich nach dem Programm aus, möglichst bekannte Werke, die man immer wieder hören möchte. Gestern war es anders, zwar sind mir die Namen der Komponisten Arvo Pärt, Franz Schubert und Gustav Mahler bekannt, aber nicht die gestern vorgetragenen Stücke. Auslöser für den Konzertbesuch war natürlich das Wiedersehen mit den Jussen-Brüdern, bei denen es eigentlich völlig egal ist, was sie spielen, es ist immer ein Erlebnis.

Bevor sie aber das Podium betraten, wurde „These Words ...“ für Streichorchester und Schlagzeug, ein „suggestives Klanggefüge“ von Arvo Pärt zu Gehör gebracht, der sagt: „Musik muss durch sich selbst existieren. Das Geheimnis muss da sein, unabhängig von jedem Instrument. Der höchste Wert der Musik liegt jenseits ihrer Klangfarbe.“ Nicht jedes Geheimnis einer Komposition muss der gemeine Konzertbesucher verstehen. Schöne Musik, passend zum trüben Wetter.

Aber dann betraten Lucas (30) und Arthur (27) das Podium. Darf es sich häufig jeder an einem eigenen Flügel bequem machen, so teilten sie sich diesmal, nebeneinandersitzend, das Instrument. Das „Konzert für Klavier zu vier Händen und Kammerorchester“ des türkischen Komponisten Fazıl Says (53) trägt den Titel: „Anka Kuşu“ (Phönix) und wird im Programmheft mit die „Wahrheit über das Leben“ angekündigt. Wer wüsste sie nicht gern. Die französische Zeitung „Le Figaro“ bezeichnete Fazıl Say als einen „der großen Künstler des 21. Jahrhunderts“.

Says Konzert entstand im Pandemiejahr 2021 eigens für Lucas und Arthur Jussen. Das Stück reflektiert eine alte persische Sage um ein Fabelwesen. In seiner Musik lässt Say zwanglos perkussive Klänge in vertrackten Rhythmen sowie Anklänge an den Jazz auf folkloristisches Material und impressionistisch schillernde Klangbilder treffen, um das Ganze kunstvoll zu einer eigenen Mixtur zu verbinden. Für besondere Akzente sorgt der große Schlagzeugapparat, mit dem der Komponist eine Brücke zwischen Okzident und Orient schlägt. Im Mittelpunkt, nicht nur optisch mit Blick auf die Bühne gemeint, steht aber der Flügel, an dem sich die Jussen-Brüder abarbeiten. Es ist unbeschreiblich, mit welcher Inbrunst und Körpereinsatz die beiden, salopp gesagt, in die Tasten hauen. Es könnte sein, dass dieser Einsatz dazu führte, dass in der Konzertpause der Flügel gestimmt werden musste. Jedenfalls ist das Werk von Fazıl Say grandios. Natürlich ließen sich Arthur und Lucas nicht lange um eine Zugabe bitten.

Kleine Randnotiz über den Komponisten, der sich wegen seiner oftmals kritischen Äußerungen in seinem Heimatland wiederholt mit großen Schwierigkeiten konfrontiert sah. Bei einem Gastspiel der Jussen-Brüder in der Türkei wurde ihnen ein Stück von Say aus dem Programm gestrichen. Allein das sagt schon eine Menge über diese Scheindemokratie aus. Sie umgingen allerdings die behördliche Zensur und spielten kurzerhand ein Werk von ihm als nicht angekündigte Zugabe. Zum Glück blieb dieser mutige Einsatz für die Kultur für sie folgenlos.

Im zweiten Teil des Abends brillierten die Jussens, allein mit dem Flügel auf dem Podium, mit Franz Schuberts „Allegro für Klavier zu vier Händen“ mit dem schönen Titel „Lebensstürme“. Mit Gustav Mahlers Adagio Fis-Dur aus der Sinfonie Nr. 10, beendete die Amsterdam Sinfonietta, ohne Klavier, diesen wunderbaren Konzertabend.

Und wie das so ist, in der Pause schaut man mal aufs Handy. Könnte ja sein, dass man irgendetwas verpasst. Noch keine Einigung im Haushaltsstreit, meldet das ZDF, und Ticketmaster teilt mit, dass es „ab sofort“ Early Bird Tickets für Young Euro Classic 2024 gibt. Nun, klickt man auf den Ticket-Button, wird angezeigt, dass es die Seite (noch) nicht gibt. Fest steht aber schon das Datum des Festivals, vom 9. bis 25. August 2024. Und, es gibt Grund zum Feiern, denn es wird das 25ste Festival der besten Jugendorchester der Welt sein.

Welche Orchester wann auftreten, bleibt noch ein Geheimnis, ein Early Bird Ticket ist also so etwas wie ein Blind Date. Bei jeder anderen Veranstaltung würde ich davor warnen, jetzt schon Tickets zu kaufen, nicht aber bei Young Euro Classic, denn dort findet an jedem Tag, egal von welchem Orchester vorgetragen, hochwertige klassische Musik statt. Wenn die Seite dann freigeschaltet ist, hoffentlich noch vor Weihnachten, kann man schon mal ein paar sommerliche Eintrittskarten schön verpackt unter den Weihnachtsbaum legen.

Ed Koch




  
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