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Leserbrief zu Eva Herman

geschrieben von: Redaktion am 29.11.2007, 17:51 Uhr
paperpress519 
paperpress 429 – Nov./Dez. 2007 – Ihr Beitrag „Nazivergleiche Eva Herman im Abseits“
Frau Hermans Meinungen und Aussagen sind so unerträglich und lächerlich, dass sie eigentlich gar keiner Kommentierung bedürfen. Frau Herman ist halt eine gute „Verkäuferin“; Sie bringt Ihren „Unsinn“ erfolgreich in die Buchläden und schafft Öffentlichkeit. Auch Herr Kerner und damit das „Öffentlich-Rechtliche“ haben ihr diese Bühne geboten, und es lief alles nach „Plan“: Frau Herman durfte einmal mehr Ihre skurilen Meinungen äußern, irgendwann kam es zum Eklat, „Unternehmerin“ Herman verließ – wahrscheinlich doch gar nicht so unfreiwillig - das Studio und die Presse hatte am nächsten Tag genügend Futter, um ganz „kostenfreie“ Publicity für steigende Verkaufszahlen Ihres Buches zu machen. Ihre Kommentierung dazu, Herr Ed Koch, findet meine ungeteilte Zustimmung, was Ihre Äußerungen zu Frau Herman betrifft.

Nicht einverstanden bin ich mit einigen Schlüssen, die Sie verallgemeinernd aus einer Grundthese der Frau Herman – und nicht nur von dieser Person - ziehen, wonach nicht alles „schlecht“ gewesen sei im sog. Dritten Reich bzw. in der DDR.

Schon das immer alltäglicher werdende Nebeneinanderstellen von Nazi-Deutschland und der DDR ist absolut befremdlich und deplatziert. Sie grenzen sich wahrlich davon ab, aber letztendlich folgen Sie unbeabsichtigt in Ihren Ausführungen diesem Strickmuster, gepflegt v.a. von national-konservativen Kreisen mit viel Macht und Einfluss, zuweilen aber nicht aus dieser sehr „deutschen“ Ecke.

Wo Sie, Herr Koch, mit Ihren Auffassungen und Überzeugungen stehen, ist bestens bekannt und täglich in Ihren Beiträgen nachlesbar. Ihre Meinungen sind überwiegend auch meine Meinungen, deswegen lese ich ja auch Ihre Beiträge und Kommentare. Ich schätze fast alle Ihre Einlassungen zur nationalen oder regionalen Politik und zum Tagesgeschehen, wobei ich Ihren Einsatz v.a. für die „kleine“ Politik vor Ort und für die „Schwachen“ der Gesellschaft hoch achte. Das findet meinen großen Respekt.

Aber in Antwort auf die Auslassungen von Frau Herman gelangen Sie zu Feststellungen, die meinen Widerspruch herausfordern. Sie stellen u.a. fest, dass „die Kindererziehung in der DDR keine Fürsorge war, sondern Beaufsichtigung. Man wollte die Jugend in eine ganz bestimmte Richtung erziehen, sie möglichst gleichschalten......“ Auch Ihre Feststellung, wonach sich die DDR „massiv an Menschenrechtsverletzungen beteiligt“ habe, steht in ziemlicher Nähe und in unangemessenem Maße zu den unvergleichbaren Menschenrechtsverletzungen Deutschlands zwischen 1933-1945 (und davor!).

Es ist unbestritten, dass es Menschenrechtsverletzungen in der DDR gab, und ich bin der letzte, der zuerst auf andere Staaten zeigt, um diese unrühmlichen Seiten der DDR in irgend einer Weise zu rechtfertigen. Aber die „Verhältnismäßigkeit“ solcher Aussagen im Kontext zum Kern Ihrer Darlegungen erscheint mir unpassend und bedient so manche Klischees.

Ich bestreite vehement und kategorisch Ihre Aussage, wonach „die Kindererziehung in der DDR keine Fürsorge...“ gewesen sei. Woher wollen Sie dies eigentlich so genau wissen ? Haben Sie dies selbst erlebt oder haben Sie Zeugnisse dafür in einer erdrückenden Breite, die Ihre These rechtfertigen ?

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie schnell aufgeklärte und sehr progressiv denkende Menschen so lapidar und einfach zu solchen Urteilen kommen oder sie übernehmen.

Ich denke, um meine Position zu erklären, gar nicht an das gesellschaftliche „Klima“ und den Mief der Adenauer-Zeit auch hinsichtlich von Erziehungs- und Kinderpolitik. Das ist nicht mein Thema, obwohl es eine Menge dazu zu sagen gäbe.

Ich, der ich im Osten aufgewachsen bin, kann diese Feststellung nicht teilen, nicht im einzelnen, erst recht nicht so generalisierend, wie sie von Ihnen getroffen wurde.
Das Familienrecht, das Eherecht, das Kinderrecht, das Scheidungsrecht, das Gesundheitsrecht, das Frauenrecht und einiges Andere in diesem Bereich war etwas, was sich ganz schlecht in den „Schlamasselkasten DDR“ ablegen lässt, sich vielmehr wohltuend abhebt von vielen Rechtskreisen und Politikansätzen der damaligen Bundesrepublik. Natürlich wurde versucht, die Interessen der sich als führend generierenden Partei durchzusetzen, und dies stand ganz sicher auch in vielen Präambeln und als These und Losung über Kindergärten oder Schulen.
Das Leben, das tatsächliche Leben - und das ist wohl entscheidend - hat es nicht vermocht - auch ohne nun immer großen „Widerstand“ entgegensetzen zu müssen - das Alltagsleben so zu ideologisieren, wie es „aufgeschrieben“ stand, und das nicht einmal in sog. systemnahen Kreisen.

Es lässt sich eine Menge Kritisches sagen über die DDR, jedoch in dieser Aussage liegen Sie, so denke ich, ziemlich „daneben“. Für mich z.B. gab es sogar ein zu viel an Fürsorge, ich hätte mir, in allgemeinem Sinne gesprochen, hier und da weniger davon gewünscht.

Man sollte, wenn man in der Öffentlichkeit schreibt, sehr sorgfältig mit Formulierungen umgehen. Das tun Sie, Herr Koch ja auch, aber manchmal, vor allem wenn man sich griffiger Worthülsen und populärer „Schlagwörter“.bedient, wird man dann auch ungerecht. Ohne es ganz sicher zu wollen, „beleidigen“ Sie mit Ihrer so selbstsicher vorgetragenen Aussage, dass Kindererziehung in der DDR keine Fürsorge, sondern Beaufsichtigung gewesen sei, Erzieher/innen, Lehrer/innen, Ausbilder/innen und viele viele Menschen, auch Verantwortungsträger in Verwaltungen und Behörden, ja auch sog. Funktionäre, die sich gerade um FÜRSORGE von Kindern in der DDR hochengagiert, hochmotiviert und
und auch erfolgreich gekümmert haben. Und das im staatlichen Auftrage. Die mehr oder weniger hohen „Prozente“ an ideologischer Beeinflussung konnten oft genug ohne Schwierigkeiten umgangen werden, und dies keinesfalls unter „Lebensgefahr“.
Jedenfalls waren die „Kanzelpredigten“ nicht heftiger als in anderen Teilen dieser unserer tw. auch benachbarten Welt.

Ich selbst jedenfalls finde eine solche von Ihnen getroffene Äußerung realitätsfern und lebensfremd, selbst, wenn Einzelbeispiele, die immer ein Beispiel zu viel sind, eine andere Sprache sprechen mögen. Auch Bekannte, Verwandte, Freunde, Kollegen oder Nachbarn von mir, an verschiedensten Orten der ehemaligen DDR, wissen jedenfalls noch von der „Fürsorge“ der DDR und hätten große Mühe, Ihrer „Beaufsichtigungstheorie“ zu folgen. Das erinnert mich sehr an die „Nachttopftheorie“ eines ehemaligen niedersächsischen Innenministers kurz nach der Wende, als er das Leben in den Kindergärten der DDR zu beschreiben versuchte und darin eine Ursache für die „Deformation“ vieler DDR-Bürger sehen wollte.

Übrigens:

Wenn ich oben von der Genauigkeit von Formulierungen sprach: Sie schreiben, u.a.: „Die Frauen im Dritten Reich waren Gebärmaschinen, die dem Führer viele blonde Kinder.......schenken sollten“. Auch dieser Aussage würde ich widersprechen wollen, aus zwei Gründen. Die Frauen im Dritten Reich sollten vielleicht Gebärmaschinen sein oder werden, aber es ist doch nicht so, dass dieser „Wunsch“ deswegen auch erfüllt wurde. War Ihre Mutter eine „Gebärmaschine“, Ihre weiblichen Verwandten usw.? Meine Mutter war keine, meine Verwandten ebenfalls nicht, und also sollte man mit solchen Feststellungen sehr vorsichtig umgehen.

Wenn diese Frauen aber „Gebärmaschinen“ waren, dann garantiert nicht für den Führer, sondern für ein ganzes Reich, fürs Vaterland und für eine sehr große Partei, der das „Deutsche Volk“ lange mit überwältigender Zustimmung ohne Druck folgte, um einen hohen „Preis“.

Dies übrigens ist noch der geringste Unterschied zwischen dem „Dritten Reich“ und der DDR, die wiederum allerdings ein Ergebnis dieses „Reiches“ war. Wenn nicht die Schuld, aber die Verantwortung dafür tragen wir alle, unbeschadet der Himmelsrichtung, die unseren „deutschen“ Wohnort bestimmte und bestimmt.
Wenn es irgendwann mal gelänge, den „unvorstellbaren Dreck“ aus dieser Zeit so aus den Ecken unserer Geschichte hervorzukehren und „aufzuarbeiten“ wie die „Schmutzflecken“ der DDR, dann wären wir ein ganzes Stück weiter.... auch hier erinnert man sich der „Verhältnismäßigkeit“, und da gibt es wohl, allgemein sichtbar und nachweisbar, erhebliche und schwer nachvollziehbare Disproportionen.
Diese fallen immer dann um so deutlicher auf, wenn, beabsichtigt oder zufällig, wie in Ihrem Falle, die DDR und die Zeit des deutschen Faschismus in einem Atemzuge benannt werden....

Mit freundlichen Grüßen

Peter Möller
Lehnitz, 27.11.2007


  
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