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Familienbande

geschrieben von: Redaktion am 16.12.2007, 16:01 Uhr
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Als Johannes Rau 1999 zum Bundespräsidenten gewählt werden wollte, trat seine Tante gegen ihn an. Johannes Rau war mit Christina Rau, Tochter von Christa Delius, einer Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann und seiner Frau Hilda, verheiratet. Christina Rau ist also die Enkelin von Gustav Heinemann. Dessen älteste Tochter, die streitbare Theologie-Professorin Uta Ranke-Heinemann, vor der selbst Ratze (Wir sind Papst) in Deckung geht, ist somit die Tante von Christina Rau, und demzufolge war Johannes Rau Utas angeheirateter Neffe. Johannes gewann die Wahl im zweiten Gang, seine von der PDS vorgeschlagene Tante landete im Abseits. Nach der Wahl sagte Rau angesichts der familiären Umstände: „Jetzt habe ich gelernt, was Familienbande bedeutet!“
Die eigene Familie kann schon zur Last werden, gerade für Politiker. Erinnern wir uns, dass es Willy Brandt mit seinen Söhnen auch nicht immer leicht hatte. Alt-Sozi Jürgen Müller ist auf seinen Sohn Michael mächtig stolz. Immerhin ist der Landes- und Fraktionsvorsitzender geworden. Nicht nur das, er übt diese Ämter auch schon, gemessen an seinen Vorgängern, ungewöhnlich lange aus. Dazu gehört eine gewisse Standfestigkeit. Und diese haben die führenden SPD Genossen, wenn es um die Schließung des Flughafens Tempelhof geht. Und hier beginnt das Problem, das sei langer Zeit bekannt ist, jetzt aber erst von der Boulevardpresse entdeckt wurde.

Sohn Michael ist qua Amt für die Schließung des Airports und Vater Jürgen will ihn unbedingt offen halten. Beide wohnen und arbeiten übrigens in unmittelbarer Nähe des Noch-Airports. BZ und BILD hatten in der letzten Woche ihr Thema gefunden: Müller vs. Müller. Vergessen ist Michael Müllers CDU-Oma, die sonst immer herhalten musste, wenn man dem SPD-Chef seine Familienbande auftischte. Das mit der Oma musste sich Michael Müller schon oft im Abgeordnetenhaus anhören, jetzt werden CDU und FDP bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit seinen Vater zitieren, für den die Schließung Tempelhofs mit dem Abriss des Brandenburger Tors gleichbedeutend ist. Nun, das Brandenburger Tor wird ebenso wenig abgerissen wie der Flughafen Tempelhof, schließlich steht dort alles unter Denkmalschutz. Was aber nach der Schließung mit den Gebäuden und dem riesigen Gelände geschehen soll, ist weiterhin unklar.

Zuerst einmal muss man der Fairnesshalber einräumen, dass die jetzige Landesregierung einen Beschluss umsetzt, an dem auch die CDU, das Land Brandenburg und die Bundesregierung beteiligt waren. Einige haben das vergessen. Getreu dem alten Adenauer-Spruch „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“ macht sich vor allem die CDU jetzt eine andere Position zu eigen. Der FDP muss man attestieren, dass sie als einzige Partei immer für die Offenhaltung Tempelhofs war. Wie auch immer, das bringt uns nicht weiter. Festzuhalten ist, dass die Situation vollkommen verfahren ist. Jeder Sozialdemokrat weiß, dass es sinnvoller gewesen wäre, Tempelhof wenigstens bis zur Eröffnung des BBI offen zu halten. Diese Option hat man schlicht verpennt. Stattdessen wurden in Tempelhof Kapazitäten – ohne Not – abgebaut, und in Tegel wurden Millionen investiert, um den steigenden Bedarf decken zu können. Schon längst hätte man eine Nachnutzung von Tempelhof konzipieren können, die nichts mit diesen lächerlichen grünen Vorstellungen von einer Verlängerung der Hasenheide zu tun gehabt hätte. Die Gebäude und das Areal müssen immer irgendetwas mit der Fliegerei zu tun haben. Langsam formulieren sich Ideen, dort eine Luftfahrtausstellung zu installieren. Wird ja auch Zeit. Und man könnte dazu ein Flugprogramm, Rundflüge, kleine innerdeutsche oder europäische Verbindungen und vieles mehr integrieren. Das Problem ist nur, es gibt offenbar niemanden in der Stadt, der Visionen hat, der etwas von Stadtplanung versteht. Die Senatorin mit den eingebauten Lachfalten in den Mundwinkeln, wird wirklich immer unerträglicher. Frau Junge Reyer sollte nicht alle Probleme versuchen wegzulächeln, sondern endlich einmal Ideen entwickeln.

1. Fehler also, es verpasst zu haben, Tempelhof bis zur Eröffnung von BBI offen zu lassen. 2. Folgefehler: unnütze Millioneninvestitionen in Tegel, der nun unbestritten geschlossen werden wird, egal wovon die Reinickendorfer Bürgermeisterin träumt. 3. Fehler: Kein Konzept für die Nachnutzung. Ich sehe schon nach der Schließung des Flughafens die Grillinvasion von der östlichen Seite des Areals dieses zu erobern. 4. Fehler, und dieser kann Rot-Rot zum Verhängnis werden: Völlige Unterschätzung der emotionalen Bindung der Berliner an diesen Flughafen. Jürgen Müller ist bekannt für verständliche Sätze, jene aus dem Bauch. Und da liegen Brandenburger Tor und Tempelhof eben auf einer Wellenlänge.

Es fehlen bis Mitte Februar 2008 noch rund 50.000 Unterschriften zur Einleitung des Volksentscheides. Nach allem, was man hört, werden die Flughafenbefürworter im Januar eine Kampagne starten, die die Welt noch nicht gesehen hat. Geld scheint offenbar keine Rolle zu spielen. In den USA wird Geld gesammelt, mit fast so großer Leidenschaft wie damals, als die Amis für die Freiheitsglocke spendeten. Der Kampf um Tempelhof wird zunehmend emotionaler geführt. Die Springer-Presse vorne weg. Sollten die 170.000 Unterschriften zusammenkommen, was zumindest nicht unwahrscheinlich ist, dann wird es im Sommer zum Showdown kommen. Wenn es dann darum geht, 600.000 zur Wahlurne zu bewegen, damit das Votum gültig wird, und dann noch zu erreichen, dass die Mehrheit von diesen mit Ja stimmt, wird es in Berlin kein anderes Thema mehr geben. Wenn es zur Abstimmung kommt, werden die Freunde des Flughafens gewinnen und vor allem die SPD so aussehen, wie die Kommunalpolitiker in Charlottenburg-Wilmersdorf, als ihnen die Bürger die Parkraumbewirtschaftung um die Ohren schlugen.

Und dann werden die Leute sehr genau hinschauen, wie die Verantwortlichen mit dem Votum umgehen. Dann geht es gar nicht mehr um Tempelhof, dann geht es um das Instrument des Volksentscheides. Und wenn die Bürgerinnen und Bürger merken, dass es egal ist, wie sie abstimmen, könnte die Sache gefährlich werden. Im Augenblick kann die Regierung fast machen, was sie will. Die Umfragen sind gut, mal ein wenig mehr, mal etwas weniger. Vor allem hält sich Klaus Wowereit auf seinem Spitzenplatz, während die drei Oppositionsführer in der Zehnergruppe die letzten drei Plätze belegen und als ernste Alternative gar nicht wahrgenommen werden. Noch ist alles unproblematisch. Tempelhof könnte jedoch zum Ernstfall für diesen Senat werden.

Gibt es einen Ausweg? Ja, natürlich. Tempelhof vorerst bis zur Eröffnung von BBI offen halten und Experten damit beauftragen, eine Nachnutzung zu gestalten, die mit der Luftfahrt zu tun hat. Und wenn ich von Experten rede, meine ich natürlich nicht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Ed Koch


  
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