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14 Tage länger leben

geschrieben von: Redaktion am 23.12.2007, 09:33 Uhr
paperpress552 
Wenn ich den Staatssekretär in der Gesundheitsverwaltung, Benjamin Immanuel Hoff (Linke), kürzlich in der ABENDSCHAU richtig verstanden habe, dann senkt sich durch die Einführung der Umweltzone im Bereich des S-Bahn-Ringes die Schadstoffbelastung um ein Mikrogramm. Die etwa 1 Million Menschen, die dort leben, können deshalb mit einer höheren Lebenserwartung von 14 Tagen rechnen. Das nenne ich Fortschritt.
Wie hoch die Lebenserwartung der Unternehmen ist, die innerhalb der nächsten Zeit ihre Fahrzeugflotte nicht auf abgasfreie Modelle umrüsten können, wird nicht gesagt. Und auch dem Taxifahrer, der mit seinem Oldtimer bald nicht mehr durch die Stadt fahren darf, dürfte seine längere Lebenserwartung ziemlich am Gesäß vorbeigehen.

Werden eigentlich noch Fahrzeuge hergestellt, die keine grüne Plakette bekämen? Hat sich nicht das Problem ohnehin irgendwann von selbst gelöst? Auch wenn, alles muss in diesem Staat reglementiert werden. Ein Wunder nur, dass die Bewohner im S-Bahn-Ring jetzt nicht noch eine Zusatzsteuer für bessere Luft zahlen müssen. Den anderen, deren Leben zwei Wochen kürzer dauert, müsste man folgerichtig die Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge erhöhen. Halten wir fest: Die Sache mit den Schadstoffautos löst sich irgendwann von selbst, vielleicht in 10, oder auch erst in 20 Jahren. Wer ein neues Fahrzeug anschaffen muss oder will, kann ja verpflichtet werden, schadstofffrei oder wenigstens –arm zu kaufen. Ist es diesen ganzen verwaltungstechnischen Aufwand wert, nur um 14 Tage länger zu leben. Und ist die erhöhte Lebenserwartung auch garantiert? Vielleicht wird man von einem schadstofffreien Auto weit vor erreichen des Lebensziels überrollt. Shit happens.

In Berlin haben wir erlebt, dass die Diavorträge des Al Gore so geheim sind, dass die Öffentlichkeit davon ausgeschlossen wurde. Herr Gore hat offenbar das Urheberrecht auf schlechte Nachrichten für die Umwelt. Was hat Mr. Gore, als er acht Jahre lang der zweitmächtigste Mann der Welt war, für den Klimaschutz getan? Seine Dias sortiert für die lukrative Zeit danach? Al Gore ist genauso seriös wie Michael Moore, und das kann jeder verstehen wie er will.

Damit aber nicht genug. Am drolligsten finde ich unsere Politiker immer dann, wenn sie uns retten wollen. Der Kampf gegen die Raucher wird hierzulande deshalb auch besonders gründlich geführt. Natürlich sollen Nichtraucher geschützt werden. In Behörden und Büros muss nicht geraucht werden. Denen, die aber rauchen wollen, nicht einmal Raucherräume zur Verfügung zu stellen, ist äußerst dumm. Hat mal jemand ausgerechnet, wie viel Zeit dadurch vergeht, dass Raucher ihre Kippen einpacken, sich den Mantel überstreifen, vom Büro ins Freie gehen, rauchen, Kollegen treffen, sich mit denen festquatschen, wieder zurückgehen, den Mantel ablegen und dann weiterarbeiten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das rechnet.

Und wie lange leben die Nichtraucher länger, wenn sie durch Raucher nicht mehr eingenebelt werden? Vier Wochen? Jeden Tag weisen die Politiker darauf hin, dass die Menschen immer älter werden und die Kranken- und Rentenversicherungssysteme das kaum noch finanzieren können. Und ständig denken sie sich etwas aus, damit die Leute noch länger leben. Das macht doch keinen Sinn.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich die Raucherproblematik in den Berliner Kneipen entwickelt. Wie viele Kneipen oder Gaststätten verfügen schon über mehrere Räume, dazu noch so separat, dass man regelrechte Raucherzimmer einrichten kann? Werden sich die Menschen, die rauchen wollen, wirklich davon abbringen lassen? Denen kann man doch so viele amputierte Raucherbeine zeigen wie man will. Raucher haben Poster von Winston Churchill oder Helmut Schmidt über dem Sofa hängen. Der eine raucht dicke Zigarren, der andere zündet sich gerade mit dem Kippenstummel die neue Fluppe an. Rauchen steht noch nicht unter Strafe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das auch irgendwann noch kommt. Was machen also die Kneipengänger, die in ihrer Pinte nicht mehr quarzen dürfen? Sie bleiben zu Hause und rauchen ihren Familie etwas vor. Wird wirklich jemand zwischen zwei Bier vor die Kneipentür gehen? Raucher können alles gleichzeitig: Rauchen, Biertrinken, Sprechen. Warum soll man auf eines davon verzichten? Wer nicht weiß, dass Rauchen schädlich ist, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Alkoholiker haben das gleiche Problem. Meinetwegen kann eine Schachtel Zigaretten 10 Euro kosten, das wird den eingeschworenen Rauch nicht wirklich abhalten.

Ich frage mich ernsthaft, was diese ganzen Reglementierungen sollen. Der Staat beschäftigt sich von früh bis spät damit, die Rechte der Menschen auf ein Leben nach ihrem Stil zu beschneiden. Wählen wir diese Leute wirklich deshalb, damit sie mit uns machen können, was sie wollen? Und dafür bezahlen wir sie auch noch stattlich, deutlich über dem Mindestlohn, versteht sich.

In einem Interview mit der BERLINER MORGENPOST vom 23.12.2007 sagt FDP-Fraktionschef Martin Lindner dazu: „…werden wir uns um die Leute kümmern, denen in einem gouvernantenhaften Staatsverständnis unter dem Deckmantel des Umwelt-, Nichtraucher- und Sozialschutzes vorgeschrieben wird, wie sie zu leben haben. In den Bordellen soll ja jetzt sogar die Form der Seife vorgeschrieben werden. Ich warte nur darauf, dass im Puff ein dreiseitiges Antragsformular des Senats ausgefüllt werden muss, bis es zur Sache gehen kann. Diese lustfeindliche Bevormundung muss aufhören! Demnächst sind vier Senatsverwaltungen beschäftigt, wenn drei Leute unter einem Heizpilz rauchen und Glühwein trinken. Diese Renaissance der Spießigkeit werden die Liberalen bekämpfen.“ Ich gebe in dieser Frage Herrn Lindner vollkommen recht.

Aber, was sollen wir uns aufregen über Autos egal mit welcher Plakette oder Kneipen, in denen nicht geraucht werden darf. In der Schule habe ich gelernt, dass Verbote nur dann einen Sinn haben, wenn man die Einhaltung selbiger auch kontrollieren kann. Und hier können wir uns doch alle getrost zurücklehnen. Wer soll denn die Autos überprüfen, vor allem auch die der Besucher, die täglich in die Stadt kommen? Wer soll denn die Kneipenrundgänge machen und nach Rauch schnuppern? Oder setzt der Staat auf ein neues Denunziantentum? Passen die Nachbarn auf, ob jeder die richtige Plakette an der Windschutzscheibe hat oder ob es aus der Kneipe qualmt?

Wie schön wäre es, wenn der Staat die Energie, die er mit den erwähnten Maßnahmen vergeudet, dort einsetzen würde, wo es sinnvoll ist. In der Schule und im Freizeitheim muss den Kindern klar gemacht werden, dass Rauchen kein Genuss ist, sondern schmerzhafte Folgen haben kann. Nicht jeder hat eine Lunge ala Churchill oder Schmidt. Durch Einsicht muss man zum Ziel kommen, nicht mit albernen Gesetzen oder Verordnungen. Für den Kinderschutz ist in letzter Zeit eine Menge getan worden. Das muss man anerkennen. Längst aber noch nicht genug. Ob es den Kindern hilft, wenn ihre Rechte in der Verfassung stehen, weiß ich nicht. Die Menschenrechte sind umfänglich geregelt, da hat Kardinal Sterzinsky recht. Ist es sinnvoll, eine bestimmte Altersgruppe besonders hervorzuheben? Ich halte die Grundgesetzdiskussion für ein Ablenkungsmanöver. Vielmehr sollte man den Kinderschutz weiter verstärken. Die U7a ist ein sinnvoller Schritt. Diese zusätzliche Vorsorgeuntersuchung zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr, wo eine große Lücke klaffte, ist richtig. Lieber Senat, kümmert Euch um die wichtigen Fragen, und belästigt nicht die Menschen mit Euren Vorstellungen von einer besseren Welt, die es nicht geben wird.

Ed Koch

  
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