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Leserbrief zu "14 Tage länger leben"

geschrieben von: Redaktion am 30.12.2007, 07:11 Uhr
paperpress552 
Lieber Ed Koch! Zwei Zitate Ihres Textes möchte ich hervorheben, aber nur kurz abhandeln, weil ich sie letztlich ziemlich unsinnig finde. Erstens, weil die Wirklichkeit anders aussieht. Zweitens, weil Sie selbst sehr wohl von Reglementierungen profitieren.
"Ich frage mich ernsthaft, was diese ganzen Reglementierungen sollen. Der Staat beschäftigt sich von früh bis spät damit, die Rechte der Menschen auf ein Leben nach ihrem Stil zu beschneiden."

"Am drolligsten finde ich unsere Politiker immer dann, wenn sie uns retten wollen."

Nun gut, vielleicht gehören Sie zu den besonders Privilegierten in unserem Lande, haben ein nettes Einfamilienhaus und brauchen daher keinen Mietvertrag, haben einen eigenen Chauffeur und müssen sich daher keine Gedanken um die Straßenverkehrsordnung machen.

Natürlich sehen Sie sich auch keine Sportveranstaltungen an, weil da ist ja auch alles reglementiert. Auch Arbeitsverträge, überhaupt Verträge, interessieren Sie nicht.

Im Wilden Westen war die Staatsgewalt sicher nicht so allgegenwärtig. Hätten Sie im Wilden Westen leben mögen? Lassen wir das also.

Speziell will ich mich aber, der ich seit 3-4 Jahren nicht mehr rauche, mit dem Rauchverbot beschäftigen.

Seit fast unzähligen Jahren gibt es bei der BVG ein Rauchverbot in den Bussen und Zügen. Seit geraumer Zeit auch auf den Bahnhöfen. Welcher Mensch stört sich da heute noch dran? Keiner. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Fast alle Raucher wollen mit dem Rauchen aufhören, vielleicht sogar Helmut Schmidt. Fast jeder wird es schon mal probiert haben. Jetzt haben viele die Möglichkeit dazu. Und das ganz kostenlos.

Von mir aus könnte es reine Raucherkneipen geben, auch mehrräumige. Da blieben dann die Süchtigen unter sich. Und Nichtraucher und viele Raucher würden vermutlich diese Form der Gastlichkeit meiden und einen großen Bogen drum machen.

Diejenigen, die am meisten auf ihren Rechten bestehen, sind gleichzeitig die aggressivste Sorte Mensch: Autofahrer, Raucher, Trinker, Hundebesitzer. Versuchen Sie doch einmal mit Hundebesitzern zu diskutieren, wenn deren Töle vor Ihren Augen einen dicken Haufen absetzt. Und wie Leute durchknallen können, die für sich das Un-Recht erzwingen wollen, zu rauchen, haben wir ja gerade in München erleben dürfen, als ein Rentner sich ihnen entgegenstellte und dafür halbtot geprügelt wurde. Shit happens?

Warum funktioniert das bei den Amerikanern, die doch so auf ihre individuelle Freiheit achten, und bei uns gibt's erst mal einen Aufstand? Vielleicht liegt es daran, dass wir nie eine richtige Revolution hatten in diesem Land. Jetzt versuchen wir das bei jeder Gelegenheit irgendwie nachzuholen - als Aufstand der deutschen Spießbürger sozusagen. Die Waffen: Fluppen, Hundeköttel, Bierpullen und Gaspedal.

"Durch Einsicht muss man zum Ziel kommen, nicht mit albernen Gesetzen oder Verordnungen." Lieber Ed Koch, daran glauben Sie ja nicht mal selbst, denn in Ihrem letzten Satz behaupten Sie das glatte Gegenteil, wonach es eine bessere Welt nicht geben wird. Egal also, ob mit Verordnungen oder ohne.

Selbst Gott mochte allerdings nicht ohne Verbote auskommen. Sein paradiesisches Gesetz für die ersten Menschen: Ihr dürft nicht die Früchte vom Baum der Erkenntnis essen. Wie wir alle wissen, hielten sich Adam und Eva nicht daran. Und schon hatten wir die erste Gesetzesübertretung der Geschichte - allgemein als Sündenfall bekannt. Dumm nur, dass im Gegensatz zum heutigen Ordnungspersonal, Gott alles sieht und die Strafe auf dem Fuß folgte. Unter der Vertreibung aus dem Paradies leiden wir ja noch heute. Wenn es damals schon Zigaretten gegeben hätte, gibt es wohl keinen Zweifel, dass ein Raucher die Menschheit ins Unglück gestürzt hätte, indem er trotz Rauchverbot heimlich gequalmt hätte.

Lieber Herr Patalong,

es tut mir leid, dass Sie mein Beitrag so beschäftigt hat. Er ist weitestgehend satirisch gemeint gewesen, deshalb auch die Überzeichnungen. Natürlich muss es Regeln geben, aber nicht für alles. Ich habe kein Einfamilienhaus, sondern eine viel zu teure Mietwohnung, und weder Auto (nie gehabt, auch nie einen Führerschein gehabt) noch Chauffeur. Sportveranstaltungen, da haben Sie recht, sehe ich mir nicht an. Nicht wegen der vielen Regeln, sondern weil sie mich nicht interessieren. Die Lebenserwartung im Wilden Westen war gering, obwohl noch niemand etwas von Abgasverordnungen wusste. Ich kenne die USA sehr gut, weil ich oft dort war. In diesem Lande möchte ich immer wieder Urlaub machen, aber nie leben. Es scheint nur so, als gäbe es dort wenig Regeln, aber schon die Steuererklärungen wären für uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Ich rauche übrigens auch nicht. Habe nie damit angefangen, und musste deshalb nie aufhören. Zu Weihnachten mal eine Zigarre, das ist aber schon alles. BVG, Bahnhöfe, öffentliche Gebäude, ist doch OK, dass dort nicht geraucht werden darf. Die meisten Raucher sind vermutlich süchtig, aber Rauchen ist seit Jahrtausenden auch so etwas wie Kulturbestandteil, ebenso wie Trinken von alkoholischen Getränken. Wenn die Grenze zwischen Genießen und Sucht überschritten wird, wird es kritisch. Aber wollen wir wirklich den Menschen verbieten, nach dem Essen eine Zigarette zu rauchen? Über Autofahrer, Trinker und Hundebesitzer sind wir uns völlig einig. Ich bin aber als Nichtraucher für die Möglichkeit, entscheiden zu können, in ein Restaurant oder eine Kneipe zu gehen, in der geraucht oder nicht geraucht werden darf. Eine Einraumkneipe dazu zu zwingen, dass dort nicht mehr geraucht werden darf, halte ich für falsch. Der Wirt sollte selbst entscheiden können, ob oder ob nicht. Und am Eingang könnte stehen: Hier darf geraucht werden. Jeder hat dann die Möglichkeit, hineinzugehen oder nicht.

Was die so genannte Umweltzone anbelangt, so mag diese ja sinnvoll sein. Aber warum nur im S-Bahnring? Warum nicht in ganz Berlin, ganz Deutschland? Darauf hätte man doch schon vor Jahren beginnen können hinzuarbeiten. Es können heute schadstoffarme Autos hergestellt werden. In einer Übergangszeit von 10 oder 20 Jahren hätten alle alten Autos abgeschafft und neue angeschafft werden können. Jetzt muss aber alles ganz schnell gehen, egal welche kleine Firma da auf der Strecke bleibt. Unser Jugendamt hat beispielsweise einen Fordbus, der den neuen Richtlinien nicht mehr entspricht und auch nicht nachgerüstet werden kann. Zwei Jahre Galgenfrist bestehen nun, dann können wir das Fahrzeug entsorgen oder ins ferne europäische Umland verkaufen. Noch einmal eine Sponsoraktion wie vor 8 Jahren hinzubekommen, ist ziemlich ausgeschlossen.

Bei dem wirklich schrecklichen Vorfall in München, ging es nur vordergründig ums Rauchen. Die beiden jungen Männer hätten vermutlich an diesem Tage zig andere Gründe gefunden, jemanden zu verprügeln. Oft reicht es ja nur, wenn man ausversehen Blickkontakt zu einem dieser Amokläufer beim Vorbeigehen hat. Schon wird die Frage nach dem Problem gestellt.

Also, lieber Herr Patalong, ich bin durchaus für Regeln und Gesetze, ohne die das Zusammenleben nicht funktioniert. Man muss aber nicht alles regeln. Und viele Gesetze und Verordnungen sind unsinnig. Rot-Rot hat sich daran gemacht zu entrümpeln. Sehr weit sind sie damit bisher nicht gekommen, ganz im Gegenteil. Beruhigend ist doch aber, dass sich nun Edmund Stoiber in Brüssel, dem Ozean der unsinnigen Verordnungen, ans Werk machen will, um abzuschaffen was abgeschafft werden kann. Da hat man doch wirklich einmal einen Fachmann berufen, einen Hoffnungsträger erster Güte. Sie merken, das war nicht ganz ernst gemeint.





  
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