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Nur die Liebe zählt....

geschrieben von: Redaktion am 06.01.2008, 09:48 Uhr
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Was die RTL-Show mit dem gegenwärtig heiß diskutierten Thema „Jugendgewalt“ zu tun hat, dazu komme ich später.
Ein Lehrer in Brooklyn wird von einem Schüler niedergestochen, weil dieser ihn durchfallen ließ. Nach 15-monatiger Genesung fängt der Lehrer eine neue Stelle in Los Angeles an. Dort geht es, was Gewalt anbelangt, erst richtig zur Sache. Ein Schüler, der eine Kollegin des Lehrers massiv belästigt, verschwindet eines Tages von der Bildfläche und wird lange Zeit später als Wasserleiche geborgen. Ein anderer Schüler, der den erwähnten Lehrer bedroht, verliert eines Tages einen Finger. Der Lehrer drehte den Spieß um. Diese Geschichte könnte wahr sein, ist aber nur die eines Spielfilms, der gestern Abend „passend“ zur aktuellen Diskussion in RTL 2 lief. Die Geschichte endet übrigens im Desaster beim Russisch Roulett, bei dem sowohl Lehrer als auch der neunfingerige Schüler draufgehen.

Nein, es ist noch nicht wieder so weit, dass sich Lehrer durch Einsatz körperlicher Gewalt gegen die Schüler „wehren“. Nicht nur früher empfanden es die Eltern als hilfreich, wenn der Rohrstock des Lehrers den unartigen Schüler züchtigte. Gewalt, das wissen wir, ist kein Mittel zur Problemlösung, und dennoch wird es immer wieder eingesetzt. Welches Verständnis von Gewalt sollen Jugendliche haben, die selbst von ihren Eltern verprügelt werden? Welche Wertschätzung sollen Jungen gegenüber Frauen lernen, wenn zu Hause der Vater die Mutter schlägt? Trinken und Rauchen gehört zur Ausprobierungsphase fast jedes Jugendlichen. Wird aber zu Hause regelmäßig getrunken und geraucht, ist die dauerhafte Übernahme dieses schädlichen Verhaltens durch den Nachwuchs geradezu vorprogrammiert.

Jeder Jugendliche kann in schlechte Gesellschaft geraten. Oft sind es die falschen Freunde, die sie sich aussuchen, weil diese ebenso cool wie kriminell sind, und das beeindruckt leider viel zu viele. Im Wesentlichen kann man aber sagen, dass Kinder und Jugendliche, die zu Hause mit Liebe und Hingabe der Eltern aufgezogen werden, nicht zu Gewalt und Kriminalität neigen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, aber, ich sage im Wesentlichen. Nun hat nicht jedes Kind das Glück, ein intaktes Elternhaus zu haben. Aber auch wenn Mutter oder Vater allein ihr Kind erziehen, und dies mit der notwendigen Liebe tun, ist noch nichts verloren. Und die Kinder, die überhaupt keine Eltern haben? Heime sind immer nur die zweitbeste Lösung, Ersatzeltern die bessere. Und dafür hätte der Staat, wer sonst, intensiver sorgen müssen, als er es die letzten Jahrzehnte getan hat. Jedes Kind muss einen Anspruch auf eine liebevolle Erziehung haben. Dafür zu sorgen, müsste Verpflichtung des Staates sein, vor allem auch aus egoistischen Gründen. Jeder weiß, dass Prävention immer preiswerter ist als Strafverfolgung oder eine Unterbringung im Gefängnis.

Die Statistiken besagen, dass die Hälfte aller Gewalttaten von Jugendlichen erfolgen, und davon wiederum die Hälfte mit und ohne Einwandererhintergrund. Die Einwandererjugendlichen sind, wenn ihre Eltern einen deutschen Pass haben, ebenso Deutsche wie die, deren deutscher Stammbaum bis zu Martin Luther zurückreicht. Für das Opfer macht es keinen Unterschied von einem „deutschstämmigen“ oder einem Jugendlichen mit arabischen Wurzeln verprügelt worden zu sein. Den justiziablen Unterschied würde ich allerdings zwischen den eben Erwähnten und denen ziehen, die hier nur auf Zeit zu Gast sind, also weder die deutsche Staatsbürgerschaft haben, noch diese anstreben. Lassen wir bei der Betrachtung einmal die Problematik außer Acht, die sich durch das mehr oder minder ungehinderte Aufenthaltsrecht aller EU-Bürger in einem EU-Land ihrer Wahl ergibt.

Wer hier zu Gast ist und durch Gewalttaten seine Biografie schreibt, der hat tatsächlich hier nichts verloren und gehört abgeschoben. Das Thema, warum es in Einzelfällen nicht geht, Menschen in ihre Herkunftsländer abzuschieben, will ich nicht aufmachen, sondern mich vielmehr auf die Gewalttaten konzentrieren.

Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, warum Menschen aus anderen Ländern bei uns ihre neue Heimat gefunden haben. Wir haben sie gerufen. Wir brauchten Arbeitskräfte, oft für Tätigkeiten, für die sich der Wohlstandsdeutsche zu fein war. Und wie haben wir unsere arbeitswilligen Gäste behandelt? Haben wir Kontakt zu ihnen aufgenommen, sie willkommen geheißen, mit ihnen etwas gemeinsam unternommen? Ja, sicher, aber nur in Einzelfällen. Als Integrationsbeauftragte, die zuvor den schönen Namen „Ausländerbeauftragte“ führten, ihre Tätigkeit aufnahmen, war es schon zu spät. Die Parallelgesellschaften waren bereits entstanden. Wie es heute noch gelingen soll, zu diesen Menschen mit unseren Wertevorstellungen vorzudringen, weiß ich nicht. Dass Gewalt gegen andere Menschen absolut tabu ist, ist vielen kaum noch beizubringen.

Der Staat hat seine Bürger zu schützen. Dafür wird er reichlich mit Steuergeldern ausgestattet. Aber der Schutz beginnt nicht beim Polizeieinsatz, sondern wesentlich früher. Langsam und allmählich kommt man darauf, Kinder von Anfang an zu begleiten, sie regelmäßig zu untersuchen, sich mit den Familien zu beschäftigen, und zwar mit allen. Es ist keine Staatswillkür oder Gängelung, wenn erwartet wird, dass sich jede Familie, die Nachwuchs bekommen hat, mit diesem bei einem zuständigen Amt einfindet. So früh wie möglich muss Einfluss genommen werden, um den Kindern eine vernünftige Zukunft zu verschaffen. Und ich sage es noch einmal, diese Prävention, die sicherlich sehr personalintensiv ist, ist immer noch preiswerter als Maßnahmen, die durch Polizei und Justiz erfolgen müssen.

Unsere Politiker haben die Integration sträflich vernachlässigt und die Prävention zertreten, wo es nur ging. Neulich in der Abendschau: Im Bezirk Mitte fehlten einige Millionen am Haushalt. Dort gab es einen Stadtrat, der für die Ressorts Jugend und Finanzen zuständig war. Eine ideale Kombination für die Förderung von Jugendlichen, könnte man denken. Ganz im Gegenteil. Die ersten Punkte, die auf der Streichliste standen, waren Jugendprojekte. Als wenn es nichts anderes gäbe. Zuerst wird immer an Angeboten für Kinder und Jugendliche gespart. Dieser Stadtrat ist jetzt übrigens in die Senatswirtschaftsverwaltung als Staatssekretär gewechselt. Herzlichen Glückwunsch.

Man macht es sich oft zu einfach und schiebt den Politikern die Schuld für alles zu, auch für das schlechte Wetter. An allem tragen die Politiker keine Schuld, aber daran, dass die Integration der Zuwanderer nicht stattgefunden hat und daran, dass die präventiven Angebote für Kinder und Jugendliche von Jahr zu Jahr abgebaut wurden. Immer unter dem Motto: „Die Kinder sind unsere Zukunft“. Was in Einzelbereichen jetzt getan wird, um zurückzusteuern, gleicht noch längst nicht das aus, was zerstört wurde.

Wie glaubwürdig ist es, wenn Roland Koch aus Hessen jetzt das Thema Jugendgewalt zum zentralen Punkt seines Wahlkampfes macht? Er hatte kein Thema und nun hat er eins, Dank zweier Jugendlichen, die einen Rentner verprügelt haben, vor laufender Kamera. Ein Clip, der durch ständiges Wiederholen im Fernsehen die Angst immer weiter schürt, Wahlkampfhilfe für den Hessen. Die SPD dieses Bundeslandes hat sich eines weniger populistischen Themas angenommen. Mindestlohn. Problem nur: wie viele sind davon betroffen? Von Gewalttaten können alle betroffen sein. Das Thema spricht jeden an, vom Kind bis zum Greis.

Die Welt hat sich verändert. Die Kinder sind heute viel früher reif, als das noch vor 30 Jahren der Fall war. Die Herabsetzung der Strafmündigkeit auf 12 Jahre halte ich für unerlässlich. Darüber redet aber niemand im Augenblick. Stattdessen geht es darum, das Höchststrafmaß im Jugendrecht von 10 auf 15 Jahre zu erhöhen. Das soll die Lösung sein, ist ja wirklich albern. Erziehungscamps sollen Abhilfe schaffen, tolle Idee. In den USA dienen diese Camps dazu, den Jugendlichen jegliche Persönlichkeit zu nehmen. Was werden da für Menschen kreiert? Alternativen zu Gefängnissen zu schaffen, ist vom Grunde her eine richtige Idee. Das Gefängnis hat nichts mit Erziehung zu tun, ganz im Gegenteil. Hier lernt man das, was man auf der Straße noch nicht mitbekommen hat.

In diesen Alternativeinrichtungen müssen die Jugendlichen vor allem eines lernen, nämlich: nur die Liebe zählt. Wer seine Mitmenschen nicht akzeptiert, nicht mag und versteht, wird nie zu Toleranz und Anerkennung finden.

Damit das aber auch klar ist: wenn Jugendliche gewalttätig werden, weil jegliche Erziehung im Elternhaus und staatliche Unterstützung versagt haben, dann müssen sie merken, dass Gewalt von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Keine Bewährungsstrafen. Warnschussarrest. Was für ein dämlicher Begriff. Was jedoch damit inhaltlich gemeint ist, ist sinnvoll. Rentner geschlagen: weggesperrt. Sofort. Die Länge des Aufenthaltes richtet sich nach der schwere der Tat. Mit weggesperrt meine ich aber vor allem, dass diese Zeit genutzt wird, um sich mit den Jugendlichen zu beschäftigen. Ihn einfach in der Zelle sitzen zu lassen, ist Unsinn.

Und ich wiederhole auch das, selbst wenn ich weiß, das ein anonymer Betreiber eines Internet-Blogs sich darüber aufregte, dass ich Sippenhaft fordere und mir gleich klar machte, dass dieser Begriff aus der Nazizeit stammt. Mir geht es nicht um Sippenhaft, sondern um die Verantwortung der Eltern. Wenn die Eltern nicht auf ihre minderjährigen Kinder aufpassen können und nicht in der Lage sind, oder es nicht wollen, sie liebevoll zu erziehen, dann müssen auch sie spüren, dass die Gesellschaft dieses Verhalten nicht bereit ist hinzunehmen.

Die Richter behaupten, dass die Gesetze alles hergeben, was erforderlich ist, und man keine neuen braucht. Toll. Dann wendet doch die Gesetze endlich einmal an, Ihr Schlafmützen. Wie kann man einen straffällig gewordenen Jugendlichen immer und immer wieder mit Bewährung davon kommen lassen? Der muss doch den Eindruck gewinnen, alles machen zu können, ohne jede Folgen für sich und seine Eltern. Nein, auch wenn der Slogan abgegriffen ist: Null Toleranz. Auf Null Toleranz den Opfern gegenüber muss Null Toleranz der Gesellschaft folgen.

In diesem Lande wächst eine Generation nach der anderen heran, die keine Perspektive hat. Wenn sich der Staat nicht endlich effektiv und gründlich darum kümmert, wird es zur Katastrophe kommen. Da helfen keine Beschwichtigungen wie: aber die meisten Jugendlichen wachsen doch problemfrei auf. Ja, zum Glück. Natürlich ist es nur ein kleiner Teil der jungen Menschen, um den wir uns kümmern müssen, dafür aber um so intensiver.

Jugendgewalt gegen Mindestlohn. Die Hessen haben es am 27. Januar 2008 nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen.

Ed Koch



  
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