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Beiträge: Wer wohnt 2030 in Berlin?

geschrieben von: Redaktion am 15.02.2008, 08:53 Uhr
paperpress554 
Quelle: Landespressedienst. Anmerkungen von Ed Koch in (...) gesetzt.

Die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2006 – 2030 vorgestellt. Seit 1997 erstellt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg regelmäßig Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Berlin. Diese fünfte Prognose für Berlin besteht aus zwei Teilen. Dem für die Gesamtstadt, basierend auf der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung, der jetzt vorliegt, und einem zweiten Teil zur kleinräumigen Bevölkerungsprognose, der im Sommer 2008 vorliegen wird.
Senatorin Junge-Reyer: „In ganz Europa verändert sich die Alterszusammensetzung der Bevölkerung und deshalb müssen politisch Verantwortliche genau beobachten und soweit wie möglich für die Zukunft einschätzen, wie sich in den Städten und Kommunen die Bevölkerungsstruktur und vor allem der Altersaufbau entwickelt. Die Frage, die wir beantworten müssen, lautet: Ist Berlin fit für den demografischen Wandel? Vor der Beantwortung dieser Frage steht jedoch die Analyse der Fakten und die Erstellung einer glaubwürdigen Prognose. Diese liegt nun vor und die Ergebnisse sind erfreulich. Die Bevölkerungszahl verändert sich auch in den kommenden 22 Jahren nur geringfügig, wir sind damit ein Gewinner in Deutschland und Europa. Berlin hat sich inzwischen weltweit als Stadt der Wissenschaft, kreativen Potenziale und der Zukunftsbranchen positioniert. Hier lebt und arbeitet die „Kreative Klasse“, Berlin nutzt die Chancen einer internationalen und liberalen Stadtgesellschaft. Deshalb schaffen wir es, für Junge attraktiv zu sein und sie nach Berlin zu holen. Außerdem bieten wir einen urbanen und zugleich grünen Lebensraum für Familien und Ältere. Berlin ist ein attraktives Zuwanderungsziel – und davon profitiert die gesamte Stadt!“

(Die Senatorin hat sich vor Freude fast überschlagen. Ihre Anmerkungen zu der Bevölkerungsprognose klingen wie das Vorwort zu einer Werbeschrift für Berlin. Ist aber alles so toll, wie uns die Senatorin Glauben machen will? Sagt die Prognose wirklich auch das aus, was die Menschen hier erfahren möchten? Schauen wir uns den Text der Pressemitteilung einmal genauer an.)

Zum Jahresende 2006 hatte Berlin eine Bevölkerung von 3,404 Mio. Personen, für das Jahr 2030 wird eine Bevölkerungszahl von 3,367 Mio. erwartet (-1,1%). Bis etwa zum Jahr 2020 ist die Bevölkerung stabil, mit einer erwarteten leichten Zunahme bis 2015/16, danach ist eine leicht rückläufige Entwicklung zu erwarten. 2005 hat Berlin gut 7.000 Personen gewonnen, im Jahr 2006 knapp 9.000, zusammen knapp 16.000. Wird Berlin und sein Umland betrachtet, ist es in beiden Jahren stärker gewachsen als die Region Rhein-Main, in 2006 auch stärker als die Region Stuttgart. (Der Senat kann es nicht lassen, Berlin ständig mit anderen Regionen und Städten zu vergleichen). Dies resultiert sowohl aus positiven Wanderungssalden als auch einer positiveren (aber im Saldo nicht positiven) natürlichen Entwicklung, die aktuell durch leicht gestiegene Geburten und geringere Sterbefälle aufgrund von gestiegener Lebenserwartung gekennzeichnet ist. („Positiven, im Saldo aber nicht positiven“, diese Formulierung muss man sich merken, für die nächsten Tarifverhandlungen).

Das Durchschnittsalter steigt von 42,4 Jahren (2006) auf 46,4 Jahre (2030) an. Berlin wird also – wie der Rest Deutschlands und weite Teile Europas – älter. Die erwerbsfähige Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren wird bis zum Jahr 2030 um 10% abnehmen. (Das ist eine mehr als dramatische Entwicklung, die so gar nicht zu den jubelnden Äußerungen der Senatorin passt.)

Laut Bevölkerungsprognose wird die Gruppe der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren bis zum Jahr 2030 um 10%, die der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren sogar um ein Fünftel abnehmen. (Jetzt wird es wirklich ernst. Aber sollte man deswegen schon heute Jugendeinrichtungen schließen?)

Die Gruppe der 18 bis unter 25 Jährigen wird bis 2030 um ca. 20% kleiner werden, das entspricht knapp 50.000 Menschen, einem zu zwei Dritteln gefüllten Olympiastadion. (Jetzt wird’s komisch. Kann man sich wirklich nicht anders als am Olympiastadion vorstellen, wie viel 50.000 Menschen sind?) Berlin wird im Jahr 2030 deutlich mehr Hochbetagte (üb. 75 Jahre) haben als heute (+ knapp 200.000 Pers., + 83%), das entspricht gut zweieinhalb ausverkauften Hertha-Heimspielen. (Wenn Hertha so weiter macht, werden die Besucher so stark abnehmen wie die Zahl der Kinder und Jugendlichen in der Stadt. Wir brauchen also künftig mehr Senioren- als Jugendclubs.). Während heute knapp 70% der Hochbetagten (üb. 75 Jahre) Frauen sind, wird ihr Anteil im Jahr 2030 bei nur noch gut 55% liegen, da auch die Lebenserwartung der Männer stärker ansteigt. (Logisch, wenn Mann nicht mehr rauchen darf).

Der Anteil der Passausländer an der Gesamtbevölkerung wird sich von 13,9% auf 16% im Jahr 2030 erhöhen. Es ist zu berücksichtigen, dass viele Menschen eingebürgert werden. (Hier vermeidet der Senat eine Angabe, wie viel das im Olympiastadion ausmachen würde. Passausländer sind übrigens Menschen, die hier in Berlin ihren Wohnsitz haben, also gemeldet sind. Darunter zählen auch EU-Bürger. Noch ist man in Deutschland Ausländer, wenn man aus einem anderen EU-Staat kommt.)

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist erheblich größer als der der Passausländer, hierzu sind jedoch verlässliche statistische Aussagen nicht möglich. Klar erkennen kann man jedoch, dass Berlin eine überdurchschnittliche Anziehungskraft für Migranten hat. (Wer hätte das gedacht. Zum Komplex der Einwanderer gibt es keine verlässlichen Zahlen, weil die einfach nicht abgefragt werden. Wird ein Einwanderer beispielsweise in Brandenburg eingebürgert und siedelt anschließend nach Berlin um, so ist er statistisch Deutscher. Es ist also nach den gegenwärtigen Erhebungen nicht erkennbar, wie viele Einwanderer mit deutschem Pass hier leben. Die Frage, die man sich stellen muss, ist aber auch die, ob diese Angaben wichtig sind, und wenn ja, für wen? Die Politik ist offenbar daran interessiert. Wie eine Nachfrage in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ergab, wird dort geprüft, wie man zu diesen Angaben gelangen kann, beispielsweise indem man nach der Muttersprache fragt. Sehr dezent, versteht sich).

Zwischen 1991 und 2006 sind insgesamt 1,90 Mio. Personen nach Berlin gezogen, 1,82 Mio. Personen sind aus Berlin fortgezogen. Im Saldo aus Zu- und Wegzug hat Berlin 80 Tsd. Personen gewonnen (gewonnen ist in diesem Zusammenhang ein schönes Wort, wo denn? In der Glücksspirale?), dies betrifft sowohl die Wanderungen aus dem Umland, den neuen und alten Bundesländern als auch dem Ausland. Von den 1,90 Mio. zugewanderten Personen waren mehr als 1 Mio. Personen in der Altersgruppe zwischen 18 und unter 35 Jahren, das entspricht mehr Menschen als in Köln leben. (Dafür sind die fortgezogenen jetzt vermutlich in Köln). Im Saldo aus den Zuziehenden und den Fortziehenden gewann Berlin in dieser Altersgruppe 266 Tsd. Personen, das ist mehr als Augsburg Einwohner hat. (Oder dreieinhalbmal ein ausverkauftes Olympiastadion).

Zum Vergleich: Im Zeitraum von 1991 bis 2005 betrug der Saldo aus Zuzug und Fortzug in der Altersgruppe zwischen 18 und unter 35 Jahren 246 Tsd. Personen. (Augsburg während der Sommerferien). Berlin hat also im Jahr 2006 20 Tsd. junge Menschen zusätzlich gewonnen. (Auf die Endziffer 0815). Zwischen 1998 und 2006, also zeitlich in etwa korrespondierend seit dem Regierungsumzug, hatte Berlin einen leicht positiven Saldo von Zuziehenden in der Altersgruppe zwischen 60 und 70 Jahren aus den alten Bundesländern (ca. 500 Personen).

Die Prognose zur gesamtstädtischen Bevölkerungsentwicklung bildet die Datenbasis für gesamtstädtische Konzepte wie das Demografie-Konzept oder das Konzept „Wohnen im Alter“. Die kleinräumige Prognose, die im Sommer vorliegt, bildet eine zentrale Planungsgrundlage für die Bezirke und die Fachplanungen, um Entwicklungsplanungen für soziale Infrastruktureinrichtungen durchzuführen (Schulen, Krankenhäuser etc.). Die jeweiligen Prognoseergebnisse gewährleisten eine einheitliche Daten- und Arbeitsgrundlage sowohl für die planenden Hauptverwaltungen (insb. mit Zuständigkeit für Einrichtungen der sozialen Infrastruktur) als auch für die Bezirke, die mit der Neuordnung 2001 vermehrte Kompetenzen und Eigenverantwortlichkeiten erhalten haben. (Wissen das die Bezirke?)


  
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