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The Candy Man

geschrieben von: Redaktion am 25.09.2005, 12:38 Uhr
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Es geht um selbst gebastelte Fallschirme, an denen Süßigkeiten hingen.
Es geht um ein paar weiße Hühner und einem kleinen Mädchen in Fiedenau.
Und um eine große Freundschaft zwischen Amerikanern und Berlinern.
Die Geschichte des Mannes, der während der Berlin-Blockade (1948/49) nicht nur mit vielen anderen amerikanischen und britischen Piloten die Stadt aus der Luft versorgte, sondern vor allem ein Herz für die Kinder hatte und immer noch hat, ist fast so berühmt wie der Flughafen Tempelhof selbst.

Seine Geschichte hat Gail S. Halvorsen schon 1997 in seiner Muttersprache veröffentlicht. Jetzt – endlich muss man sagen – ist die deutsche Ausgabe im Verlag für Zeitgeschichte – der Edition Grüntal – erschienen. (19,90 €). Leseproben unter www.editiongruental.com. Wo anders als im ehemaligen Restaurant des Flughafens Tempelhof mit Blick auf das Flugfeld, wurde das Buch vorgestellt. Dabei konnte man sich davon überzeugen, wie aktiv dieser Flughafen immer noch ist und hoffentlich immer bleiben wird.

Eberhard Diepgen, langjähriger Regierender Bürgermeister von Berlin, und der frühere amerikanische Botschafter John Kornblum erinnerten an die Luftbrücke. Diepgen verwies darauf, dass sie noch heute als grandiose logistische Meisterleistung gilt und der Bürgermeister des überfluteten New Orleans für seine Stadt eine Aktion wünschte, wie sie in Berlin vorgemacht wurde.

Gail Seymore Halvorsen wurde in Salt Lake City, Utah, geboren und wuchs auf kleinen Farmen in Utah und Idaho auf. Im Septem-ber 1941 erhielt er nach Absolvierung des Civilian Pilot Training Programs den Flugschein für Privatpiloten. Fast gleichzeitig schloss er sich der Civil Air Patrol als Pilot an. Im Juni 1942 trat er in den United States Army Air Corps ein. Die Ausbildung zum Jagdpiloten erfolgte durch die Royal Air Force. Danach kehrte er zum Army Air Corps zurück und übernahm Frachtflüge im Südatlantik.

In den Jahren 1948 und 1949 war er einer der Piloten der Berliner Luftbrücke und wurde dort unter dem Spitznamen „Onkel Wackel-flügel“, „Schokoladepilot“ und „Berlin Candy Bomber“ bekannt. Ursache dafür war eine Begegnung mit 30 Kindern am 17. Juli 1948 am Rande der Rollbahn des Flughafens. Die Kids beobachte-ten die im 90-Sekunden-Takt landenden Flugzeuge. Ihm war ziem-lich schnell klar, dass die ausgemergelten Blockade-Kinder vor allem auf Süßigkeiten scharf waren. Halvorsen warf von nun an Süßigkeiten per selbst gebastelte Fallschirme beim Landeanflug auf Tempelhof ab. Damit löste er eine Lawine aus, denn seine Vorgesetzen erfuhren davon, waren begeistert und bald darauf bastelten viele Menschen in den USA kleine Fallschirme und viele Piloten warfen sie mit Süßigkeiten bestückt ab. Um Gail Halvorsens Flugzeug erkennen zu können, wackelte er mit den Tragflächen.

Eine besonders rührende Geschichte spielte sich am Rande dieser Aktion ab. Ein kleines Mädchen mit dem schönen Namen Mercedes wohnte in der Friedenauer Hähnelstraße, der Einflugschneise zum Flughafen Tempelhof. Sie hütete ihre weißen Hühner sehr sorgsam in der Hoffnung, dass sie fleißig Eier legten. Doch die brummenden Flugzeuge wirkten sich auf diesen Wunsch nicht sehr positiv aus. Die ganze Geschichte, in der es um einen Brief an den Candy-Piloten geht und um ein Päckchen, das er Mercedes sandte, ist in einem sehr schönen Kinderbuch aufgeschrieben und liebevoll illustriert. In Englisch gibt es das Buch schon seit einigen Jahren. In den USA ist es gut angekommen. Zeitgleich mit der Biographie von Gail Halvorsen wurde auch die deutsche Ausgabe von „Mercedes und der Schokolade Pilot“ vorgestellt. (Edition Grüntal, 16,90 €, Leseprobe unter www.editiongruental.com)

Im Mai 1949 war die Blockade vorbei und West-Berlin auch wieder über den Landweg erreichbar. Stalin hatte aufgegeben. Der sprichwörtliche Freiheitswille der Berliner hatte sich durchgesetzt. Für Gail Halvorsen sind die Berliner die wahren Helden der Luftbrücke. Er ging zurück in die USA und war dort weiterhin in der Luftfahrt tätig. 1970 kehrte er jedoch nach Berlin zurück, gemeinsam mit seiner Frau und den fünf Kindern. Nun war er der Diensthabende Oberst des Flughafens Tempelhof und der Vertreter der U.S. Air Force in Berlin.

An einem Abend im Jahr 1972 nahm Col. Halvorsen eine Einladung eines Berliner Pärchens an, das er noch nie zuvor getroffen hatte. Eine junge Mutter zweier Jungen, die selbst eine Ausbildung zur Pilotin gemacht hatte, begrüßte ihn herzlich in einem alten Wohnblock in der Nähe des Flughafens Tempelhof. Sie hatte eine Vitrine in der Wohnung, in der sie ihre Schätze aufbewahrte. Daraus nahm sie nun einen Brief. „Bitte lesen Sie das“, sagte sie zu Col. Halvorsen. Der Brief begann: „Meine liebe Mercedes“. Nach 24 Jahren trafen sich endlich die Menschen, die während der Berlin-Blockade schon Freundschaft geschlossen hatten. Was man immer heute über amerikanische Militäreinsätze weltweit anmerken kann, die Luftbrücke war eine zutiefst menschliche Aktion einer Stadt gegenüber, die noch drei Jahre zuvor das Zentrum des Bösen war, von der ein Weltkrieg nie geahnten Ausmaßes mit über 60 Millionen Opfer ausging, eine Stadt, in der beschlossen wurde, das Jüdische Volk auszurotten und 6 Millionen Juden durch diesen Wahn ihr Leben verloren. Das muss man sich vor Augen halten. Was mag in den Köpfen der Piloten vorgegangen sein, die drei Jahre nach Kriegsende ausgerechnet dieser Stadt helfen sollten?

Die Begegnung von Amerikanern und Berlinern während der Zeit der Blockade führte zu einer tiefen Freundschaft, die bis heute hält, selbst wenn es berechtigte Kritik an heutigen Militäreinsätzen der USA gibt. Die Freundschaft zwischen den Familien von Gail Halvorsen und Mercedes Wild ist ein Beispiel von vielen. Wenn Gail Halvorsen, der Mitte Oktober 85 Jahre alt geworden ist, Berlin besucht, wohnt er natürlich bei Familie Wild in Friedenau.

Wie viele Freunde der Candy-Pilot hat, zeigte sich bei der Buchpräsentation im Flughafenrestaurant. Heinz Gerd Reese von der Stiftung Luftbrückendank und die Leiterin der Edition Grüntal führten ein Gespräch mit Gail Halvorsen, das immer wieder durch Applaus der Anwesenden unterbrochen wurde.

Die beiden hier vorgestellten Bücher empfehlen wir herzlich. Es sind Geschichtsbücher, die zu Berlin gehören. Gail Halvorsen ist zu wünschen, dass er noch oft Gelegenheit hat, sein Berlin zu besuchen. Auf der Rückseite des Klappendeckels zum Kinderbuch schreibt Gail Halvorsen: „Wie sieht es mit unserer Zukunft aus? Ich bin sicher, Ihr werdet mir zustimmen, dass unsere Kinder unsere Zukunft sind. Nicht nur unsere eigenen Kinder, alle Kinder“. Er weiß, wovon er spricht, schließlich hat er 24 Enkelkinder!

Text: Ed Koch, sowie Passagen aus den beiden vorgestellten Büchern.


  
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