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Lesermeinung zu Tempelhof

geschrieben von: Redaktion am 05.03.2008, 11:21 Uhr
paperpress554 
Replik auf: paperpress Nr. 432; Ed Koch; Flughafenstreit: Was ist wahr? Wer hat recht?
Ich vertrete die Überzeugung, dass ein Flughafen nicht mitten in dicht besiedelte Wohngebiete gehört. Das war akzeptiert und notwendig während der Blockade und der langen Zeit der Umklammerung der Stadt durch die Sowjets. Seit der Vereinigung Deutschlands gibt es zu innerstädtischen Flughäfen im Berliner Umland Standortalternativen. Und – Die Flieger von heute sind nicht mehr die Retter von einst. Die Epoche ist vergangen zusammen mit den Fliegern. Gerade deshalb ragt Tempelhof um so heller als Symbol der Freiheit Berlins in der Gegenwart. Ein nationales Luftfahrtmuseum im Hauptgebäude wird die Symbolkraft noch erhöhen. Kein Mensch will die Gebäude abreißen, kein Mensch will den Privatfliegern ihre Geschäftsbasis entziehen. Die Gerichte haben den Fliegern ins Stammbuch geschrieben: Es ist euch zumutbar, auch von Schönefeld zu starten.

Das große Flughafenkonzept eines Single-Airports sieht vor: Die Fliegerei in Tempelhof soll vorzeitig (vor BBI Eröffnung) enden – und zwar nach Rechtmäßigkeit der Planfeststellung. Diese liegt seit Frühjahr 2006 vor. Mehr denn je besteht heute die politische Notwendigkeit, den politischen Beschluss von 1996 umzusetzen. Genau das macht der Senat von Berlin. Flughafenplanungen können nicht nach gerade entdeckten Geschäftsfliegerbedarfen oder hoch gerechneten Flug- und Wirtschaftskonjunkturen geändert oder umgestellt werden. Mitte der 90er Jahre hieß es noch, Schönefeld sei mit 60 Mio Passagieren viel zu üppig geplant, dann wurde kleiner gebacken, jetzt wissen die Flieger schon, dass er zur Eröffnung überläuft. Hier gehen Hochrechnungen in Propheterie über. Die Blütenträume der Geschäftsflieger vom prosperierenden Flughafen Tempelhof, haben sich bis heute nicht bewahrheitet. Flugverkehr und Passagierzahlen nehmen seit einem Jahrzehnt ab. Seriöse Wirtschaftsforschungsinstitute haben bisher keinen nennenswerten Beitrag der Geschäftsflieger zur Wirtschaftsleistung der Stadt ausgemacht. In ihrer Euphorie rechnen die Flieger vor: mit 160 Flügen pro Tag (heute 70- 80) könnte die Gewinnschwelle in Tempelhof erreicht werden (IHK-Forum). Für stabile und angemessene Gewinne müssten es aber 200-250 Flieger pro Tag sein.

Folgen:

Massive Zunahme des Fluglärms über Berlin zu erwarten: Der Fluglärm, der angesichts des nahen Endes abgenommen hat, wird bei voller Auslastung des Flughafens ohrenbetäubend. Für die Anwohner, wo, einmalig in diesem Land, 150 m vor Mehrfamilienhäusern gestartet und gelandet wird, entsteht eine unzumutbare Lage. Zwar werden die Motoren leiser, aber die Flieger zahlreicher, sonst rechnet sich die Sache nicht.

Kerosinbelastung nimmt enorm zu: Wollen die Berliner in der Umgebung und in den Flugschneisen auf Dauer tatsächlich vom klimaschädlichen Abgas des Kerosins verstänkert werden?

Erhöhte Gefährdung: Ein Flughafen wie Tempelhof würde heute unter Sicherheitsaspekten nicht mehr genehmigt werden. Es existieren am Ende der Startbahnen für die Flugzeuge keine ausreichenden Überrollflächen. Auch fehlt es an Notlandeflächen in unmittelbarer Umgebung des Flughafens. Darüber hinaus sind die Hobby-, Freizeit und Privatflieger keine Berufspiloten. Ihren Maschinen fehlt der Flugschreiber, der wenigstens Unfallursachen aufdecken könnte.

Lebensqualität und Wohnwert in den überflogenen Gebieten verbessern sich nicht, nehmen tendenziell eher ab. Wer will schon dahin ziehen, wo einem die Flieger dicht übers Dach düsen und einem dabei der Schreck in die Glieder fährt.

Die Flieger gehen und die Berliner kommen - und ihnen eröffnet sich eine ungeahnte Chance, um die uns andere Städte beneiden würden. Es können die Bürger bei der Gestaltung der Fläche und der Gebäudenutzung mitreden, so kann gelebte Demokratie aussehen. Und das ist nur möglich, solange noch kein fix und fertiger Plan des Senats oder eines begehrlichen Investor existiert. Egal welche Feldnutzung zum Zuge kommt: Der weitaus größte Teil des Feldes bleibt in der Mitte frei, vor allem aus stadtklimatischen Gründen. Unter dieser Vorgabe hatte schon 1999 der Senat einen umfassenden Entwurf für eine Nachnutzung vorgelegt, nämlich den „Park der Luftbrücke“. Entscheidend bleibt danach die Nutzung zwischen der freien Fläche in der Mitte und den angrenzenden Bezirken. Für die Nutzung des 300 m breiten Streifens auf Neuköllner Seite gibt schon seit 1995 ausführliche Vorschläge zur Nutzung. Die mit der Luftbrücke verbundene Flughafenerweiterung vernichtete auf Neuköllner Seite den größten Teil des dort angelegten Sportpark Neukölln. Ihn wieder erstehen zu lassen unter modernen Gesichtspunkten, gebietet die Wohn- und Lebenssituation rund um die Schillerpromenade. Heute besteht noch ein Parkrest im Süden (Eisbahn und Fußballplatz) und im Norden reichte der Park bis ans heutige Columbiabad. Defizite an Gemeinbedarfseinrichtungen wie Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen ließen sich gut in einem Nutzungskonzept Sportpark Neukölln integrieren. Zur Wahrheit gehört die Tatsache, dass es Nachnutzungskonzepte gibt, die eine von den Fliegern prophezeite Tempelhofer Brache verhindern helfen. Die Berliner werden ein offenes Feld für ihre Bedürfnisse eher schätzen, als den Fliegern die Pisten frei zu halten und deren Bequemlichkeit zu unterstützen.

Nicht leichten Herzens sage ich Tempelhof Adieu, weil ich von dort über Jahre den einzigen, freien Zugang zum Westen hatte. Doch die Zeit bleibt nicht stehen und wie man im Leben eines Tages alles loslassen muss, um der Zukunft Platz zu machen, so bleiben die wertvollen Momente einer Zeit nur dann erhalten, wenn sie in die anbrechende Zukunft integriert werden. Jener heroische Tempelhof-Geist kann auch die Flieger beflügeln, die Chance der Gegenwart beim Schopfe zu packen, statt sich in Tempelhof zu verschanzen und einzuigeln. Der Abschied vom Abschied kann unternehmerischen Elan und Wagemut freisetzen, um die neue Perspektive in Schönefeld mit Leben zu füllen.

Heinrich Krüger, 63 Jahre

  
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