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Der letzte schaltet das Licht aus

geschrieben von: Redaktion am 03.10.2008, 11:18 Uhr
paperpress560 
Die Leuchtmittel beim I in BERLIN sind schon ausgefallen. In wenigen Tagen wird es hier ganz dunkel sein. 85 Jahre Airport Tempelhof gehören dann endgültig der Geschichte an. Dieser Beitrag ist dem großen Kreis unserer Leser/innen gewidmet, die mit uns der Ansicht sind, dass es keine vernünftigen Gründe gibt, diesen Flughafen zu schließen. Vor allem aber denjenigen, die beim Thema Flughafen Tempelhof vor sich hin würgen und diese Ausgabe ungelesen gleich in die Tonne treten.
Selten wurde eine Debatte so emotional geführt und selten hat man so viele Umfaller bei der „führenden“ Partei im Senat erlebt. Die SPD ist ge-spalten, wenn es um Tempelhof geht. Die Befürworter haben sich dem Schicksal ergeben. Dass die Ossis mit Tempelhof nichts anfangen können, kann man ihnen nicht übel nehmen. Sie haben keinen Bezug dazu. Sie sollten aber nicht vergessen, dass, wenn der Kampf um West-Berlin nicht in Tempelhof gewonnen worden wäre, die deutsche Nachkriegsgeschichte einen anderen Verlauf genommen hätte. An dem würden sich bestenfalls die Altkommunisten und DDR-Nostalgiker in der Linken erfreuen. Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass die Flughafenbefürworter ihre Chance hatten. Wenn der Volksent-scheid über Tempelhof erfolgreich gewesen wäre, hätte der Senat große Probleme bei der Umsetzung seiner Schließungsplä-ne gehabt. Auch das ist alles Geschichte. Was bleibt, ist zu beobachten wie es weitergeht. Vertrauen auf eine schnelle und vernünftige Lösung der Frage, was mit dem Areal passiert, kann man nicht haben. Wir werden sehen, wie lange die Stadtent-wicklungssenatorin versuchen wird, diese Frage wegzugrinsen.

Während des politischen Bodenkampfes um Tempelhof fragte mich Klaus Wowereit einmal, wann ich denn das letzte Mal von Tempelhof aus geflogen sei. Meine Antwort: „Nachdem ihr erfolgreich fast alle Airlines dort vertrieben habt, kann man kaum noch irgendwo hin von Tempelhof aus fliegen!“ Nun, das wohl letzte Mal flog ich dann doch noch von Tempelhof, gemeinsam mit den paperpress-Redakteuren Andie Kraft und seiner Freundin Katharina sowie Mathias Kraft und seiner Freundin Gianna nach Brüssel. Alle anderen Destinations, die man von Tempelhof noch erreichen kann, waren dann doch für einen Wochenendausflug zu provinziell. Über Brüssel, zwar auch belgische, vor allem aber europäische Hauptstadt, berichten wir am Schluss der Ausgabe vor unserer Beilage über eine Gedenkstättenfahrt nach Lidice und Theresienstadt.

Tempelhof wurde systematisch vom Senat, der ihm hörigen Flughafengesellschaft und der Berlin-Verrätergesellschaft Lufthansa fertig gemacht. Die ruhmreiche Geschichte der Lufthansa begann in Tempelhof. Daran will sie aber nicht mehr erinnert werden. Für Tempelhof hat sie sich nicht stark gemacht, ganz im Gegenteil. Und auch sonst ist das Berlin-Engagement nach der Neugründung Deutschlands am 3. Oktober 1990, eher bescheiden. Weltweite Flugverbindungen führen bei Lufthansa im Wesentlichen über Frankfurt. USA-Flüge von Berlin aus wurden nur halbherzig angeboten. Und den 11. September 2001 nahm die Lufthansa sofort zum Anlass, ihre Verbindung nach Washington wieder zu streichen. Die Lufthansa hat Berlin alles zu verdanken, Berlin der Lufthansa in den letzten 18 Jahren nichts.

Ausgerechnet die Berliner Flughafengesellschaft, die mit großer Hingabe die Schließung Tempelhofs betrieben hat, schreibt jetzt in einer Pressemitteilung: „Am 30. Oktober 2008 geht ein großes Stück Luftfahrtgeschichte zu Ende: Der Flughafen Tempelhof schließt seine Tore.“ Was für eine Heuchlergruppe hat sich diesen Text ausgedacht. Nicht Tempelhof schließt seine Tore, sondern die Flughafengesellschaft.

In der erwähnten Pressemitteilung wird zu einem Fototermin mit den Piloten eingeladen, die die letzten Maschinen von Tempelhof aus wegfliegen. Die letzte Linienmaschine fliegt nach Mannheim. Ja, das ist der richtige Ort, um 85 Jahre Luftfahrtgeschichte abzuschließen. Mannheim wird einen bedeutenden Platz in den Geschichtsbüchern erhalten. Es gibt auch Flugzeuge, die in Tempelhof starten und in den USA landen könnten. Warum nicht diese symbolische Geste denen gegenüber, die diese Stadt vor dem Kommunismus bewahrt haben? Der Rosinenbomber startet auch noch kurz vor Mitternacht und wird an seinem neuen Standort in Schönefeld verbleiben und von dort aus die Rundflüge anbieten. Die Piloten werden dann wohl sagen, schauen sie mal runter, da sehen sie die Mutter aller Flughäfen, gemordet von Politikern, die es nur gut mit uns meinen.

Der bzw. die letzte, die das Licht in Tempelhof ausschaltet, wird ausgerechnet die Lufthansa sein. Denn sie gönnt sich den allerletzten Flug mit der alten Tante Ju. In dieser Maschine sollten all diejenigen sitzen, die Tempelhof schließen werden. Flugziel: Bermuda-Dreieck.

Am Ende des Weges muss man feststellen, dass sich niemand von denjenigen, die Tempelhof hätten retten können, Lorbeeren verdient hat. Vor allem nicht die Bundesregierung. Scheinheilig argumentierte sie für Tempelhof. Führende CDU-Politiker legten sich das rote Band der Tempelhof-Befürworter ums Handgelenk und ließen sich damit ablichten. Konkret getan haben sie nichts. Auch die Frau Bundeskanzlerin hat nur Sprechblasen abgesondert, die genau so zerplatzten wie die amerikanischen Finanzmärkte. Es ist ein Trauerspiel, das Eine wie das Andere. Diejenigen, die sich am 1. November über den toten Flughafen freuen werden, werden sich noch wundern. Die Rechnung kommt noch. Wer glaubt, mit der Schließung von Tempelhof ein Schnäppchen gemacht zu haben, wird genau so reinfallen wie die Kunden von Lehman Brothers.

Ed Koch

  
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