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Beiträge: Naturalien statt Geld

geschrieben von: Redaktion am 02.10.2005, 14:55 Uhr
paperpress524 
Wer Arbeitslosengeldempfänger ist und seine Mittel verbraucht hat,
bekommt Naturalien, jedenfalls in Tempelhof-Schöneberg
Naturalien statt Geld

In der Schöneberger Großgörschenstraße 23 befindet sich ein Obdachlosenheim. Hier lagern nicht nur Lebensmittel für diese Einrichtung, sondern auch für besonders harte Fälle von Arbeitslosengeld II-Empfängern. Wer sein Geld vorzeitig verbraucht hat, oder bei wem der Verdacht besteht, die Gutscheine zu versilbern und sich davon Alkohol zu kaufen, der bekommt hier Lebensmittel in die Hand gedrückt. Tragetaschen sind selbst mitzubringen. Die Entscheidung darüber, ob es weitere Geldleistungen, Gutscheine für Supermärkte oder Naturalverpflegung gibt, treffen die so genannten Fallmanager der JobCenter.

25.000 Bedarfsgemeinschaften mit über 42.000 Menschen werden von dem zuständigen JobCenter Tempelhof-Schöneberg betreut. Nach Angaben von Sozialstadtrat Bernd Krömer (CDU) auf eine Große Anfrage des PDS-Abgeordneten Gert Julius wurden von insgesamt 290 Personen im Zeitraum 1. Januar bis 31. Juli 2005 Naturalverpflegungsgutscheine eingelöst. Die Geschäftsführerin des JobCenters, Ingrid Wagener, sprach gegenüber PAPER PRESS von 30 Personen, die in der Großgörschenstraße vorstellig wurden. Dumm nur, dass einer darunter war, der nicht zu der beabsichtigten Zielgruppe gehörte. Als die Geschichte des 27-jährigen Lorenz Heß durch einen Artikel in der Berliner Zeitung bekannt wurde, erhielt Heß von da an zwar wieder Geldleistungen, entschuldigt hat sich jedoch niemand bei ihm. Offenbar ist er mit einem Alkoholiker verwechselt worden. Lorenz Heß indes glaubt nicht, dass es sich bei ihm um einen Einzelfall gehandelt hat.

So wie jeder Arbeitnehmer mit seinem Gehalt auskommen muss, muss auch jeder Hilfeempfänger mit seiner Unterstützung auskommen, wobei man nicht verkennen darf, dass hier ein teilweise erheblicher Unterschied besteht. In einem Schreiben an die Presse und Führungskräfte sozialer und kirchlicher Organisationen spricht der Vater des von einer Verwechselung betroffenen jungen Mannes von „menschenunwürdiger Behandlung von Arbeitslosengeldempfängern“. Für den ganzen Bezirk, der sich immerhin von der Südgrenze Berlins in Lichtenrade bis zum Wittenbergplatz erstreckt, gibt es nur diese eine Ausgabestelle in der Großgörschenstraße. Diese ist eine Ausnahme in Berlin, denn kein anderer Bezirk unterhält eine vergleichbare Einrichtung.

Im Zuge der Debatte um die Große Anfrage der PDS, stellte der Vorsitzende des Sozialausschusses, Ingo Nürnberger, in Aussicht, dass das Obdachlosenheim und damit auch die Lebensmittelausgabestelle demnächst geschlossen werden. Dem gegenüber sagte Stadtrat Krömer in der Beantwortung auf die Frage von Gert Julius: „Ist das Bezirksamt bereit, analog dem früheren Beschluss der BVV, die Vergabe von Essengutscheinen im Sozialamt einzustellen, in der Trägervertretung darauf hinzuwirken, dass die Ausgabe von Gutscheinen anstelle der Bargeldzahlung eingestellt wird und im Bedarfsfall dem Antrag der Jobcenter entsprechende Hilfsangebote zu unterbreiten sind?“ „Nein. Das JobCenter wünscht sich weiterhin die Nutzung der Naturalverpflegung. Das Bezirksamt weist nochmals darauf hin, dass die Ausgabe von Lebensmitteln eine zusätzliche Leistung über das gesetzliche Maß hinaus für den laufenden Monat darstellt.“ Das nun scheint nicht ganz zu stimmen, denn Lorenz Heß hat seine Lebensmittel nicht zusätzlich, sondern anstatt bekommen.

In anderen Bezirken verzichtet man auf eine Naturalausgabestelle. In Tempelhof-Schöneberg will man sie offenbar erhalten, auch über den Tag der Schließung der Großgörschenstraße hinaus. Sollte dies der Fall sein, könnte man sich einmal darüber Gedanken machen, was man den Hilfeempfängern in die Hand drückt. Die Berliner Zeitung veröffentlichte, was ein Hilfeempfänger für 8 Tage mitnehmen darf. Die JobCenter-Geschäftsführerin Wagener weist darauf hin, dass die ausgeteilten Lebensmittel über dem Wert von 4,66 Euro Verpflegungssatz pro Tag lägen. Beispiel Nutella. Da gibt es auch gleichgute preiswertere Angebote.

Wir haben die List einmal der Ernährungsexpertin Petra Schade vorgelegt. Beispiel (8) Hauptmahlzeiten: 2 Packungen Fischstäbchen á 10 Stück, 4 Pizza Margherita, 1 Packung Langkornreis 500 Gramm, 1 Glas Karotten und Erbsen 500 Gramm. Eigentlich stimmt hier nur, dass es Reis gibt. Aber womit soll der denn gegessen werden? Meine Mutter hat seit Jahren ihre Spezialdiät, die in Amerika in richtigen Fetteninstituten durchgezogen wird. Reis mit Kompott aus der Dose darf man essen so viel man will. Aber, es fehlen ganz viel Gemüse, Obst, Kartoffeln, Nudeln – es fehlt alles Gesunde. Keine Vitamine, zu wenig Kohlenhydrate.

Beispiel Frühstück und Abendbrot: 3 mal Käseaufschnitt á 250 Gramm, 1 Roggenmischbrot 500 Gramm, 2 mal Margarine á 250 Gramm, 2 Toastbrote, 1 Glas Nutella 200 Gramm, 1 Glas Honig 200 Gramm, 1 Glas Gewürzgurken 360 Gramm. Naja, mal ehrlich, wir essen auch nichts anderes, aber ein Vollkornbrot mehr und dafür eine Margarine weniger, wäre sinnvoller. Honig ist in Ordnung, Nutella ist Sünde, da werden keine Fußballstars draus, das ist eine Marketinglüge. Auch hier fehlen frische Sachen wie Obst und Gemüse.

Zusatz: 1 Flasche Ketchup, 1 Flasche Olivenöl. Oh, Olivenöl, da staune ich aber. Das ist O.K., aber was macht er denn damit? Kein Salat, nichts zum Braten. Ketchup ist Scheiße. Getränke: 3 Packungen Apfelsaft á 1 Liter. Täglich soll der erwachsene Mensch 2-3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Apfelsaft ungesüßt mit Leitungswasser ist O.K. Trinke ich auch so. Natürlich wird er nur die gesüßte Variante (billiger) bekommen. Nach sagen wir mal drei Tagen muss er wohl nur noch Leitungswasser trinken. Fazit: Schlechte Ernährung, die fett, krank und träge macht, wenn genug davon da wäre.


  
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