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Beiträge: Das Eisbein grinst nicht mehr

geschrieben von: Redaktion am 05.10.2008, 15:17 Uhr
paperpress560 
Es ist wirklich gut, in keiner Partei Mitglied zu sein. Die Umgangsformen dort sind einfach unschön. Wie kann man einen so gut aussehenden Mann wie Ingo Schmitt „Das grinsende Eisbein“ nennen. Das würde sich niemand im normalen Leben erlauben, aber Parteien sind halt nicht das normale Leben. Hellmuth Karasek stellte in seiner Kolumne in der Berliner Morgenpost am 14. September 2008 die Frage: „Kann ein Eisbein überhaupt grinsen? Und hat es Grund dazu?“ Nein, nicht mehr.
Wer mal kurz für ein paar Wochen seine zusammengelegten Jahresurlaube nahm und in fernen Landen nichts mitbekommen wollte von zu Hause, findet nach der Heimkehr ein anderes Land vor. In Genf experimentierten Forscher mit einem Schwarzen Loch, das plötzlich verschwand und offenbar in Berlin wieder auftauchte und alles verschlang, was ebenfalls schwarz schien. Friedbert Pflüger, vor Reisebeginn CDU-Fraktionsvorsitzender, wollte plötzlich auch Landesvorsitzender seiner Partei werden. Was für viele andere überraschend kam, war für Pflüger seit langer Zeit ausgemachte Sache. Die Reaktionen aus der eigenen Partei waren verheerend. Dann kam ein Sonntag im September, der 7. Tag des Monats. Die Kreisvorsitzenden der CDU trafen sich, um Pflüger von seinem Vorhaben abzubringen. Der Vorschlag, dass Ingo Schmitt und Friedbert Pflüger gemeinsam zurücktreten sollten, lag offenbar auf dem Tisch. Pflüger zierte sich. Alles blieb wie es war. Das wurde als Kompromiss verkauft. Und wenige Stunden später, am folgenden Montag, machte Pflüger einen Rückzug von dem – seiner Meinung nach – nun faulen Kompromiss.

„Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ lief jetzt täglich aus dem Abgeordnetenhaus in der Berliner Abendschau. Am 11. September war es dann vorbei. Friedbert Pflüger wurde mit knapper Zweidrittelmehrheit von seinen Fraktionären abgewählt. Schmitt blieb im Amt. Das Drama ging weiter. Schmitt kündigte seinen Rücktritt nun an. Und plötzlich, als sich alle zu erholen schienen, trat er dann unvermittelt doch früher als angekündigt zurück. Zuvor hatte er sich noch von seinem Kreisverband das Bundestagsmandat sichern lassen.

Nun ist wieder Joachim Zeller – kommissarisch – Landeschef der CDU. Für die CDU-Mitglieder geradezu eine vertrauensbildende Maßnahme. Der neue Fraktionschef Frank Henkel will nicht auch noch das Ehrenamt des Landesvorsitzenden übernehmen. Ehrenämter bringen wenig ein. Und ein „Ehrenamt ist viel Ehre, aber auch viel Amt.“ Zu dieser Erkenntnis ist der neue – ebenfalls kommissarisch tätige – Generalsekretär der CDU, Bernd Krömer, in der Berliner Abendschau am 2. Oktober 2008 gekommen. Bernd Krömer, der im Gegensatz zu Kurt Krömer, tatsächlich Krömer heißt, hat in derselben Abendschau einen weiteren Satz geprägt, der mit Sicherheit in die Sammlung Deutscher Zitate eingehen wird. Zu der zögerlichen Haltung der Bundestagsabgeordneten Monika Grütters, das Ehrenamt der Landesvorsitzenden anzunehmen – sie begründet das mit einer anderen Lebensplanung – sagte Bernd Krömer: „Wenn es in die Lebensplanung nicht passt, dann muss man an mancher Stelle das Leben neu planen!“ Und von Planung versteht Bernd Krömer etwas, schließlich ist er Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, übrigens ein Amt, das geradezu zum Generalsekretär prädestiniert. Auch Baustadtrat Gerhard Lawrentz war schon mal Generalsekretär der CDU.

Der unechte Krömer Kurt, der eigentlich Alexander Bojcan heißt, und bekannt mit der Anrede. „Na Du alte Kackbratze“ wurde, und rechts der Original-Krömer Bernd, der nun inzwischen auch als Landesvorsitzender im Gespräch ist. Ich bin sehr dafür, dass die beiden demnächst gemeinsam auftreten. Dann würden die Eisbeine wieder grinsen.

Wahlverlierer in Bayern, Erwin Huber und Günther Beckstein, inzwischen Ex-Parteivorsitzender und Ex-Ministerpräsident.

In Bayern ist diese Frage bereits gelöst. Horst Seehofer, kürzlich noch gegen Erwin Huber bei der Wahl zum CSU-Chef unterlegen, hat nun doch noch gewonnen. Schade, denn Huber war nun wirklich die Comedy-Nummer schlechthin. Kaum zuvor hat sich jemand selbst so trefflich parodiert wie der Erwin. Anstatt gleich in der Wahlnacht zurückzutreten oder wenigstens den Rücktritt anzukündigen, massakrierten sich die beiden selbst. Wie weit weg von der Realität muss ein Politiker sein, der glaubt, einen Erdrutsch von 17 Prozent Minus überstehen zu können? Und für wie dämlich halten uns die CSU-Möchtegern-Ministerpräsidenten, von denen es statt vier nun noch drei gibt, uns einreden zu wollen, dass kein Machtkampf stattfände. Vier Kandidaten seien ein ganz normaler demokratischer Vorgang. Das mag sein, aber doch nicht in Bayern.

Dieser junge Mann ist jedoch mein Lieblingspolitiker des Jahres: Franz Maget, SPD-Spitzenkandidat in Bayern. Ich habe schon viele Auftritte von Politikern im Fernsehen gesehen, auch den, als Franz Josef Strauß stark angetrunken von Martin Schulze in einer Wahlsendung vor vielen Jahren interviewet wurde. Oder Gerhard Schröder, dessen Auftritt nach seiner Wahlniederlage Angela Merkel die Furchen an deren Mundwinkeln noch tiefer hat werden lassen. Suboptimal sei das gewesen, gab er später zu. Da hatte er noch keine Ahnung von dem, was am 28. September 2008 geschehen würde.

Maget war wie berauscht, er taumelte vor Freude. Nicht darüber, dass er in einer langen Serie von schlechten Wahlergebnissen, das schlechteste aller Zeiten eingefahren hatte, nein, darüber, dass er nun jenseits der CSU eine Mehrheit ausmachte. Gut, rechnerisch hat er recht. Aber in der Politik gelten keine mathematischen Grundformeln, denn, wenn, würde Angela Merkel nicht Bundeskanzlerin sein. Hat Maget wirklich auch nur für eine Sekunde geglaubt, dass er eine Koalition gegen die CSU schmieden und er womöglich Ministerpräsident werden könnte? Welche Drogen nimmt der Mann? Richtig schlimm fand ich allerdings die ähnlichen Einlassungen des SPD-Kanzlerkandidaten Frank Walter Steinmeier, der wohl auch zu tief in den Bierseidel geschaut hatte.

Vom eigenen Untergang in Bayern sprach er nicht, nur vom Erdbeben, das die CSU in ihren Grundfesten erschüttert hat. Die Wahl in Bayern war die erste nach der vorläufigen Nominierung Steinmeiers als Kanzlerkandidat und auch die erste, nachdem sich Franz Müntefering zurückgemeldet hat. All das blieb ohne Auswirkungen in Bayern, ganz im Gegenteil. Die beiden so genannten Volksparteien scheinen auf dem absteigenden Ast zu sein. Zehnmal hintereinander hat die CDU jetzt bei Wahlen Stimmen verloren, so heftig wie die Schwesterpartei CSU in Bayern aber noch nie.

Dieser Tage ist es 20 Jahre her, dass Franz Josef Strauß verstarb. Er verkörperte den Bayern wie kein andere vor und nach ihm. Sein Königreich war manchmal nicht von dieser Welt. In diesen schweren Zeiten denken die CSU-Anhän-ger mehr als je zuvor an ihren Franz Josef. Bayern sei nun ein ganz normales Bundesland geworden. Was immer das heißen mag. So normal wie Hessen, oder so verschuldet wie Berlin? Davor möge der Herrgott die Bayern bewahren. Auch mit 43 Prozent ist die CSU noch eine respektable Größe. Bayern und die CSU, das war eine Erfolgsgeschichte und wird es wohl vorerst bleiben. Und wenn sich jetzt vermutlich die FDP an der Staatsregierung beteiligt, kann es ja eigentlich nur noch viel besser werden.

Alles Lehman, oder was?

Wenn der eingangs erwähnte Urlauber nun zurückgekehrt ist, muss er sich nicht nur mit neuen Verhältnissen in der Berliner CDU und der Bayerischen CSU abfinden, sondern vielleicht auch mit dem Verlust einiger Aktien. Was sich auf den Finanzmärkten der USA, mit weltweiten Auswirkungen in den letzten Wochen abgespielt hat, ist unglaublich und für normale Menschen nicht nachvollziehbar. Sich Dinge zu leihen, diese zu verkaufen, warten bis sie an Wert verlieren, sie dann zurückzukaufen und dem Eigentümer wieder in die Hand zu drücken, das ist eine Formel, von der ich in meiner Kaufmannsausbildung nichts gehört hatte. Auch wenn diese kuriosen Geschäfte legal gewesen sein mögen, so sind sie doch Schurkenstücke von ganz besonderer Qualität.

Ich kann mich noch an die Spruchbänder in der DDR erinnern, auf denen stand: „Der Sozialismus siegt!“ Ja, das hat er wohl. Oder wie nennt man das, wenn Banken verstaatlich werden? Haben die Kommunisten nicht immer genau das gefordert? Bloß was soll’s, bei den Staatsbanken, die immer schon dem Steuerzahler gehörten, sieht es ja nicht viel besser aus. Eine halbe Milliarde wird in ein schwarzes Loch versenkt. Die dafür verantwortlichen Vorstände werden entlassen, aber wohl nicht ohne Abfindung.

Milliardenbeträge legt der Steuerzahler auf den Tisch, um zu retten, was zu retten ist. Man darf gar nicht daran denken, was man mit 700 Milliarden Dollar Gutes tun könnte. Es wird einem schlecht bei dem Gedanken, wie viele Jugend- und Sozialprojekte jährlich auf der Strecke bleiben und wie großzügig unser Staat ist, wenn es darum geht, Banken zu stützen, die schlicht und einfach schlechte Geschäfte gemacht haben. Experten haben den Crash vorausgesagt. Niemand hat sie ernst genommen. Die Politik reagiert mal wieder nur, anstatt vorher schon agiert zu haben. Wenn Banker mit Geld nicht umgehen können, dann müssen sie eben unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Aber bitte nicht durch politische Gremien, es muss doch verdammt noch mal auf dieser Welt auch unabhängige Fachleute geben, die frei von Gier und Korruption sind. Die Geschichte der Lehman Brothers ist wirklich unglaublich.

wikipedia: „Lehman Brothers wurde 1850 in Montgomery, Alabama, von den aus Rimpar bei Würzburg (Deutschland) emigrierten jüdischen Brüdern Heinrich (Henry), Emmanuel und Mayer Lehman, Söhnen des fränkischen Viehhändlers Abraham Lehman, gegründet. Zuvor hatten diese nach ihrer Auswanderung nach Amerika im Jahr 1844 in Alabama einen Gemischtwarenhandel gegründet. Die Geschäftstätigkeit wurde dann schon bald auf den Handel mit Baumwolle verlagert, aus der heraus sich dann später die Investmentbankentätigkeit entwickelte.“

Hauptschurke oder Opfer? Richard S. Fuld jr., heute 62 Jahre alt, ist der Chef von Lehman Brothers. Das Manager Magazin machte ihn 2002 zum „Manager des Jahres“. Damals schrieb das Magazin über ihn: „Fuld, Chef des Investmenthauses Lehman Brothers, ist wirklich gut darin, Pessimisten zu widerlegen. Seit American Express die Lehman-Aktie 1994 an der Wall Street platzierte, prognostizierten viele Insider der viertgrößten Investmentbank der Welt immer wieder ein Ende seiner Unabhängigkeit.

Zuletzt auch wieder nach den Terroranschlägen vom 11. September. Infolge der Attacken verlor das Investmenthaus einen Mitarbeiter. Das Hauptquartier, das in der Nähe von "Ground Zero" lag, wurde schwer zerstört. In Anbetracht dieser Umstände schien es nur eine Frage der Zeit, bis Lehman sich auf die Suche nach einem neuen Partner machen würde. All jene Propheten straft der 55-jährige Fuld heute wieder einmal Lügen. Während Konkurrenten alle Möglichkeiten ausschöpfen, Kosten einzusparen, denkt der Lehman-Boss darüber nach, neue Talente anzuwerben.“

In der Schweizer Zeitung BLICK ist am 14. September 2008 zu lesen: „Boss Fuld ist heute für seine Verhältnisse ein armer Schlucker: Während seiner Karriere bei Lehman addierte sich der Wert seiner Aktien auf 754 Millionen Dollar. Das war im März 2007. Nun sind Fulds Papiere gerade noch 40 Millionen wert: ein Buchverlust von 95 Prozent. Seine im Juni gefeuerte Nummer zwei, Joseph Gregory (56), verlor seit Januar 380 Millionen. Der Buchverlust aller Lehman-Mitarbeiter beläuft sich auf 10 Milliarden Dollar.“

Da kommen einem wirklich die Tränen. Nur noch 40 Millionen. Hoffentlich überlebt er das. Was aus seinen 28.600 Angestellten wird, ist ungewiss. Sie mussten ihre Büros räumen und sitzen nun buchstäblich auf der Straße. Mr. Fuld hat sich mit US-Ramschhypotheken (Blick) verspekuliert. Die Zeche zahlen wie immer die kleinen Leute. Mich würde es – nicht aus Schadenfreude – sehr beruhigen, wenn man Mr. Fuld auf Null pfändete. Bislang habe ich in der ganzen Geschichte wenig davon gehört, dass die Verursacher zur Verantwortung gezogen wurden. Es bleibt bei solchen Vorgängen, wie immer, nur die vage Hoffnung, dass sich diese Katastrophe nicht wiederholt.

Ed Koch


  
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