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Beiträge: betrachtet...von Ed Koch

geschrieben von: Redaktion am 05.11.2005, 17:55 Uhr
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Ed Koch berichtet über eine Veranstaltung der Initiative Hauptstadt Berlin und äußert sich zur allgemeinen politischen Lage.........wie immer: ungefragt
betrachtet…… von Ed Koch

Die Initiative Hauptstadt Berlin ist ein rühriger Verein, zu dessen Jahresmitgliederversammlung sogar der Regierende Bürgermeister erscheint. „Überparteilich, aber nicht unpolitisch“, so steht es auf der Homepage. In unregelmäßigen Abständen dürfen Politiker aller Lager, Wirtschaftsvertreter und Kulturschaffende die Welt aus ihrer Sicht erklären, meistens im Grand Hyatt, das anschließend stets ein ausgezeichnetes Buffet spendiert. Nur Suppe, maulten einige herum, als sie kürzlich bei der Telekom in Berlins Mitte zu Gast waren. Nun ja, der Telefongesellschaft geht es eben auch nicht mehr so gut. Allerdings muss man zugestehen, dass die vier verschiedenen Suppen, die angeboten wurden, ausgesprochen lecker waren, und…..es war reichlich davon vorrätig im sehr schön rekonstruierten Saal des ehemaligen Telegrafenamtes.

Im Atrium des Gebäudes fand diesmal eine Gesprächsrunde zum Thema „Polen und Deutschland – Schwieriger Weg zur Freundschaft“ statt. Begrüßt wurden die Gäste vom stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Burkard Dregger, einem Sohn des 2002 verstorbenen CDU-Politikers Alfred Dregger. Dieser war, um es einmal sehr freundlich auszudrücken, am äußerst rechten Rand seiner Partei angesiedelt. Im Internet ist über ihn zu lesen: „Dregger wurden häufig revanchistische Positionen vorgeworfen, vor allem in Bezug auf die Rolle der Wehrmacht im Nationalsozialismus. Auf Alfred Dregger geht der Slogan Freiheit statt Sozialismus zurück, mit dem die CDU bei der Bundestagswahl 1976 in den Wahlkampf zog und die absolute Mehrheit mit 48,6 % nur knappt verfehlte“. Von diesem Wahlergebnis kann Angela Merkel nur träumen.

Sohn Burkard, auf dessen Homepage auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Nicolas Zimmer als Mitglied seiner Anwaltskanzlei genannt ist, begrüßte Wladyslaw Bartoszewski, der von 2000 bis 2001 kurzfristig polnischer Außenminister war, als alten Freund der Familie und Bartoszewski selbst unterstrich diese Freundschaft und Wertschätzung immer wieder in seinen Redebeiträgen. Der inzwischen 83-jährige Bartoszewski verriet mehrfach in seinen äußerst „überparteilichen“ Einlassungen, was er von der CDU und was er von der SPD hält. Die Polenpolitik des Kanzlers Kohl war wichtiger als der Kniefall von Willy Brandt in Warschau, und während Putin immer wisse, was er tue, weiß das eben Gerhard Schröder überhaupt nicht. Diese klaren Aussagen wurden durch Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ergänzt. Pflüger vertrat den angekündigten Wolfgang Schäuble, der sich in den Koalitionsverhandlungen befand. Damit sich das stark konservative Gesamtbild noch abrundete, moderierte Roger Köppel, der Chefredakteur der Welt, die Veranstaltung in seinem recht sympathischen Schweizerdeutsch.

Natürlich kam auch die Rede auf den Bund der Vertriebenen, dessen früherer Vorsitzender Herbert Hupka aus der SPD aus- und in die CDU eintrat und damit offenbar auch zu einem Freund von Herrn Bartoszewski wurde. Erika Steinbach hingegen, jetzige Präsidentin des Vertriebenenverbandes und CDU-Bundes-tagsabgeordnete kann der um die deutsch-polnische Freundschaft bemühte frühere Außenminister nun überhaupt nicht ab. Das grenzte schon an Beschimpfung. Aber Friedbert Pflüger nahm seine Parteifreundin mutig in Schutz. Insgesamt gesehen war es eine durchaus interessante Veranstaltung, allerdings ausgesprochen rechtslastig und zeitweise ärgerlich. Die Chefredakteurin der taz hätte die Diskussion leiten sollen, damit wenigstens etwas Ausgewogenheit spürbar geworden wäre.

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Nun sind es nur noch wenige Tage und Angela Merkel wird zur ersten Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt. Automatisch endet damit die Geschäftsführung von Gerhard Schröder (Foto Dritter von links – nur in der Printausgabe) im Kreise seiner früheren Fußballkumpel Dieter Hildebrandt (links), Wolfgang Gruner (Mitte) und Rainer Basedow (rechts). Die Kabarettisten haben Schröder schonungslos attackiert. Dem Freund Gerd wurde nichts geschenkt. Aber schon im Voraus zeigen sich viele Lästermäuler erfreut über seine Nachfolgerin. Sieben Jahre Gerhard Schröder als Chef der Firma Deutschland. Wir haben es doch eigentlich ganz gut überstanden, wenn wir ehrlich sind. Allein für die Nichtbeteiligung am amerikanischen Irak-Krieg müssen wir ihm ewig dankbar sein. Die Reformen, die er angepackt hat und Helmut Kohl 16 Jahre lang liegen ließ, haben niemanden so richtig begeistert. Schröder kann froh sein, dass er mit dem, was jetzt auf uns zukommt, nicht mehr viel zu tun haben wird.

Helmut Kohl hingegen, unbeeindruckt von den Koalitionsverhandlungen, widerspricht dem „Märchen“ des 16-jährigen Stillstands während seiner Regierungszeit. Ausreichend Gelegenheit erhält er dazu auf Phoenix, wo er in aller Breite, langatmig und ausführlichst den zweiten Band seiner Memoiren vorstellen darf. Schleichwerbung gibt es bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht mehr, dafür aber ganz gezielte Werbung für ein Buch, das nach Angaben von Kohl kein Geschichtsbuch sein soll, sondern ein rein subjektives Werk. Helmuts Welt. Höhepunkt der Präsentation ist die Ankündigung, dass es noch einen dritten Band geben wird. Der Mann hat eben viel erlebt.

So dicke Bücher wird Franz Müntefering über seine knapp zweijährige Amtszeit als SPD-Vorsitzender nicht schreiben können. Was die SPD in der 44. Kalenderwoche dem Land bot, wäre keinem Drehbuchautor eingefallen. Je länger man über den Gesamtvorgang nachdenkt, desto mehr muss man zu dem Ergebnis kommen, dass sich die SPD befreit hat, von einem gewissen Führungsstil und vor allem einer Generation. Dass ausgerechnet diejenige, die die Sache verursacht hat, Andrea Nahles, nun weder Generalsekretärin noch Parteivize wird, ist schon fast makaber. Sie hat sich geopfert und geht leer aus. So funktioniert Politik. Die beiden größten deutschen Parteien werden jetzt von Ossis gelenkt. Da soll noch einer sagen, dass 15 Jahre nach der Wiedervereinigung die Ossis nicht im Westen angekommen sind.

Es drängt sich aber noch eine andere Frage auf: War das nicht ein bisschen viel Aufwand, nur um Edmund Stoiber zu verhindern? Da erfährt man plötzlich von Männerfreundschaften, die man nie für möglich gehalten hätte. Stoiber hat sich mit seinem Verhalten derart selbst beschädigt, dass seine Tage auch in Bayern gezählt sein dürften. Er hätte EU-Ratspräsident werden können, Superminister in Berlin, aber nein, sein Horizont endet an der Weißwurstgrenze. Ob das für Angela Merkel gut sein wird, ihn nicht ständig neben sich zu haben, aber stets aus dem fernen Bayern alles kommentiert zu bekommen, wird sich zeigen. Michael Glos als Wirtschaftsminister ist zweifelsohne das tollste Ergebnis der Chaostage in Berlin. Wenn die Wirtschaft im gleichen Tempo anspringt, wie er seine Sätze formuliert, werden wir lange auf den Aufschwung warten müssen.

Der Gerd geht in Rente, aber der eigentlich Versenkte will munter weiter machen. Franz als Vizekanzler und Arbeitsminister, was soll das? Wenn schon Verjüngung bei der SPD, dann sollte man nicht auf halber Strecke anhalten. Das Problem für Matthias Platzeck ist nur, dass es in Brandenburg keinen Nachfolger für ihn gibt. Der, der es machen könnte, kommt zurzeit nicht in Frage.




  
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