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"Ich bin kein Held" - Gail Halvorsen zu Gast in der Gustav-Heinemann-Schule

geschrieben von: Redaktion am 16.05.2009, 10:39 Uhr
paperpress568 
Uwe Boehlke, wegen eines Rechtsstreits inzwischen wieder Ex-Schulleiter der Gustav-Heinemann-Schule, hatte Gail Halvorsen nach Marienfelde eingeladen. Und er ließ es sich nicht nehmen, ihn – wenn auch „nur“ als Mitglied des Fördervereins – zu begrüßen.

paperpress-Herausgeber Ed Koch im Gespräch mit der Luftbrücken-Legende Gail Halvorsen. Koch, während der Blockade in Berlin geboren, bedankte sich – nicht zum ersten Male – bei Halvorsen, ohne den viele Berliner nicht überlebt hätten. Halvorsen: „Die Trockenmilch hat Dir doch gut getan!“ Immerhin: Zwei Zentner Lebendgewicht…

Peter John, Lehrer an der Heinemann-Schule begrüßte beim Schulklassengespräch Gail Halvorsen, seinen Neffen Dereck und Mercedes Wild, die so etwas wie die persönliche Managerin von Gail Halvorsen in Berlin geworden ist. Die Geschichte, wie das kleine Mädchen Mercedes aus Friedenau dem Candy-Piloten Halvorsen einen Brief schickte, weil sie nie einen kleinen Fallschirm ergattern konnte, ist legendär wie die Luftbrücke selbst. Halvorsen hat den Brief tatsächlich bekommen und Mercedes ein Päcken mit Schokolade nach Hause geschickt. Viele Jahre später lernten sie sich persönlich kennen und sind seitdem dicke Freunde. Wenn Halvorsen in Berlin ist, wohnt er stets im Hause von Mercedes. Ihr Mann Peter sagt: Gail ist der einzige Luftbrückenveteran, der eine eigene Wohnung in Berlin hat.

Und dann beginnt die One-Man-Show des Gail Halvorsen. Gespannt lauschen die Schülerinnen und Schüler seinen Worten. Gail Halvorsen ist inzwischen 89 Jahre alt. Seine Vitalität ist ungebrochen, seine Stimme klar und deutlich. Er wird es selber nicht wissen, wie oft er diesen Vortrag in seinem Leben schon gehalten hat, es scheint ihm aber immer wieder Spaß zu machen.

Mit Kinder und Jugendlichen umgehen, kann er, schließlich hat er selbst 5 Kinder, 24 Enkel und 21 Urenkel. „Die Zukunft von Deutschland sitzt in diesem Raum“, sagt er den Jugendlichen und betont, wie wichtig der Frieden ist und vor allem wie wichtig es ist, wenn sich Menschen gegenseitig helfen und teilen können. Er berichtet, wie er zum Candy-Piloten wurde. Es war wohl das beeindruckendste Schlüsselerlebnis während der Luftbrücke. Am Rande des Flughafens standen ein paar Kinder. Er ging zu ihnen und sah, dass sie sich in keinem guten Zustand befanden. Für knapp 30 Kinder hatte er nur zwei Kaugummiriegel dabei. Diese zu teilen, war so gut wie unmöglich. Aber er versprach, wieder zu kommen und aus der Luft Süßigkeiten abzuwerfen. Er tat es einfach. Seine Vorgesetzten waren anfangs skeptisch ob des Treibens ihres Piloten. Als aber dann eine Berliner Zeitung darüber berichtete, nahm die Sache ihren Lauf. Gail Halvorsen bekam so viel Post, dass ein paar Mitarbeiter damit beschäftigt waren, alle Briefe zu beantworten.

Anfangs fragten ihn die Kinder, wie sie ihn erkennen können, wenn er angeflogen kommt, es seien doch so viele Flugzeuge. „Ich werde mit den Flügeln wackeln.“ Und so entstand sein zweiter Spitzname „Onkel Wackelflügel“. Später taten es Gail Halvorsen auch andere Piloten gleich und die Kinder am Flughafen bekamen ihre Süßigkeiten aus der Luft. Aus einer kleinen Idee wurde eine große Aktion, die Weltgeschichte schrieb.

Man muss versuchen, sich die Zeit von 1948 vorzustellen. Berlin war ein Trümmerfeld. Seit drei Jahren war der Krieg vorbei, der Kalte Krieg hatte begonnen. In dieser Zeit machte Stalin ernst und riegelte West-Berlin ab. Er hatte wohl damit gerechnet, dass der Widerstand sehr bald in sich zusammenbrechen würde und die Sowjetunion auch über die Westhälfte Berlins verfügen könnte. Die West-Alliierten taten ihm nicht diesen Gefallen. „Schaut auf diese Stadt“, rief Bürgermeister Ernst Reuter am 9. September 1948 vor dem Reichstag in die Welt, „und ihr werdet erkennen, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt.“ Ein Appell mit Wirkung. Seit drei Monaten lief nun schon die Luftbrücke, und erst acht Monate später lenke Stalin ein, er hatte den Widerstand nicht brechen können.

Gail Halvorsen war zu Hause, als ihn der Anruf erreichte, sich an der Luftbrücke zu beteiligen. Drei Jahre nach Kriegsende dem Feind helfen? Das erschien ihm zuerst etwas ungeheuerlich. Und als er das erste Mal über Berlin flog und die Trümmer sah, konnte er sich nicht vorstellen, dass dort über zwei Millionen Menschen lebten.

Aus Feinden wurden Freunde. Die Luftbrücke hat viel dazu beigetragen. Auch wenn das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern in den letzten sechs Jahrzehnten auch von Spannungen geprägt war, die USA sind und bleiben der wichtigste Verbündete Deutschlands weltweit, was die besonderen Beziehungen zu unseren Nachbarn Frankreich und Polen keineswegs schmälert.

Bescheiden sagt Gail Halvorsen beim Eintrag ins Gästebuch der Gustav-Heinemann-Schule: „Ich bin kein Held, sondern nur ein Pilot, der seinen Job gemacht hat. Helden sind die 31 amerikanischen und 39 britischen Piloten, die bei der Luftbrücke ums Leben gekommen sind.“ Der Opfer der Luftbrücke zu gedenken, wie ihr selbst und der Blockade, wird ein ewiges Vermächtnis für uns Berliner sein, weit über den Tag hinaus, wenn es nicht mehr möglich ist, Veteranen in Berlin begrüßen zu dürfen. Der Vorschlag der CDU, Gail Halvorsen zum Ehrenbürger Berlins zu ernennen, ist begrüßenswert. Man sollte sich zu diesem Schritt schnell entschließen, denn auch ein Haudegen der Lüfte wie Gail Halvorsen wird nicht ewig leben, leider.
Ed Koch / Fotos: Lothar Duclos

Während der Berliner Luftbrücke gab es 278.228 Flüge. Mit diesen Flügen wurden 2,11 Millionen Tonnen Fracht nach Berlin gebracht. Davon waren: 1,44 Millionen Tonnen Kohle, 490.000 Tonnen Nahrungsmittel, 160.000 Tonnen Baustoffe zum Ausbau der Flughäfen, um noch mehr Flüge nach Berlin absolvieren zu können.
Im Zeichen der
Luftbrücke




  
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