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Beiträge: Freude schöner Götterfunken

geschrieben von: Redaktion am 08.08.2009, 12:04 Uhr
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Zum zehnten Male in Folge treffen sich junge, hoch begabte Musikerinnen und Musiker aus aller Welt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Am Freitag, dem 7. August, fand die feierliche Eröffnung statt, mit allem, was dazu gehört: Große Reden und noch größerer Musik.
Dr. Willi Steul, Intendant von Deutschlandradio und Vorsitzender des Young Euro Classic veranstaltenden Deutschen Freundeskreises europäischer Jugendorchester eröffnete das Festival, das bis zum 23. August jeden Abend Neues und Bekanntes an klassischer Musik bieten wird. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit dankte vor allem den Organisatoren des Festivals für ihr großes Engagement, das sich in zehn Jahren bewährt habe. Die Rede von Klaus Wowereit war eingebettet in den ersten Teil des Programms. Nach Willi Steuls Begrüßung betraten nach und nach Musiker die Bühne, die für ein Festkonzert ungewöhnlich leger gekleidet waren und teilweise auf selten oder kaum auf einer Konzertbühne zu findenden Instrumenten spielten. Der erste Teil des Abends titelte „Solo für Außenseiter“.

Da kam der 14-jährige Spieler der türkischen Zither, Nurallah Ejder, und der italienische Djembe-Spieler Adam Gallina, die Mundharmonikaspielerin Kathrin Gass begleitet von Hans-Günther Kölz an einem Klavier, das man eher in einem Westernsaloon vermuten würde. Der Russe Aydar Gaynullin hat mit seinem Akkordeon schon Berühmtheiten wie Königin Sofia von Spanien, Boris Jeltsin, Wladimir Putin und Jacques Chirac begeistert und nun das Publikum im Konzerthaus. Das gelang auch der Akkordeonistin Yvonne Grünwald. Immer wenn ein Spieler gerade fertig war, kam aus irgendeiner Ecke des Saales ein neuer auf die Bühne, die sich langsam füllte. Der Berliner Panflötenspieler Helmut Hauskeller schritt die erste Reihe entlang vorbei an den Ehrengästen des Eröffnungskonzerts. Es folgte der Blechbläser Sebastian Kunzke, der als Susaphonist auftrat. Die chinesische Guzheng-Spielerin Mona Li tritt seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland auf, um die traditionelle Kultur ihres Heimatlandes bekannter zu machen. Der Maultrommelspieler Sven „Roxi“ Otto war viele Jahre als Discjockey und Künstlerbetreuer tätig. Seit 2001 beschäftigt er sich intensiv mit der Maultrommel und anderen, vor allem fernöstlichen Blasinstrumenten und betreibt darüber hinaus ein Maultrommel-Label und auch den größten Maultrommel-Fachhandel der Welt mit über 350 Modellen.

Ihm wurde die Ehre zuteil, Klaus Wowereit auf die Bühne zu geleiten, während zwei Drehorgelspieler, Dietmar Jarofke und Gerhard Zweig, den Gassenhauer „Das ist die Berliner Luft“ aus ihren Instrumenten herausdrehten. Er habe schon viele Auftritte gehabt, so Klaus Wowereit, aber nie mit diesem musikalischen Background. Das Publikum klatschte zu dem Evergreen von Paul Lincke im Takt, ein bisschen Hitparadenstimmung kam unter den Klassikfreunden auf. Nachdem alle ihre kleinen Solokonzerte vorgetragen hatten, folgte der Höhepunkt. Alle zusammen, von Maultrommel bis Panflöte ließen die Melodie der Ode an die Freude aus Beethovens Neunter Symphonie erklingen. Das war wirklich das Ungewöhnlichste, was je auf der Bühne des Konzerthauses stattgefunden hat. Die Begeisterung des Publikums war kaum zu bremsen. Es war ein genialer Einfall des Künstlerischen Leiters Dr. Dieter Rexroth und der Einstieg in den zweiten Teil des Abends.

Bevor das Tokyo Geidai Symphonieorchester aus Japan und die beiden deutschen Chöre „Cantus Domus“ und „Ensemberlino“ ihr Können unter Beweis stellen konnten, gab es noch eine kurze Rede. Der Pate des Abends war Vizekanzler Frank Walter Steinmeier, der auch in diesem Jahr durch Abwesenheit glänzte und erneut seinem Staatsminister Gernot Erler das Reden überließ. Nachdem nun wirklich alles, fast auch von allen, gesagt war, betrat der Dirigent Ken Takaseki, der schon als Assistent für Herbert von Karajan tätig war, das Podium. Oft haben Symphonien den Nachteil, dass sie aus langen ruhigen Strecken bestehen. Da können einem nach einem langen Arbeitstag abends im Konzertsaal schon mal die Augen zufallen. Bei Beethovens Neunter kann das nur wirklich müden Menschen gelingen. Kräftig, laut, den Saal erschütternd, so die ersten beiden Sätze der Symphonie. Auch wenn man dieses Werk schon Dutzende Male gehört hat, es ist immer und immer wieder ein Erlebnis.

Nach dem zweiten Satz betraten die Solisten die Bühne: Shoko Iwashita, Sopran, Eiko Koizumi, Alt, Michael Zabanoff, Tenor, und Alban Lenzen, Bassbariton. Der dritte, etwas ruhigere Satz, bereitet das Publikum auf den Höhepunkt der Symphonie vor. In der kleinen Pause zwischen dem dritten und vierten Satz ist die Spannung im Publikum spürbar. Und dann geht’s los. Die Ode an die Freude. Ludwig van Beethoven (links) wählte 1824 für seine Symphonie diesen Text von Friedrich von Schiller.

Obwohl die Veranstalter den Text im Programmheft abgedruckt hatten, kam glücklicher Weise niemand aus dem Saale auf die Idee mitzusingen. Das überließ das Publikum den dafür Berufenen.

Was für eine Musik, was für ein Text:

„O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere. Freude! Freude! Freude, schöner Götterfunken Tochter aus Elysium, wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum! Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt; Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.

Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein; wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein! Ja, wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund! Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund! Freude trinken alle Wesen an den Brüsten der Natur; Alle Guten, alle Bösen folgen ihrer Rosenspur. Küsse gab sie uns und Reben, einen Freund, geprüft im Tod; Wollust ward dem Wurm gegeben, und der Cherub steht vor Gott.

Froh, wie seine Sonnen fliegen durch des Himmels prächt'gen Plan, laufet, Brüder, eure Bahn, freudig, wie ein Held zum Siegen. Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt! Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen. Ihr stürzt nieder, Millionen? Ahnest du den Schöpfer, Welt? Such' ihn überm Sternenzelt! Über Sternen muss er wohnen.

Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt! Brüder, überm Sternenzelt, muss ein lieber Vater wohnen. Seid umschlungen, diesen Kuss der ganzen Welt! Freude, schöner Götterfunken Tochter aus Elysium, Freude, schöner Götterfunken, Götterfunken.“

Frenetischer Beifall brandete von den Plätzen des ausverkauften Konzerthauses auf, als Ken Takaseki seinen Taktstock senkte. Zu erwähnen ist noch, dass Ralf Sochaczewsky und Matthias Stoffels für die Choreinstudierung verantwortlich waren.

Das Tokyo Geidai Symphonieorchester entstammt der gleichnamigen Universität. Die Geschichte der Geidai Universität geht zurück auf zwei Spezialschulen, die Schule für Schöne Künste und die Musikschule Toyko, die beide 1887 gegründet und 1949 zur Nationaluniversität für Schöne Künste und Musik Tokyo zusammengeschlossen wurden. 2004 erhielt diese im Rahmen einer nationalen Neuordnung der Universitäten den Namen Tokyo Geidai. Jedes Jahr werden zur Musikfakultät der Tokyo Geidai 250 Studenten zugelassen, 70 von ihnen mit Lehrfächern für Orchesterinstrumente. Sie werden nach einem Jahr in eines der Studentenorchester aufgenommen, so dass insgesamt wiederum etwa 250 Musikstudenten in den Orchestern spielen. Durch strenge Probespiele wurden die 90 Musikerinnen und Musiker für die diesjährige Deutschland-Tournee des Tokyo Geidai Symphonieorchesters ausgewählt. Auch wenn jung an Jahren, hier trat ein Orchester aus Elite-Musikern auf. Der Weg dorthin ist mit Sicherheit hart und an Entbehrungen reich.

Nach dem Konzert wurde auf dem Gendarmenmarkt das Jubiläumsfestival gefeiert. Alle Mitwirkenden erhielten beim Verlassen des Hauses eine rote Rose überreicht. Zum Fest auf dem Gendarmenmarkt gab es Freigetränke, gesponsert von den Unterstützern des Festivals, ein kleines aber feines Feuerwerk, und gute Stimmung bis in die tiefe Nacht hinein. Am Samstag tritt das Tokyo Geidai Symphonieorchester erneut auf. Alle Programminfos sind erhältlich unter
www.young-euro-classic.de
Restkarten für Kurzentschlossene gibt es noch.

paperpress wird in unregelmäßigen Abständen über den weiteren Verlauf des Festivals berichten.

Bericht: Ed Koch

  
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