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Beiträge: Klangvolles Wochenende am Gendarmenmarkt

geschrieben von: Redaktion am 10.08.2009, 14:57 Uhr
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Das Eröffnungswochenende von Young Euro Classic liegt hinter uns. Heute beginnt die erste volle Woche mit täglichen Konzerten und, nicht zu vergessen, Young Euro Connect am Mittwoch, wenn junge europäische Journalisten über ihre Erlebnisse „Jenseits von Brüssel“ berichten. Natürlich wird auch dabei die Musik nicht zu kurz kommen, „musikalische Intermezzi“ sind angekündigt.
Nachdem das Tokyo Geidai Symphonieorchester nach seinem fulminanten Auftritt zur Eröffnung am Freitag mit Beethovens Neunter am Samstag noch einmal zu erleben war, und gestern Nachmittag Das Young Euro Classic Festivalensemble China-Deutschland unter anderem Werke von Mozart und Brahms in einer Matinee im Kleinen Saal vortrug, traten am Sonntagabend junge Musiker aus dem Norden der Republik auf. Das Schleswig-Holstein Festival Orchester nahm auf der Bühne Platz. Mit internationaler Besetzung brachte es Robert Schumanns Violinenkonzert a-Moll zu Gehör. Am Violoncelli begeisterte Daniel Müller-Schott das Publikum.

Daniel Müller-Schott ist 1976 in München geboren. Das Cellospielen begann er mit sechs Jahren. 1992 gewann er mit 15 Jahren als erster Deutscher überhaupt im 1. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb für junge Musiker in Moskau den ersten Preis unter den Cellisten. Er studierte bei Walter Nothas in München, Steven Isserlis in Großbritannien und Heinrich Schiff in Salzburg und Wien. Müller-Schott wurde als erstem Stipendiaten der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung ein hervorragendes modernes Cello zur Verfügung gestellt. Heute spielt er das 'Ex Shapiro' Matteo Goffriller Cello, gefertigt in Venedig 1727. Er musiziert mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Charles Dutoit, Christoph Eschenbach, Yakov Kreizberg, Kurt Masur, Sakari Oramo und Sir André Previn. Höhepunkt seiner Karriere bildete sein Auftritt am 26. Januar 2006 in Salzburg zu Ehren von Wolfgang Amadeus Mozart. (Quelle: wikipedia) Wir empfehlen einen Blick auf seine Internetseite, die Vita ist spannend und beeindruckend: www.daniel-mueller-schott.de

Vor dem Auftritt Daniel Müller-Schotts wurde dem Publikum das Werk „Verwandlungen 3“ aus dem Jahre 2008 von Wolfgang Rihm zu Gehör gebracht. Wolfgang Michael Rihm, 1952 in Karlsruhe geboren, „ist ein deutscher Komponist, Musikwissenschaftler und Essayist. Er gilt als einer der bekanntesten und vielseitigsten deutschen Komponisten der Gegenwart.“ (Quelle: wikipedia). Rihm ist auch Mitglied im Künstlerischen Beirat von YEC. Das Werk wurde, wie bei YEC üblich, wohlwollend zur Kenntnis genommen. Young Euro Classic bietet, und das ist gut, neben bewährten klassischen Werken, auch immer wieder Neues. Viele dieser neuen Werke scheinen aber vornehmlich dazu bestimmt, die Instrumente auf ihre Belastbarkeit hin zu prüfen. Es ist kaum eine durchgängige, wieder erkennbare Melodie auszumachen. Während die Werke der großen Meister aus den letzten beiden Jahrhunderten auch noch in den nächsten Jahrhunderten ihr Publikum finden werden, dürften die Werke der Jetztzeit in den Archiven verschwinden. Gelingt es wirklich keinem zeitgenössischen Komponisten mehr, große melodische Orchesterwerke zu verfassen? Wenn das Klassikradio auf Filmmusiken, beispielsweise aus dem „Krieg der Sterne“ zurückgreifen muss, nur um voluminöse Orchesterwerke der Gegenwart spielen zu können, kann das nicht ganz im Sinne der Freunde klassischer Musik sein.

Im zweiten Teil des Abends spielte das Schleswig-Holstein Festival Orchester unter der Leitung von Lawrence Foster „Ein Heldenleben“ von Richard Strauß. „Das im Jahr 1898 vollendete Werk zählt zu den ausgereiften Spätwerken des Komponisten in diesem Genre. Strauss widmete das Stück dem damals 27 Jahre alten Willem Mengelberg und dem Concertgebouw-Orchester. Es wurde am 3. März 1899 vom Frankfurter Museumsorchester unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt.“ (Quelle: wikipedia) Das Werk ist durchkomponiert, also nicht in Sätzen mit kleinen Kunstpausen gegliedert. 50 Minuten ohne Unterbrechung. Ursprünglich hatte der Komponist fünf Überschriften oder Satzbezeichnungen eingefügt, die auf seinen Wunsch bei späteren Auflagen der Partitur entfernt wurden: 1. Der Held, 2. Des Helden Widersacher, 3. Des Helden Gefährtin, 4. Des Helden Walstatt, 5. Des Helden Friedenswerke, 6. Des Helden Weltflucht und Vollendung. Es empfiehlt sich stets, vor dem Besuch eines Konzerts Informationen über die Werke einzuholen. Vieles, was einem unverständlich erscheint, wird erkennbarer, wenn man weiß, was sich der Komponist dabei gedacht hat.

Zur Erklärung und Ankündigung der Werke und Vorstellung der Orchester sind eigentlich die jeweiligen Paten der Konzerte da, die die Gäste begrüßen und eine kurze Einführung in den Abend geben sollen. Für den 9. August konnte man das SPD-Urgestein, den 87-jährigen Egon Bahr gewinnen. Er hätte viel über das Orchester sagen können, auch über die zu erwartenden Werke hätte das eine oder andere Wort im Voraus gut getan. Aber Egon Bahr sprach lieber über sich und seine Liebe zur Musik, und dass wegen seiner jüdischen Wurzeln ihm der „Führer und Reichskanzler“ verboten hätte, Musik zu studieren. Viele seiner späteren Freunde aus der Union hätten sich gewünscht, dass Bahr lieber Musik studiert hätte als in die Politik zu gehen. Mit solchen Anekdoten erzielt man Lacher im Publikum. Anstatt etwas über ein Orchester aus Schleswig-Holstein zu erfahren, teilte Bahr mit, dass Martin Luther in Torgau die erste evangelische Kirche geweiht hätte. Mit dieser – offenbar Insiderinformation – testet Bahr hin und wieder Pfarrer, die immer glauben, es sei in Eisenach gewesen, wo die Wartburg steht. Vor der Pest fliehend, traf 1552 Katharina von Bora, die Frau Martin Luthrs, in Torgau ein, sie stürzte, brach sich das Becken und starb. Interessant. Hat nur leider wenig mit den Werken zu tun, die an diesem Abend aufgeführt wurden. Vielleicht empfiehlt es sich, die Paten vorher auf ihre Aufgabe besser vorzubereiten. Das Publikum wäre dankbar.

Heute Abend geht es weiter, täglich ab 20 Uhr bis zum 23. August. Und jedes Konzert beginnt mit der Festivalhymne. Jeden Abend in einer neuen Variation des jeweiligen Orchesters. Manfred Trojahn aus Deutschland hat die Hymne 2009 komponiert. „Abendstraßen“ ist der Titel. Ich habe sie gestern zum ersten Male gehört, und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Zu wenig Hymne. Aber mal hören, vielleicht ändert sich im Laufe der nächsten Konzerte noch meine Meinung.

Ansonsten gilt: Es gibt an der Abendkasse immer noch Karten.

Young Euro Classic sollte man nicht versäumen, ein Sommererlebnis der besonderen Art.

Ed Koch

  
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